Ich lese die ganze Disskussion interessiert mit, versuche die Inhalte auf mein Training zu produzieren, um zu hinterfragen, wie läuft es bei mir. Manchmal bin ich geneigt, etwas zu schreiben, dann lasse ich es, weil es irgendwo schon steht. Ich finde, ihr seht das alles viel zu theoretisch, zu idealistisch. Ich gehe mit Euch (in erster Linie wohl Andre und Ranwie) konform, dass man die Ausbildungsziele nicht verlassen sollte. Das denke ich aber, weil ich die Abfolge der Ziele selbst für sinnvoll erachte, denn wie ich glaube Basti schon schrieb, so richtig bewiesen scheint es ja nicht, dass die Reihenfolge defenitiv die richtige ist: angenommen ein kleiner Pimpf lernt erst das richtige Passen und dann das dribbeln, lernt es dann schlechter als umgekehrt? Aber ich finde die Reihenfolge erst dribbeln, dann passen besser, weil die kleinen wollen ja den Ball am Fuss, der Spass scheint so also eher garantiert, von daher erübrigt sich für mich die Disskussion an der Stelle. Für den Ausbildungszweck, den Ihr propagiert, könnte es aber auch egal sein, ob erst das eine und dann das andere, oder nicht? Ich beziehe mich damit nur auf den Trainingszweck, nicht darauf, mit der einen oder anderen Rangehensweise Spiele zu gewinnen. Mit den Trainingszweck komme ich auch zu dem Grund, warum ich jetzt auch noch meinen Senf dazu gebe. Ich habe eine absolut gemischte Mannschaft, wir sind zum großen Teil seit nunmehr 9 Jahren beisammen. Ich habe ein Stützpunkttalent, der dort groß aufspielt, ein paar sagen wir mal recht talentierte, die gut mit dem Ball umgehen können, fussballerisch sehr interessiert sind, die gut ausgebildet werden wollen und dazu aber auch "Schlachten schlagen wollen", sprich das Ergebnis ist sehr wichtig, ein paar gut mitspielende Kinder, denen Fussball nach dem Spiel oder Training auch wieder total egal sein kann und zwei-drei "antifussballer", die gerne und lange in dieser Truppe dabei sind, weil es Spass macht, die aber wohl nie Fussball wirklich gut spielen werden können. Jetzt nehme ich mal die Ausbildungsziele: Sie sollten in jungen Jahren nur dribbeln lernen, alles andere wäre egal. Wir sind aber nur eine Mannschaft pro Jahrgang, und wie geschrieben entwickeln sich alle sehr unterschiedlich. Was der eine an Dribbeln bereits fließend beherrscht, wird der andere nie lernen. Da kann ich noch so viel an zielgerechtem Training anbieten, das wird nix. Das heißt, ich komme nie an das Ziel, dass alle einen "Ausbildungsabschnitt" beherrschen. Nach Eurer Theorie müsste ich aber über einen langen Zeitraum immer nur ein und denselben Schwerpunkt anbieten. Das halte ich aber nur für eine homogene Mannschaft für wirklich produktiv (und das auch nur, wenn diese wahrscheinlich die ganzen Ausbildungsziele bei mir als Trainer oder beim übernehmenden Kollegen durchläuft), da diese dann auch entsprechende Steigerungen gemeinsam angehen kann. Ich habe für mich entschieden, über jedes Jahr alle Themen mit reinzunehmen, Dribbeln, Passen, schießen, und da sind wir sehr gut mit gefahren, denn in dem einen Jahr hat der eine Teil das umgesetzt bekommen, der andere nur mit Abstrichen, im nächsten Mal wurde aufgeholt. Für den einen ist es dann Wiederholung, der andere hat sich persönlich so gut entwickelt, dass er etwas hinbekommt, was letztes Mal gar nicht ging. Der eine konnte die richtige Fusshaltung beim Passen gleich beim ersten Mal übernehmen, der nächste kaut jetzt noch daran. Ich habe für mich zwar Schwerpunkte gesetzt, die sich auch mit den altersgerechten Zielen decken, ich sehe es aber als gar kein Problem an, auch das andere anzubieten. Problem sind immer nur die Trainer, die mit nicht altersgerechten Vorgaben versuchen, Spiele zu gewinnen. Ich denke, Ihr verrennt Euch zur Zeit hier im Forum ein wenig darin, alles in Ideale zu packen, auch gerne Mal unter dem Hinweis, dass hier auch zu bekehrende Trainer mitlesen. Wir haben es geschafft, lange zusammen zu bleiben, weil ich denke wir alles abdecken, der Schwache darf mit dem Stärkeren spielen, wir entwickeln uns über die Zeit an allen Themen, wir spielen auch schon mal große Liga, weil wir mal ein Training für Standarts "verschwenden", wir bedienen diejenigen, die "ausgebildet werden wollen" und auch die, die einfach nur alles mal machen wollen im Fussball. Wir orientieren uns an uns, an unserem Ehrgeiz, an unserem Spass und an unseren Stärken und Schwächen. Und da gehört auch dazu, wenn ich mal sehe, dass alle gespielten Pässe aufgrund der mangelhaften Ausführung ins irgendwo gehen, dies irgendwann mal wieder auf den Zettel zu nehmen und nicht zu warten, bis es dran ist. Sie wollen auch mal Pässe spielen, dann will ich ihnen doch auch zeigen, wie es richtig geht. Wenn ich immer nur den Ausbildungsleitfaden in der Tasche hätte...
So, jetzt habe ich meinen Senf auch mal zu diesem Endlostread dazugegeben, habe aber auch nicht gefragt, ob ihn jemand lesen möchte
