Hallo zusammen,
hier mein erster Erfahrungsbericht (s. Posts von Ende August) mit dem Trainingsplan meiner neuen D2 (2000er Jahrgang). Für Tipps und Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.
Bei der Planung habe ich Tirus´ Anregungen zum Teil aufgegriffen, auf das Schusstraining als eigenen Technikschwerpunkt verzichtet und so bis zu Winterpause die Schwerpunkte „Passen“, „Dribbling/Ballführung“, „Ballan- und –mitnahme (flach/hoch)“ sowie „Fintieren“ untergebracht, jeweils mit sechs Einheiten. Das sind zwar immer noch zu wenig Einheiten pro Schwerpunkt (8 wären besser), aber nur so schaffe ich alle vier Themen zur Winterpause und das ist mir (sowohl aus Sicht zum Anfang der Saison wie auch heute noch) etwas wichtiger.
Wir haben jetzt vor den Herbstferien die beiden Schwerpunkte „Passen“ sowie „Dribbling/Ballführung“ abgeschlossen. Beim „Passen“ merkt man ein wenig, dass der Trainingsblock etwas zu kurz war, die technisch saubere Ausführung lässt „in unbeobachteten Momenten“ noch zu wünschen übrig. Hier habe ich mir die Ausnahme gestattet, auch im Schwerpunkt „Dribbling“ bei Gelegenheit immer mal wieder kurz die korrekte Passtechnik in Erinnerung zu rufen („Wo war Dein Standbein?“ „Wo zeigte die Fußspitze hin?“). Ab und zu erstrahlt das Gesicht des Angesprochenen mit dem Lächeln der Erkenntnis.
Beim „Dribbling-Schwerpunkt“ habe ich Tirus´ Anregung genutzt und zum Abschluss des Blocks einen Wettbewerb veranstaltet, eine echt gute Idee. Der Wettbewerb bestand aus Einzeldribbelparcours, Staffeldribbelparcours und mehreren Kleinfeldspielen mit wechselnden Mannschaften, bei denen der Ball über die Grundlinie gedribbelt werden musste. Durch ein Punktesystem konnten die Spieler sowohl einzeln als auch in den Staffel- und Spielteams fleißig Punkte sammeln so dass auch „Mannschaftsleistungen“ belohnt wurden und eigentlich jeder Spieler Erfolge durch wachsende Punktestände hatte. Als Preise hatte ich kleine Tütchen mit Süßigkeiten vorbereitet, deren Inhalt je nach Platzierung etwas umfangreicher ausfiel – aber alle haben etwas bekommen – ich glaube, der Wettbewerb war ein echtes Highlight.
Nebenziele – neben den technischen Schwerpunkten - waren (wie bei meinem Post vom 30. August) erwähnt:
- Koordinationsübungen
- Torschussübungen
- Übungen zur Stärkung und Nutzung der gesamten Muskulatur
- Übungen zum 1:1 (sowohl Defensiv wie auch offensiv).
5. Ein fünftes Nebenziel ist dazu gekommen, das sich nach näherem Kennenlernen der Mannschaft „aufgedrängt“ hat: Stärkung des Mannschaftsgeistes, Reduzierung der Einzelallüren, „Stabilisierung“ der Persönlichkeiten. Die Probleme äußerten sich in regelmäßigen Rangeleien im Training (einmal auch beim Aufwärmen vor dem Spiel), permanentes Diskutieren und Lamentieren, Nachlassen der Leistungsbereitschaft bei Unzufriedenheit mit Spielverlauf, Mitspielern oder zugeteilter Position usw. – eigentlich der ganze Katalog. Von zehn Spielern im Kader sind fünf schon etwas speziell und nicht ganz pflegeleicht, bei der Quote bin ich froh, dass der Kader nicht größer ist.
Zu 1 sehe ich schon ein paar Fortschritte, da wir beim Aufwärmen relativ häufig mit Leiter oder Step Aerobics arbeiten. Punkt 2 wird durch entsprechende Übungen möglichst häufig eingebaut, Punkt 3 ist immer noch etwas kurz gekommen (bisher nur 2-3 mal entsprechende Übungen), zu Punkt 4 führen wir ca. alle zwei Wochen eine Standardübung durch, bei der der Angreifer versucht ein Tor zu erzielen und der Verteidiger die Balleroberung möglichst mit einem präzisen Pass in ein kleines Tor nach rechts oder links abschließt. Es gibt schon ein paar Ansätze zu erkennen, dass da im Bewegungsablauf etwas wachsen könnte. Den Punkt 5. zu bearbeiten, kostet Zeit und Nerven – aber auch hier gibt es Fortschritte. Ausufernde Rangeleien werden mit Rundenlaufen für die ganze Mannschaft geahndet, so dass hier schon erste mannschaftliche Selbstreiningungseffekte einsetzen („Hört auf, sonst müssen wir wieder laufen“). Im Abschlusswettbewerb „Dribbling“ habe ich mit Absicht auch Mannschafts- und Staffelwertungen eingebracht, da war dann hier und da auch mal positives Leben in den jeweiligen Teams. Letztendlich ist es immer eine Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“. Die Kraft und Geduld, hier auch individuelle Stimmungsschwankungen erfassen und angemessen reagieren zu können, habe ich nicht immer, ab und zu kommt es noch zur kleinen „Katastrophe“ in Form von Tränen (bisher zum Glück noch nicht bei mir) oder kurzzeitiger Komplett-Verweigerung (auch noch nicht bei mir).
Mein bisheriges Fazit – Schwächen:
- Wie bereits erwähnt, könnten die einzelnen Schwerpunkte tatsächlich etwas länger sein. Ich bin aber nach Abwägung der Für und Wider weiterhin der Meinung, dass der Vorteil, vier Schwerpunkte bis zur Winterpause bearbeiten zu können, überwiegt. Kann sein, dass ich im Frühjahr fluche, wenn ich das Gefühl habe, wir fangen bei einigen Themen wieder von vorne an.
- Bisher kann ich Fortschritte nicht objektiv bewerten (im Dribbling könnte das durch Zeitmessungen in einem „Standardparcours“ erfolgen). Ich verzichte aber auf Messungen und Zählungen, weil ich nicht so stark „formalisieren“ und den Einheiten nicht durch permanente „Messungen“ die Dynamik nehmen möchte. Insofern kann ich mich zwar an Einzelbeobachtungen erfreuen (z.B. glaube ich, dass die kleinen Tore zum Abschluss der Koordinations- und Dribbelparcours deutlich häufiger getroffen werden als zu Saisonbeginn – Erfolg des Passtrainings), laufe aber auch Gefahr mich zu täuschen (ich habe nie nachgezählt, wie oft getroffen wurde, es ist nur mein Eindruck).
- Außerdem kann ich weder subjektive noch objektive Fortschritte relativ bewerten: Vielleicht hätte ein anderes Training oder ein anderer Trainer noch bessere Fortschritte erzielt.
Mein bisheriges Fazit – Positiv:
- Durch die Fokussierung auf das Schwerpunktthema (das ich den Jungs auch immer vorstelle und bei der Erklärung der Übungen häufig thematisiere) wissen wir alle immer wo wir dran sind und warum wir was machen. Fortschritte sind subjektiv (s.o.) recht erfreulich, außerdem scheinen die Jungs beim Training Spaß zu haben – zumindest so die Rückmeldung einiger Eltern.
- Die Vorgehensweise erlaubt eine konzentrierte Fokussierung auf ein Thema – man verzettelt sich nicht in vielen Einzelpunkten: Viele Fußballtrainings hören sich ungefähr so an: „Ball enger führen“, „Pass sauber ausführen“, „was ist denn das für eine Ballannahme“, „geh richtig in den Zweikampf“.
Meine Ausnahme: Gelobt wird auch zu anderen Themen
- Ich glaube, wir sind alle auf einem guten Weg und das Team zeigt eine gemeinsame Entwicklung – Spielergebnisse ziehe ich aber zur Bewertung nicht heran, da die Staffel sehr heterogen ist: Wir haben das erste Spiel gegen eine 99er-Mannschaft zweistellig verloren und das zweite mit sieben Toren Unterschied gewonnen. In der Rückrunde kann man vielleicht an der Entwicklung der Ergebnisse gegenüber der Hinrunde Fortschritte sehen – abwarten.
- Es gibt einzelne Anzeichen für Fortschritte – in Technik, Koordination und Verhalten: Eines der schönsten Erlebnisse erst gestern: der stillste Spieler, der auch noch nicht lange Fußball spielt und nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, hat im Abschlussspiel den Ball gefordert – zwar noch leise, aber immerhin – Klasse!!

