Wie mit Eigenheiten von bestimmten Eltern umgehen

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  • Hallo zusammen.


    Ende Winter hat auf ein Inserat von mir ein Kind wieder angefangen, das vor mehr als einem Jahr wegen des anderen Trainers und Unstimmigkeiten zwischen diesem Trainer und dem Vater des Kindes abrupt aufgehört hat.

    Das Kind schwer in Ordnung, der Vater würde für das Kind alles machen. Er bietet auch seine Hilfe fürs Training bei Bedarf an und komm im Prinzip gut aus.

    Der Vater fragt aber gern nach oder gibt seine Meinung kund, wenn er das Gefühl hat, sein Sohn könnte nicht so Fussball spielen wie er es gern für den Sohn hätte. Beispielsweise fragt er nach, warum sein Sohn nicht auf Fotos drauf ist, die irgendein anderer Elternteil zwischendurch in einem Match geschossen hat. Oder er kommt zu mir und bittet, dass Spieler XY nicht zu hart in die Zweikämpfe gehen soll, weil sein Sohn nach dem Training meinte, dass er Angst hat sich weh zu tun (U9,wo ein Kind defensiv unkoordiniert gegen den Ball hagelt und halt dementsprechend manchmal auch den Fuss abklopft - aber alles ohne Absicht mMn) etc.


    Ein netter Kerl, aber gefühlsmäßig auch ein Vater, wo es schnell zu Diskussionen kommen kann, wenn er das Gefühl hat, dass sein Sohn nicht nach seinen Vorstellungen von Spaß Fussball spielen kann. Er fragt auch bei jedem Turnier, ob eh nicht der andere Trainer die Mannschaft betreut, weil er aufgrund der Historie diesem aus dem Weg geht.


    Wie soll ich damit umgehen? Laufen lassen? Es auf Diskussionen ankommen lassen?

  • Deine Schilderungen klingen nach einem unsicheren und besorgten Papa, der grundsätzlich das Beste für seinen Sohn möchte. Weiterhin hat er eine gewisse Meinung / Einstellung zum Fußball und kennt wahrscheinlich die Entwicklungen der letzten Jahre noch nicht.


    Ich würde ihm anbieten, nach einem Training für eine Viertelstunde einmal offen über den heutigen Kinderfußball und die Prinzipien in meiner Mannschaft zu sprechen. So kann er auch seine Sorgen zum Ausdruck bringen und anschließend sollte der Deckel drauf und Ruhe sein.

  • Hi Oesi81,


    ich würde nicht aktiv auf ihn zugehen. Wenn sein Kind am Ball bleibt und er es dabei begleitet, lernt er ja mit der Zeit, wie Fußball funktioniert. Oder es ist ihm doch nicht so wichtig und er lässt dich einfach machen.


    Hilfe im Training würde ich grundsätzlich von jedem annehmen, „der nicht bei drei auf den Bäumen ist“.


    VG

    Thomas



    Falls dich meine Erfahrungen zum Thema Kommunikation mit den Eltern interessieren, kannst du hier weiterlesen.


    Ich hab mich, seit ich vor 5 Jahren als Trainer gestartet bin (F/E Jugend und Bambini im Dorfverein) nie groß um die Eltern gekümmert. Das war anfangs Typsache und auch dem damit verbundenen zus. Aufwand geschuldet.


    Zu Beginn habe ich das als persönliches Manko wahrgenommen, an dem ich noch arbeiten muss. Inzwischen nehme ich es aber als eines meiner größten Talente war, das so hin zu bekommen.


    Wenn ich von anderen Trainern höre, wieviel Zeit und Nerven die für die Eltern aufwenden, frage ich mich manchmal, ob die noch Kindertrainer sind oder schon eher Elterntherapeut. Mir ist dieses „meinen Kids Fußballzeit wegzunehmen, um sich schlimmstenfalls um die geplatzten Träume eines Fußballpapas zu kümmern/einem Erwachsenen zu erklären was Fußball ist“ so zu wider, dass es mir die Eltern vermutlich schon an der Körpersprache ansehen, dass ich unbedingt auf den Platz zu den Kids möchte anstatt Seelenklemptner/ Familientherapeut auf der Tartanbahn zu spielen.


    Und glaub mir, ich bin selber überrascht, wie gut es funktioniert! Ich habe (bis auf eine Ausnahme, die sich nach 2 Minuten erledigt hatte und auch das ist schon 4 Jahre her) nie, Probleme/Diskussionen mit den Eltern. Es kommt auch so gut wie nie vor, dass mich jemand „nur ne Minute braucht“, bevor ich mit dem Training beginnen kann. Wenn dann nur bei neuen Eltern, die mich und die Abläufe noch nicht kennen. Private Anrufe von Eltern: 0 Stück in 5 Jahren. WhatsApp Nachrichten, in denen nicht nach organisatorischen Dingen gefragt wurde: 0 Stück in 5 Jahren.


    Zu 90% kommuniziere ich mit den Eltern über die WhatsApp Gruppe. Elternabende hab ich noch nie gemacht. Vor/Nach dem ersten Training im Jahr kann es mal sein, dass ich die Eltern dazu hole, um über Abläufe zu informieren.


    Im Winter gabs mal ein Training, zu dem 3 Kinder zu spät kamen. Da hab ich nach dem Training die Eltern als Zugörer (!) dazu gebeten. Botschaft an die Kids: Wer zu spät kommt muss eine Strafrunde laufen, wenn eure Eltern schuld sind, können die die Strafrunde für euch laufen, das müsst ihr dann untereinander klären. Aufwand 1 Minute. Seit dem funktioniert es mit der Pünktlichkeit.


    2. Beispiel: Am Anfang der E Jugend haben bei mir alle Kinder innerhalb von 5 Minuten gelernt, wie man Fußballschuhe richtig bindet. Ich hab den Eltern einfach Kabinenverbot erteilt. Plötzlich konnten es die Kinder (Der Hinweis, dass Ronaldo seine Schuhe IMMER selber bindet und dass man es nur mit gebundenen Schuhen in die Startaufstellung schafft war ggf. auch ganz hilfreich).


    Fazit: Ich bin Kindertrainer, ich bringe ihnen das Fußballspielen bei. Wenn ein Kind ein Problem hat, bin ich IMMER für ihn/sie da. Ich halte diese Aufgabe für extrem wichtig. Um Probleme der Eltern kümmere ich mich nicht!


    Toller Nebeneffekt 1: Sobald die Eltern kapiert haben, dass mir die Kids wichtiger sind, als ihre Pseudo-/Helikopter Probleme, haben auch die Kids keine Probleme mehr und konzentrieren sich auf Fußball.


    Nebeneffekt 2: ich kann, wenn ICH möchte, jederzeit aktiv auf jedes beliebige Elternteil zugehen und mir ein Feedback einholen. Das nutze ich sowohl für den sportl. als auch für den pädagogischen Bereich relativ häufig. Und lerne dadurch extrem viel (mehr, als wenn mir irgendein „Dahergelaufener“, der früher selber mal gekickt/mit seinem eigenen Kind total überfordert ist erklärt, was ich alles falsch mache).