@16aufmücken
Das 4 : 2 : 3 : 1 eignet sich sehr gut für die Umstellung auf ein "ballorientiertes Spiel", weil es bei einem einfachen Spielaufbau (miest über die Außenbahnen) individuelle Fehler verzeiht. Denn bei Ballverlust befinden sich immer noch die zentralen Abwehrspieler hinter dem Ball. Desweiteren läßt sich über die 4 Linien die Breite und Tiefe des Spielfelds sehr gut nutzen.
Mannschaftstaktik läßt sich das 4 : 2 : 3 : 1 als ein "neutrales System" beschreiben, bei dem die defensiven und offensiven Stärken sich ungefähr die Waage halten.
Bevor ich zum 4 : 4 : 2 komme, möchte ich noch ein paar Worte über das 4 : 3 : 3 verlieren. Beim 4 : 3 : 3 handelt es sich um eine besonders offensive Systemvariante, bei der 3 Angreifer in vorderster Reihe agieren. Weil die Offensive natürlich im torgefährlichen Raum am erfolgreichsten ist, müssen sie durch besonders offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler unterstützt werden. Damit die Abstände zwischen den Reihen nicht zu groß werden, muß auch die Kette hoch stehen und der Keeper vor dem 16-er lange Flanken des Gegners ablaufen können. Das 4 : 4 : 3 hat aufgrund der offensiven Ausrichtung dort seine Stärken, in der Defensive aufgrund des höheren Risikos seine Schwächen.
Kommen wir also zur defensiv ausgerichteten Variante des 4 : 4 : 2. Wer dieses System spielt, um aus einer kontrollierten Defensive heraus zum Torerfolg zu gelangen, der wird wenig Freude daran haben. Denn ähnlich wie beim 4 : 3 : 3 dürfen die 3 Linien nicht zu weit auseinander stehen. Selbst der Versuch, die Abstände durch eine Mittelfeldraute ein wenig besser kontrollieren zu können, wird schwierig, weil man dafür die Außenbahnen freigeben muß. In der Theorie ist die Rotation in der Raute zwar eine sehr effektive Variante, aber in der Praxis ist sie besonders schwer umzusetzen (Werder läßt grüßen)! Bleibt also die Möglichkeit, aus dem 4 : 4 : 2 heraus zu kontern. D.h. man zieht sich nach Ballverlust sofort in die eigene Hälfte zurück. Bei dieser tiefen Staffelung befinden sich die beiden Angreifer an der Mittellinie und die beiden 4-er Kette im Abstand von 10 - 12 Metern Tiefe dahinter. (schaut euch dazu mal Borussia Mönchengladbach an, die ins 4 : 4 :2 bei gegnerischen Ballbesitz wechseln) Bei Ballgewinn wird sofort diagonal in die Spitze gepasst. Die beiden Angreifer ziehen in ihren Laufwegen die gegnerische Kette auseinander. Mit 2 - 3 Spielzügen gelangt man so binnen weniger Sekunden vors gegnerische Tor. Diesen Überraschungseffekt kann man deshalb gut ausnutzen, weil die gegnerische Abwehr nur noch mit dem Gesicht zum eigenen Tor verteidigen kann und kaum Druck auf den Ball ausüben kann. Wer also meint, beim 4 : 4 : 2 würde lediglich "Beton angerührt" und auf "Unentschieden" gespielt, der erkennt das gesamte Potenzial dieser Variante nicht!
Kommen wir nun zur Frage einer Spielsystemumstellung? Um diese Frage zu beantworten, muß man sich mit den gewünschten Zielen auseinander setzen. Natürlich ist die Jugendzeit auch die Zeit der Ausbildung. Dabei soll zunächst in die Breite (jeder darf auf jeder Position spielen) und dann in die Tiefe (Positionsausbildung ab der U 17) verfeinerte Kenntnisse zu vermitteln. Da man eine Position jedoch immer nur in Relation zu anderen Positonen verstehen kann, gehören auch gruppen- und schließlich mannschaftsgebundene Varianten dazu. Wieviel davon vermittelt werden kann, hängt nur zu einem Teil von den trainerischen Fähigkeiten ab. Es hängt vielmehr von den Fähigkeiten sowie der Übungszeit in den Trainingseinheiten ab.
Grundsätzlich halte ich es für möglich, auch ein 4 : 4 : 2 zu vermitteln, wenn ein 4 : 2 : 3 : 1 bereits gut von der Mannschaft verstanden wurde. Allerdings braucht es selbst dann Zeit, bis die veränderten Aufgaben verinnerlicht sind. Es gibt auch generell keinen Widerspruch zwischen einem erfolgreich gestalteten Spiel mit unterschiedlichen Taktiken. Noch vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: laßt die Finger davon! Aber die Jungs kommen immer besser ausgebildet in den oberen Jugendbereich. Man sollte als Trainer die jeweiligen Vor- und Nachteile der Systeme gut kennen, denn die Jungs sind keine Experimentierkaninchen, die man allein ergebnisabhängig steuert, sondern denen man die Zeit zum Lernen aus eigenen Fehlern, die aus der Position heraus entstehen können, geben muß. Perfektion darf man hier noch nicht erwarten!