Hallo!
Ich gebe Dir recht wenn du sagst. dass dieses Video erst einmal nichts mit Fußball zu tun hat.
Ich gebe Dir nur bedingt Recht, dass es eine Art Pflichtlektüre ist für alle die mit jungen Erwachsenen zu tun haben.
Ich fände es wünschenswert (weil verbieten kann ich es ja nicht) wenn Du auf das Versenden dieser Video/s verzichten würdest.
Warum das Ganze:
In den Jahren seit 2005 läuft in England, ein Projekt Crash Course. Eine sogenannte Verkehrserziehung für junge Heranwachsende und angehende Fahrzeugführer.
Dort werden neben sogenannten "Schockvideos" von reale Personen aus dem Umfeld Verkehrsunfall wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notärzte und
Opferschutzbeauftragte oder Notfallseelsorger ihre persönlichen "Einsätze" mit den dazu gehörigen Bildern und Filmen vortragen. Ziel ist es also
Betroffenheit zu verursachen und darauf hin eine Verhaltensänderung nachhaltig zu erreichen. Studie haben ergeben dass dieses den Engländern sehr nachhaltig
gelungen ist.
Ende 2008 waren deutsche Polizisten auf einer dieser Vorstellungen und dachten sich, dass das auch etwas für Deutschland (NRW) sei. Es wurde also eine
Projektgruppe gebildet und sechs Pilotbehörden ausgewählt, die unter wissenschaftlicher Begleitung der Uni Köln ein Modulhandbuch erstellen und prüfen
sollten, ob man diese Art der Verkehrserziehung in der BRD überhaupt durchführen kann. Die Unterschiede der englischen Kultur zur deutschen sind gravierend.
Ich habe das Glück, dass ich Mitglied einer dieser ersten Teams (Pilotbehörde) sein durfte.
Im Januar 2011 wird der Innenminister NRW nun dieses Projekt offiziell vorstellen und jede Kreispolizeibehörde anweisen, solch ein Team zusammen zu stellen.
Alle unter dem Namen "Crash Kurs NRW".
Unsere Erfahrungen sind, dass unsere angeblich verrohten Kids in Altersgruppen von 16-18 Jahren (18-24 J. ist die Zielgruppe) nicht resistent gegen solche
Art der Aufklärung sind. Wir dachten, dass alle schon genug solcher Videos auf youtube und anderen Portalen gesehen hätten. Weit gefehlt. Bereits nach dem
ersten Einspieler war es total still in den Räumen. Zum Teil sind die Kids rausgelaufen, sie waren nicht in der Lage solche Sachen zu verarbeiten. Dazu die
realistischen Vorträge der einzelnen Akteure - aus ihrer Sicht mit ihren Emotionen und Gedanken.
Und das, obwohl bereits im Vorfeld sondiert wurde wer in den Personenkreis gehört und wer nicht (die schon Kontakt mit solchen Lagen hatten sind nicht
Zielgruppe). Die Lehrer haben bereits Vorarbeit geleistet, was nicht allgemein üblich ist, da alle Lehrer immer sehr viel zu tun haben. Zu jeder
Veranstaltung waren Schulpsychologen und Seelsorger anwesend. Nachsorge ist ein wesentlicher Bestandteil - die Flut von Fragen war unglaublich.
Also, wenn Du so etwas als Pflichtlektüre verbreiten möchtest, bedenke bitte die Folgen. Sorge für Vor- und Nachbereitung, für psychosoziale Unterstützung
und binde die Lehrer (o.ä.) mit ein - von Anfang an.
Versuche es doch erst einmal bei deinen Kindern, im familiären Kreis - da kannst Du sofort feststellen wie es wirkt und kannst Nachsorge durchführen. Aber
mit einfach mal zeigen und die Kids alleine damit lassen ist leider unverantwortlich.
Mehr dazu unter
http://www.schule-bw.de/unterr…_projekte/crash-kurs-nrw/
oder ein interessanter Bericht einer Schule
http://www.gbm-ge.de/html/klassenzimmer.html
Gruß
cobbek