Willkommen im Leben einen KiFu-Trainers. Unabhängig von Nationalität und Herkunft scheinen immer mehr Eltern zu glauben, sie geben ihr Kind in einem Verein ab und dann wird es betreut. Ähnlich wie in einer Ganztagsschule. Sie zahlen ihren Obolus, holen und bringen das Kind und dann war es das. Vereinsleben wie es einmal wir, gibt es nur noch sehr selten.
Vorweg: Meine 13 Eltern ziehen gut mit, natürlich immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Man darf sich da nichts vormachen: Die haben oft alles andere im Kopf als Fußball: zwei sind Unternehmer und kommen mit Laptop zu den Spielen. Die Arbeit muss halt gemacht werden. Manche arbeiten Schichten und stehen sichtlich unter Stress. Mehrere Kinder stammen aus geschiedenen Ehen, und die ehemaligen Ehepartner wollen sich aus dem Weg gehen.
Nun bin ich aber auch ein Typ, der stark auf andere Menschen zugeht. Mit einigen Eltern bin ich mittlerweile befreundet, mit anderen hat es auch schon mal gekracht und wir haben uns beim Bier ausgesprochen. Generell ist meine Beziehung zu den Leuten aber sehr persönlich und ich glaube, darin liegt der Schlüssel. Irgendwelche Versammlungen und Ansagen bringen da eher wenig.
Und gerade die Väter (und Opas) bekommt man zu einem großen Teil doch durch das Thema Fußball an sich eingefangen. Wenn die am Spielfeldrand im positiven Sinne Amok laufen und die Kids anfeuern und ich dann nach gewonnenen Spielen zu ihnen gehe und mit ihnen abklatsche, mag das erst mal albern sein, aber das ist praktiziertes Teambuilding.
Ja, man steht als Trainer oft allein da, aber das ist bei Vereinsvorständen (und ein Trainer ist halt ein kleiner Vorstand) fast immer so. Man kann sich einen Teil Unterstützung einfordern, aber manches muss man halt allein regeln. Deshalb würde ich so ein Amt nie allein übernehmen. Ohne Co-Trainer ist das schon mal Käse.
Meine Erfahrung ist folgende: Die Väter muss man emotional binden, die Mütter müssen ihre Kinder gut aufgehoben wissen und bereit sein, gelegentlich Kuchen zu backen (klingt machomäßig, bringt es aber auf den Punkt).
Ansagen machen, dass die Eltern bitte bis zum Turnierschluss bleiben, ist Blödsinn. Das bekommt man dadurch geregelt, dass es am Schluss eine Siegerehrung für alle gibt. Das ist aber Grundwissen jedes Veranstalters.