Günter,
du machst es dir viel zu einfach.
Zur praktischen Erfahrung: der FVM ist der Vorreiter bei den Verbänden und konnte über wenige Jahre im Kreis Aachen analysieren, auswerten und praktische Erfahrung sammeln. Aus diesen Erfahrungen rudert man nicht etwa zurück, man baut die FPL weiter aus. Die Probleme sind nicht neu die du beschreibst, egal ob Trainer, Ausbildung oder sonstwas. Es wäre aber vermessen zu glauben, an dem Tag wo die FPL eingeführt wird ist die Fußballwelt der Kinder in Ordnung. Dies geht nur in ganz kleinen Schritten, aber jeder Schritt ist ein Schritt vorwärts.
Die FPL ist auch keine Institution die irgendetwas zu entscheiden hat, es ist eine Form eines Spielbetriebs. Entscheidungsträger sitzen woanders und da ist das Problem. Diplomatie ist das oberste Gebot und mit Gewalt können die Macher keine Tür öffnen. Die FPL ist keine Revolution im Kinderfußball, die würde ganz anders aussehen und dann würden Argumente folgen, die noch weniger Akzeptanz in der Erwachsenen-Fußballwelt finden würden. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass wir mindestens bis zur G- und F-Jugend keine Fußballfachleute als Trainer benötigen, aber erzähle das mal überehrgeizigen Fußballtrainern.
Die FPL konzentriert sich nur auf einen kindgerechten Spielbetrieb, jeder wird bemerkt haben, es geht nicht um Trainingsinhalte etc.
Du kritisierst auch, dass es keine einheitliche Lösung gibt und erwartest damit etwas von der FPL, was es in anderen Bereichen auch nicht gibt. Die FPL kann das nicht und jeder von uns sollte sich an die eigene Nase fassen. Einige finden das Spielen ohne Schiedsrichter nicht gut, andere die Fanzone, übrigens auch ohne praktische Erfahrung, die der FVM aber zu genüge hat, in großen Teilen wissenschaftlich begleitet. Um mit einer Einheitlichkeit überhaupt beginnen zu können, müssen die Trainer (und auch du) über ihren Schatten springen und die Fanzone oder das Spielen ohne Schiedsrichter einfach als Regel akzeptieren. Wer dies nicht will, kann auch keine Einheitlichkeit fordern, denn so schafft sich jeder sein eigenes Regelwerk.
Nochmal zu Ralf Klohr: er ist ein Mann aus unserer Mitte, der sich dieser Idee verschrieben hat. Lange Telefonate, viele Emails und stundenlange persönliche Gespräche verbinden uns zwischenzeitlich. Er reist viel, hält Vorträge und versucht sich überall einzubringen. Dies geschieht immer mit viel Diplomatie und Gefühl. Ich habe ihn gebeten, sich nicht zu sehr aktiv im Forum einzubringen, weil ihm dann die Zeit für die anderen Dinge fehlt. Andre wird das bestätigen können, diese Diskussion um den Kinderfußball kostet unglaublich viel Kraft und die dringend benötigte Diplomatie geht dann auch mal den Bach runter. Ich glaube auch, wer die Postings von Ralf intensiv liest, sich auf der Seite der FPL umschaut oder die Soccerdrills-Artikel verfolgt, findet die meisten Antworten. Ich kann euch nur eins dazu schreiben: die FPL lernt viel. sehr viel aus den Beiträgen hier. Dazu gehören insbesondere auch die kritischen Auseinandersetzungen.
Ich hoffe, niemand verlangt eine sofortige Veränderung im Kinderfußball durch die FPL. Dies ist das große Argument der Kritiker, die die FPL nicht wollen. Gestern eingeführt und funktioniert einen Tag später immer noch nicht, ich habe es ja gewusst, alles Mist.
Was bringt die FPL, sagen wir es mal so:
- weniger schreiende Trainer am Spielfeldrand
- weniger histerische Eltern am Spielfeldrand
- weniger Stress bei den Kindern
"Weniger" aber nicht "mehr" und allein das ist ein Fortschritt!
Jeder Praktiker weiß, dass es nicht so einfach geht, wenn wir uns den Stand des Kinderfußball anschauen.
