Ich denke, man muss hier knallhart differenzieren, und zwar zwischen dem Leistungs- und dem Breitensport. Als Leistungssport definiere ich einfach mal alle Vereine (wie eben die Stuttgarter Kickers), die sich irgendwo dem bezahlten Fußball verschrieben haben (also schätzungsweise ab der 4. Liga) und somit stetig auf Talentsuche sind, um eigene langfristige Ziele umsetzen zu können.
1. Ich würde F-Jugendliche nie dem Bereich Leistungssport zuordnen, egal bei welchem Verein sie spielen!
2. Auch kleine Vereine betreiben langfristige Ziele, im Grundsatz sogar noch intensiver, da diese später kaum Zulauf von außen haben.
Und ich denke, dass, wenn ein "Talent" bestimmte Dinge, wie Passen oder 1 gegen 1, gut beherrscht, eben entsprechend eher zum nächsten (altersmäßig höheren) Schritt übergegangen werden sollte, da sonst daraus eine Unterforderung bzw. keine Weiterentwicklung resultieren könnte.
Mir kann keiner weiß machen, dass die U8 der Kickers schon "ausgelernt" sind, was die Ziele der F-Jugend angeht. Insofern gibt es auch keinen Grund bereits Ziele der E-Jugend intensiv zu trainieren. Klar kann man hier und da mal etwas einstreuen, aber das hier gezeigte Passspiel, ist das Ergebnis von intensivem Training. Ich verstehe nicht, welchen Sinn es hat, Ausbildungsziele derart massiv vorzuziehen. Es gibt keine Kinder, die mit 7 oder 8 im Punkto Ballbeherrschung, Dribbling, Zweikampf, Fintieren und Torschuß rechts wie links schon alles können.
Hier wird behauptet, dass sich die talentierten Kinder langweilen würden, wenn man keine Trainingsinhalte vorzieht. Soso. Und wie soll das weiter gehen? Langweilt sie in einem Jahr dann nicht auch das Passspiel? Und was kommt dann? Inhalte der D-Jugend? Und danach? Was passiert denn, wenn man jedes Jahr ein neues Ziel vorzieht? Sind die Kinder dann am Ende der D-Jugend fertig und können Profi werden? Oder müssen sie sich von da an nur noch langweilen, weil sie ja alles schon können?
Es wird immer so getan, als hätten gerade talentierte Spieler in der Ausbildung Zeit zu verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Spieler lernen sehr viel leichter als andere. Insofern besteht überhaupt keine Veranlassung sie mit immer neuen Trainingsinhalten zu hetzen und alles hinein zu trainieren, war gerade so rein geht.
Abweichung des altersgerechten Trainings: nur im Ausnahmefall, ausschließlich bei Vereinen mit "Talentepools"
Wieso nur bei Talentpools? Was für einen Spieler in einem Pool gilt, müsste doch auch für ein einzelnes Talent gelten. Müsste man dieser Logik folgend nicht auch mit einzelnen Talenten in einer ansonsten durchschnittlichen Mannschaft Übungsinhalte vorziehen? Sonst langweilt sich dieser Spieler ja...
Ich habe ebenfalls zwei sehr talentierte Spieler (Jg. 2002 bzw. 2001) in meiner Mannschaft. Die sind allen anderen technisch deutlich überlegen, haben ein ganz anderes Spielverständnis und im Gegensatz zu den anderen praktizieren sie auch bereits jetzt ab und an ein ordentliches Passspiel - aber von sich aus. Dennoch trainiere ich das nicht gezielt mit denen. Warum auch? Es entwickelt sich ja ganz natürlich und es gibt noch genug Dinge im Bereich Ballbeherrschung, Dribbling, Zweikampf, Fintieren und Torschuß, die man bei den beiden verbessern kann. Ich glaube einfach nicht, dass das bei der U8 der Kickers anders ist. Die sollen in diesen Bereichen alle schon perfekt sein? Niemals. Und so lange es in diesen Punkten noch Verbesserungspotenzial gibt, gibt es auch keinen Grund andere Inhalte derart intensiv zu trainieren. Allein aus der Tatsache, dass die Kinder das Passspiel schon gut erlernen können, leitet sich für mich noch lange kein Grund ab, es den altersspezifischen Inhalten vorzuziehen.
