Günter
Ich denke mal, viele User hier können sich nicht den Unterschied des "pseudo-professionellen" Umgangs mit Kindern im unteren Jugendbereich eines NLZ vorstellen?
1. Auswahl des Trainertyps
Typisches Merkmal des gewünschten Trainertyps ist seine Durchsetzungsfähigkeit und den unbedingten Willen zum Siegen. Bei den Mitteln ist man da nicht so wählerisch. Das Training wie auch die Spiele kann man sich wie Unterrichtsstunden vorstellen. Allerdings nicht wie moderne, sondern eher wie die früheren Drillmethoden, bei denen der Fussballlehrer wie ein Derwisch dann alles kommentiert, wenn das Team auf der Verliererstraße steht. In der Halbzeitpause wird zunächst das Team, aber insbesondere einzelne Spieler nieder gemacht. D.h. die Halbzeitpause wird zur Gehirnwäsche genutzt: Dabei gibt es den Trainertyp: je lauter desto besser und den Fiesling, der seine Position dazu ausnutzt, um den Jungs Gemeinheiten (".. unser Muttersöhnchen hat mal wieder ..." . Weil es gerade in diesen NLZ besonders ehrgeizige Eltern gibt, werden derlei Charaktermerkmale dieser Trainer häufig gutgeheißen. Hinzu kommt, dass alle glauben, wenn nicht sofort etwas Gravierendes und Dramatisches geschieht, dann ist alles gelaufen!
2. Zusammenstellung der Mannschaft
Weil das NLZ mit seinen Namen locken kann, wird das Beste des Jahrgangs aus den umliegenden Vereinen abgeworben. Und weil man lieber sofort, als später gewinnen will, nimmt man sich am besten Spieler des älteren Jahrgangs, die in den ersten Monaten des Jahres geboren sind. Damit hat man gleich mehrere Vorteile für sich.
1. Man profitiert von der guten Ausbildung in anderen Vereinen
2. Man hat nur Spieler, die den meisten anderen Gegnern aufgrund ihres Alters geistig und körperlich ein Stück voraus sind
3. Man schwächt durch die Abwerbung der Leistungsträger die Teams, gegen die man anschließend spielt
Problematisch wird es jedoch, wenn man in Turnieren gegen:
1. gegnerische Teams mit ausserordentlich talentierten bzw. jahrgangserfahrenen Trainern besetzt sind, weshalb sie einen schnelleren Entwicklungsprozeß im Team gewährleisten können
2. andere Vereine bzw. NLZ ihre Teams nach den unter Pkt. 2 beschriebenen Methoden zusammenstellen
Während in den normalen Dorfvereinen in der E-Jugend der Erfolg eines Trainers schon deshalb nicht allein über den Tabellenrang definiert wird, weil es meistens sowieso keine Alternative für diesen Trainer gibt, kann man das NLZ vielfach auch als Haifischbecken für junge, aber besonders ehrgeizige Trainer beschreiben. Dort sollte man nicht allzuhäufig verlieren. Und wenn, dann sollte die siegreichen Gegner schon aus Vereinen stammen, die selbst einen großen Namen tragen. Obwohl der untere Jugendbereich eigentlich dazu dienen soll, den Spielern Spaß am Fussball zu vermitteln, werden dem Trainer darüberhinaus Saisonziele vermittelt, die man von ihm erwartet. Erreicht er diese nicht und gibt es keinen besonderen Hinderungsgrund, dann wird auch er durch einen ehrgeizigeren Kollegen ausgetauscht.
Mit mittelfristigen Ausbildungszielen hat dies nur am Rande etwas zu tun, weil es hier auch unter den Spielern ein stetig wiederholender Selektionsprozeß gibt. Kommt ein Besserer (zum Probetraining), fliegt ein Schlechterer raus. Der ständig nervöse Daumen wird meistens von den Vorgesetzten als positives Merkmal von Entscheidungsfreude angesehen. Sollte nach dem Trainerwechsel ein noch geringerer Erfolg eintreten, wird eben noch mal gewechselt, bis der Trainer die Vorstellungen erfüllt. Eine Kontinuität für die Trainerausbildung ist dort aufgrund der kurzfristigen Ziele nicht zu erwarten. Im Gegenteil: es wird erwartet, dass man sein Privatleben dem Fussball unterordnet. Nur die wenigsten durchstehen diese Tortur und dem Druck, sich innerhalb kürzester Zeit weiterentwickeln zu müssen, um noch erfolgreicher und siegreicher zu sein als die Trainerkonkurrenten. Hinterfragt werden weder die Methoden der NLZ noch das Interesse der Trainer an einer eigenen Fortentwicklung unter diesen Bedingungen.
Wer es gut mit sich meint und dauerhaft Spaß an der Trainerarbeit erwartet, der sollte sich am besten gar nicht für einen Job im unteren Jugendbereich eines NLZ antun. Denn die entscheidenden Phasen der Weiterentwicklung finden erst im mittleren und oberen Jugendbereich statt. Erst dort gibt es Ausbildungsziele und eine kontinuierliche Förderung der Trainer wie der Spieler mit zuverlässigen und altersgrechten Rahmenbedingungen.
Zum Vergleich bieten die Verbände und der DFB für diesen Altersbereich (beginnend ab der F-Jugend in der Kreisauswahl) zusätzliche Fördermaßnahmen an, die das Ziel einer Ausbildung besitzen und bei denen die Ergebnisse lediglich mittelfristige Bedeutung haben. Zusätzlich werden diese Trainer kontinuierlich geschult und deren Arbeit überwacht. So kann sichergestellt werden, dass nicht kurzfristige Saisonziele eine höhere Priorität erlangen als die Ausbildung. Wenn dort hervorragende Trainer einen besonders guten Job machen, dannn stehen ihre Teams wiederholt in den Vergleichswettbewerben der Verbände und des DFB wiederholt sehr weit oben, sodass hier kein Widerspruch zwischen Sieg und guter Trainerarbeit vorliegt.
Wie bei den Spielern sollten die Lehrjahre junger, ehrgeiziger Trainer besser im Heimatverein stattfinden. Wenn man dann genügend Erfahrungen gesammelt hat und der Spaß an den Aufgaben stetig zugenommen hat, mit einer soliden Traineraus- und fortbildung gekoppelt ist, dann sollte man sich bei den umliegenden NLZ bewerben.
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Wie bereits angedeutet, scheint es dem Thread-Ersteller weniger um die Halbzeitansprache generell zu gehen, sondern wie man diese günstige Gelegenheit nutzen kann, um eine drohende Niederlage zu vermeiden. Hierbei wird er vermutlich besreits seine Enttäuschung erkannt haben, dass man die Dinge, die man nicht trainiert hat, auch im Spiel nicht erwarten kann. Bei den Kindern spielt sich wie bei den Erwachsenen auch der Fussball im Kopf ab, aber sie sind noch weniger dressiert und reagieren auf das Palaver ihrer Trainer höchstunterschiedlich. Jedoch dürfte bei den meisten Kinder eines E-Jugend-Teams das Androhen von härteren Maßnahmen wohl eher die Angst vor Fehlern die Leistungen in der zweiten Halbzeit mindern. Es sei denn, man fordert sie zu unfairem Spiel ("... der Ball darf vorbei, aber der Gegner nicht ..., ... Foul ist nur, wenn der Schiedsrichter pfeift ..., ... beim Aus immer sofort den Ball schnappen und nur dann abgeben, wenn der Schiri es sagt ..") auf! Wer als Trainer aber nicht mehr auf der Pfanne hat, als das, der sollte sich besser ein Hobby suchen, für das er besser geeignet ist!
Wenn man seinem Team während der Halbzeitpause etwas Gutes tun will, dann nutzt man die Zeit zur Regeneration, um sich in der zweiten Halbzeit wieder voll aufs Spiel konzentrieren kann. Eine Aufmunterung kann man mit 2 - 3 einfachen, klaren Hinweisen fürs Team und/oder einzelnen Spielern kombinieren. Weil jedoch nicht das gesprochene Wort, sondern die Mimik und Gestik das "fotografische Gedächnis" anspircht, sollte die positive Grundstimmung vom Trainer auf seine Mannschaft transportiert werden.
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Antizyklische Mannschaftsführung
Wenn man das Training als Zeit zum Üben (vermitteln und verfeinern von Fähigkeiten) versteht und das Spiel als Möglichkeit die im Training erworbenen Fähigkeiten auszuprobieren, dann ergeben sich daraus relativ klare Zeiträume für bestimmte Traineraufgaben. D.h. im Training gilt es zu erklären und im Spiel gilt es die Details zu beobachten, um den kontinuierlichen Entwicklungsprozeß seiner Spieler effektiv zu begleiten. Diese Aufgabe ist schon deshalb eine außerordentlich große Herausforderung, weil sie jedes Spiel anders entwickelt. Wer jedoch Spaß daran hat mit allen möglichen Überraschungen konfroniert zu werden, der wird den Trainerjob lieben. Wer Überraschungen hasst, weil er ein Perfektionist ist, der wird zumindest im Kinder- und Jugendfussball nicht auf seine Kosten kommen.
Leider, das fällt mir auch hier im Forum auf, wird viel zu wenig über den Spaß der Trainer gesprochen, denn die Freude daran setzt viel mehr Kräfte am Erfolg frei, als die Angst vom dem Mißerfolg!
Man kann aus Niederlagen nicht sehr viele Schlüsse als Trainer wie als Spieler gewinnen. Außer der Erkenntnis, dass vieles von dem, was man sich vorgenommen hat, nicht funktioniert hat, bleibt kaum etwas Nützliches hängen. Hier besteht die Aufgabe des Trainers darin, das Selbstvertrauen seiner Spieler zu stärken und die noch nicht im Spiel zuverlässigen Abläufe im Training mit geeignenten Schwerpunkten zu üben.
Hingegen gibt es nach Siegen deutlich mehr Erkenntnisse, wenn sie gegen Gegner auf "Augenhöhe" erzielt wurden. Hierbei kann man seinen Spielern verdeutlichen, was erfolgreich war und auch zukünftig unter bestimmten Bedingungen sein wird! Hier ergibt sich zwangsläufig Möglichkeiten, sein Team effektiv und schnell weiterzuentwickeln.
Wer noch auf seinen Erfolg wartet, der sollte die Zeit der Ruhe und Muße nutzen, um sich zunächst ein stückweit von seinen aktuellen Sorgen und Nöten zu distanzieren und einen größeren und sich besseren Überblick auf die Vergangenheit und Gegenwert verschaffen. Denn nur dann, wenn er die Details erkennt, die weiter optimiert werden können, kann er gemeinsam mit seinen Partnern erfolgreicher sein.