Wo wir gerade bei Thema "Lehrer" sind, hier eine kleine Geschichte vom Dorf, auch wenn sie evtl. etwas off-topic ist:
Bei uns findet einmal im Jahr ein Hallenfußballturnier der 4. Klassen der örtlichen und dreier benachbarter Grundschulen statt. Gespielt wird jeder gegen jeden. Im letzten Jahr durfte ich die Mannschaft der Grundschule in unserem Ortsteil, in der einige meiner Spieler spielten so wie auch mein eigener Sohn, betreuen. Wir sind mit Abstand die kleinste Schule und haben das Turnier noch nie gewonnen, wurden fast immer letzter. Also war mein Ziel alle Kinder spielen zu lassen und dabei möglichst nicht letzter zu werden. Ich agierte also so wie auch im Verein, wechselte regelmäßig durch. Für die Kinder auch kein Problem, da sie es ja nicht anders kennen. Das erste Spiel gewannen wir, im zweiten lagen wir 1:0 zurück, als ich die beiden besten Spieler vom Feld holte, weil sie "dran waren". Mütter und Lehrerinnen auf der Tribüne wurde da schon nervös. Kurz vor Schluss wechselte ich die beiden wieder ein und sie schossen noch 2 Tore zum 2:1 Sieg. Nach dem Spiel auf der Tribüne musste ich mir dann anhören, warum ich es denn "unnötigerweise so spannend" gemacht hätte. Meine Frau erzählte mir u.a. nachher von folgenden Aussprüchen "Was macht Ihr Mann denn da? Warum wechselt der die Guten aus?", "Der mit seinem scheiß Gerechtigkeitssinn!" Das kam von einer Lehrerin bzw. einer Mutter, deren Sohn bei uns im Verein spielt und die Methodik eigentlich kennen müsste! Im letzten Spiel gegen die Dritte Schule, die ebenfalls beide Spiel gewonnen hatte, ließ ich dann die beiden besten durchspielen (ich wurde von Seiten der Lehrerinnen darum, nennen wir es mal, gebeten
), setzte aber gleichwohl alle Spieler ein. Am Ende gewannen wir "trotzdem" völlig unerwartet das Turnier.
In diesem Jahr war ich als Zuschauer anwesend, da der komplette jüngere Jahrgang meiner E1 und einige E2-Spieler dort vertreten waren. Diese waren allerdings ungleich auf die zwei örtlichen Schulen verteilt. In der Mannschaft der kleinen Schule in unserem Ortsteil spielte nur ein einziger Spieler. Der Rest der Mannschaft waren Kinder, die eigentlich kein Fußball spielen. In der Mannschaft der größeren Schule aus dem anderen Ortsteil spielten ausschließlich Kinder, die bei uns im Verein spielen und dabei noch die 4 oder 5 Jahrgangsbesten. Wie das ausgehen würde, war von vorne herein klar: unsere Schule würde Letzter werden, die Nachbarschule würde das Turnier gewinnen. So kam es dann auch. Interessant aber war dabei das Verhalten der Pädagogen, also der Lehrer, die die Teams betreuten. Die Mannschaft der größeren Schule hatte die Teams aus den Nachbargemeinden klar geschlagen, wohingegen unsere Schule beide Spiele gegen diese Mannschaften deutlich verloren hatte (0:5 und 0:8 ). Vor dem letzten Spiel der beiden gegeneinander, war das Turnier bereits entschieden. Unsere Mannschaft wurde von der Trainerin unserer U13-Mädchenmannschaft betreut, die auch bei totaler Unterlegenheit bereits alle verfügbare Spieler/innen eingesetzt hatte. Im Team der größeren Schule waren hingegen einige Spieler überhaupt noch nicht zum Einsatz gekommen, während die besten die beiden ersten Spiele durchgespielt hatten. Nur durch die massive Intervention einer Mutter, ließ die Lehrerin im letzten Spiel zwei Spieler zum Einsatz kommen, die bisher noch nicht gespielt hatten. Der mit Abstand beste Spieler des gesamten Turniers (auch bei mir in der E1 der beste Spieler) wurde aber wieder von Anfang an ins Team gesetzt. Zur Halbzeit nach 8 min. stand es bereits 5:0. In der Halbzeit wurde dann wieder gewechselt. Einer der beiden in diesem Spiel zum ersten mal eingesetzten Spieler, musste prompt wieder runter. Dafür kam ein besserer Spieler ins Spiel, der die beiden ersten Spieler bereits durchgespielt hatte. Der "Top-Spieler" blieb natürlich die volle Zeit im Spiel. So gab es am Ende ein 11:0. Die Lehrerin kam mit Stolz geschwellter Brust und mit dem "alles richtig gemacht" Blick im Gesicht zurück zur Tribüne. Da konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Die Sportlehrerin hat überhaupt nicht bemerkt, was sie da veranstaltet hat und war damit in bester Gesellschaft ihrer Kollegen von den anderen Schulen, in deren Teams es ebenfalls Spieler gab, die während des gesamten Turniers überhaupt nicht eingesetzt wurden.
Auf meine Frage, warum sie denn immer die Besten hätte spielen lassen, guckte die Dame mich aber sowas von verständnislos an, dass ich schon keine Lust mehr hatte, den Hintergrund meiner Frage zu erläutern. "Weil wir gewinnen wollten", war die kopfschüttelnde Antwort. Wahrscheinlich oder sogar ganz sicher hat sie gedacht "was ist das denn für ein Verrückter?".
Ganz offenbar kommen also selbst ausgebildete Pädagogen nicht von selber auch den Gedanken, worum es beim Kinderfußball geht.
Hier wird oft die Ausbildung der Trainer im Bezug auf das Thema KiFu bemängelt und dennoch hätten fast alle Trainer, sogar die schlechteren unserer Zunft, den ausgebildeten Pädagogen in dieser Hinsicht sicher noch etwas vorgemacht. Will sagen: die Erkenntnisse des KiFu kommen einem Trainer eben nicht von selbst. Das wissen die meisten hier wohl aus eigener Erfahrung. Es nutzt daher auch nichts, die "Ahnungslosen zu verdammen". Da hilft nur Aufklärung, Ermunterung und Hilfestellung, gepaart mit einem hohen Maß an Beharrlichkeit und hoher Frustrationstoleranz. 