Günter
Na, das ist ja mal eine Ergänzung! MichaMittelfeld wäre sonst sicher mit der Korrektur gekommen!
Aber welchen Einfluß hat das jetzt auf diese Diskussion? Die Einwände, die Situation differenzierter zu betrachten, ist sicherlich richtig. Gerade deshalb ist dein Einwand, das bei euch fast alles ruhig ist und du immer alles unter Kontrolle hast doch kein Argument für andere Zustände in anderen Gebieten?
Gehen wir deshalb mal auf die Punkte von Ralf ein wenig ein:
1. Wir verlieren im Jugendspielbetrieb auf Kreisniveau immer mehr Mannschaften ab der D-Jugend
dafür:
- weniger Kinder im Einzugsgebiet des Vereins
- Kinder entdecken anderes Hobby, was ihnen mehr Spaß macht
- fehlender Spaß liegt teiweilse an falschen Zielsetzungen und nicht altersgerechtem Training aufgrund nicht oder unzureichend ausgebildeter Trainer im unteren Jugendbereich
- Wegzug bzw. Vereinswechsel
- Sonstiges
Einen Teil dieser Abgänge können wir durch geeignete Maßnahmen korrigieren. Jedoch bestehen Zweifel am Willen, wenn man sich bei Tipps von erfahrenen Trainer auf den "Schlips" getreten fühlt oder sogar meint, wenn Fortbildung gefordert sei, dann solle man doch besser den Krempel hinwerfen! Fast in jedem Verein gibts erfahrene und gute Trainer, die ein offenes Ohr für ihre unerfahrenen Kollegen haben. Der Weg dorthin ist nicht weit! Man muß nur über einen winzig kleinen Schatten springen.
2. Wir verlieren auf Kreisebene immer mehr Seniorenteams
- weniger Jugendliche im Einzugsgebiet des Vereins
- Folge des Desinteresses der Vereinsverantwortlichen an der Jugendarbeit
- Bevorzugung auswärtiger "fertiger Spieler" vor dem eigenen Nachwuchs aus der Jugend.
- Sonstiges
Wenn die Kassen geplündert sind, lassen sich diese Fehlentscheidungen im Seniorenbeeich nicht kurzfristig durch eigenen Nachwuchs kompensieren
Hier fehlt es an einem Konzpt zur Vereinsführung, weil Saisonziele langfristigen Zielen zur Förderung des gesamten Vereins vorgezogen werden. Der Verein wird zum Selbstbedienungsladen zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten. Es mangelt an Fachkompetenzt als Entscheidungshilfen. Sponoren beanspruchen das Recht für sich, in die Entscheidung für die Verwendung der Vereinsgelder einzuwirken. Diese Einwirkung kann sich nachteilig für andere Bereiche des Vereins auswirken. Zwar gibts vom DFB und den Verbänden ein Angebot zum Vereinsmanagement. Aber da gehen leider meistens nicht die obersten Entscheidungsträger hin. So verpufft das Know-How in den Vereinen.
3. Wir verlieren auf Kreisebene immer mehr Schiedsrichter
- keine praxinahe Ausbildung
- unzureichende Unterstützung und Kontrolle durch Schiedsrichterobmann bwz. -ausbilder
- schlechetes Schiedsrichterimage (muß häufig als Schuldiger bei drohenden Niederlagen herhalten), weil nur selten positive Nachrichten
Der DFB und die Verbände haben sich dieser Aufgabe dadurch entledigt, als das sie von den Vereinen, die ihre Größe entsprechend zu wenig Schiedsrichter ausbilden lassen, Geldstrafen auferlebt.Wenn man meint, der Schiedsrichter gehört zum Spiel, dann muß da ein bißchen mehr kommen, als der Hinweis, dass bei Schiedsrichterbeleidigung ein Stadionverbot droht. Diese Aufgabe sollten sich eigentlich auch die Verantwortlichen der Heimmannschaft stellen, statt die Verantwortung dafür auf den Schiedsrichter abzuschieben.
Und obwohl fast jeder zweite Jugendschiedsrichter während seiner 1. Saison aufhört, schrillen nirgends die Alarmglocken. Scheinbar gibt es auch die Kassenlage her lieber eine Strafe zu zahlen, anstatt sich mit Unannehmlichkeiten, die das eigene Image nicht verbessern, zu beschäftigen.
4. Wir verlieren grundsätzlich immer mehr Ehrenamtler
- unterschiedliche Bewertung und fehlendes Lob für die Übernahme von Ehrenamtsarbeit
- fehlende Einweisung und Unterstützung durch Vereinsverantwortliche
- andere Freizeitangebote werden attraktiver
- Familienstruktur verändert sich (es gibt mehr kinderlose Paare)
- Sonstiges
Obwohl die Gründe längst bekannt ist, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Ehrenamtliche für die Vereinsarbeit zu gewinnen und zu halten, erfolgt vielfach keine Anpassung an die Interessen der Ehrenämtler.
Zwar hat sich die Vereinshierachie nicht wesentlich verändert, jedoch ist festzustellen, dass immer weniger Mitglieder an der Generalversammlung) teilnehmen. Mag manchmal sogar gewollt sein, um sich vor unangenehmen Fragen zu drücken. Das Motiv einer geringen Mitgliederbeteiligung ist auch zu erkennen, wenn diese Termine bewußt in die Ferien gelegt werden. Würde man die Beschlußfähigkeit z.B. auf 50 % der Mitglieder festlegen, gäbe es vermutlich sehr viel weniger einseitige Entscheidungen in "stiller Runde"!
Aber auch dann darf man die Probleme einer wirksamen Kontrolle der Verreinsaufgaben nicht unterschätzen. So werden die "Kassenbücher" meist lediglich nach buchhalterischer Korrektheit geprüft, nicht jedoch nach der Korrektheit seiner Verwendung. Auch kommt es immer wieder zu Phasen, in der Vereinsgelder mit ein wenig krimineller Energie veruntreut, bzw. unterschlagen werden. Nur selten werden solche Fälle bekannt, weil man sich trotz des entstandenen Schadens keine Blöse geben will.
Leider hat der Geldregen durch die Zunahme an finanziellen Mittel längst nicht überall den gewünschten Effekt gehabt, sondern den Verein in eine Sonnen- und eine Schattenseite zerteilt. Aufgrund des demografischen Wandels kommt jedoch immer mehr Schattenfläche hinzu und die Probleme bedürfen einer differenzierten Betrachtung und Lösung. Ein "Weiterso" wird bei den kleinen Vereinen schon bald "blühende Wiesen" erschaffen, über das sich Kühe, Schweine und Schafe freuen dürfen.
Leider sehe ich auch die große Gefahr, dass man trotz wachsender Probleme weiterhin versucht, diese auf die jeweils anderen Interessensgruppen abzuwälzen, statt im Rahmen einer interdisziplinäre Aufgabe seinen Teil zur Verbesserung des Vereins beizutragen.