Beim gewohnten Team bleiben oder ein stärkeres aber schwieriges übernehmen?

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  • Ich komme jetzt mal mit einem persönlichen Thema, das zwar noch nicht wirklich akut ist, das ich aber ganz deutlich auf mich zu kommen sehe und das mich daher schon eine ganze Weile beschäftigt. Persönlich deshalb, weil es auch meinen Sohn betrifft.


    Derzeit trainiere ich die F1, in der mein Sohn spielt. Wir haben ein gleichberechtigtes Trainerteam, das nicht besser funktionieren könnte. Unsere Mannschaft ist insgesamt recht stark, die Jungs sind charakterlich alle 100%ig in Ordnung, die Eltern engagiert und pflegeleicht. Es macht einfach sehr viel Spaß mit dieser Truppe.


    Im kommenden Jahr wird mein Sohn in die E kommen, der Sohn meines Kollegen kann aber noch ein Jahr F spielen. Es wird also voraussichtlich so sein, dass sich unsere Wege im nächsten Jahr erst mal trennen. Gemessen am derzeitigen Leistungsstand wird mein Sohn der einzige sein, der im kommenden Jahr in der E1 spielen wird. Er hat in dieser Mannschaft schon häufiger ausgeholfen und wird dort auch als guter Spieler akzeptiert. Ich kenne die anderen Spieler, die in der E1 spielen werden, sehr gut und da sind ein paar dabei, die charakterlich Defizite haben. Die Stimmung untereinander ist nicht mit dem zu vergleichen, was wir in unserem Team haben. Hinzu kommt, dass die Trainer der jetzigen E-Jugend meine Philosophie nicht teilen und sehr viel mehr ergebnisorientiert arbeiten. Dinge wie Positionsrotation, gleiche Spielzeiten für alle, etc. kennen daher weder die Kinder noch die Eltern. Und auch nicht die Trainer, die nächstes Jahr in der E bleiben werden.


    Auch wenn hier immer einige dafür plädieren, dass Väter nicht ihre Söhne trainieren sollen, will und werde ich bei der Mannschaft sein, in der mein Sohn spielt. Der Punkt ist für mich auch nicht diskutabel, da ich nur den einen habe und einfach dabei sein möchte, wenn er spielt. Zudem werde ich den Kollegen, die größtenteils noch ziemlich antiquiert denken, nicht meinen Sohn anvertrauen. Für mich ergeben sich damit zwei Möglichkeiten:


    1. Ich gehe mit meinem Sohn in die E1. Dann muss ich meine anderen Jungs, die ich 3 Jahre begleitet habe, abgeben, was mir sehr schwer fallen würde, zumal ich nicht weiß, ob mein Nachfolger meine Arbeit vernünftig fort führt. Als Trainer kann ich in der E1 nur arbeiten, wenn ich der Chef bin und meine Vorstellungen umsetzen kann. Das wäre aber sicherlich in Verein durchsetzbar. Allerdings fange ich dann wieder bei null an, möglicherweise auch noch gegen die Widerstände meines neuen Kollegen. Für meinen Sohn wird sich auch einiges ändern. Er kennt die anderen Jungs zwar alle, aber die oftmals schlechte Stimmung und das gegenseitige Anmeckern, das da zur Tagesordnung gehört, findet er nicht gerade prickelnd. Ich traue mir zwar durchaus zu, dort ordentlich „aufräumen“ zu können, aber ein Zuckerschlecken wird das nicht, da gerade die Leistungsträger verwöhnt, egoistisch und zickig und deren Eltern im Hinblick auf die eigenen Kinder ziemlich blind sind. Zudem habe ich auch zu den Eltern dieser Kinder persönliche Beziehungen, was hinsichtlich der zu erwartenden notwendigen erzieherischen Maßnahmen meinerseits gegenüber genau diesen Kindern, weiteres Konfliktpotenzial mit sich bringt. Wie diese Kinder sich dann gegenüber meinem Sohn verhalten werden, kann ich ebenfalls nur schwer einschätzen. ;(


    2. Ich bleibe bei meinen Team und nehme meinen Sohn mit in die E2. Ganz klar der bequemere Weg – für uns beide. Ich kann weiter in einem sehr harmonischen und zuverlässigen Umfeld arbeiten, mit der Einschränkung, dass mein Sohn vielleicht nicht ganz leistungsgerecht eingesetzt wird. Meine Jungs und deren Eltern wären mit dieser Option sicherlich auch sehr viel glücklicher, da sie ansonsten nicht wissen, was sie erwartet.


    Ich habe mich bereits beim Übergang von G nach F für die zweite Variante entschieden und das war im Nachhinein betrachtet auch die absolut richtige Entscheidung. Daher tendiere ich auch jetzt zur Variante 2. Andererseits ist es schwierig für mich, da ich im Verein immer für die konsequente Einteilung der Mannschaften nach Leistung plädiere, und es nicht wirklich gut aussieht, wenn ich gerade im Bezug auf meinen Sohn davon abweiche.


    Mein Sohn ist übrigens genauso unschlüssig. Eigentlich will er lieber mit den „Besseren“ spielen, aber die Streitigkeiten und das Rumgezicke nerven ihn. Er würde aber zweifellos beide Entscheidungen klaglos akzeptieren.


    Bin schon sehr gespannt, was Ihr mit ratet...

  • Auch hier kann man wohl wieder ein "Zauberwort" anbringen: Kommunikation.
    Und zwar früh genug. Unterhalte dich mit den Trainern der E1, gegebenenfalls mit Eltern und Vorstand. Dann müsst ihr im Vorfeld abklären, ob eine Zusammenarbeit Sinn macht oder eben nicht.


    Ich persönlich finde es wichtig, mich in meinem Umfeld und mit den Leuten, mit denen ich "arbeite" wohl zu fühlen.
    Alles andere würde mir keinen Spaß machen. Das würde eher für Variante 2 sprechen.
    Allerdings sehe ich es auch so, dass Variante 1 besser wäre, aber nur wenn sich alle auf eine Philosophie einigen können.

  • Meine Söhne haben mir einiges übel genommen. Ich kam immer mit Ideen und versuchte diese durchzusetzen. Das bedingte den ein oder anderen Diskussionspunkt. Die Spieler bekamen das mit, ...es passierte hier eigentlich nichts, ...ausser das meine Söhne meinten, dass es ihnen peinlich sei. Sie wollten damit nichts zu tun haben und einfach nur Fußball spielen. Das war übrigens für mich ein Hauptgrund, als Trainer die D aufzugeben. Ich ging in den Jugendvorstand und wurde als Koordinator eingesetzt, um "dran" zu bleiben und weil ich glaubte, meine Ideen -ähnlich deiner Philosophie- einzubringen. Mir ging die Motivation dann flöten, weil ich keine Unterstützung fand. Ein Teil der Verantwortlichen stand links, der andere Teil rechts und ich meist in der Mitte oder ausserhalb des Kreises.


    Man sagte mir im Guten, dass ich Dinge zu schnell verändern wollte. Eine Veränderung wäre in der Praxis ein langsamer Vorgang. Damit konnte ich mich nicht anfreunden und ging. Zudem gab es auch hier wiederum das Problem, dass meine Jungs es mit Beginn der D als störend empfanden, einen Vater zu haben, der in den Pötten rührte, ...weil denen war das peinlich, ...denen war alles peinlich, sogar ein "Guten Tag", ...Blagen halt.


    Was ich damit sagen will ist, dass es theoretisch -nach meiner persönlichen Erfahrung- eine gute Idee ist, die Dinge vorab zu besprechen und Du solltest das vielleicht auch tatsächlich tun. In der Realität betrachtet glaube ich, dass man freundlich angelächelt wird und in Wirklichkeit sind die Meisten froh, wenn man die Klappe hält.


    Du hast das Problem offensichtlich genau erkannt und ich denke, du wirst selber in dich hinein hören müssen, um zu ergründen, ob du den langen Atem dafür hast. Ich habe Gedacht, das mir die Puste ausging und hörte auf. Heute glaube ich, dass das ein Fehler war. Ich bin raus, würde aber gern wieder mitmischen, nur dafür gibt es derzeit keine Möglichkeit. Da meine Kinder dort spielen, gehe ich nicht zu einem anderen Verein oder bediene eine andere Mannschaft.


    Ich würde dir nach Abwägung des ganzen Sachverhaltes in seiner Komplexibilität, in Verbindung mit meiner persönlichen Erfahrung und der Tatsache, zu Glauben wie du "tixt" den Mut zusprechen wollen, hier mit dem Sohnemann in die E 1 zu wechseln, im Wissen, dass es schwierig wird. Hierbei solltest Du deinen Sohn komplett raushalten, d.h., ich würde die Dinge auch nicht zu Hause oder im Auto mit ihm besprechen, damit er unbedarft und unbeeinflußt sein erstes Jahr dort spielen kann.


    Das Vorgespräch würde ich vielleicht unter vier Augen mit dem Trainer führen, obwohl der ja anscheinend weiss, was auf ihn zukommt. Der wichtigste Punkt wäre einfach nur, zu Regeln ob Du der Chef bist, er oder ihr beide zusammen. Bist Du es nicht allein, wird der Weg holpriger, seid ihr es zusammen, mußt du besonders fiel Atem mitbringen und bist du der zweite Mann, mußt du tiefstapeln. Gruß Andre und hau rein.