RedDevil Ich bekomme das mit dem Zitieren leider nicht so schön hin, daher entschuldige bitte meine folgenden etwas unstrukturierten Gedanken:
Der Umstand, dass hinzugekommene U 16 Spieler zu 37,4 in der U 19 sind, heißt doch nicht, dass man mit 16 erst ins NLZ soll. Die höhere Wahrscheinlichkeit in die U19 zu kommen, ist doch antiproportional zu dem Umstand mit 16 ins NLZ zu kommen. Wenn du dann alle Kinder erst mit 16 holst, wirst die Quote von 37,4 sehr wahrscheinlich sinken, da dann sehr stark aussortiert werden würde. Und natürlich erhöhen sich Wahrscheinlichkeiten, wenn man zeitlich näher zum Ereignishorizont rückt.
Tatsächlich ist doch die Frage, was ist das Ziel einer solchen Analyse. Will man das Kindeswohl schützen oder will man bessere Fußballer? Im Deutschen Fußball fängt schon immer später mit den NLZ an. Bayern und Hertha haben schon lange alles unter U9 abgeschafft, Bayern sogar bis U11. Bei Hertha nimmt man übrigens erst ab U 11 am Ligabetrieb teil. Auch weite Fahrten sollen vermieden werden. Es gibt Psychologen und Physiotherapeuten, die sich um die Kinder kümmern, aber die größte Gefahr sind nicht die NLZ, sondern häufig die Eltern, die mit falschen Erwartungen ihr Kind zwingen. Während unser NLZ bei Verletzungen lieber länger abwartet, wollen die Eltern das Kind gern frühzeitig zum Training schicken. Auch ich habe Dinge über Kinder gelernt, die mir nicht bewusst waren, insbesondere im Hinblick auf Ausdauer und Kraft. Da ist unser NLZ deutlich weiter als jeder andere Verein im Umfeld.
Die andere Frage ist, will man die besten Fußballer? Und hier muss ich ehrlich sagen, dass andere Vereine im europäischen Ausland häufig viel früher Kinder requirieren und beim Aussortieren echt gnadenlos sind. Ein Vorteil ist bspw. in England, dass die Jugendtrainer professionalisiert arbeiten, heißt als Vollzeitjob. Da sollte man verstärkt drüber nachdenken.
Zur sozialen Mobilität im Vergleich zu Frankreich:
Soziale Mobilität: Deutsches Bildungssystem erfolgreicher als angelsächsisches
Unabhängig davon geht es auch nicht um die Gesamtbevölkerung, sondern konzentriert auf Kinder im Fußball. Hier ist es nicht von der Hand zu weisen, dass für viele Kinder aus einfachen Verhältnissen Fußball in Frankreich ein ernsthafter Versuch ist, ihrem Umfeld zu entkommen. Bei unserem NLZ beginnt nunmehr den Wechsel auf eine Eliteschule des Sports. Die absolute Mehrzahl der Kinder wird dort ein Abitur ablegen. Insofern kann man auch danach sehr entspannt sein, sollte es nicht klappen.
Unser NLZ zahlt keine Entschädigung in der D-Jugend. Das kommt erst ab der C Jugend. Von 15 Kinder weiß man jetzt schon, dass 13 Kinder auch in der C Jugend sein werden. Bei zweien weiß man es nicht, da sie noch nicht auf die weiterführende Schule gehen und somit dies als Indikator ausscheidet.
Ich kenne gerade als Trainer einige Kinder, die Fußball wegen ihrer Eltern (meist Vater) gespielt haben. Es hat nichts mit Intelligenz zu tun, ob man einen Sport nicht mag. Dem liegen andere Einflüsse zu Grunde. Ich kann aber für 15 Kinder bei uns sagen, dass sie sich auf jedes Training freuen und gern zu jedem Turnier/Spiel wollen. Also trotz der ganzen Anstrengungen freuen sie sich auf Fußball. Genau das ist das Wichtige.
Ich bin hier auch etwas durch meinen Sohn vorbelastet. Bevor er in ein NLZ gewechselt ist, kannte ich das alles nicht. Ich war selber ein schlechter Fußballer, bin eher Theoretiker und kann gut mit Kindern. Fußballerisch hätte sich mein Sohn nie im Leben in seinem alten Verein so entwickeln können. Und wir sprechen aktuell von den goldenen Lernjahren. Also ich spreche natürlich nur für meinen Sohn und mich, dass es eine gute Entscheidung war, soweit es seine fußballerischen Fähigkeiten betrifft. Erzieherisch haben wir auch keine Probleme. Trotz des ganzen Stresses ist er ein sehr guter Schüler. Vielleicht sind wir auch nicht das Paradebeispiel, aber es ist der Punkt, warum ich hinsichtlich der pauschalen Aussage sehr vorsichtig bin.
Aber ich freue mich über jeden Input bzw. Diskurs. Ich habe auch nur einen beschränkten Einblick. Ich mag Zahlen und ich mag auch Analysen. Aber gerade hier bin ich sehr vorsichtig, weil häufig viele kleine Einzelschicksale sich dahinter verstecken. Um noch einmal den Bogen zu spannen, die beiden Jungs in der Doku sind leider kein gutes Beispiel. Viele Eltern denken, ihr Kind sei ein absoluter Starspieler. Dafür muss man noch nicht mal im NLZ sein. Was da für eine Verblendung besteht, ist unglaublich. Ich muss da natürlich auch aufpassen. Und bei vielen Dokus, die zu dem existieren, denke ich häufig, dass die Eltern mal auf die Euphoriebremse treten sollten. Demuth und Fleiß sind so wichtig auch für den späteren Erfolg. Diejenigen, die das an den Tag legen, wirst du in solchen Dokus auch bei einem Scheitern nicht wiederfinden. Denn wenn mein Sohn es irgendwann mal nicht packen sollte, würde ich es tunlichst unterlassen, ihn vor eine Kamera zu zerren.
Nur der Vollständigkeit halber, natürlich gibt es auch schlimme Sachen in NLZ. Die Rassismussache bei Bayern und die fraglichen Dinge bei Unions Jugendspieler gehen natürlich nicht. Hier muss man aufpassen, aber das hat auch erstmal nichts mit bloßen Statistiken zu tun.
Entschuldige bitte, ist etwas lang geworden. Man hat manchmal das Bedürfnis sich was von der Seele zu schreiben.