Zu dem Thema würde ich gerne den folgenden Beitrag empfehlen. Finde ich ausgesprochen interessant.
#24 Prof. Dr. Arne Güllich (TU Kaiserslautern / ehem. Olympiastützpunkt): Ab welchem Alter ist Talentsichtung überhaupt sinnvoll? – Kickplan
Ich will hier nur ein paar Aussagen wiedergeben, die in dem Beitrag vertreten werden:
Erkennung von Talent (definiert als das Potential, langfristig Spitzenleistungen zu liefern) ist in jungen Jahren nicht möglich. Aus diesem Grund muss die Entscheidung der NLZ-Trainer, wen sie in die Mannschaften holen, von vornherein fehlerhaft sein. Je später die Selektion erfolgt, desto erfolgsversprechender wird sie, bleibt aber weiterhin sehr fehlerbehaftet.
Die Auffrischungsrate in den NLZs beträgt pro Jahr über alle Alterskategorien hinweg 25 – 29%. Von allen deselektierten Spieler haben 55% psychisch/klinik relevante Stresssymptome, die therapeutisch behandelt werden müssten. Das sind jedes Jahr 2.500 Kinder. Gerade Kinder, deren Identität sich sehr stark bis hin zu ausschließlich auf den Fußball gründet, haben im Falle der Deselektion besonders zu leiden. Es hilft Kindern daher ungemein, wenn sie abseits vom NLZ noch weitere identitätsstiftende Merkmale haben (bester Freund, Erfolg in der Schule, Zweitsportart, Musikinstrument). Andernfalls droht umso mehr, mit der Deselektion die Existenz weggezogen zu werden.
Betreiben einer anderen Sportart begünstigt die Prognose, langfristig im Fußball erfolgreich zu sein. Es reicht, wenn man sich mit 14 oder 16 auf den Fußball fokussiert. Eine frühzeitige Förderung korreliert mit dem späteren, langfristigen Erfolg sogar negativ (d.h. erfolgreiche sind später, weniger erfolgreiche sind früher in die Förderung gekommen).
Die Kosten eines NLZ für den Betrieb sind gering. Die wahren Kosten tragen die 99,9% der Kinder, die es später nicht in den Profifußball schaffen. Kosten der Kinder sind Zeitaufwand, mangelnde Bildung, Leistungsdruck, psychische Leiden infolge von Deselektion, Trennung von den Eltern physische Langzeitfolgen auf Grund von Überbelastung.
Seine Forderungen daher:
- Selektion nach später verschieben (zwischen 14 und 16 Jahren)
- Ausbildung in mehreren Sportarten fördern, wobei die zweite Sportart ebenfalls auf Wettkampfniveau betrieben wird (d.h. innerhalb von Vereinsstrukturen)
- Erfolg des Trainers darf nicht danach bewertet werden, welchen aktuellen Erfolg seine Mannschaft hat
- Kinder müssen nach der Zeit im NLZ sagen können, das war eine tolle Zeit
Das ist jetzt nur eine kurze Zusammenfassung und die erscheint vielleicht ein bisschen sehr negativ. ich empfehle wirklich, die ganze Folge einmal anzuhören. Was man daraus auf jeden Fall mitnehmen kann ist, dass man als Eltern sehr gut daran tut, im eigenen Sprössling nicht den nächsten Superstar zu sehen. Mit Spaß an die Sache rangehen, nicht übertreiben (vor allem nicht in jungen Jahren) und die Kinder auf keinen Fall nur auf den Fußball fixieren lassen.