B-Mädchen auf Großfeld

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  • Moin zusammen,


    ich trainiere eine B-Mädchen-Mannschaft auf der Insel Föhr und brauche gerade tatsächlich mal den Rat von anderen Trainern, weil ich im Moment ziemlich ratlos bin, wie ich weitermachen soll.


    Wir sind diese Saison vom Kleinfeld auf Großfeld gewechselt. Letzte Saison haben wir auf dem Kleinfeld sogar die Meisterschaft gewonnen. Wir hatten dabei meistens auch zwei bis drei Auswechselspielerinnen und konnten entsprechend viel wechseln.

    Jetzt ist die Situation etwas anders.


    Etwa die Hälfte unserer Mannschaft besteht noch aus C-Jugend-Spielerinnen, für die das Großfeld ebenfalls komplett neu ist. Für viele ist also nicht nur die neue Mannschaft, sondern auch das Spielfeld, die Abstände und die taktischen Anforderungen etwas völlig Neues.


    Jetzt hatten wir unser erstes Großfeldspiel und haben 5:2 verloren. Das Ergebnis ist dabei gar nicht einmal das Hauptproblem. Viel mehr hat mich erschreckt, wie wenig von dem funktioniert hat, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte.


    Das größte Problem war meiner Meinung nach die Kondition. Das war schon letzte Saison ein Thema, obwohl wir Meister geworden sind. Im ersten Großfeldspiel wurde es jetzt extrem deutlich. Die letzten 20 Minuten kam von uns körperlich kaum noch etwas. Wir waren irgendwann einfach platt.


    Dazu kamen aber große Probleme mit dem Großfeld und unserem 4-2-3-1.

    Teilweise wussten die Spielerinnen während des Spiels nicht mehr, wer wo spielt bzw. welche Aufgabe sie auf ihrer Position hat. Es kamen Sachen wie „Ich spiele doch in der Dreierkette?“ usw. Dabei spielen wir eine Viererkette. Ich musste während des Spiels immer wieder erklären, wer wo stehen soll.


    Beim eigenen Abstoß standen teilweise Spielerinnen noch im eigenen Sechzehner. Eigentlich möchte ich, dass wir als Mannschaft aufschieben und uns über das ganze Feld verteilen.


    Wenn der Ball ins Mittelfeld kommt, soll die Abwehr mit aufrücken. Wenn wir im Angriff sind, kann es nicht sein, dass unsere komplette Viererkette noch in der eigenen Hälfte steht und nur langsam hinterherkommt.


    Genau dadurch waren unsere Abstände teilweise riesig.

    Zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff war viel zu viel Platz. Unsere Angreiferinnen waren vorne, die Abwehr hinten und dazwischen ein riesiger Raum. Im Mittelfeld konnten die Gegnerinnen teilweise völlig frei Bälle annehmen, weil wir nicht eng genug standen und nicht gemeinsam verschoben haben.


    Dadurch hatten wir auch kaum vernünftige Anspielmöglichkeiten. Eine Spielerin bekommt den Ball und versucht dann teilweise mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, anstatt den freien Mitspieler zu suchen. Insgesamt hatte ich oft das Gefühl, dass die Mannschaft überhaupt nicht weiß, was sie auf dem Großfeld eigentlich machen soll.


    Und genau da fängt mein Problem als Trainer an.


    Ich habe mich in letzter Zeit sehr intensiv mit verschiedenen Trainingsphilosophien beschäftigt. Unter anderem mit Advance.Football, DFB-Inhalten und einem spielorientierten Trainingsansatz. Ich wollte eigentlich weg von zu vielen starren Übungen und mehr Fußball spielen lassen.

    Grundsätzlich finde ich diesen Ansatz auch weiterhin gut.


    Aber nach diesem Spiel sitze ich jetzt da und denke:


    Wie soll ich das alles trainieren?


    Wenn ich möchte, dass meine Mannschaft im 4-2-3-1 weiß, wo sie stehen soll, dass die Abwehr bei eigenem Ballbesitz mit aufrückt, dass die Mannschaft gemeinsam verschiebt, dass die Abstände stimmen und dass wir hinten vernünftig herausspielen – dann muss ich diese Dinge doch auch teilweise gezielt einstudieren.


    Gleichzeitig möchte ich nicht wieder in mein altes Muster zurückfallen und jede Trainingseinheit mit zehn verschiedenen Übungen komplett durchplanen.


    Dazu kommt noch das Thema Intensität.


    Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass unsere Trainings teilweise einfach intensiver werden müssen. Die Mädels müssen meiner Meinung nach auch mal aus dem Training gehen und merken: „Okay, heute haben wir richtig gearbeitet.“ Gerade weil die Kondition schon seit letzter Saison ein Problem ist.



    Ich möchte das aber natürlich möglichst fußballspezifisch machen und nicht einfach nur sinnlos laufen lassen.


    Und dann habe ich noch eine persönliche Baustelle als Trainer:


    Ich glaube, ich bin teilweise zu nett.

    Ich möchte, dass die Mädels Spaß haben, gerne zum Training kommen und mich als Ansprechpartner sehen. Gleichzeitig habe ich zunehmend das Gefühl, dass dadurch teilweise der nötige Respekt und die Verbindlichkeit fehlen.


    Ich hatte früher einen Co-Trainer, der die Beziehung zu den Spielerinnen eher auf einer freundschaftlichen Ebene gesehen hat. Wir haben das damals gemeinsam so gemacht und im Nachhinein war das für mich ein großes Problem.


    Ich möchte definitiv nicht wieder in diese Richtung.


    Ich bin nicht der Freund der Spielerinnen, ich bin ihr Trainer. Ich möchte nahbar und fair sein, aber gleichzeitig klare Erwartungen haben und diese auch konsequent einfordern.


    Ich möchte kein Trainer sein, der nur herumkommandiert. Aber ich glaube mittlerweile, dass ich manchmal zu verständnisvoll bin und dadurch meine Rolle nicht klar genug ausfülle.


    Und jetzt weiß ich ehrlich gesagt gerade nicht, wo ich anfangen soll.


    Meine aktuellen Baustellen wären aus meiner Sicht:


    Kondition und körperliche Intensität


    Großfeld verstehen lernen


    4-2-3-1 und Positionsaufgaben


    Abstände zwischen den Mannschaftsteilen


    gemeinsames Aufrücken


    gemeinsames Verschieben


    Spielaufbau von hinten


    weniger Einzelaktionen und mehr Zusammenspiel


    gleichzeitig mehr Verbindlichkeit und klare Trainerrolle


    Was würdet ihr an meiner Stelle jetzt machen?


    Wie würdet ihr die nächsten 3–4 Wochen Training aufbauen?


    Was davon würdet ihr gezielt einstudieren und was eher über Spielformen entwickeln?


    Und wie würdet ihr das konditionelle Problem angehen, ohne aus dem Fußballtraining ein reines Lauftraining zu machen?


    Vor allem würde mich aber interessieren, ob jemand schon einmal eine ähnliche Situation hatte: erfolgreiche Kleinfeldmannschaft, dann Wechsel aufs Großfeld und plötzlich funktioniert gefühlt fast nichts mehr.


    Ich suche gerade keine einzelne Übung und auch nicht den perfekten Trainingsplan. Mir fehlt momentan einfach eine klare Richtung, wie ich mit dieser Mannschaft sinnvoll weiterarbeiten kann.


    Bin für jede ehrliche Einschätzung dankbar.


    Gruß Thorben Voß vom FSV Wyk-Föhr

  • Für den Wechsel auf das Großfeld empfehle ich im Training weitläufigere Übungsformen und Spielformen mit Fokus auf strammere Pässe, die dann schneller ankommen bzw. größere Distanzen schneller überwinden.

    Nebeneffekt: Durch das größere Übungsfeld müssen die Spielerinnen automatisch mehr laufen.

    Die Formation 4-2-3-1 halte ich für nebensächlich, besser wäre jedenfalls für den Anfang ein 4-4-2 Raute, da dann alle Bereiche des Großfelds besser abgedeckt sind, zumal die beiden Außenverteiderinnen woöglich sich zu selten nach vorne einschalten. Wenn ja, dann stell um auf 3er-Kette hinten, zwei Sechser und der Rest dann 3-2 oder 4-1. Eine 6er bleibt eher defensiv, eine kann sich mit einschalten. Die drei Verteidigerinnen bleiben dann meistens hinten. Das wird in der Liga, in der "Leistungsstufe" völlig ausreichen, bis alle entsprechend Kondition und Schnelligkeit haben (die kommt erst mit längeren Beinen)


    und ja, Du bist Trainer und nicht Freizeitonkel. Du willst sie besser machen und nicht ihr bester Freund sein.

  • Hallo Vossi,

    Du hast ja eine klare Liste, die du abarbeiten willst. Die hört sich für mich erstmal sehr gut an. Leider hört sich das in einer B-Mädels Breitensportmannschaft nicht nach 3-4 Wochen sondern eher nach 1-2 Jahren Arbeit an.


    Und damit das klappen kann, musst Du als erstes abklären, ob Deine Mädels das auch wollen. Oder ob sie einfach eine gute Zeit miteinander verbringen wollen und ein bisschen kicken (zweites finde ich übrigens nicht verwerflich - meine (und ich glaube fast jede) Altherrenmannschaft macht das auch genau so). Damit sie sich weiterentwickeln, brauchst Du nämlich unbeding "mehr Verbindlichkeit" aus Deiner Liste, dass die Mädels regelmäßig ins Training kommen und lernen wollen und mit dem Kopf dabei sind.


    Inhaltlich würde ich mich sehr an der Trainingsphilosophie Deutschland orientieren: Trainingsphilosophie Deutschland


    Aber das wichtigste ist, dass Du und Deine Spielerinnen die gleiche Ambition haben, sonst wirst Du die ganze Zeit enttäuscht sein und Deine Mädels genervt.

  • Danke euch! Ich glaube, da fehlt noch etwas Kontext. Unsere Mannschaft war in den letzten Jahren ziemlich erfolgsverwöhnt – mehrfach Kreismeister, Hallenkreismeister usw. Letzte Saison dann auch Meister auf dem Kleinfeld. Es geht also nicht darum, dass die Mädels grundsätzlich keine Ambitionen haben.


    Das große Thema ist für mich wirklich der Übergang aufs Großfeld. Etwa die Hälfte der Mannschaft sind noch C-Jugendliche und für viele ist das Großfeld komplett neu. Dazu kommt, dass wir in Schleswig-Holstein auf Großfeld direkt in der Landesliga spielen, also schon auf einem entsprechend hohen Niveau.


    Im ersten Spiel hat man deshalb extrem gemerkt, dass viele Dinge vom Kleinfeld einfach nicht übertragen werden konnten: riesige Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, langsames Aufrücken, wenig gemeinsames Verschieben und kaum Orientierung im 4-2-3-1.


    Deinen Punkt mit der Verbindlichkeit sehe ich übrigens absolut. Ich frage mich nur gerade, wie ich diesen Übergang trainingstechnisch am besten hinbekomme.


    Bei Trainingsphilosophie Deutschland und auch Advance.Football habe ich momentan etwas das Gefühl, dass vieles sehr stark aus dem Kleinfeld bzw. aus kleinen Spielformen heraus gedacht ist.


    Für eine B-Jugend auf Großfeld frage ich mich deshalb: Wie viel muss ich Dinge wie Grundordnung, Abstände, Aufrücken und Spielaufbau tatsächlich gezielt einstudieren und wie viel sollte über Spielformen kommen?


    Genau da fehlt mir momentan noch ein bisschen die Richtung.