Ich will auch mal unsere Erfahrungen als Eltern mitteilen.
Unser Sohn spielte nun drei Jahre bei einem NLZ-Team und sollte nun ins Trainingslager der U11 als Vorbereitung für die neue Saison. Er kam auf uns Eltern zu und meinte, dass er das nicht mehr wolle und dass er am liebsten wieder in seinem alten Dorfverein (!!) spielen wolle.
Dazu muss man sagen, dass - soweit ich das beurteilen kann - bei dem NLZ-Verein wirklich Top-Ausbildungsbedingungen herrschen. Es ist - was jedem Beteiligten klar ist - nicht unbedingt kifu-orientiert, aber aus meiner Sicht waren/sind Umfeld und Training den Umständen entsprechend angemessen. Ich habe auch an anderer Stelle mal geschrieben, dass manche Dinge des KiFu weitaus konsequenter gehandhabt werden als bei anderen Vereinen. In den ersten beiden Jahren wurde nahezu mit der Stoppuhr kontrolliert, dass alle Kinder gleiche Einsatzzeiten haben. Auch der persönliche Umgang war stets kindgerecht (in den ersten beiden Jahren vorbildlich, im dritten Jahr in jedem Fall korrekt).
Aber: Es wurde von Beginn an klar und offen/ehrlich kommuniziert, dass nur bei entsprechender Leistung ein Verbleib im NLZ möglich sein werde. Dementsprechend wurden/werden Entwicklungsgespräche geführt und dementsprechend wurde und wird ausgetauscht und gesichtet. Mit diesem Druck müssen die Kinder also umgehen können.
Ebenso "lernen" die Kinder, dass viele Dinge im Leben dem Sport untergeordnet werden. Bei Turnieren ab der U10 werden die Kinder "übernachtungstechnisch" bei Gastfamilien untergebracht und halten sich ausschließlich bei den Trainern auf. Das ist für die Konzentration auf das Wesentliche sicher wichtig und richtig, für senslble Kinder aber gar nicht so einfach (für sensible Eltern im übrigen auch
). Und bei drei Trainingseinheiten pro Woche und Spiel- und Turnierbetrieb an nahezu jedem Wochenende (quer durch die ganze Republik) bleibt schon für den 9-jährigen neben der Schule wenig Zeit für andere Interessen. Und da hatten wir noch das Glück, dass wir in dem gleichen Ort wohnen, so dass die Entfernung zum Trainingsort vertretbar war. Ganz nebenbei müssen natürlich auch die Familien sehr viel Zeit mitbringen und Aufwand betreiben.
Aber andererseits sind die hier immer wieder mal beschriebenen Erlebnisse, gegen die großen Namen auf hochgradig professionell organisierten internationalen Turnieren anzutreten, ebenso beeindruckend. Auch die Trainingseinheiten mit gleich starken Kinder sind aus meiner Sicht extrem fördernd. Das Tempo, das hier von 10-jährigen in Sachen Handlungsschnelligkeit und Umgang mit Ball an den Tag gelegt wird, ist extrem beeindruckend.
Wir als Eltern haben - soweit das möglich war - versucht, den extremen Anforderungsdruck abzufangen. Es gab immer Phasen, wo die "Leistungskurve" wechselte, aber er gehörte im Ergebnis immer zum Kern.
Kurzum: das Thema NLZ ist nun erstmal vorbei, weil unser Junge das für sich so entschieden hat. Die Verantwortlichen vom NLZ haben super reagiert.
Ganz wichtig: bei aller Begeisterung, dass das eigene Kind in einem guten Team spielt, kann dies auch hinderlich sein. Wenn ein Kind das Gefühl hat, dass die Eltern sehr sehr stolz sind, wird es möglicherweise Hemmungen haben, aus eigener Sicht negative Eindrücke zu schildern. Selbst wenn man als Eltern immer wieder betont, dass der Spaß das Wichtigste ist und es überhaupt nicht schlimm ist, bei einem andere Verein Fußball zu spielen, muss das auch glaubwürdig sein! Wir als Eltern haben immer versucht, das konsequent zu formulieren. Trotzdem war es nicht einfach für unseren Jungen, seine Entscheidung kundzutun, weil wir - so seine Angst - als Eltern enttäuscht sein könnten. Krass!!!
Noch etwas: seine Begeisterung für Fußball ist ungebrochen. Dieser Begeisterung wird er jetzt in unserem sogenannten Dorfverein nachkommen, wo er dann auf dem Feld Dinge tun kann, die beim NLZ zwar nicht verboten sind, aber nach Möglichkeit nur probiert werden sollen, wenn sie auch funktionieren.
Es ist also alles in bester Ordnung (andere würden wahrscheinlich sagen: noch einmal gutgegangen!)