Liebe Trainer, liebe Forumsleser,
ich möchte hier heute gern von meinem gestrigen Spiel berichten, da ich nach wie vor fassungslos bin, was ich in einer Partie der 2.F-Jugend (Jhg. 2001/2002) erleben mußte. Ich hoffe nur sehr, dass dies ein rühmlicher Ausnahmefall bleibt und vielleicht den einen oder anderen Trainer da draußen (vielleicht liest es ja auch der Betroffene selbst) zum Nachdenken anregt, warum wir im Kinderfußball tätig sind.
Zur Vorgeschichte:
Bei uns im Berliner Bezirk Pankow wird seit diesem Jahr erstmalig der Bezirkspokal der Jugend ausgetragen. Es war eine Idee der Fußball AG Pankow gewesen.
Der Fußball AG Pankow gehören alle Pankower Fußballvereine an. Auch wenn es in der Entscheidung der Fußball AG Pankow heißt, dass die Spiele unter
„Wettkampfbedingung“ durchgeführt werden sollen, so bin ich der Meinung, dass hierbei die Kirche im Dorf gelassen werden muss. Es war eine bewusste Entscheidung der Fußball AG, die Spiele zu den Trainingszeiten der jeweiligen Mannschaften anzusetzen, damit so viele Kinder wie möglich daran teilnehmen können. Nach wie vor gilt für mich das Prinzip, allen Kindern den Spaß am Fußball und ihnen so viele Spieleinsätze wie möglich zu ermöglichen. Mir geht es weniger um das Gewinnen oder Verlieren. Ob wir am Ende dabei einen Pokal gewinnen oder nicht, ist für mich Nebensache. Vorrangig zählt für mich, dass alle Jungs der Mannschaft spielen können, da sie sich so nur weiterentwickeln und ihre Fähigkeiten verbessern können.
Unser Bezirkspokal ist ein freiwilliges Projekt und kein offizielles Verbandsturnier. Die Spiele zählen als Freundschaftsspiele. Ob die Info ausschlaggebend ist, weiß ich nicht. Der Spielmodus ist relativ einfach. Zwei Gruppen (A/B) je Altersklasse mit Vorrunde. Dann Halbfinale und am Ende Finale. In unserer Gruppe spielen nur vier Mannschaften, eine ohne Wertung. Somit müssen wir zwei Spiele absolvieren. Unser Spielgegner hatte bereits eine Partie verloren und sein zweites Spiel war gegen uns. Für uns war es die erste Partie.
Bericht:
Für mich war es erklärtes Ziel, zum letzten offiziellen Spieltag auf unserem Platz in diesem Jahr, allen Jungs einen Spieleinsatz möglich zu machen. Immerhin waren wir heute auch mal wieder vollzählig anwesend (19 Spieler in meiner Mannschaft). Leider wurde diese Philosophie vom Trainer des SV P. so nicht geteilt und er beharrte bis zum Schluss auf die Einhaltung aller offiziellen Regeln des BFV.
Als erstes mußte ich ihm alle meine Spielerpässe zeigen. Sowas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Aber ich habe sie ihm gern gezeigt. Danach monierte er meinen Ansatz, dass ich gern (soweit möglich) alle meine Jungs gern spielen lassen möchte. Er beharrt stur auf das Prinzip - 7 Feldspieler + max. 5 Auswechsler. Als ich ihm darlegte, wie albern sein Verhalten gerade ist und das er sich selber nicht an die Regeln hält (3 Spielerpässe waren unvollständig) wollte er von dieser Regel (kein ordnungsgemäßer Spielerpaß - kein Spieleinsatz) nichts wissen. Vielmehr drohte er mit sofortiger Abreise und Nichtantritt. Vor den Augen seiner kompletten Mannschaft. Das war nicht mein Ansinnen. Vielmehr wollte ich ihm deutlich machen, dass es doch gerade ein sehr übertriebens Verhalten des Trainers sei. Somal ich auch nicht recht nachvollziehen konnte, worin sein Problem lag, wenn so viele Jungs wie möglich meiner Mannschaft spielen würden. Wie eingangs betont, wir sind 2.F-Jugend, spielen aus Spaß an der Freude und ob wir am Ende einen Pokal gewinnen oder nicht, ist mir herzlich egal. Meine Jungs sollen/wollen Fußball spielen.
Von Seiten des Trainers des SV P. wurde moniert, dass ich mehr Spieler zum Einsatz bringen wollte, als nach offiziellem Regelwerk zulässig. Hierbei bleibt aber zu berücksichtigen, dass auf dem Feld nur max. 7 Spieler gestanden hätten. Es gab also lediglich Aufregung um die Anzahl der möglichen Auswechselspieler. Darüber hinaus wurde von SV P. moniert, dass ich einen Spieler eingesetzt habe der Jhg. 2001 ist. Er dürfte nach Auffassung des Trainers nicht bei uns spielen. Eine solche Regelung ist mir für dier F-Jugend generell nicht bekannt. Somal der Junge von Anfang an in unserer Mannschaft spielt. Das darüber hinaus auch drei Spieler dem Jhg. 2003 angehörten, war für den Trainer kein Argument.
Permanent wurde das von ihm hochgepriesene Regelwerk nur zu seinen Gunsten ausgelegt. Anderen Argumenten war er nicht zugänglich.
Der gesamte Ärger dauerte geschlagene 45 Minuten. Die Kinder beider Mannschaften waren am Ende reichlich gestreßt und genervt. Die Eltern beider Mannschaften auch und ich habe die Welt nicht mehr verstanden, wie ein Trainer solch eine Sturheit an den Tag legen kann und die gesamte Situation so aufbauscht, als hätten wir um Leben oder Tod gespielt.
Fazit:
Für mich ist ein solches Verhalten nach wie vor nicht nachvollziehbar und höchst unverständlich. Weder in unseren bisherigen „Punktspielen“, noch bei unseren
Freundschaftsspielen hat ein Verein ein ähnliches Verhalten zu Tage befördert. Noch dazu, da alle unsere Spiele ohne Wertung laufen, ist mir die heutige Sturheit des SV P. ein schweres Ärgernis.
An dieser Stelle kämpfe ich nicht für Prinzipen oder Regeln, sondern für die Kinder, denen diese Regeln wohl etwas egal sind, wenn sie auf einem Fußballplatz stehen.
Als mir dann auch noch damit gedroht wurde, dass SV P. zum Spiel nicht antreten wird, war für mich die Welt nicht mehr verständlich. Gerade Kindern in einem Alter von 6 bis 8 Jahren, die sich auf eine solche Begegnung absolut freuen, möchte ich eine solche Entscheidung nie antun und würde sie nur im äußersten Notfall umsetzen, wenn das Wohl und die Gesundheit der Jungs gefährdet scheint. Das alles war heute nicht der Fall. Spaß am Fußball und eine Weiterentwicklung werden so nicht erzeugt, geschweige denn gefördert. Für mich zählen nach wie vor alle unsere Partien als Freundschaftsspiele. Deswegen werden sie auch offiziell nicht vom BFV gewertet. Obwohl es sich heute um offizielle Trainingszeit handelte, durften acht Jungs meiner Mannschaft nicht zum Einsatz kommen. Sie mußten zusehen, was ich enorm toll fand.
Klar ist, dass Regeln dazu da sind, um eingehalten zu werden. Hierbei lege ich aber eher ein Augenmerk auf Fairplay auf dem Feld und nicht auf ein stures Einhalten aller offiziellen Verwaltungsregularien. Das wird m.E. dem Kinderfussball nicht gerecht und geht gänzlich an den Interessen aller Kinder vorbei. Ich werde also auch weiterhin alles dafür tun, dass so viele Jungs wie möglich in meiner Mannschaft spielen können und werde dies auch ggü. anderen Vereinen im Notfall so vertreten.
Ich möchte so einen Tag, wie gestern, nie wieder im Kinderfussball erleben. Ich appelliere an alle Trainer da draußen, dass Ihr noch einmal in Ruhe überlegt, warum Ihr Euch im Kinderfußball engagiert - schraubt eigene Erwartungshaltungen und eigenen Ehrgeiz zurück - es geht um die Kinder und nicht um uns Erwachsene. Bleiben wir als Fussballer bodenständig und freuen uns auf jedes Spiel, an dem unsere Mannschaften schönen Fußball zaubern und sich am Ende (egal ob Sieg oder Niederlage) glücklich in den Armen liegen. ODER????