Rotation ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich mit den Eingangspostings überhaupt nicht klar komme.
Ist ja alles prima, "schwach" gegen "schwach" und "stark" gegen den "stark" spielen zu lassen, dafür gibt es von allen Seiten Schulterklopfen und bestätigt jeden Trainer in seiner Arbeit. Auch der schlimmste Trainer wird sagen: "Stimmt, funktioniert, ich mach das so!"
Dann schreiben wir noch schnell zur Ergebnisorientierung die Unterscheidung "gewinnen müssen" und "gewinnen wollen" und erreichen auch damit wieder jeden Trainer, auch die "Schlechten". Die "wollen" nämlich auch gewinnen und nach der Definition ist das ok.
Alle sind mit diesen Regelungen zufrieden und jeder legt sie für sich so aus, wie er sie haben möchte, nur ändern wir mit damit im Kinderfußball nichts, schön bequem. "Friede, Freude, Eierkuchen" überall und jeder macht so weiter wie bisher.
Günter beschreibt seine F- und E-Jugend, 13 Spieler alle zuverlässig, Eltern und Spieler konnten sich mit seinem "System" identifizieren, alle waren glücklich.
So wie bei Günter sieht es also aus im Kinderfußball, die sozialen Strukturen in den Teams sind überall gleich und die Eltern wollen nur eins: ihr Kind soll gewinnen und für den Sieg des Teams sind die Kinder, insbesondere in der F, bereit auf Spieleinsätze zu verzichten, alles andere ist Alibi-Kinderfußball.
Meine Erfahrungen sind da ganz andere und wenn man sich mal mit Eltern unterhält, werden die ersten Unterschiede deutlich. Sie insgesamt in den Erfolgsorientierten-Topf zu werfen, ist der größte Fehler. Oft sagen die Eltern nichts, um dem Kind nicht zu schaden und eigentlich wollen sie nur, dass ihr Kind spielt und glücklich beim Fußball ist. Aussagen wie: "Ich kann ja nichts ändern..." oder "..spätestens beim Schulwechsel hört unser Kind mit dem Fußball aus..." sind dabei nicht selten. Die Aussagen "lass die starken spielen, damit wir gewinnen" kommen von den Eltern dieser Spieler, oder hat das irgendwo schon einmal ein Elternteil eines "schwachen Spielers" gesagt?
Daraus jetzt ein allgemeingültiges Konzept zu erarbeiten wird nicht funktionieren, denn im Kinderfußball muss der Finger in die Wunde gelegt werden. Inhalte die jedem Trainer ermöglichen so weiterzumachen wie bisher, je nach dem wie er das auslegt, kommen zwar gut an, aber man muss sich auch mal reiben um wirklich etwas zu verändern.
Es gibt kein "so ist überall" und deshalb sind Regeln erforderlich, an die sich alle halten müssen. Wer diese Regeln nicht benötigt, weil alles fantastisch läuft, muss diese Kröte eben schlucken, zum Wohle des Kinderfußballs. Dafür bekommt er über Jahre Gegner, die auch etwas vom Kinderfußball verstehen.
Und noch eins: Natürlich wird Überzeugungsarbeit geleistet, ohne geht es ja gar nicht. Deshalb sind Günters Argumente auch nicht neu, sie sind Alltagsarbeit und die besteht zu 90% aus reden, sich beleidigen lassen, wieder reden. Wer aber nicht in der Lage ist konsequent zu sein und immer versucht Verständnis aufzubringen um Konfrontationen zu vermeiden, erreicht nichts.
Einige hier im Forum sind bereits auf diesen Zug aufgesprungen und helfen aktiv mit etwas zu bewegen, wirkliche Veränderungen anzustoßen. Es ist mühsam sich mit den komplett Uneinsichtigen herumzuschlagen und es ist anstrengend sich zusätzlich mit denen zu reiben, die das alles nicht benötigen, weil es bei ihnen gut funktioniert. Gerade die Letzteren wären wichtig, um die Anderen zu überzeugen, denn um die geht es.