Karl: Dahinter steht das Prinzip der Selbstwahl. Zunächst zum guten Bild des (Sichtungs- u. Förder-)Netzes: Nur die bereits großen Fischen bleiben da hängen, die noch kleinen fallen je nach Engmaschigkeit als "zu schlecht" raus. Dass Fische noch klein o. kleiner sind, wirken, erscheinen, kann vielerlei Ursache haben: Es ist ihre Art, sie werden nie größer; sie hatten bisher schlechtere Lebens- o. Wachstumsbedingungen; sie haben temporäre Probleme o. Krankheiten; sie sind noch früher im Wachstum, wogegen die vermeintlich per se Größeren schon weiter o. gar tendenziell ausgewachsen sind... Wachstumspotential o. der Nährgehalt des einzelnen Fisches spielt fürs Netz keine Rolle, nur die sichtbare materielle Größe u. Masse. Denn sie sind gemäß dem Sinn der von oben im Trüben unter der Oberfläche fischenden Fressintention. Sie ist also entscheidend, der Zweck, nicht die wahre Größe des Fisches, die er selbst u.U. noch in sich trägt. Die Angestellten der Profi-Fischerei-Konzerne bestimmen mittels Netz das Fangprofil, den Zweck der Aktion liegt im Konzernbesitzer bzw. den Endverbrauchern, aber nie im Fisch. Das System des Fangens per Netz wird dabei zunehmend finanzökonomisch getrieben. Was bringt wem wieviel Vorteil? Stellt der Züchter nun das Wachstumsinteresse des Fisches, des begabten Kindes in den Mittelpunkt, ist die Absicht des Fangnetzes grundanders, er schaut sich kleine wie große Fische genauer an, gibt auch den kleinen zunächst Zeit und Chancen zu wachsen, dabei wissend, dass natürliches Wachstum schubweise in Phasen geschieht, nicht gemäß einem vom Züchter ausgehenden Vorteilskalkül berechenbar. Insgesamt wird die Kultur auf die dem Lebewesen innewohnenden Kräfte hin beobachtet und aufgebaut, nicht nur künstlich, zwanghaft oder nach Vorgaben.
Fortschritt liegt dabei oft gerade im Unscheinbaren, im Fehlbaren, wie die empirische Wissenschaftsgeschichte in Physik, Chemie und Biologie beweist, deren Teil auch der Mensch ist. Also setzt man auf viel mehr Offenheit fürs Überraschende, durch das Neues entstehen kann. Doch man muss dies eben zulassen: nach außen wie innen offener Blick, offene Förderangebote, Vertrauen auf die Kraft des Individuums, die sich nicht nach dem Uhrzeiger entwickelt, kooperative Grundstimmung der Trainer aller Vereine vs Harmonie abwürgende Rivalität der Erwachsenen usw. Der Verein/Trainer/Erwachsene dient dem Kind, nicht das Kind ihnen. Es darf sich selbst gehören, das Kleine ist das, was groß wird, die Großen (1.Herren) aufmerksamkeitstechnisch, finanziell u. handlungsentscheidend die Nebensache, die heute fast überall die Jugend ist. Nicht ein System gibt vor, was gut und zu tun sei, beschränkt danach das Werden anderer Wesen, sondern der einzelne wachsende Mensch darf für sich selbst als Ziel stehen, man eröffnet ihm Perspektiven, sich innerlich frei zu erwählen, statt sie per Systemdruck abzuschneiden, ihn von außen sichtend abzuurteilen. Das erfordert zB hohe Toleranz für kindlichen Eigenwillen als Begabung anstatt Einzwängen in Vorgaben von Erwachsenen, außen, oben, um in jedem das Beste zu sehen, was ihm möglich sein könnte. Konkret zB: in Stadt und Landkreis gemeinsame vereinsfreie, für jedes eigenmotivierte Kind offene Fördertrainings. Ich weiß, das klingt illusionär, doch wer hätte vor 200 Jahren geglaubt, dass Autos normal sind, Raketen zum Mond fliegen u. zig gigantische Spielwelten in kleinen Handys stecken, wer versteht heute wirklich, wie dies alles funktioniert, warum es nicht Illusion ist? Nur wo es uns selbst bzw. vor allem andere: den Menschen betrifft, da glauben wir an so arg wenig, dass wir meinen, Kinder schon mit 7 o. 9 Jahren einteilen zu können: aus dem wird was und aus dem nicht - statt sie einfach selbst laufen zu lassen nach dem Motto: Wege entstehen im Gehen.
Wer sind wir, dass wir wie alle im "Fördersystem" fremden Kindern, der Zukunft sagen dürften, dieser u. jener Weg ist für dich verschlossen, du gehörst ins Kröpfchen u. den tun wir ins Töpfchen, privilegieren wir, da er "gut" (fürs System) sei? Ein Gott, der nur den großen u. starken Stengeln Wasser gibt, die kleinen, schwach wirkenden verdursten lässt, dabei gar nicht begreifend, dass die eigentliche Kraft in der Wurzel liegt? Und wenn man sich dann geirrt hat, tauscht man die Kinder eben einfach wieder um und aus? Wie kommt es eigentlich, dass man dies normal findet u. die schnell anfeindet, die da widersprechen, eine Lanze fürs Kindliche, fürs Werden brechen wollen? Obwohl ja auch der DFB durchaus den früheren Straßenfußball als beste Schule lobt, vllt aber vor allem als früheren? Also wäre da doch die Aufgabe, darüber nachzudenken, wie die Prinzipien dieses Fußballs, seiner Freiheit für die wahren Akteure in die heutige Zeit hinüber zu transferieren wäre. Es wären Experimente wie mobile Förderzentren zuzulassen, zu unterstützen statt zu ersticken (wie es vor Ort leider bei allen meinen Initiativen bisher geschah, auf deren Schilderung ich von oben nie positive Resonanz o. auch nur Antwort erhielt, obwohl die freiwillig kommenden Kids - auf die nie wer schaute von denen, die dagegen waren - begeistert dabei mitmachten) u. so allen Kindern etwas mehr Signale zur Hoffnung zu geben, sein zu können, was man wird, werden will. Sicher, aktuell klingt das arg visionär, doch liegt das an dieser Vorstellung von Freiheit FÜR Kinder o. der Enge des Systemdenkens? Und natürlich bleiben alle Kinder von ihren Eltern abhängig: wo die wie oft erlebt Kindern wegen der Schule Sport o. mehr Förderung verbieten statt zu unterstützen, auf keine Argumente hören, ist auch der engagierteste Förderer ohnmächtig o. mit der Kraft am Ende. Wünsche u. Träume aber bleiben: nicht die Leistungsstärkesten in Auswahl, Stp o. LZ, sondern echtes Talent, Potential, Perspektive (auch unscheinbare: verborgener Genius), Motivation, (Spiel-)Intelligenz, Soziabilität... ![]()
