Ralf
Dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu, dass sich eine gute Idee nun auch international durchsetzt. Ich habe mir mal den Flyer durchgelesen und darin ein paar Punkte gefunden, die mir fast noch besser gefallen, als das Original.
1. Fair Play Kompetenz
Durch die gewählte Überschrift wird klar, dass es um einen fairen Wettkampf geht! Nicht Sieg oder Niederlage sind der Maßstab, sondern allein die Fairnes regelt das System. Narzistisches Gedankengut, wonach der Sieg mit einer Vernichtung des Gegners oder die Niederlage als kollektive Schande anzusehen ist, verschwinden aus den Fussballstadien.
2. Zuschauer wirken aktiv an der Außenbahn mit, dass nach den Fair-Play-Regeln gepspielt wird.
Wie du immer wieder betont hast, trägt Jeder Verantwortung. Dazu zählen auch die Zuschauer. Auch hier im Forum beschweren sich Trainer und Eltern, dass sich andere Zuschauer daneben benehmen. In der Aufforderung, selbst Verantwortung dafür zu unternehmen, dass sich eigene oder gegnerische Zuschauer fair verhalten, wird auch die Verantwortung dafür an Jedermann, der daran teilnimmt übertragen. D.h. wer es mit Gleichgültigkeit trägt, macht sich mitschuldig, wenn gegen Fair Play verstoßen wird. Mit der Übertragung der Kompetenz (Competetie) erhält jeder Teilnehmer den Auftrag, für Fair Play zu sorgen.
3. Warum nur für den untersten Jugendbereich Fair Play
Es ist gut, dass wenigstens die Kleinsten noch "Welpenschutz" genießen. Aber warum hat der Fussball im weiteren Jugend- und Seniorenbereich eine solche Entwicklung genommen, dass man es schon in Risikospiele und solchen, bei denen ein normaler Polizeieinsatz genügt, unterteilen muß? (Bremen läßt grüßen! Der DFB hat unverzüglich reagiert, in dem er dort keine Länderspiele mehr austragen lassen will!) Ist KiFu oder Fair Play Competentie nicht vielleicht doch nur eine faule Ausrede wie: "wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass"? Denn wenn danach wieder Blut auf und neben dem Platz fließen soll, was haben wir dann an Einsichten gewonnen? Müssen dort nicht sogar an oberster Stelle "Köpfe ausgetauscht" werden, dammit der Fussball ein anderes Selbstverständnis annimmt? Wenn "football is coming home" nur belächelt wird und gegen "wer die Musik bezahlt, der bestimmt sie auch .." ausgetauscht wird, hat man dann die Komeptenz des Fussball nicht an die Sponsoren abgetreten, die ihn als Spielzeug ihre eigenen Interessen nutzen?
Fast jeder Zuschauer bekommt eine Gänsehaut, wenn das Lied "you never walk alone.." aus Tausenden von Kehlen erklingt! Was ist so also falsch an der Fan-Unterstützung des eigenen Teams, die sich nicht gegen die des gegnerischen Teams richtet? Gelingt es, nach der Einführung von KiFu und Fair Play Competentie den Fairness-Gedanken zurück zu gewinnen oder entzweien die Machtinteressen der Sponsoren die begeisterten Fussballanhänger ganz und gar? Darf sich der Fussball auch bei uns wieder zuhause fühlen ("football is coming home") oder geben wir die Verantwortung an die Medien und Sponsoren ab! Denn für die Presse lohnt sich eine Schlägerei am Rande eines Fussballspiels, weil sie darüber berichten können! Auch Sponsoren wollen volle Stadien mit Randale, weil sie dabei an den Fäden ihrer Marionetten ziehen dürfen. Denn längst entscheidet nicht mehr der Verein, wer das Team trainiert oder wer für die sportlichen Belange zuständig ist! Es sind die Sponsoren, die sich über ihr Geld in die Vorstände wählen lassen!
Nirgendwo in der Fussballbilanz des Vereins läßt sich erkennen, dass Fairplay oder Spaß nachhaltige Erfolgsfaktoren für den Fussball sind! Was mag in einem C-Jugendspieler vorgehen, der ein taktisches Foul im Mittelfeld begeht und dafür die Gelbe Karte bekommt? Freut er sich, die Anweisungen seines Trainers zum Foulen befolgt zu haben oder ärgert er sich über die Gelbe Karte, die bei Wiederholung den Platzverweis bedeutet?
Genau in dieser Zwickmühle steckt das Fairplay: foulen ist zwar verboten! Wenn aber das Team gewinnt, was gezielt (taktisch) gefoult hat, das Spiel gewinnt, so fragt doch hinterher niemand danach, warum das Spiel letzendlich gewonnen wurde!
Da müßte man schon die Fußballregeln ändern, wonach ein taktisches Foul ein Feldverweis bedeutet, da es nicht zufällig und spontan geschieht, sondern nach taktischen Regeln erfolgt. Dabei spielt der Vorsatz und nicht allein die Schwere der Verletzung eine Rolle. Auch müßten Trainer und Verein, unter deren ausdrückliche Genehmigung taktische Fouls geschehen, ebenfalls bestraft werden. Unter den heutigen Schiedsrichterregeln ist ein Team, welches keine taktischen Fouls begeht, entweder dumm oder sportlich so hoch überlegen, dass es taktische Fouls nicht nötig hat!
Es mag auf den ersten Blick seltsam klingen, aber jede Fairplay-Diskussion scheitert an der Frage, ob Fouls eine Regelwidirigkeit darstellen oder sogar erwünscht sind! Sind sie erwünscht, so stellt das Fairplay eine Alibifunktion da, weil die Regeln ausschließlich für den Bambini und F-Jugend gelten, für den sich kaum ein Vereinsverantwortlicher interessiert und wenn, dann vielleicht mitleidig "die haben noch Welpenschutz" beschmunzelt!