@moicio
Leider ist es nicht neu, dass sich TW-Fehler beim Spielaufbau fortsetzen, wodurch der Gegner manchmal leichtes Spiel hat, in Ballbesitz und dann zu guten Torchancen zu gelangen.
Wie ich aus deinem Beitrag entnehmen kann, gibt es das Problem sowohl bei ruhenden Bällen (Abstoß), wie auch bei Pässen und Abschlägen.
Hierfür kann es eine Reihe von Ursachen geben:
1. Ruhende Bälle
Der TW wartet sehr (zu) lange und orientiert sich auch nicht an den Laufwegen seiner Abwehrspieler für ein schnelles, präzises Paßspiel
2. Ballverarbeitung
Auch hier unterteilt der Keeper den defensiven Job (Ballan- -auf- oder mitnahme) und Spieleröffnung (Paß, Wurf, Abschlag) in 2 unabhängige Aktionen.
Variante A:
Der TW stoppt den Ball und spielt ihn erst, nachdem er sich einen Überblick über die Positon seiner Mitspieler gemacht hat
Variante B:
Der TW nimmt den Ball auf und verschafft sich danach einen Überlick, um dann den Ball ins Spiel zu bringen.
Fazit:
Der Torwart (und vermutlich ein Teil der Abwehrspieler) schalten nach der Balleroberung erst einmal ab, um sich danach wieder auf das Spiel zu konzentrieren. Sie geben dabei dem Gegner (der nicht abschaltet) genügend Zeit, um einen sicheren Spielaufbau zu unterbinden.
In einem anderen Thread wird gerade darüber diskutiert, was ein guter TW-Trainer können sollte. Hier zeigt sich, dass der TW beim Spielaufbau nicht mehr mit den traditionellen Fähigkeiten eines Torlinienschnappers auskommt, weil der Gegner die Zeit bekommt, die Paßwege gut zuzustellen.Wenn der Torwart nicht zügig (also nicht überhastet) eine gute Spieleröffnung anwendet, verpufft auch fast jeder Versuch eines Abwehrspielers sich freizulaufen, um anspielbar zu sein!
Ja, selbst ein schlechter, unpräziser Paß oder ein Anspielversuch an einen bereits unter Gegnerdruck stehende Defensivspieler bringt den Spielaufbau in Gefahr!
Wie siebener bereits sagte, nützt das Taktik-Reißbrett nichts, wenn der TW nicht gelernt hat, wie man eine gute Spieleröffnung gestaltet.
Aber es gibt gar keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Hab vor einiger Zeit bei einem C-Junioren-Regionalligaspiel erkennen können, dass der zunächst spielende Keeper des jüngeren Jahrgangs Schwierigkeiten hatte, schon bei der Ballannahme zu erkennen, wohin er den Ball weiterleiten kann. Beide Tore gingen so auf sein Konto. Als in der 2. Halbzeit der ältere Keeper das Tor hütete, konnte das Spiel binnen einer Viertelstunde gedreht werden. Denn der spielte zügig kurz, mittel oder lang. So war der Spielaufbau vom Gegner kaum zu lesen.
Dass man solche Situationen nicht gut trainieren kann, wenn man nur den Spielaufbau hast du ja schon gemerkt. Für das spielnahe Training fehlt die Balleroberung im eigenen Drittel bzw. torgefährlichen Raum und das schnelle Umschalten für den Spielaufbau.
Generell kann ich dir deshalb den Tipp geben, die Übungen nicht mit dem Torabschluß, sondern mit der Spieleröffnung weiterlaufen zu lassen. Denn in den weitaus überwiegenden Fällen geht der Ball nicht ins Tor, sondern es folgt die Balleroberung und der Spielaufbau.
Wichtige Hinweise sind:
1. TW
Soll sich schon vor Ballannahme überlegen, wohin er spielen will! Anspielbar sind generell ballnahme Mitspieler, die selbst nicht unter Gegnerdruck stehen
2. Defensivspieler
Sollen schon vor der Bannanahme durch den TW wissen, wohin sie sich freilaufen wollen.
Allgemein:
Ein Spielaufbau über die Außenbahnen ist in aller Regel deshalb sicherer, weil bei Ballverlust immer noch zentrale Abwehrspieler hinter den Ball kommen und so den Ball im fehlerhaften Spielaufbau meist zurück erobern können. Die Variante des vorstoßenden IV ist eher etwas für "Könner" und deshalb nicht so sehr für den Breitensport geeignet. Denn hier ist das Umschalten von aktiven Spielermodus ind den passiven Zuschauermodes häufiger zu beobachten. Man kann es leicht dadruch erkennen, das der Spieler seine Position dann nicht anpaßt.
Seinen Spielern das gleichzeitige Denken und Laufen beizubringen, das ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, die allein am Reißbrett nicht funktionieren kann.