Leider fehlt mir auch die Zeit, mich hier häufiger zu äußern, manchmal brennt es richtig in den Fingern. Mit diesen Diskussionen wird mehr ausgelöst, als hier zu erkennen ist.
Ich erhalte täglich Mails, die sich mit dem Thema "kindgerechter Fußball" beschäftigen. Leider ist nicht jeder bereit an einer "öffentlichen" Diskussion teilzuehmen. Die Stimmung ist, ich würde mal schätzen 50:50, bezogen auf den Status Quo (keine Tabellen, Rotation usw.).
Dieses Thema geht viel weiter und ist deshalb so wichtig. Wir schreiben hier über eine Vision und ich wäre schon froh, wenn die bestehenden DFB-Vorgaben überall umgesetzt werden und noch wichtiger, in den Köpfen der Verantwortlichen ankommen. Das wir selbst davon noch weit entfernt sind, sollten unbestritten sein.
Ich hatte schon mehrmals erwähnt, dass mir die Ideen des DFB nicht weit genug gehen und dies nie konkretisiert, weil nichtmal die guten Ansätze konsequent durchgesetzt werden. Wenn man beim googeln immer noch auf inoffizielle Meisterschaften trifft und selbst Kreise nicht davor zurückschrecken frage ich mich, warum diese Veranstalter nicht bestraft werden, denn für jeden kleinen Mist gibt es Strafen und diese schlimmen Zustände werden geduldet.
Jetzt aber zu den Visionen:
- Abschaffung der Tabellen und der Altersklassen bis einschl. mindestens E-Jugend. Durch die Abschaffung der Altersklassen können Kinder nach ihrem Leistungsstand gefördert werden. Der Leistungsstand wird ständig durch gut ausgebildete Trainer beobachtet und so können Korrekturen vorgenommen werden. Die straffe Einteilung nach Altersklassen ist nur eine Kopie unseres maroden Schulsystems und passt nicht in die Zeit. Andere machen uns das vor und werden in der Förderung der Kinder, nicht nur im Fußball, uns noch viele Jahre um Längen schlagen.
Zur Abschaffung der Tabellen schreibe ich nichts mehr, da sind sich hier (fast) Alle einig.
- In der Saison sollten Spiele beobachtet werden und bei Fehlverhalten die entsprechenden Personen darauf hingewiesen werden. Spieltage der Kinder können als "Silent Day" ausgerufen werden, um mal eine Idee aus den USA aufzugreifen.
- Die Idee der Installation einer Freundschaftsspielbörse gefällt mir gut und könnte durch Turniere unterstützt werden. Bei den Turnieren würde ich die Mannschaft als Sieger erklären, die die wenigsten Fouls begangen hat o.ä., da gibt es viele Möglichkeiten.
Das ist natürlich ein riesiger Aufwand und erfordert entsprechendes "Personal". An dieser Stelle könnte ich auf mehrere Themen beim Trainertalk verweisen, wo über Geld geschrieben wird. Letztendlich ist es eine Kopfsache und keine Geldfrage. Ich wünsche mir mehr Mut für wirkliche Reformen. Leider wird dies, auch weil man jeden Trainer benötigt, nicht passieren. Niemand wird sich trauen, auch mal durchzugreifen.
Auf der anderen Seite kann nur über das Erarbeiten von passenden Konzepten eine Veränderung stattfinden. Ein "geht nicht", "zu zeitintensiv" oder anderen Argumente sind mir nicht genug, weil sich noch niemand wirklich Gedanken darüber gemacht, wie sowas funktionieren könnte.
Visionen sind gut, aber Ziele sollten sein:
Konsequente Umsetzung der DFB-Vorgaben, ohne Rücksichten, zum Wohle der Kinder. Kein sammlen von Beitragszahlern, denn es geht um viel mehr. Kann keine kindgerechte Betreuung angeboten werden, muss man eben seine Mitgliederzahlen nach unten korrigieren und entsprechende Ausbildungen intensiver betreiben. Trainer im Kinderfußball sind nicht nur dafür da, Mitglieder zu sammeln und dann Talente ab der D-Jugend in den Stützpunkten abzuliefern. Es sind keine Animateure für die Zukunft des Fußballs, sie tragen eine große Verantwortung für die Entwicklung von Kindern.
Im ersten Schritt sollten sich die Verantwortlichen vor Saisonstart zusammensetzen und über eine Umsetzung des "kindgerechten Fußballs" diskutieren. Vor der Diskussion sollte ein Fachmann darüber referieren, was "kindgerechter Fußball" ist und was man von den Vereinen und Trainern hierzu erwartet, ohne wenn und aber. Wer dann nicht mitziehen kann oder will, muss es eben lassen.