Probleme in einer D-Jugend

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  • Hallo ich habe vor 2 Jahren eine G2-Mannschaft als gleichberechtigter Co-Trainer übernommen und diese bis jetzt recht erfolgreich trainiert. Die Kinder sind als Sozialgefüge zusammengewachsen, haben sich im Training stets gut benommen und immer ehrgeizig versucht sich weiterzuentwickeln. Viele Spieler haben sich enorm verbessert und wir haben auch ständig neue Spieler erhalten, die sich problemlos in das Gefüge haben integrieren lassen. Ich hatte eine tolle Elternschaft und engagierte Betreuer, die mich sehr entlastet haben.


    Zur Rückrunde habe ich vorerst interimsweise eine D2-Jugend übernommen, die in der Leistungsstaffel um den Abstieg kämpft. Wir spielen 7+1 und haben derzeit nur noch 12 Kinder. Innerhalb der Mannschaft gibt es ein enormes Leistungsgefälle. Einige Kinder sind jahrgangsälter und könnten auch problemlos in der Folgesaison in der C1 untergebracht werden und haben dort auf mein Anraten im Winter schon ein Probetraining bestanden. Andere Kinder kamen vor der Saison aus der D4 und es mangelt ihnen an einfachen Fähigkeiten, wie der korrekten Ballannahme. In der Hinrunde wurde die Mannschaft deswegen oft zu Pflichtspielen durch D1 und E1 Spieler verstärkt. Dieser Praxis möchte ich ein Ende setzen.


    Nach dieser kurzen Einführung möchte ich zu den eigentlichen Problemen kommen: Die Mannschaft ist wie oben beschrieben vor der Saison aus Kindern unterschiedlicher Mannschaften zusammengewürfelt wurden und wird sich zwangsweise nächstes Jahr wieder aufbrechen. Aus diesem Grund existieren im Kader Subgruppen, die eine immense innere Loyalität aufweisen und auch stark zusammenhalten. Die schwächeren Kinder werden in Trainingseinheiten von den stärkeren Kindern teilweise sehr ruppig auf ihre Defizite hingewiesen. Die stärkeren Kinder haben aufgrund ihrer Spielstärke und der geringen Kadergröße schnell bemerkt, dass sie wenn sie sich zusammentun eine gewisse Macht ausüben können, da die Mannschaft für den Erfolg auf sie angewiesen sind - und ohne sie auch hinsichtlich der Kadergröße nicht spielfähig sind.


    Ich habe durch Einzelgespräche die selbstbewussteren Kinder auch schon so weit gekriegt, dass sie im Training verbal gegenhalten und immer 100% geben. Sie lassen sich nicht unterkriegen und haben sich in der Kürze der Zeit durch intensive Laufarbeit und selbstbewusstes Zweikampfverhalten auch schon Respekt gewonnen und die Missstände haben langsam abgenommen. Leider habe ich auch ein oder zwei sensiblere Kinder, die wirklich unter den Zuständen leiden. Ich bin in der spielfreien Zeit sogar soweit gegangen und habe die leistungsstarken Kinder mit einer kurzfristigen Suspendierung gedroht. Diese Maßnahmen waren mit der Jugendleitung zuvor abgesprochen. Kinder in dem Alter versuchen natürlich dagegen zu halten und haben sich bei ihren Eltern beschwert und sogar bei der Jugendleitung "gedroht" auszutreten. Nach klärenden Gesprächen mit den Eltern und den Kindern habe ich dies verhindern können und es sind seither auch schon einige Besserungen in Sicht.


    Ich habe einige Maßnahmen ergriffen um das Team enger zusammenwachsen zu lassen. Gemeinsame Playstation-Abende im Jugendraum aber auch Maßnahmen die zu sportlichen Misserfolgen führten, wie beispielsweise Blockwechsel und identische Einsatzzeiten bei Hallenturnieren. War der Torwart verhindert, habe ich nicht wie zuvor üblich aus anderen Mannschaften Verstärkung angeheuert sondern habe Feldspieler ins Tor gestellt, was natürlich teilweise zu vermeidbaren Gegentoren geführt hat. Infolgedessen wurde ich als Trainer auch von einigen Spielern deutlich und in aller Öffentlichkeit kritisiert und die leistungsstarken Spieler haben mich als Trainer in der Kabine in Frage gestellt.


    Ich muss dazu sagen, dass diese Verfehlungen in der Hitze des Gefechts entstanden sind und die Kinder eben zu viel Druck verspüren. Sie entschuldigen sich auch oft eine Trainingseinheit später für ihr Fehlverhalten und sie haben alle auch tolle Charaktereigenschaften, wenn sie beispielsweise mit jüngeren Kindern im Verein spielen. Sie haben meiner Ansicht nach in letzter Zeit viel zu viel Druck erhalten und es wurden Erwartungen an sie gerichtet, die sie niemals erfüllen konnten. So entstanden Versagensgefühle und sie wirken stets gekränkt wenn sie verlieren. Nach Niederlagen oder Rückständen in Spielen verlieren sie schnell die Lust und die eigentlich guten Spieler stellen ihre Defensivtätigkeiten teilweise komplett ein.


    Ich versuche den Kindern in Trainingseinheiten zunehmend individualtaktische Maßnahmen zu erklären. Wie stelle ich einen Gegner über außen, wer muss absichern wenn ein Verteidiger draufgeht, wie müssen Spieler in bestimmten Situationen pressen, welche Spieler können in welchen Situationen doppeln etc. Während die technisch schlechteren Kinder enorme Verbesserungen aufweisen, haben die stärkeren Spieler keine Aufnahmebereitschaft, sie wirken frustriert und fühlen sich bei Verbesserungsvorschlägen stets persönlich angegriffen. Man kann es den Kindern förmlich in den Gesichtern ablesen, dass sie genervt sind. Leider konnte ich aufgrund der Witterungsbedingungen bislang keine Testspiele gegen schwächere Gegner draußen ansetzen, wo die taktischen Änderungen in ihren Augen "ergebnisorientiert" etwas bewirken könnten. Ich denke eine solche Manipulation könnte Wunder bewirken.


    Ich will keine Kinder aus der Mannschaft verlieren, vor allem weil ich denke es ist ihre Mannschaft und ich muss bei allen Kindern einfach nur die Charakterzüge entsprechend kanalisieren. Wie kriegt man diesen Erfolgsdruck aus den Kindern raus, ohne dass sie die Motivation verlieren? Gibt es Trainingsmethoden in denen man den Teamgeist verbessern kann und individualtaktische Elemente lehren kann, bei denen man nicht ständig auf etwaige Fehler hinweisen muss? Habt ihr Erfahrungen gemacht, wie man mit solchen Kindern besser umgeht?


    Ich bin offen für alle Ratschläge.

  • Was du zuallererst benötigst ist Geduld.


    Was erwartet du denn schon alles. Du hast doch die Mannschaft erst übernommen. Offensichtlich ist deine Vorgehensweise für sie
    absolut neu, sie kenne sowas nicht, müssen sich da umstellen, umdenken von dem, was für sie in der Verangenheit normal war.
    das geschieht nicht von heute auf morgen, das brauch Zeit.


    Überleg mal was du schon alles geändert hast, auch wenn das alles in die richtige Richtung geht, müssen sich die Kids erstmals daran gewöhnen.


    es zeigen sich doch schon gewisse Erfolge ab.


    es besteht auch die Gefahr, dass durch zuviele direkte Veränderungen die Jungs auch überfordert werden.


    wa dir leider fehlt ist Zeit. grundsätzlich anderes Verhalten wirst du in dieser kurzen Zeit nicht erreichen. Aber du wirst, hast du ja auch schon
    teilweise, in kleinen Schritten Erfolge feststellen. Und wenn du es bis Saisonende erreicht hast, dass eine andere Denkweise und anderes
    Verhalten in den Köpfen der Spieler auch nur ansatzweise ein Umdenkungsprozess eingesetzt hat, wirst du viel erreicht haben.


    Mannschaftlich solltest du für den Rest der Saison deine eigenen Ansprüche nicht zu hoch ansetzen.


    Du kannst in einigen Monaten nicht alles auf den richtigen Weg bringen, was hier offensichtlich über einen längeren Zeitraum
    falsch gemacht wurde.


    Es gibt ja auch wohl Gründe, warum du bei dieser Mannschaft in einer laufenden Saison als Trainer einspringen musstest.


    also nochmals, hab Geduld, du unternimmst schon sehr viel.


    gg

  • Da kann ich mich guenter nur anschließen. Hört sich wirklich gut an, was Du da machst. Hab einfach nur Geduld.


    Zu Deiner Frage nach Individualtaktik im Zusammenhang mit Teamgeist. Wenn es eine Übung gibt die ich ( ab ältere E ) unter den Top Five einordnen müsste, wäre die folgende dabei:
    Kleines Spielfeld, auf jeder Seite zwei Mini- oder Hütchentore, vier bis fünf Spieler pro Mannschaft. Und am Wichtigsten: Zwei Bälle im Spiel! Ab C auch zeitweise drei. Da geht Individualtaktisch wahnsinnig viel ab und die Köpfe gehen hin und her. Animiere sie nur dazu sich anzubieten und dabei den ballführenden Mitspieler anzusprechen. Da kommt auch der schüchternste Spieler aus sich heraus. Und jede Truppe erzielt mindestens ein Tor, also Erfolgserlebnis garantiert. Nach dem Spiel die Mannschaften neu bilden und weiter geht's.

  • Ich denke auch, dass Du auch eine gewisse Zeit einplanen musst, bis sich der Erfolg Deiner Maßnahmen einstellt. Alles geht nicht auf einmal und zu viele Änderungen auf einmal können auch das Gegenteil des Gewünschten bewirken. Wichtig ist, dass die Spieler Dir vertrauen und das kannst Du nicht per sofort erwarten.