Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Da ich zurzeit flach liege habe ich viel Zeit und wollte daher ein paar Diskussionen anregen zu Themen, die mich schon eine Weile beschäftigen. Die meisten meiner Fragen beziehen sich eher auf die Grundvoraussetzung, dass man eine schon etwas ältere Mannschaft hat (so ab C-Jugend) und eindeutig leistungsorientiert spielt, aber natürlich würde mich jede Meinund und jeder Vergleich hierzu interessieren!

    Ich möchte über Druck reden. Obwohl ich zum Beispiel recht viel versuche (meiner Meinung nach) den Druck auf meine Spieler gering zu halten, übe ich dennoch Druck auf sie aus, und zwar mehr, als ich eigentlich will. Das ist mir kürzlich durch ein paar Gespräche wieder bewusst geworden, wir haben zwar eine Menge Spaß miteinander und vom 19er Kader fühlen sich 17 bis 18 sehr wohl, aber es gibt auch Druck, ganz klar.

    Nun ist die Frage: Inwiefern muss dieser Druck eigentlich sein? Geht es auch ohne? Kann man ihn irgendwie verringern? Ich habe bewusst einen 19er-Kader, das heißt, dass bei Pflichtspielen vier Leute nicht spielen können, wenn alle fit sind. Nun relativiert sich das natürlich beim älteren Jugenden, weil es dort öfter auch mal Verletzungen gibt, aber im Prinzip gibt es vor jedem Pflichtspiel die Kadernominierung, wo man schon sehen kann, wie die einzelnen Köpfe enttäuscht sinken, wenn man nicht nominiert wurde.

    Eigentlich eine Situation, die ich absolut hasse, denn meistens hat die ganze Mannschaft so gut trainiert und gearbeitet, dass jeder verdient hätte zu spielen. Das ist aber der Punkt, wo ich mir und auch euch wieder die Frage stelle - ist es nicht gerade aufgrund des Drucks so, DASS sie so mitziehen und gut trainiert haben? Ich bin eigentlich fest der Auffassung, dass das Trainingsniveau sinken würde, wenn ich nur 15 Leute hätte und jeder automatisch einen Kaderplatz fürs nächste Spiel garantiert hätte.

    Wir hatten so eine Diskussion so ähnlich ja schon Mal, da ging es um Tabellen für F-Jugenden. Da wurde darauf hingewiesen, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben. Das ist schon richtig, ich sehe das aber so: Leistungsgesellschaft erzeut per Definition sowieso Druck, also schafft der Mensch sich Freiräume, um sich von demselben zu erholen, durch seine Hobbys. Hobbys sind doch primär als Erholung vom Alltagsstress gedacht - daher kann ich der Argumentation nicht so ganz folgen, dass wir ja eine Leistugnsgesellschaft hätten, und das daher im Fußball auch ok wäre. Auch für uns (sehr leistungsorientierte Mannschaft) ist Fußball ein Hobby und wird es für wohl (fast?) alle auch bleiben. Ist es also wirklich notwendig, den Druck der Leistungsgesellschaft noch mit ins Hobby zu nehmen, wo man eigentlich Entspannung finden will?

    Zusammenfassend? Wie viel Druck ist warum nötig und wie kann man Druck möglichst von seinen Jungs nehmen?

  • Wenn ich dich richtig verstehe, baust nicht du den Druck auf, sondern er entsteht dadurch, dass du 19 Spieler hast und (in der beschriebenen Situation selbstverständlich) leistungsorientiert aufstellst. Ich würde dich auf jeden Fall bestätigen, dass die gute Trainingsbeteiligung daher kommt, dass sich alle anstrengen müssen, um etwas zu erreichen. Ich denke, dass ein ehrgeiziger Spieler im C, B, A-Jugend-Alter sich einer solchen Situation schon stellen muss. Eine Lösung könnte natürlich sein, die nicht berücksichtigten Spieler in der 2. Mannschaft einzusetzen.
    Ich bin Trainer einer C2, arbeite aber eng mit dem C1-Trainer zusammen. Wir haben 30 Spieler in der C-Jugend insgesamt, aber mit großem Leistungsgefälle. Unsere C1 steht in der Bezirksstaffel im Abstiegskampf. Und wir haben in der Tat das umgekehrte Problem. Der Druck auf die "Stammspieler" der C1 fehlt und diese Spieler hängen sich also nicht immer 100 % rein.
    Meine Erfahrung ist, dass im Allgemeinen stärkere Spieler auch mehr Druck aushalten und brauchen, als schwächere. In meiner C2 sehe ich den Fußball wirklich primär als Hobby und Erholung vom Alltagsstress, in der C1 stehen Ziele, Erfolge und Weiterentwicklung deutlich mehr im Mittelpunkt.
    Als Trainer braucht man natürlich auch immer das Fingerspitzengefühl, den einzelnen Spieler richtig anzupacken! Und da hat man schon die Möglichkeit, den einen Spieler mehr zu beruhigen und Druck von ihm zu nehmen, während der andere ein bisschen mehr Reibung und "in die Pflicht nehmen" benötigt.
    Und zuletzt: Wenn ein Spieler einer leistungsorientierten Mannschaft wirklich schlecht mit Druck umgehen kann, dann wird es für ihn wohl die richtige Entscheidung sein, zu einer Mannschaft, zu wechseln, wo mehr der Spaß im Vordergrund steht.
    Was hat der Druck bei deiner Mannschaft noch für Auswirkungen, außer dass ein Spieler traurig ist, wenn er nicht mitspielen darf?

  • Die Psyche der Spieler ist unterschiedlich, wie die Elternhäuser aus denen die Kinder/Jugendlichen kommen.

    Deshalb kann bzw. geht jeder anders mit Druck um. Der eine braucht ihn um Leistung zu bringen, der andere dagegen kann garnicht mit Druck umgehen und scheitert in Drucksituationen. Je höher gespielt wird, und so stärker wird der Druck.

    Überrascht bin ich wenn sich Kinder/Jugendliche sich den Druck selber machen. Noch schlimmer ist es wenn er aus dem Elternhaus kommt.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • @bceffern: Klar, prinzipiell brauch jeder Spieler eine andere Behandlung was Druck angeht, das kann man in Einzelgesprächen steuern, aber wie ist es zum Beispiel mit einer Mannschaftsansprache: Wie ist es zum Beispiel gegen schwache Gegner, da habe ich in der Vergangenheit zum Beispiel Druck aufgebaut indem ich gesagt habe, dass ich mir gerade da angucke, wieviel jeder bereit ist zu investieren usw., soll heißen, mich interessiert eher, wieviel Druck ihr aufbaut/aufbauen würdet in Sachen, die an die ganze Mannschaft gerichtet sind.

    koeppchen: Gute Idee mit 1. und 2. Mannschaft, wir sind aber die 2. Mannschaft :) Welche Auswirkungen das hat weiß ich nicht genau, mich hat mein Kapitän mal angesprochen, hat das aber sowohl auf sich als auch allgemein bezogen, etwa in dem Stil: "Ich empfinde das so, ein paar andere weiß ich es auch (ca. 3-4) aber von anderen kann er das jetzt nicht sagen, er habe nicht mit ihnen gesprochen" - ein längeres Gespräch mit ihm steht noch aus. Nicht falsch verstehen: Es ist nicht so, dass wir ein großes Problem haben, es läuft sehr gut und es ist sehr ruhig, aber ich bin natürlich daran interessiert, herauszufinden, ob dort ein Bereich ist, den ich besser oder anders handhaben kann.

    Außerdem bleibt für mich da immer noch die Grundsatzfrage: Muss in unserem Hobby (was es für 99 % bei aller Leistungsorientierung ja auch bleiben wird) wirklich Druck sein? Und wenn ja - wann und wieviel davon?

    Einmal editiert, zuletzt von Chris ()

  • Als II. Team stehen wir nicht unter Druck. Es gibt für uns keine Saisonvorgabe.

    Ich versuche möglichst keinen Druck aufzubauen, egal ob es gegen gute, oder etwas schlechtere Mannschaften gespielt wird. Allerdings handele ich sehr konsequent. Sobald eine Spielerin eigensinnig spielt, eine Spielerin einen schlechten Tag hat, oder aber zu aggressiv ist, wird sie ausgewechselt.
    Mitlerweile muß ich teilweise nur andeuten was geändert werden sollte, und zu fast 90 % setzten sie es auch um.

    Allerdings muß ich dazu sagen, das man aus einem VW keinen Porsche machen kann. Das heißt das ich und die Spielerinnen die Leistung stärkerer Gegner anerkennen und akzeptieren. So wie an diesem Wochenende, als wir teilweise gegen übermächtige Gegner 2. von 5 Tunierspielen verdient verloren haben.
    Nicht ich, sondern die Mädels wollten unbedingt eines dieser Spiele gewinnen, um in die Endrunde des Tuniers zu kommen. Als eine Spielerin im zweiten verlorenem Spiel bereits nach 15 Sekunden den entscheidenen Fehler zum 0:1 gemacht hatte, wäre sie am liebsten im Boden versunken. Solche Geschenke lassen sich die Topmannschaften nicht nehmen. Dafür sind sie einfach zu clever und ausgekocht. Sie erkennen jede Schwäche und nutzen sie gnadenlos aus.

    Worauf ich eigentlich hinaus wollte, war das die entsprechende Spielerin tatsächlich 15 Minunten weinte, weil sie von sich selbst enttäuscht war, bzw. sich den Druck des gewinnen müssens selbst aufgebaut hat. Ich habe ihr nur Erklärt, das es überhaupt nicht schlimm ist mal einen Fehler zu machen. Schließlich sind wir alle Menschen, und die machen immer wieder mal einen.
    Zu ihrer Überraschung mußte sie feststellen das absolut niemand ihr den geringsten Vorwurf machte. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war auch danach sehr gut.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren