Ein Hallo an alle,
Ich lese nun schon länger "heimlich" mit und konnte so viele Ansätze und Tipps rund um den Kifu und Jufu sammeln :o)
Seit ein paar Tagen brennt jedoch ein Thema so sehr in mir, dass ich es nun mit euch teilen möchte.
Mein Sohn spielt erst seit Februar Fußball, dies jedoch mit immensem Einsatz und Leidenschaft. Wenn ich ihn mit Jungs seiner Altersklasse vergleiche (ich bin da vorsichtig), würde ich sagen, dass er guter Durchschnitt ist. Kein Überflieger. ![]()
Unser Trainer hat immer viel von ihm gehalten und ihn mit zwei weiteren Jungs des Teams ein wenig mehr gefördert. Leider wurde er, weil er sämtliche Trainerscheine in der Tasche hat, vom Obersten zur A1 beordert. Seitdem haben zwei Väter die Rolle übernommen, und ich bin das Mädchen für alles.
Zur "Förderung" muss ich ganz klar sagen, dass die Mannschaft einfach unbeschreiblich schwierig ist. Wir haben vier, fünf ganz gute, eine Handvoll Kinder, die fleißig mitmachen, aber langsam vorankommen und der Rest ist, sachte ausgedrückt, ist Trainingsresistent. D.h. sie scheinen nichts dazu zu lernen, haben keinen Ehrgeiz und sehen den Fußball als Kindergarten/Bespaßung an. Kind wird gebracht, Kind macht irgendwie mit, wird abgeholt. Als Super Beispiel: wir hatten gestern ein großartiges Turnier, obwohl wir bloß genau 7 Kinder dabei hatten, (böse gesagt unsere schlechten, weil Die halbe Mannschaft etwas besseres zu tun hatte, als beim Charity- Turnier mit dabei zu sein) plus ein Leihkind der E1. Eines unserer resistenten Kinder rannte bei strahlendem Sonnenschein in den Spielpausen mit offenem Schirm tanzend ums Spielfeld. Dieses Kind ist eigentlich normal entwickelt, es nimmt die ganze Sache einfach nicht ernst... Das nervt. Nicht nur mich, sondern auch die Kinder, die den Fußball nicht als Freizeitspaß ansehen. Im Endeffekt mussten drei Kinder die Arbeit der anderen übernehmen. Mein Sohn, ein anderer Spieler und der Leihspieler. Die drei hätten Kilometergeld verdient. Die Jungs waren absolut platt, aber stolz, trotz allem im Mittleren Platzierungsfeld gelandet zu sein.
Es fehlen im Training auch grundsätzlich die, die glauben, der eigene Sohn sei dernächste Messi. Aber wehe, der Sohn bekommt einen Rüffel, wird nicht aufgestellt oder ausgewechselt... Ihr kennt das ;o)
So. Seitdem unser Trainer weg ist, ist die Qualität des Trainings auch gesunken. Das mag für die meisten Kinder wahrscheinlich in Ordnung sein. Aber mein Sohn beginnt sich zu langweilen. Beim Testspiel letzte Woche lief es auch nicht rund. Wir hatten alle Kinder da, haben dennoch verloren. Die Kinder haben es sehr gelassen gesehen (tun sie meistens). Als ich meinen Sohn fragte, ob er enttäuscht sei, hat mich seine Antwort umgehauen. "Nein, das ist mir egal, dass wir verloren haben. Es macht nur einfach keinen Spaß, wenn ich keinen habe, der mitdenkt und ordentlich Fußball spielt. Egal was ich vorhabe, die kapieren das nicht. Die haben vom Fußballspielen keine Ahnung."
Mir blieb schlicht die Luft weg. Mein Sohn ist erst 9! Und obendrein sehr wortkarg. In dem Moment war er aber so wütend. Die Krönung: der gegnerische Trainer kam später noch zu uns, wuschelte meinem Sohn durch die Haare und sagte, schade, du spielst so clever. Sah mich an und sagte: "Nicht aufhören, den kleinen zu fördern"
Ich bekomme Bauchweh. Mein Sohn mag die neuen Vatertrainer, hat auch einige lockere Freundschaften gefunden. Ich betreue diese Mannschaft und tue das auch gern, obwohl die ganze Truppe schwierig ist.
Aber mein Sohn will weiter. Er hat Rollschuh an. Er will in die E1. Er glaubt, er schafft das. Ich sehe das kritisch. Selbst, wenn die E1 ihn nehmen würde (15 Kinder), wäre er der kleinste. Die E1 spielt leistungsorientiert. Und mein Sohn will genau das.
Zum Abschluss noch das Gespräch von heute Morgen:
Ich: Pauli, was glaubst du, wie das Training da ist? "Härter."
Ich: Pauli, du verlierst deine Freunde? "Egal, ich will in die E1. Die anderen sehe ich noch und ich find neue. Oder auch nicht"
Ich: Pauli, im Spiel geht es rauer zu, die sind älter als du! Du wirst noch mehr verletzt! - überlegt und sagt:"das ist dann so!"
Ich denke, das Gespräch ist beendet, da dreht mein Sohn sich um :"Gehst du nun zur Jugendleitung und zum Trainer und fragst, ob ich wechseln darf?!"
Ja, es ist Mist, wenn mein Sohn das Gefühl hat, unterfordert zu sein. Es ist aber auch Mist, dass mein Sohn in beinahe jedem Spiel vom Platz getragen wird, weil er immer hinrennt, wo es brennt und dann gerne doppelt gefoult wird.
Aber: es macht mir Angst, dass ein 9 jähriger so denkt und redet! Papa mag Fußball nicht und ich quassel mir einen weg, was Schule/Abitur betrifft. Und mein Sohn denkt leistungsorientiert! Mein Sohn, der erst mit 3 laufen gelernt hat, vor Februar nie Bock auf Sport hatte und ein absolutes Weichei war- will mehr. Und ich weiß nicht, was ich tun soll!
Es tut mir leid, dass der Text so lang wurde. Ich bin unschlüssig, mit wem ich meine Sorgen Teilen soll. Eine pauschale Lösung gibt es sowieso nicht. Und einer verliert immer ![]()
Viele Grüße, Sina
