@Das_Huhn
Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum kindgerechter Fußball den fairen Wettbewerb um Platzierungen, der das Herz jeden Fußballspiels ist, ausschließen soll. Kinder messen sich in der Schule ("Der Peter hat heute eine 3 bekommen, ich eine 2."), im Sport (Beispiel: Gürtelprüfungen im Karate) und im Spiel. Und gerade im Fußball wollen wir das unterbinden? Was für ein Unsinn!
Im Schulsystem (NRW) gibt es bis Klasse 3 (F bis junger Jahrgang E) keine Benotungen. Auch in der 4. Klasse (alter Jahrgang E) wird von Fall zu Fall von der Schulkonferenz festgelegt, ob es eine Benotung gibt (föderales System). Sogar in der weiterführenden Schule werden in der 5. und 6. Klasse noch keine Leistungskurse angeboten.
Was allerdings boomt sind die privaten Fördereinrichtungen in die die Kinder zusätzlich geschleppt werden. Ist das gut?
Im Karate kann man erst ab 12 Jahren (D-Jugend) eine Gürtelprüfung ablegen. So war es bei meinem Sohn.
Und ja, auch die Kinder mögen spannende Wettkämpfe um Platzierungen, weil dies das Salz in der Suppe beim Fußball ist. Wie oft fragen mich die Kinder im Turnier: "Können wir noch Erster werden?"
Natürlich ist das "Gewinnen" das Salz in der Suppe. Jedes Kind will das Spiel gewinnen.
Das Wettkampfsystem im Kinderfußball wurde vom Erwachsenenfußball nach unten übergestülpt. Das versucht man von oben her zu korrigieren, es wird aber unten (z.B. von dir) nicht ernst genommen und sogar blockiert. Allerdings gibt es auch schon Landesverbände bei denen es wunderbar funktioniert.
Halten wir also fest: Der Wettbewerbsgedanke ist bei den Kindern wie bei den Eltern verankert.
Du hältst fest!
Ich halte fest! Der Wettkampfgedanke ist bei Erwachsenen verankert. Da die Erwachsenen Vorbilder sind, übernehmen die Kinder die Gedanken der Erwachsenen. Das ist grundlegend etwas anderes.
Ich sehe selbst um mich herum, dass primär leistungsorientiert arbeitende Vereine anders mit den Kindern umgehen. Das ist aus meiner Sicht immer noch kindgerecht, aber halt ergebnisorientierter. Und genau da sind wir beim Thema Schiedsrichter. Es mag ein blöder Vergleich sein, aber wenn alle Menschen nett wären, bräuchten wir auch keine Polizei. Sind sie aber nicht. Und wenn die Jungs dann im Training gesagt bekommen: "Lass dich ruhig mal vorm Tor fallen. Du guckst doch auch Bundesliga.", dann wird es eng mit dem Spiel ohne Schiri, weil die außerhalb des Platzes stehenden Trainer auch nicht genau gesehen haben, ob es nun ein 8m war oder nicht.
Hier beschreibst du wunderbar, dass die Erwachsenen den Schiri benötigen und nicht die Kinder. Es muss ganz dringend in die Köpfe rein, dass wir Fußball mit Kindern machen und keinen Wettkampffußball mit Erwachsenen.
70% der Fairplay-Ligaspiele liefen komplett entspannt ab, weil wir "Dorfmannschaften" zwar auch gern gewinnen, sich aber die Trainer untereinander kennen und wir alles ruhig geregelt bekommen. 30% der Spiele waren anstrengend bis grenzwertig, besonders wenn es gegen ambitionierte Vereine ging, weil die Kinder einer der beiden Mannschaften sich von der anderen betrogen fühlten. Und dann wurde es teils richtig ruppig auf dem Platz.
70% ist zunächst mal eine sehr gute Quote und zeigt, dass es in die richtige Richtung geht. An den 30% muss man arbeiten. Und genau hier muss/müsste der richtige Input von oben kommen. Ich denke auch, dass es früher 30% der Spiele waren, in denen sich einer betrogen fühlte. Nur war damals der Schiri der „Betrüger“. Ein Traum wäre es, wenn es für den Kifu unabhängige Spielbegleiter geben würde. Das ist allerdings nur eine Wunschvorstellung.
Mein früherer Trainerkollege hat es im vorigen Jahr kopfschüttelnd auf den Punkt gebracht: "In der Fairplay-Liga lernen Kinder, dass der Stärkere und Lautere gewinnt." Jetzt kannst du natürlich wieder dagegenhalten: Das müssen die Trainer unterbinden. Tun aber nicht alle und teils bekommen die Kinder nach dem Spiel noch vom Vater erklärt, dass der komische Typ doch nie hätte vorbeikommen dürfen. Den grätscht man um ...
Wir können uns alle die heile Welt wünschen, Realität wird sie deshalb trotzdem nicht. Und deshalb werden wir weiter Schiris und Polizisten brauchen, ersteres auch im Kinderfußball.
Auch hier beschreibst du eindrucksvoll, wie vergiftet der Kinderfußball vielerorts noch ist. Wir, die den Kinderfußball ernst nehmen, müssen uns weiter für ihn einsetzen und immer weiter aufklären. Nebenbei müssen wir hoffen, dass der DFB dem Kinderfußball irgendwann die Beachtung schenkt, (Kinder sind unsere Zukunft) die er verdient und Flagge zeigen. Erst dann werden es auch die leistungsorientierten Trainer verstehen.
Große Hoffnung setze ich in die jungen Trainer. Teilweise habe sie selbst noch den Kinderfußball erlebt und möchten es besser machen.