Sir Alex ich bezweifle nicht, dass du ein "guter Trainer" bist! Nur ob man dies von sich selbst behaupten sollte, bleibt letztlich ein recht "schwammiges" Feld. Wie Andre schon sagt, sollte man die Beurteilung der eigenen Person in der Trainerfunktion anderen überlassen. Letztlich ist dies ja auch eine Frage der Sichtweise bzw. werden verschieden "gepolte" Betrachter den Trainer als solchen unterschiedlich bewerten.
Bis vor 12-15 Monaten hielt ich mich auch für einen guten Trainer - gemessen am hiesigen Kreismassstab in der von mir betreuten Altersklasse sogar für einen "sehr guten". Dies wurde mir auch von vielen Eltern, Vereinsmitgliedern und teils auch gegnerischen Trainern bestätigt! Doch woran machten die das fest, wo die meisten von denen gar nicht sahen, was meine Prioritäten beim Training waren?! Die schauten einfach nach dem, wie mein Team spielte und welche Ergebnisse es erzielte. Wegen teils starkem Abweichens von den Alterszielen meiner damaligen F und später auch E nahm mein Team im Kreis ein Gegner nach dem anderen auseinander - Pokale und Meisterschaften folgten im Saisonrhythmus....wir gewannen fast alles, was es zu gewinnen gab. Ich selber war damit natürlich auch zufrieden, hielt mich für einen "Guten"....suchte auch stetig nach Verbesserungen....damals noch im Sinne des Ergebnisses. Heute weiss ich, dass ich i.S.d. KiFu ein Schlechter war! ....Ansichtssache halt.
Ich möchte dir, Sir Alex, ein deratiges Handeln gar nicht unterstellen, ich kenne dich nicht....ganz im Gegenteil: Wer hier liest, dürfte zumindest zu 80% besser sein, als ich es damals war. Weil vieles von dem, was hier steht, Sinn macht und den Zielen des KiFu entspricht....auch wenn es hier und da verschiedene Ansichten/ Auslegungen gibt.
Was ich aber sagen will ist, dass
a) man aufgrund hirnrissiger Ansichten (Ergebnisorientierung, Abweichen von Alterszielen) in der eigenen/fremden Bewertung erheblich daneben liegen kann
b) der Grat zwischen eigener "guter" Bewertung, Zufriedenheit und daraus folgendem Stillstand sehr eng ist.
Wie gesagt: Das unterstelle ich hier Niemandem...mir kommt es lediglich auf die etwaigen Folgen derartigen Denkens an! Ich meine, dass man durchaus von sich überzeugt sein darf/muss, ohne dabei selbstkritisch mit sich selbst zu sein. Du, Sir Alex, hast geschrieben, dass du ein "Guter", aber nicht "perfekt" bist - offensichtlich bist du demzufolge auch selbstkritisch....leider sind das die meisten von denen, die hier nicht lesen, eben nicht....obwohl auch die sich für "gut" halten. Gemessen an dem, was ich heute weiss, kenne ich nur wenige "Gute" in meinem KFV - den größeren Teil dieser Trainer halte ich sogar, gemessen an der Altersklasse, für schlecht, mitunter für unfähig oder fehl am Platze.
Was das "Abweichen" von den Alterszielen betrifft, kann ich die hier vertretenen Positionen von Günter einerseits und Andre auf der anderen Seite sehr gut nachvollziehen - auch weil ich "beide Seiten" aktiv mitgemacht habe...wenngleich Günter "lediglich" von "situationsbedingtem" Abweichen spricht. Günter, was du sagst, kann sicher eine Lösung sein - Trainieren nach Leistungsständen innerhalb eines Teams (Leistungsgruppenbildung)....aber eben nur, wenn die "Leistungsstarken" weiterhin das vermittelt bekommen, was ihrer Altersklasse entspricht! Allein in der Umsetzung in der Praxis sehe ich da Probleme...6 trainieren hier und 6 andere da - das halte ich letztlich für Teamgeisthemmend! Du trennst damit Spreu und Weizen...die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen....du haust da innerhalb des Teams einen Keil rein, wie ich meine. Da muss man sich letztlich fragen, was man als Trainer will! Da finde ich den Ansatz von Andre - die "Schlechten" lernen von den "Guten" (und umgedreht!!!) - wesentlich besser, weil dieser Ansatz letztlich auch jedem was nützt...weil das Team dadurch homogener wird...die Schwachen werden aufholen, weil sie besser werden. In einem "Dorfverein" sollte dieser Gedanke bei jedem Trainer vorhanden sein, einschließlich der Beibehaltung der Altersziele....im Rahmen der Richtlinien des DFB.