Das investierte Herzblut

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  • Schönes Thema. Eben habe ich noch draußen in der Sonne gesessen und mich gefragt, ob ich wohl weitermachen werde, wenn man Sohn mal nicht mehr in der Jugend spielt. Im Moment habe ich darauf keine Antwort. Sicherlich fragt sich jeder irgendwann, warum er das macht. Es gibt Momente, da liegt die Antwort klar auf der Hand, ohne dass man viel darüber nachdenken muss. So ein Erlebnis hatte ich letzte Woche. Einmal im Jahr findet hier bei uns ein Grundschulturnier statt, an dem jeweils die 4. Klassen unserer Schule und die von 3 Nachbargemeinden teilnehmen. Unsere Schule ist mit Abstand die kleinste, die anderen Schulen haben teilweise 3 oder 4mal so viele Schüler. Insofern waren wir in den letzten 25 Jahren einmal 3. und ansonsten immer letzter. In diesem Jahr konnte die Sportlehrerin die Mannschaft nicht betreuen und die Klassenlehrerin traute es sich nicht zu. So kam man auf mich und da ich mir ohnehin den Vormittag frei genommen hatte, um meinen Sohn und seine Freund spielen zu sehen, hab ich natürlich gerne die Betreuung der Schulmannschaft übernommen, zumal ich fast alle Jungs, die in der Mannschaft spielten, in den letzten Jahren schon mal trainiert hatte. Um es kurz zu machen, wir gewannen ebenso unerwartet wie souverän das Turnier. Die Freude war riesig - bei den Kindern, bei den Lehrern, den Eltern und natürlich auch bei mir. Für die kleine Schule war es ein Ereignis, dass sich so schnell nicht wiederholen wird, und die Kinder waren die Helden der ganzen Schule. Vermutlich hätten die Jungs auch ohne mich gewonnen, aber ohne meine Trainertätigkeit hätte man mir den "Job" wohl kaum angeboten. Es war einfach schön zu sehen, dass sich alle Kinder darüber freuten, dass ich bei diesem Turnier ihr Trainer war und es ist auch irgendwie nett "Teil dieser Geschichte zu sein". Getopt wurde das Ganze noch, als mein Sohn im Kreise seiner Mannschaft stolz von "unserem" Erfolg erzählte und einer meiner Spieler, der in einer der Nachbargemeinden zur Schule geht und ein Jahr jünger ist, mich fragte, ob ich denn im nächsten Jahr auch seine Mannschaft übernehmen könnte. :D Das sind die Momente, wo sich vermuten lässt, dass man das ein oder andere richtig gemacht hat und wo man genau weiß, warum man das tut. Wenn Kinder, die Du mal trainiert hast, Dich von sich aus freundlich grüßen, wenn sie ankommen und Dir irgendwas erzählen oder Dir sagen, dass sie sich schon auf die nächste Saison freuen, weil sie dann wieder in Deiner Mannschaft sind. Das gibt einem einfach ein gutes Gefühl. Offen gelobt wird man selten, aber manchmal lassen auch Eltern durchblicken, dass sie sich darauf freuen, wenn Du wieder der Trainer ihrer Kinder bist.


    Und wenn ich dann plötzlich genau zu wissen glaube, warum ich das mache, denke ich als Ausgleich einfach an meinen Job als Jugendleiter... ;)

  • Wenn Kinder, die Du mal trainiert hast, Dich von sich aus freundlich grüßen, wenn sie ankommen und Dir irgendwas erzählen oder Dir sagen, dass sie sich schon auf die nächste Saison freuen, weil sie dann wieder in Deiner Mannschaft sind. Das gibt einem einfach ein gutes Gefühl.

    Das ist genau der Punkt. Darum geht es.


    Und noch etwas: Wenn ich heute an meine Jugendtrainer zurückdenke, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Sicher, es war eine andere Zeit. Keine Frage. Und doch hatten sie es mit Kindern zu tun und haben so wenig daraus gemacht. Im Nachhinein war es keine schöne Zeit.
    Und genau das möchte ich anders machen. Ich wäre enttäuscht, wenn meine Jungs, in 20 Jahren, schlecht über ihren Trainer sprechen würden.


    Füßballspielen beibringen, Tricks und Kniffe verraten, ja natürlich. Aber im wesentlichen geht es mir darum, ihnen eine gute Zeit zu bereiten, ihnen das Mannschaftsgefühl näher zu bringen.


    Deswegen bin ich dabei. Auch wenn manchmal Dinge völlig anders laufen, als erwartet.

    Das einzige, was wirklich gerecht verteilt ist, ist die Intelligenz.
    Ich habe noch nie jemanden sagen hören, er hätte zu wenig davon.