Pressingspiel = Manndeckung alter Art oder was?

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  • Moin,


    in einem anderen Thread kam es zu der Frage die in der Überschrift ersichtlich ist.


    Früher Manndeckung...heute unmodern oder wieder modern?


    Heute Raumdeckung...Verschieben....und nur das?


    Oder kommt es über das Pressingspiel zu einer Vermischung der Philosophien?


    Oder hat Pressing nichts mit Manndeckung zu tun?


    Fachleute vor, Neugierige auch, jede Meinung zählt....Kopfkratz ?(

  • ich versuchs mal stark vereinfacht:
    Bei der Manndeckung steht in der Regel EIN Eigener nahe bei EINEM Gegner und verhindert damit, dass er angespielt werden kann. Der Ballführende wird dann auch nur von einem Spieler attackiert. Das Ziel ist hier primär zu verhindern dass der Ballführende eine Anspielstation hat. Von der Natur her ist Manndeckung eher passiv, resp. überlässt man es dem Gegner das Spiel zu machen.
    Manndeckung macht dann Sinn, wenn man im 1:1 überlegen ist oder man einzelne starke Spieler isolieren möchte. Ausserdem werden mit Manndeckung überraschende Konter vermieden.


    Beim modernen Pressing geht es darum den Ballführenden mal primär mit 1-3 Spielern so unter Druck zu setzen dass er den Ball verliert bevor er ihn abspielen kann. Ziel ist es beim Ballführend sofort eine Uberzahlsituation zu haben und die kurzen Passwege soweit wie möglich zu zu machen. Es ist hierzu aber nicht nötig JEDEN Spieler permanent zu decken. Es reicht sich so in der gegnerischen Hälfte zu verteilen, dass der Ballführende so früh wie möglich unter Druck gesetzt werden kann.
    Von der Natur her ist Pressing eher aktiv, resp. zwingt man den Gegner in Zweikämpfe die ihm einen geordneten Spielaufbau verunmöglichen.
    Pressing macht dann Sinn wenn der Gegner einem 1:1 ausweicht, viel Ballbesitzt und einen schnellen Aufbau hat. Pressing ist dafür auf Konter anfällig und braucht viel Energie.

  • Ruft ein Trainer beispielsweise "Druck"...meint er, dass der Ballnahe mit fairer Macht an den Ballführenden geht.....so in der F und E und auch noch in der D...sagen wir erstes Jahr eines durchschnittlichen Teams.


    Danach kommt für mich....bei gleicher Begrifflichkeit....dass alle Passzusteller hier besonders am Gegner stehen, wenn zeitgleich ihr ballnahester Angreifer seinen "Druck" ausübt und bestmöglich und willigst angreift. Ziel ist es, das der ballführende Gegner


    a)den Ball verliert
    b)nicht mehr weiss wohin er spielen soll
    c)der schnelle Ballgewinn und danach das schnelle Umschalten im eigenen Team...z.b. Konter
    d)mehr Ballbesitz
    c)Gegner wird ausserhalb des Gefahrenbereichs frühzeitig gestellt.


    Unterschiede


    gibts hier in der taktischen Ausrichtung....ob es halt ein Angriffspressing, Mittelfeldpressing oder Verteidigungspressing ist....so mein denken und meine Kenntnis...ohne große praktische Erfahrung dazu zu haben.


    Pressing bedeutet aber auch, dass man am Mann steht....mindestens im Rahmen einer Gruppentaktik und später auch im Rahmen der Mannschaftstatktik...das wäre das Ziel.


    Am Mann steht und möglichst schon den auf diesen gepaßten Ball abfängt.....ist -so sind einige der Meinung- Manndeckung. Hier schließe ich mich an, ich glaube auch, dass hier über das Pressing zurück in alte Gewässer gerudert wurde....aber auf taktisch und physisch wesentlich höherem Niveau.


    Ich sehe hier die Königsklasse des derzeitgen Fußballbilds...man siehe Kloppi und die Gelben!


    Ich sehe hier ein Mischsystem.....das sehr variabel ist und ein super schnelles Mitdenken und auch Umschalten für jeden einzelnen Spieler bedeutet.


    Ich sehe hier auch ein System, das von der geistigen und körperlichen Kraft jeden einzelnen Spielers lebt, ...denn pennt nur einer, kann das gegen gute Teams sofort ein Messerstich sein, weil der Gegner dann "durch" ist/wäre.


    Wie seht ihr das?

  • FB...schönes Statement


    Pressing macht dann Sinn wenn der Gegner einem 1:1 ausweicht,


    Hier fällt mir beiläufig das damalige Spiel unserer Nationalmannschaft ein. Was habe ich mich aufgeregt, dass sie aus meiner Sicht nicht ordentlich pressten, um das spanische Passspiel zu unterbinden....was aber nicht Thema hier sein sollte.

  • FB


    ich gebe dir recht. Ich sage ja von mir, dass ich keine großartige Erfahrung habe und nur angelesenes theoretisches Wissen im Abgleich mit beobachteten Spielen vorweise...deshalb sauge ich Erfahrungen und das Wissen anderer gern auf.


    Ich sehe zu meiner Ausführung im Gegensatz zu deiner Ausführung, dass ich einem Trugschluß auferliege.


    Was ich beschrieb dürfte der Ansatz eines Pressings sein...und bei meiner bis dahin vorhandenen Denkweise wäre das wohl eher als Manndeckung zu bezeichnen.


    Was du beschrieben hast, konnte ich gut nachvollziehen und ich erkenne, dass du damit einen Unterschied erklärst, den ich so nicht bedacht habe.


    Du erkärst, dass die nicht jederzeit den Mann decken, sondern auch mal zu zweit oder zu dritt an den Ballführenden fliegen und die anderen stellen zu, ohne zwingend am Mann zu stehen.


    Frage wäre, ....gibts verschiedene Pressingabläufe in Ballnähe und alles wäre Pressing und eine Mischform hin zur Manndeckung oder ist der Ablauf grundsätzlich keine Manndeckung. Ich schrieb dementgegen, dass die anderen am Gegner lauern und den Pass auf diesen erlaufen....was ein Unterschied im Tun ist....dickes Kopfkratz ?(


    P.S....für heute bin ich raus...muß zur Arbeit

  • beim pressing würde ich nicht von manndeckung sprechen. das ist eine mannschaftstaktische aktion, bei dem bestimmte spieler ihr sog. pressingopfer gesteuert suchen und finden und attackieren, während andere die passwege zustellen. dieser passweg muss nicht am mann zugestellt werden sondern es reicht, wenn man "dazwischen" steht.


    eine manndeckung ist für mich immer wieder am einfachsten zu erkennen bei standards. hier gibt es zwar zahlreiche abwehrmuster im raum, die meisten spielen hier allerdings ein "jeder hat einen", insbesondere bei von aussen in den fünfer gezogenen freistösse. ich bevorzuge hier allerdings ein raumverteidigung, aber das ist ein anderes thema. auch bei den eckbällen gibt es "reine" raumverteidigungen, meistens ergibt sich aber auch eine klare zuordnung von starkem abwehrspieler vs starkem stürmer. oft wird hier eine kette am fünfer gebildet um den raum zu verteidigen, die anderen gehen mit. das sieht man zb. bei löw oft.


    generell gibt es auch in der viererkette bei angriffen über aussen eher manndeckung der IVs als das von uns in den anfängen gelehrte räumliche verschieben als sichel. die position des absichernden IV, der den AV unterstützt, übernimmt bestenfalls der zweite sechser oder als zweite wahl der AM. die IVs haben dann eine feste zuordnung gegen einrückende stürmer und lösen sich erst im letzten moment wieder um den pass, dann wieder im raum, abzufangen.


    bei den sechsern sieht man eine manndeckung recht häufig. so kreutzen sich je nach system immer wieder festgelegte spieler. meistens wird bei spielern, die dribbelstark agieren einer fest abgestellt, der bei gegnerischen ballbesitz diesem kollegen mehr oder weniger auf den füssen steht. erste verhinderung, den pass verhindern oder spätestens bei der ballannahme stören. klappt das nicht, wird gedoppelt oder getrippelt. die erste option des defensivarbeiters wird aber oft festgelegt.


    so wird im optimalen fall eine mischung erreicht. ist ja irgendwie auch logisch, da sich nach wie vor starke spieler wie messi, pirlo oder özil nicht durch ständiges übergeben ausschalten lassen. die spielen ihre dribblings, doppelpässe oder schnittstellenpässe, da läufts du im raum immer ein schritt hinterher. folglich muss denen jemanden den nerv rauben, den spass nehmen. hört sich scheisse an, ich weiss, aber ich bin mittlerweile A-jugend, ich darf sowas sagen. :D

  • Pressing bedeutet aber auch, dass man am Mann steht


    Beim Pressing liegt das Hauptaugenmerk eines Spielers eben nicht auf einem bestimmten Gegner sondern primär auf dem Ballführenden. Ist der Ballführende genügend nah, attackiere ich ihn. Ist er das nicht, stelle ich mich so, dass der Ballführende keinen der Spieler in meinem Raum erreichen kann.
    Pressing ist in diesem Sinne sehr viel anspruchsvoller als Manndeckung wo ich nur dumpf und blöd dem Gegner nachlaufen muss. Beim Pressing muss ich immer das GANZE betrachten, bei der Manndeckung nur einen Spieler - mal so salopp gesagt.


    oder ist der Ablauf grundsätzlich keine Manndeckung.


    in der Nähe des Ballführenden kann eine temporäre "Manndeckung" Sinn machen die aber sofort wieder aufgelöst wird, wenn das Spiel verlagert wird. Man spricht dann aber auch nicht von Manndeckung, sondern um spezifische Ausprägungen von "Pressing" von denen es einerseits viele gibt und andererseits oft auch einfach der Kreativität der Mannschaft überlassen werden muss.

  • Ich bin bisher davon ausgegangen dass Andre bez. Pressing und Manndeckung die taktische Ausprägung im Kontext des "SPIELSYSTEM" meint.
    Auf der INDIVIDUELLEN Ebene kann ich natürlich auch einzelnen Spielern den AUFTRAG geben bestimmte Gegner Mann zu nehmen.
    Ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass man in dieser Diskussion wohl die Individuelle und die Spiel-Ebenen auseinanderhalten muss, weil, obwohl sie sich ergänzen, sie so direkt nichts miteinander zu tun haben.

  • ls Manndeckung wo ich nur dumpf und blöd dem Gegner nachlaufen muss.


    eigendlich das,wasman vor ewigen Zeiten unter Manndeckung verstand. diese Art der Manndeckung sieht man heute auch in den untersten
    Spielklassen kaum noch.


    die Manndeckung hat sich weiterentwickelt und hat mir der früheren Art des Fussballspielens wenig zu tun.


    in der Nähe des Ballführenden kann eine temporäre "Manndeckung" Sinn machen


    temporäre Manndeckung finde ich für die heutige Art des Spielens eine sehr gute Bezeichnung, die eigendlich schon eine Beschreibung ist.
    dabei spielt es für mich weniger eine Rolle "wer" diese Aufgabe zeitlich übernimmt, sondern mehr "wo" dies geschieht, nämlich jed näher es zum Tor kommt, umso konsequenter geschieht das.


    Ich mag Mann- und Ballorientierte, Pressing, Spielweise eigendlich gar nicht mehr trennen. für mich gehört das zusammen, ergänzen sich
    praktisch gegenseitig. wo sieht man eigendlich noch Manndeckung ohne gleichzeitiges Pressing, oder zumindest das Doppeln.


    mal ganz einfach ausgedrückt, beim Pressing geht ja derjenige, der als nächster zum Gegenspieler steht praktisch in die Manndeckung, währende andere
    doppeln oder die Anspielräume zustellen. Sehr deutlich sichtbar, wird das insbesonders bei den Aussenstürmern und dem zentralen Stürmer, da sind
    auch die sogenannten Manndecker meist ein und dieselbe Person.
    Beispiel: bewegt sich Gomez im und um den 16er wird er doch zu sage mal 80% von dem gleichen Spieler eng gedeckt.


    wie diese Art der Manndeckung durchgezogen wird, z.B. ganz eng oder etwas länger, hängt dann vom Typus des Gegenspielers ab.
    einen Götze geht man anders an, als z.B. eine Gomez.


    ich hab noch die Übergangszeit erlebt, wo viele Spieler bei der Umstellung von Manndeckung auf zuerst Raum- dann ballorientierte Spielweise
    glaubten, sie bräuchten gar nicht mehr eng dan den Gegenspieler gehen, sondern nur zustellen.


    es ärgert mich immer etwas, wenn heute von Manndeckung gesprochen wird (für mich auch immer wieder Schwerpunkt im Training) immer
    noch ein Bezug zur Manndeckung des vorigen Jahrhunderts hergestellt wird.


    Nicht unterschiedlich getrennt sehen und auch diskutieren sondern die Gemeinsakeit, gegenseitiges Ergänzen, also als Ganzes
    zusammenhängend betrachten.


    gg

  • Es ist vieles richtig, was hier gesagt wurde! Jedoch kann man das ballorientierte Spiel auf eine Kurzformel bringen, die da lautet:


    Bei eigenem Ballbesitz wird der Raum (Breite und Tiefe des Spielfeldes) so groß wie möglich gemacht, um Zweikämpfe auf dem Feld zu vermeiden. Lediglich ein finaler Zweikampf vor dem Torabschluß soll gewagt werden.


    Bei gegnerischem Ballbesitz soll der Raum um den Ball verengt werden. Dies kann je nach Höhe der Verteidigung im gegnerischen Drittel (Angriffspressing) im Mittelfeld (Mittelfeldpressing) oder im eigenen Drittel (Abwehrpressing) geschehen. Das Angriffspressing ist mit dem höchsten Konterrisiko ausgestattet und erfordert neben einer hohen Laufbereitschaft auch eine besondere Aufmerksamkeit. Es wird deshalb meist bei knappem Rückstand in den letzten Minuten gespielt. Eine Besonderheit des Angriffspressings bildet das Gegenpressing. Hierbei wird lediglich zum Zeitpunkt des Ballverlusts durch die ballnahen Spieler die Ballrückeroberung versucht, um dadurch zu einer guten Torchance zu kommen. ("Kloppo" läßt sogar gegen bestimmte Abwehrspieler anderer Teams Fehlpässe trainieren, um dadurch zu besseren Torchancen zu kommen, als es mit "normalem Angriffsspiel" der Fall wäre!)


    Während im ballnahen Bereich die Gegner-, wie auch deren Passwege zugestellt werden, sollen im ballfernen Bereich lediglich die Passwege zugestellt werden.


    Ein weiteres, wesentliches Merkmal des ballorientierten Spiels ist es, dass jeweils in Blöcken (Angriff, Mittelfeld, Abwehr) agiert wird. Die Abstände untereinander sind vom B(eigenen oder gegnerischen) Ballbesitz und der jeweiligen Aktion abhängig.


    Auch beim ballorientierten Spiel können sich situationsbedingt Pärchen bilden. Weil jedoch im Verbund mit den Mitspielern gearbeitet und lange Pässe, bei denen ein Einzelner auf sich gestellt wäre, vermieden werden, sind diese Phasen relativ kurz, sodass sich im Abwehrverhalten meist ein Doppeln zwecks Balleroberung ergibt und auch im Angriffsverhalten ein zügiges Paßspiel zum Mitspieler erwartet wird.