Beiträge von Counterpressing91

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    Das Problem ist ja auch, dass selbst wenn die Motivation etc. stimmt - man brauch fast einen 20 Mann Kader um in der B und vorallem A-Jugend ne passable Trainings- und Spielbeteiligung zu haben.
    Ich muss immer wieder feststellen, dass die Jugendlichen heutzutage einfach überhaupt kein Zeitmanagement mehr besitzen - Freundin, Fahrschule, Nebenjob und Fußball unter einen Hut bringen? Unmöglich.
    Bei meiner A-Jugend kommen selbst die motiviertesten und ambitioniertesten Jungs maximal auf 75% Trainingsbeteiligung.
    Und die haben echt IMMER Bock aufs Training - aber bekommen es leider nicht gebacken sich Termine in der Woche verbindlich freizuhalten und einzuteilen..so kommt es immer wieder zu zeitlichen Konflikten.


    Klar, ist das alles in dem Alter nicht leicht.. aber zu meiner Jugendzeit (die auch noch nicht so lange her ist) gab es sowas nur begrenzt...
    wohl auch, weil mittlerweile die Eltern oftmals bereits ab der D/C-Jugend nicht mehr mit im Boot sitzen und die Hand über so etwas halten.

    Nagelsmann selber vertritt ja auch die Meinung, dass er lieber den Gegner zu einem Fehler zwingt und dadurch in Ballbesitz kommt, als dass es zu vielen direkten Zweikämpfen kommt (da deren Ausgang zu oft von Glück und anderen unberechenbaren Faktoren abhängt).

    Sehr guter Beitrag Skriwer!
    Kenne den Artikel (lese nebenbei auch das Buch über die taktische Period. im Fußball).


    Der Thread/ Die Frage war auch nicht zu 100% an Nagelsmann angelehnt (denn keiner weiß genau wie er "Prinzipien" definiert)...soll in der Auflistung hier eher um fußballtaktische Dinge gehen, die ihr - unabhhängig von System und Spielidee - IMMER predigt (weil sie oft falsch gemacht werden ;))

    Hallo zusammen,


    in Berichten über Julian Nagelsmann fällt ja immer wieder der Begriff ''Prinzipien''.
    Nagelsmann hat laut eigener Aussage genau 31 Prinzipien, die übergerodnet quasi als Rahmen für sämtliche andere (taktischen) Anpassungen stehen.
    Generell scheint Nagelsmann den Fußball ja als Art Baukastensystem darzustellen und demnach auch das Anforderungsprofil für seine Spieler und die jeweiligen Positionen zu vermitteln.


    Finde den Ansatz hoch interessant und will daher mal in die Runde fragen, welche Prinzipien es bei euch in eine solche ''Liste'' schaffen würden.


    Ich kann ja mal von mir aus ein paar nennen, die mir eigentlich unabhängig von System und Gegner wichtig sind und immer gelten.


    - hinter den Ball kommen bei Ballverlust
    - diagonale Pässe statt quer
    - Dreiecke bilden
    - nie aus dem Stand dribbeln (Fummeln)
    - Gegner im Bogen anlaufen
    - IMMER das Tempo mitnehmen
    - AV hoch stehen beim Spielaufbau
    - nie in den Gegenspieler reindrehen


    So als Gedankenansatz..aber vielleicht fällt euch auch was ein :)

    Es soll jetzt auch nicht so rüber kommen, als wären die 4 Wochen jetzt total frustrierend für mich gewesen.
    Im Gegenteil - so ne hohe Trainingsbeteiligung ist geil und es sind auch wirklich ein paar geile Kicker im Team.


    Aber meine Ausführungen sollten ja auch ein wenig an den Ursprungspost angelehnt sein:
    Der Aderlass in der A-Jugend ist meiner Meinung nur die ''Spitze'' des Eisberges - die größten ''Probleme'' finden davor statt.


    Denn ich glaube, meine A-Jugend spiegelt einfach die allgemeine Situation in den Vereinen wieder.
    Ich habe keineswegs eine besonders lustlose oder disziplinlose Truppe übernommen..dann würde ich sofort sagen ''Nein, das passt nicht''.
    Ich denke, ich würde bei 9 von 10 ''kleineren'' Vereinen diese Umstände vorfinden - und diese Tatsache muss ja irgendwo ihre Wurzeln haben.


    Und da kommt man zwangsläufig wieder zu den 3 Punkten 1) Perspektivlosigkeit 2) verpasste Wertevermittlung in den Jahren zuvor 3) Generelle Interessenverschiebung und Unverbindlichkeit der Generation Z.

    Ich wollte niemanden auf den Schlips treten, geschweige denn das ''Dorfverein-Dasein'' generell kritisieren.
    Dafür habe ich selber in der Jugend zu lange bei einem gespielt.
    Ich habe ja auch in einem Absatz erklärt, dass ich kein Problem habe mich in gewissen Bereichen anzupassen.
    Ich bin selber erst Mitte 20 - also vom Typ her glaube ich, dass ich die Jungs da ganz gut erreiche und trotz meiner Ambitionen nicht als ''arrogant'', ''weltfremd'' o.ä. rüber komme.


    Aber es gibt einfach Dinge (Basics), die für mich für JEDEN Verein zu realisieren sind, ohne dabei ihre Identität zu verlieren bzw. den Spaß zu verlieren.
    Und wenn diese Dinge in einer A-Jugend nicht vorhanden sind, dann sind die Gründe für mich entweder die bereits erwähnte Prioritätenverschiebung bei der Generation Y oder eben die Versäumnisse der Trainer in den Jugenden davor.


    Ich kann ja nochmal 4-5 konkrete Beispiele nennen:


    1) Pünktlichkeit
    Es sollte sebstverständlich sein, dass man zum Training/Spiel pünktlich kommt.
    An der Tagesordnung steht aber meistens, dass 2-3 Spieler zu spät kommen UND (was aus meiner Sicher das Problem ist) dann noch im langsamen Schritt in die Kabine traben als ob sie ne Stunde zu früh wären.


    2) ''Bolzen'' vor vor/während Training/Spiel. Ist bei mir einer der ersten Regeln. Es gibt fast nichts sinnloseres, als auf den Platz zu kommen und erstmal
    X Mal mit 10 Bällen plump aufs Tor zu knallen. Egal wer alles im Weg steht. Von der Verletzungsgefahr ganz zu schweigen.


    3) Einheitliches Auftreten vor Spielen.
    Immernoch kommen die meisten Spieler TROTZ eigentlich kompletter Ausstattung mit Jeans, Jogginghose, T-Shirt etc. zum Spiel.
    Das zu kritisieren mag kleinkariert klingen...aber für mich gehört sowas einfach dazu.


    4) Verantwortlichkeit für den Ballverlust
    Die gibt es bei den meisten Jungs in dem Alter doch überhaupt nicht mehr. Da wird ein Ballverlust einfach so in Kauf genommen (wenn man dafür einen hätte tunneln können) ohne dabei zu bedenken, dass die Jungs dahinter alles geben müssen um sich den Ball zurück zu erobern. Meistens wird auch noch stehen geblieben.
    Das ist diese ''Bolzplatz-Mentalität''. Die hat für mich egal ob NLZ oder ''Dorfverein'' nichts zu suchen, sofern zumindest ein gewisser Fortschritt und Erfolgsgedanke besteht.


    5) Ehrgeiz
    Ich muss als Trainer doch verlangen können (egal wo meine Mannschaft spielt), dass ein gewisser Ehrgeiz vorhanden ist.
    Wenn dann vor einem wichtigen Spiel die ganze Nacht gefeiert und gesoffen wird, dann ist das einfach ein Einstellungsproblem.
    Das hat dann nichts mit ''Im Dorfverein ist das halt so'' zu tun.


    Zumal, wenn man sich mal die Landesligen der Verbände anschaut in B- und A-Jugend, sieht man überall mindestens 2 Vereine, die von der Größe und Umfeld her auch klar als ''Dorfverein'' zählen.
    Dort wird aber scheinbar irgendetwas anders (besser) gemacht...


    Und Dorfvereinsleben und Spaß hin- oder her...das eine schließt das andere ja nicht aus.
    Ich glaube nicht, dass Verein X, der sich z.B. an die oben genannten Punkte hält, weniger Spaß und Affinität zum Fußball hat als Verein Y, der diese 0815-Mentalität an den Tag legt.


    @AKjfv
    Sehe ich genauso!
    Ich hab den Spielern beim Training letztens gesagt, dass mein Ziel ist, jeden von ihnen im nächsten Jahr zu einem besseren Fußball zu machen, damit er im Seniorenfußball Fuß fassen kann und zumindest regional gesehen eine gute Rolle spielen kann. Ich glaube sowas haben sie noch nie vorher gehört..

    Ich wollte mal ein kurzes Update geben, da ich ja aktuell in meiner vierten Trainingswoche mit meiner neuen A-Jugend bin.
    Wir (2 ''Co-Trainer'' und ich) haben nen großen Kader - aktuell 20 Spieler.
    Momentan spielen wir die Bezirksliga-Quali - deswegen sind wir jetzt noch/schon im Trainingsbetrieb.


    Und bisher werden meine Ansichten im großen Teil bestätigt.


    Da ich wohl der erste Trainer der Jungs bin, der ne Lizenz besitzt (A-Lizenz) und wirklich Wert auf taktische Dinge und abwechslungsreiches, innovatives Training legt, hab ich die meisten der Spieler überfordert bisher.
    Der Sinn der Übungen wird oftmals hinterfragt und der wirklich Zweck wird glaube ich nicht verstanden.
    Alles was kein Torschuss oder ne Spielform beeinhaltet ist für die wahrscheinlich scheiße.
    Das sagt natürlich (bisher) niemand öffentlich und es ziehen auch alle Jungs voll mit - aber spürt es irgendwie.


    Was ich in einem vorherigen Post ja schonmal angesprochen habe und hier unter euch ja auch als das größte Problem gesehn wird...
    ...die Prioritätenverschiebung! Die Trainingsbeteiligung ist top! Immer 16-20 Mann gehabt bisher.
    Die Abgründe tun sich aber dann vor den Spielen auf:
    4er-Gruppe - der Erste spielt Bezirksliga. Erstes Spiel gewinnen wir 3:1. Haben also gute Chancen.
    Was passiert? Ich schätze knapp 70% der Mannschaft war am Vorabend saufen, raucht vor dem Spiel 5 Zigaretten und lässt einfach komplett den Ehrgeiz vermissen. Spiel wurde dann auch komplett durch diese Probleme verloren, trotz großer spielerischer Überlegenheit. Die letzten 10 Minuten in der jeder HZ haben wir keine Luft mehr gehabt und der Gegner hat dort die Tore gemacht.
    Das hab ich der Mannschaft dann auch so in der HZ/nach dem Spiel sachlich und ehrlich verklickert. Das ihre Einstellung zum Fußball ihnen die Bezirksliga gekostet hab. Ergebnis waren einige fragende und betröppelte Gesichter.



    Ich kann JEDEM nur empfehlen, im frühen Alter schon seine Trainer-Scheine zu machen, um dann bereits im Leistungsbereich einsteigen zu können. Weil mit Visionen und vorallem Ambitionen wird es zu 90% frustrierend in einem ''Dorfverein''.
    Es ist fast unmöglich, sämtliche Dinge, die von der D- bis A-Jugend versäumt wurden, aufzuarbeiten.
    Sowohl sportlich als auch (und vorallem) menschlich.
    Ich habe es als ''letzte Chance'' gesehen um etwas in einem kleinen Verein zu bewegen (nebenbei trainiere ich in einem NLZ eine jüngere Jugend) und etwas von meinen Erfahrungen aus größeren Vereinen weiterzugeben - aber es fehlt einfach zu sehr an elementaren Dingen.


    Und dabei ist mir durchaus bewusst, dass man sich anpassen muss und sich nicht wie ein Guardiola in einem Dorfverein aufführen kann. Natürlich trinke ich bei meiner aktuellen Mannschaft nach dem Training auch mal ein Bier mit und sehe auch andere Dinge lockerer als in einem NLZ.
    Aber wenn die grundlegende Einstellung dem Fußball gegenüber einfach nicht da ist - dann passt so etwas auf lange Sicht einfach nicht.
    Und dieses Problem wird sich in 90% der Breitensportvereinen so wieder finden.
    Warum dann doch einige Teams Erfolg haben?
    Den haben wir ja auch (ich gehe davon aus, dass wir in der Leistungsstaffel nächste Saison um den Titel spielen werden) - eine Ansammlung von guten Fußballern sorgt ja von Natur aus für ein gewisses Leistungsniveau.
    Nur muss man sich eben von seinen Prinzipien weitesgehend verabschieden und seine Visionen vergessen. Wer das kann und/oder keine hatte, der wird sich auch nicht ärgern.


    Es gibt natürlich auch positive Beispiele:
    2-3 Spieler, die noch am ehesten auch eine theoretische Fußballaffinität besitzen, kommen öfters nach Spiel/Training zu mir und fragen mich nach meiner Meinung, ob sie die Rolle heute gut gespielt haben und was sie besser machen können.
    Sowas freut einen natürlich - ist aber doch eher Ausnahme.

    Ich glaube, du hast die Gründe schon ganz richtig analysiert.
    Ich hab ähnliches festgestellt.
    Ich trainiere aktuell eine E-Jugend eines 2-Ligisten und nebenbei eine A-Jugend in meiner Heimatstadt auf ganz normaler Leistungsklassen-Ebene.


    Die A-Jugend-Mannschaft werde ich zur neuen Saison wechseln, da bei meinem alten Verein nächste Saison keine A-Jugend mehr existiert (da es aus der B keinen Nachschub gab).
    Hab mir die neue Mannschaft die letzten Wochen einige Male angeschaut (bzw. die jetzige B-Jugend) um schonmal einen groben Überblick zu bekommen über Leistungsstärke etc.
    Und was ich da für mich mitbekommen habe, bestätigt so ein wenig meine Erfahrungen aus den letzten Jahren:


    Die aktuelle B-Jugend hat in ihrer Staffel jedes Spiel deutlich gewonnen und dominiert.
    Der Trainer hat selber jedoch kaum ''Ahnung'' von Trainingsmethoden etc.
    Meistens 0815-Training mit Aufwärmen, Pass-Übung, Torschuss, Abschlussspiel.
    Schien aber bei den Jungs gut anzukommen.


    Ich wiederum habe bei meiner alten Mannschaft sehr akribisch trainiert und auch viel Wert auf Taktik gelegt (wohl auch dadurch bedingt, dass ich die A-Lizenz besitze und mein ''Vorgänger' lizenzlos war).
    Training hat meinen Jungs auch Spaß gemacht, da es sehr abwechslungsreich war - jedoch hatte ich nie das Gefühl, dass vom taktischen Know-How allzu viel hängen geblieben ist.


    Problem ist heutzutage einfach, dass die wenigsten Jungs in dem Alter noch eine wirkliche Affinität zum Fußball haben.
    Man spielt zu Hause FIFA 17 und kennt dadurch einige Spieler - aber Spiele im Stadion schauen oder auch mal über den Tellerand hinauszugucken macht kaum jemand.
    Da komische daran ist wirklich, dass ich Jungs dabei hatten, die wirklich JEDEN Tag Lust hatten auf Fußball/Training - aber auf der anderen Seite eben auch überhaupt keinen wirklichen tiefergründigen Bezug zum Fußball haben.
    Die hätten auch einfach 90Min ein Abschlussspiel machen können beim Training.


    Das ist als Trainer natürlich irgendwo frustrierend, weil man selber einen anderen Anspruch hat und auch vorlebt.


    Kann man dieser Entwicklung als Trainer/Verein entgegenwirken?
    Ich glaube kaum.


    Wie will man neue Jungs in dem Alter hinzugewinnen? Jemand der mit 16-17 Jahren aktuell NICHT im Verein spielt, wird zu 99% nicht dadrauf abfahren wenn jemand ihm erzählt '' Junge!! Komm zu uns - wir machen richtig geiles Training und üben permant das Angriffspressing im 4-4-2 ein!!'' :rolleyes:


    Bleibt nur die Möglichkeit, das Beste draus zu machen und zu warten, bis man die Chance als Trainer im wirklichen Leistungsfußball bekommt.
    Dort ist die gesellschaftliche Entwicklung der Generation Y natürlich ähnlich - jedoch wird dem dort durch den Druck der Eltern und der zumindest exisitierenden ''Minimalchance'' auf den Profifußball entgegengewirkt.


    Es fängt ja oftmals schon bei der Trainingsbeteiligung bzw. den Absagen an.
    Diese ''Unverbindlichkeit'' heutzutage bei den Jugendlichen ist einfach schlimm. Kaum jemand hat das Rückgrat noch persönlich per Telefonanruf abzusagen.


    Als kleiner ''Tipp'' dazu eventuell:
    Ich bin ganz gut damit gefahren, dass ich den Jungs von Anfang an gesagt habe, dass sie sich garkeine Mühe machen sollen, irgendwelche Ausreden für Absagen zu finden und dass es mir im Endeffekt ''egal'' ist.
    Wenn ein 17-Jähriger den Geburtstag seiner Freundin vorzieht, dann ist das eben so - da hat man als Trainer keinen Einfluss drauf.
    ABSOLUTES MUSS war für mich immer nur, dass überhaupt abgesagt wird (damit ich das Training planen kann).


    Und da finde ich es eben sehr kontraproduktiv, wenn Spieler A aus Angst oder Scham garnicht erst absagt.