Aber das ist ein anderes Thema.
Wenn die Ursachen für euer Problem ein anderes Thema sein sollen, dann ist wohl auch eine nachhaltige Verbesserung nicht in Aussicht?
Wenn es dich tröstet, ihr seid nicht allein mit diesem Problem, dass jahrelang der Nachwuchs, damit meine ich Spieler und Trainer vernachlässigt wurden. Selbst im Seniorenfussball gab es kein gelebtes Konzept, sondern man schaute nur von Saison zu Saison. Immer unwichtiger wurde es dabei, ob Spieler und Trainer dieser Mannschaft überhaupt eine Affinität zum Verein besitzen oder eben doch nur Söldnercharakter besitzen, sodass sie dem Verein mittelfristig gar nicht weiterhelfen. Denn sobald die "Kriegskasse" leer ist und auch Sponsoren kein Geld mehr für auswärtige Spieler ausgeben wollen, gehen immer mehr Lichter im Verein aus. Denn dieser Erfolg war nur auf Pump. Es lassen sich kurzfristig keine sportlich und finanziell machbaren Veränderungen einleiten, weil eigene Spieler wie Trainer bereits seit Jahren lediglich als Beitragszahler verstanden wurden.
In den Wintermonaten gibt es Seminare für Jugendleitungen, in denen es genau um die Frage geht, wie man ehrenamtliche Mitarbeiter anwirbt. Schaut man sich deren Konzept an, so erkennt der DFB zwar, dass die Lasten im Nachwuchsbereich auf viele Schultern getragen werden müssen, aber ein nachhaltiges Konzept, wie ein Verein gute Trainer bekommt, ihre Fähigkeiten im Verein weiterentwickelt, hat auch der DFB nicht! Wie auch, wenn selbst im Profibereich fast keine Trainerentwicklungsarbeit stattfindet, sodass die Stühle von Trainern und Sportdirektoren immer häufiger neu besetzt werden.
Das System krankt daran, als dass die Forderungen des Vereins in keinem guten Verhältnis zu den Forderungen der Trainer stehen.
Das Herz für einen Verein teilt sich in sportlicher und finanzieller Anerkennung für die geleistete Arbeit. Ein Klassendenken, wonach die 1. Senorenmannschaft alle Rechte besitzt und der Rest sich die Pflichten teilen soll, muß überwunden werden, wenn ein Verein noch eine Zukunft haben will.
Es gibt hier und dort gute Konzepte für die Nachwuschausbildung. Aber wo gibt es Konzepte für eine gute Trainerausbildung?
Hier mal einige Gedanken dazu:
1. Ab C-Jugend Spieler fragen, ob sie als Co-Trainer in den unteren Jugendbereich erste Erfahrungen sammeln möchten.
Ihre Mühe sollte selbstverständlich angemessen entschädigt werden. Ansonsten zeigen ihm die Kameraden, die für ein paar Kisten im Supermarkt oder Werbung austragen sich ein paar Euro hinzu verdienen, einen Vogel! Für einen lauwarmen Händedruck allein gibt sich niemand langfristig große Mühe. Wenn er dann mitbekommt, dass der Seniorentrainer und seine Spieler, die eigentlich genauso viel Spaß beim Fussball haben dürften, zusätzlich fürstlich bezahlt werden, dann ist sowieso Schluß mit Lustig, weil sich niemand gern verar.. en läßt! Den heutigen Jugendlichen kann man nichts mehr vormachen, weil sie sich über die sozialen Medien weitaus mehr austauschen und so die Chance hat, sich zu informieren.
2. Verein bildet Junior-Trainer fortbilden
a. vereinsinterne Fortbildungen durch qualifizierte Trainer
b. vereinsgeförderte Fortbildungen zu den DFB-Kurzseminaren
c. vereinsgeförderte Fortbildungen durch DFB-Trainerlizenzen
d. vereinsgeförderte Fortbildungen durch die Entsendung zu höherklassigen Vereinen (z.B. NLZ), um dort modernes Training und Mannschaftsführung in der Praxis kennenzulernen
e. vereinsgeförderte Trainerfortbildungen durch Übernahme höherklassisiges Team im Verein
f. Gemeinsame Veranstaltungen (Events) als Dank für die geleistete Arbeit.
Fazit: Nicht allein die Frage, wie man überhaupt geeignete Trainer für den Verein bekommt, ist des Rätzels Lösungen, sondern es ist ebenfalls zu klären, wie man sie weiterentwickelt, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie gern bleiben und zum sportlichen wie gesellschaftlichen Erfolg des Vereins dauerhaft beitragen.
Die Verteilung der Aufgaben auf viele Schultern ist dabei ein wichtiger Faktor, damit jedem Mitglied seine Arbeit Spaß macht. Die angemessene Aufwandsentschädigung für die privaten Ausgaben und die Mühen sind als Lob zu verstehen, weil sie allein mit Geld gar nicht aufzuwiegen sind und weil sie Teil des Zusammengegehörigkeitsgefühls bilden sollten.
Natürlich sollten auch die Mitgliedsbeiträge an den Leistungen angemessen erhöht werden. Wie schon richtig gesagt wurde, lassen es sich Eltern durchaus Geld kosten, wenn dafür die Leistung stimmt! Hier hat der Verein eine gewisse Bringschuld gegenüber den Eltern, sodass Eltern aufgrund der Rahmenbedingungen gern auch bereit sind, Mühe und Zeit zu investieren, weil sie ihn als ihren Verein erkannt haben, gern dort ist, um Freunde zu treffen.
Es wäre an dieser Stelle zu lang und auch nicht das Thema, wie man Eltern als wichtige Partner für den Verein gewinnen kann. Jedoch ist es unerlässlich, sie mit ins Boot zu holen, um mit ihnen gemeinsam Ziele erreichen zu wollen.
Der Verein muß sich um bessere Rahmenbedingungen für den Nachwuchsbereich bemühen und sollte im Seniorenbereich in der Liga spielen, die zum Verein paßt. Ferner sollte die fianzielle Planung strickt zwischen zuverlässigen Einnahmen und Spenden bzw. Sponsorengeldern trennen, um zu einer seriösen Budgetplanung zu gelanden. Damit Anspruch auf externe Fördergelder erworben werden können, müssen diese an nachhaltige Konzepte gebunden sein.