@let1612
Wie bereits @Constantin sagte, geht es um das Verstehen. Fussball wie Mathe muß man verstehen. Allerdings braucht es beim Fussball auch sportliche Fähigkeiten und nicht nur "Gehirnjogging", wie im Fach Mathe.
Wer jedoch zu wenig vom Fussball versteht, dem fehlt die Fähigkeit falsche Techniken und falsches taktische Verhalten zu erkennen und effektiv zu korrigieren. Noch schlimmer ist das mitgebrachte Halbwissen von Inhabern der "Bundestrainer-Fernsehlizenz". Denn sie verstehen nicht einmal, dass nur das Spielgerät beim Kinder- und Erwachsenen-Profifussball gleich ist. Man erkennt diese Klientel leicht an ihren allgemeinen Aussagen, wie: "... einer ran ..., ... drei in die Mauer ..., ...Leute das ist zu einfach..., ...Angebote ..., ...jetzt kannst du aber auch mal wieder einen Ball halten ..., usw. mit denen kein Kind etwas anfangen kann, weil an der Information fehlt, wer was wie wann warum machen soll.
Doch dafür braucht es nicht allein ein fussballerisches Verständnis, sondern auch pädagogische soziale Kompetenz als wichtige Voraussetzung für eine systematische Ausbildung. Denn man hat es mit Menschen zu tun, die man nicht per Joystick fernsteuern kann, sondern individuelle Bedürfnisse besitzen wofür ein Feingefühl eine notwendige Voraussetzung ist. Selbstverständlich ist auch ein Trainer ein Mensch, weshalb hierbei immer wieder Fehler vorkommen können, ohne jedoch das Ziel einer humanen Kommunikation aus den Augen zu verlieren.
Natürlich ist soetwas nicht jedem Trainer in die Wiege gelegt. Man muß daran arbeiten, sich in jeder Phase gut mitteilen zu können. Auch Besonnenheit will gelernt sein. Denn ist ist manchmal sehr viel schwieriger zu schweigen, wenn es das Beste wäre, anstatt wild gestikulierend nach passenden Worten zu ringen.
M.E. wird die Fähigkeit der Kommunikation in der Motivation noch zu wenig genutzt. Aber ohne diese Fähigkeit sich so mitteilen zu können, dass ihn die Kinder gut und gern verstehen verliert man zunächst die Zuhörer und schließlich die Kinder. Denn ihre Neugier läßt nach und ihre Geduld hat Grenzen.
Im Gegensatz zu @Andre bin ich fest davon überzeugt, dass jeder Trainer sein Bestes gibt. Denn niemand geht zum Spiel mit der Einstellung heute nur sein Schlechtestes zu geben. Überein stimme ich mit ihm, dass es leider häufig deshalb nicht gelingt sein Bestes zu geben, weil kein ausreichendes Verständnis für den Fussball vorhanden ist. Aber vor allen Dingen, weil es an der Kommunikationsfähigkeit fehlt. Insbesondere in selbst empfundenen Stresssituationen. Diese Trainer braucht Hilfe!
Sehe dringenden Handlungsbedarf in der Trainerausbildung beim Thema Konfliktsteuerung
In der heutigen Trainerausbildung ist die typische Stresssituation gar kein praktisches Thema. Denn zwischen Trainings- und Wettkampfsituationen klaffen deutliche Lücken. So kann man im Training den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen. Im Wettkampf wird sie durch den Gegner entscheidend beeinflußt. Um die Ausbildungszeit nicht verlängern zu müssen ist es mein Vorschlag das "Trainergekicke" aus der Ausbildung heraus zu nehmen, weil die Präsentationsfähigkeit m.E. eher einen nebensächlichen Charakter hat. Denn es kann durch gutes Erklären und Korrigieren ersetzt werden.
Wenn es keine großen Führungsschwierigkeiten gäbe, warum glaubt ihr, hätte man sonst die FPL als "Notnagel" und kleinsten gemeinsamen Nenner einführen wollen? Für mich besteht hier sogar dringender Handlungsbedarf in der Trainerausbildung. Denn wenn ich es richtig deute, erklärt ein Teil der heutigen F-Jugendtrainer die nötige "Wettkampfschärfe" in der E-Jugend "nachholen" zu wollen. Was hat man denn gewonnen, wenn die Eskalation sich von der F-Jugend in die E-Jugend verlagert?
