Vielleicht werde ich doch noch untreu...

  • Bis vor Kurzem war ich der Meinung dem Kinder/Jugendfußball ewig erhalten zu bleiben. Weil es mir riesen Spaß macht und ich es als mein Hobby sehe. Weil ich große Freude daran habe Spieler zu entwickeln und Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten. Ich traue mir zu sagen, dass ich mir im Laufe der Jahre ein ganz ansehnliches Wissen diesbezüglich angeeignet habe und bin stolz darauf, was ich gemeinsam mit anderen bei uns im Verein aufgebaut habe. Insgesamt dachte ich immer, im Kinderfußball mehr bewegen zu können, als im Erwachsenenbereich.


    Schon oft wurde ich gefragt, ob ich nicht mal eine Seniorenmannschaft übernehmen will. Eigentlich habe ich das immer verneint. Mit der Begründung, dass ich mich eindeutig als Trainer und weniger als Betreuer sehe. Ich würde sagen dass meine Stärke auf jeden Fall das Entwickeln einzelner Spieler ist. Defizite sehe ich eher im taktischen Bereich sowie der Mannschaftsführung.


    Vor einenthalb Wochen wurde der Trainer unserer Seniorenmannschaft ergebnisbedingt "entlassen". Auf Wunsch vieler Spieler habe ich dann, nach intensivem Überlegen, die Betreuung der Mannschaft übernommen. Zuerst wollte ich eigentlich gar nicht, da ich mir "zu Schade" war die restlichen Spiele einfach über die Runden zu bringen. Aber dann habe ich versucht das Ganze wie eine Art Trainingslager zu begreifen, in dem die Spieler und vor allem auch ich einiges lernen können. Von vornherein war klar, dass ich das "Traineramt" nur bis Saisonende (insgesamt 5 Spiele) übernehme, da es mir auf Dauer zu Zeitintensiv wäre und ich erst für adequaten Ersatz im Kinder/Jugendbereich sorgen müsste. Außerdem fühle ich mich im theoretischen Bereich noch nicht sattelfest genug, diese Aufgabe auf Dauer zu übernehmen. Ich möchte vorher noch entsprechenden Trainerkurs machen und mir mehr Wissen (Bücher) aneignen.


    Ich habe mir selbst auferlegt in diesen knapp fünf Wochen alles zu geben und alles mögliche zu tun, so "erfolgreich" wie möglich zu sein. Meine Ziele sind:


    > Die Mannschaft aus ihrer "Lethargie" zu befreien und ein Feuer zu entfachen
    > Das Publikum "aufzuwecken"
    > Den Vorstand mit ein bisschen "positiver Energie" anstecken, damit wir alle mit Elan in die neue Saison starten können.


    Bis jetzt läuft es eigentlich ganz gut und es macht mir riesen Spaß. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass vor allem die Dinge die im Kinderfußball (zurecht) eher verpönt sind echt Laune machen. Während man im Jugenbereich als Trainer ja eher unterm Radar fliegt genieße ich es so richtig auch mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen. Spieler vor dem Spiel mit einer knackigen Ansprache aufzuheizen und am Spielfeldrand auch mal "mitgehen" zu dürfen hatte bei mir eine fast katharsiche Wirkung. Den Gegner von nächster Woche zu beobachten und die entsprechenden taktischen Maßnahmen zu ertüfteln, sich selbst kreativ in das Spielgeschehen einzubringen stellte eine willkommen Abwechslung zum KIFU-Alltag dar.
    Die Schulterklopfer und das spendierte Bier der Zuschauer tun der leidgeplagten Jugendtrainer Seele richtig gut.


    Ich bin zwar richtig gerne Jugendtrainer, aber ich genieße die Abwechslung momentan sehr und bin überzeugt sehr viel lernen zu können von dem die Kids dann vielleicht auch profitieren. Die nächste Stufe der Trainerausbildung wollte ich sowieso schon immer machen und vielleicht sieht mich der Erwachsenenfußball doch noch...

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • Bis jetzt läuft es eigentlich ganz gut und es macht mir riesen Spaß. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass vor allem die Dinge die im Kinderfußball (zurecht) eher verpönt sind echt Laune machen. Während man im Jugenbereich als Trainer ja eher unterm Radar fliegt genieße ich es so richtig auch mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen. Spieler vor dem Spiel mit einer knackigen Ansprache aufzuheizen und am Spielfeldrand auch mal "mitgehen" zu dürfen hatte bei mir eine fast katharsiche Wirkung. Den Gegner von nächster Woche zu beobachten und die entsprechenden taktischen Maßnahmen zu ertüfteln, sich selbst kreativ in das Spielgeschehen einzubringen stellte eine willkommen Abwechslung zum KIFU-Alltag dar.
    Die Schulterklopfer und das spendierte Bier der Zuschauer tun der leidgeplagten Jugendtrainer Seele richtig gut.


    Ich finds gut.
    Wünsche dir viel Spaß dabei. Kannst ja mal hin und wieder berichten.

    "Some people think football is a matter of life and death. I don't like that attitude. I can assure them it is much more serious than that." - Bill Shankly