Beiträge von Sebi

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    Hallo Tom,


    ich habe lange überlegt, ob ich antworten soll - bin eigentlich eher stiller Beobachter hier (was im Sinne der Gemeinschaft auch nicht korrekt ist, aber da habe ich immer noch große innere Schweinehunde). Aber ich hatte heute im Training ein Erlebnis, das exakt Deinen Erfahrungen gleicht, also seis drum.


    Was ich hier heraushöre ist, dass da ein Kind mit ganz massiven Problemen in Deiner Mannschaft ist. Es kam ja schon raus, dass die Mutter alleinerziehend ist. Einige Kommentare, dass hier wahrscheinlich die konsequente Erziehung fehlt, Regeln, etc. gab es auch schon.
    Mach Dir bitte eines klar: Du hast vermutlich ein Kind in Deiner Mannschaft, welches in einer Phase seines Lebens, in dem sich das Urvertrauen eines Menschen bildet, eine tiefgreifende Störung erfahren hat.Wo sich kleine Kinder an der Geborgenheit des Elternhauses orientieren ist hier etwas auseinander gebrochen. Andere Kinder erleben in dieser Zeit eine vertrauenseinflößende Umgebung, die ihnen vermittelt, als sie selbst in der Welt akzeptiert zu sein, dieser Junge hat dort wohl - bildlich gesprochen - in der Wüste gestanden und muss überhaupt erst mal um sein Selbstverständnis kämpfen: wer bin ich, dass mein Eltern auseinander gehen, warum ist mein Papa nicht mehr dabei, etc.
    Das verursacht tiefgreifende Störungen und dann auch Verhaltensweisen, die wir als außenstehende nicht mehr nachvollziehen können: totale Verweigerung gegen jedes Gespräch, schon fast manische Selbstvorwürfen, etc. - da kommst Du dann auch in solchen Situationen überhaupt nicht mehr an das Kind ran und das kann Dich dann auch wahnsinnig machen, wenn Du es zu verstehen versuchts. In dem Moment ist da m.E. nichts mehr mit Verstehen, das gibt es für mich nur noch das Bild des Kindes, das mit der ganzen Kraft seines Willens eine Mauer um sich aufbaut (Pink Floyd lässt grüßen).
    Bitte verstehe mich nicht falsch, nicht jedes Kind aus Trennungsfamilien ist so "belastet", aber es kann je nach Zeitpunkt und auch Umstände mehr oder weniger gravierend ausfallen - vor allem, wenn es in einer prägenden Phase des Kindes passiert und dann ein vollkommen überforderter Elternteil alleine da steht.
    Was weißt Du über die Umstände: hat das Kind noch Kontakt zu seinem Vater, ist das Verhältnis zwischen Mutter und Vater im Sinne des Kindes OK oder spielen sie sich ggf. gegeneinander aus?


    Meine ganz persönlichen Tipps - ich habe nicht viele, stehe ja selber vor dem Probem:


    1) GANZ WICHTIG: Kenne Deine Grenzen! Du hast den Job übernommen, eine Kinderfußballmannschat zu Trainieren und ich sage besser zu Betreuen. Damit musst Du natürlich auf die Einzelheiten deiner Eigensinnigen, Wehleidigen, Motivierenden, Phlepmatischen, etc. eingehen, daran arbeiten die Stärken herauszuarbeiten, etc. ABER: Du bist kein ausgebildeter Pädagoge bzw. Psychotherapeut und darfst Dir auf keinen Fall zumuten, die Probleme des Kindes im Rahmen Deines Mannschaftstrainings zu lösen!
    2) und achte bitte auch darauf, wie Du als MANN da ankommst: wie gesagt, alleinerziehende Mutter, die Vaterrolle fehlt evtl. vollkommen (obwohl ich das so natürlich nicht beurteilen kann): grenze Dich als Trainer bitte ganz deutlich ab: Du tröstest Ihn (und die anderen Kinder) z.B. bei Niederlagen als Trainer uns sonst NIX - alles andere ist Highway to hell!
    3) Du willst die Mannschaft bilden und jedes einzelne Kind fördern. Du hast vermutlich in Deiner Mannschaft Eigensinnige, Wehleidige, Motivierende, Phlegmatische, etc. Auf jeden gehts Du so oder so ein. Aber Dein Engagement für das "besondere" Kind darf sich nicht von dem für andere Kinder unterscheiden - damit treibst Du den Jungen nur die Isolaton.


    Also, wie auf die besondere Situation und den Jungen eingehen?
    Versuche mal, mit der Mutter zu reden: geht er gerne in das Training, erzählt er was davon, lässt er daheim anklingen, dass er eh zu schlecht ist, etc.
    Ich denke, ein wesentlicher Schlüssel ist, dem Kind auch über die Bezugsperson (=Mutter) zu vermitteln, dass er in der Mannschaft akzeptiert ist.
    Darüber hinaus habe in Training und Spiel ein Auge auf ihn - bestärke ihn ehrlich (so, dass er es fühlt, wenn Du es ehrlich meinst) auch für kleine Dinge: ein guter Schuss, eine gute Explosion nach einer Finte, einfach die Kleinigkeiten, die Kinder allgemein aber vorbelastet insbesondere brauchen - aber immer nur ehrlich!


    Ich weiss, das war jetzt keine gute Hilfe im Sinne einer Handlungsanleitung aber vielleicht hilft es Dir ein wenig.
    Das zeigt auf jeden Fall, dass wir gerade als Kinderfussballtrainer uns viel mehr Gedanken um die Kinder an sich machen müssen und nicht einfach nur die optimale Ausbildung oder was auch immer im Kopf haben sollten.


    Gruß,
    Sebi


    P.S.: das möchte ich noch anmerken: und auch wenn der Junge wie o.g. "ein Fall für den Kinderpsychologen" ist, dann ist er immer noch ein Kind, das seine normale Umgebung braucht, um sich zu entwickeln, und da gehört seine Fussballmanschaft dazu.

    Hallo zusammen,


    erst einmal vielen Dank für die vielen Beiträge - dieses Forum ist wirklich erfrischend und gerade ich als "Quereinsteiger" kann aus den Diskussionen (die ich bisher fast nur gelesen habe, ohne mich zu beteiligen) sehr viel Anregungen, Gedanken und auch Mut ziehen, ich hoffe, im Laufe der Zeit auch meinen Teil dazu beitragen zu können! Sehr ermutigend finde ich auch die sehr offensichtliche Fähigkeit zur Selbstkritik hier bei einigen Forumsteilnehmern, die mir einen sehr kompetenten Eindruck machen (dazu gehört das sich selbst hinterfragen unbedingt dazu). Ich bin sicher, hätte es dieses Forum mit dieser Aktivität schon vor längerer Zeit gegeben, wäre die ein oder andere frustrierende Erfahrung vermieden worden, oder?


    Ja, die Entscheidung wie ich Aufstelle liegt natürlich bei mir und ich lasse sie mir auch nicht von den Eltern aufdiksutieren (hoffe ich), dennoch ist es mir wichtig (vor allem auch aus eigener Erfahrung als Spielervater), den Eltern von Zeit zu Zeit meinen Standpunkt zu erläutern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern. Als ich gesagt habe, dass es bei mir keine "rein erfolgsorientierte" Aufstellung aus genannten Gründen geben wird, haben sie das - denke ich - auch absolut akzeptiert.


    Ich muß natürlich gestehen: immer gelingt es mir auch nicht, z.B. nach längeren "Durststrecken" (Niederlagen) möchte ich den Kindern und natürlich auch mir mal ein Erfolgserlebnis gönnen. Auch, wenn das natürlich nicht ganz richtig ist, kann ich der Versuchung nicht immer widerstehen. Einmal hatte ich sogar das Erlebnis, das dies ALLEN Kindern ganz recht zu sein schien: bei unserem eigenen Sommerturnier haben wir erstmal einiges verloren, im nächsten (vierten) Spiel habe ich dann mal ein "A"-Team aufgestellt und die anderen etwas weniger eingewechselt. Wir haben das Spiel gewonnen und die Kinder die bei mir am Rand standen, haben gemeint, dass sollten wir doch immer so machen. Ich habe es dann aber doch nicht so weitergeführt.
    Ich möchte noch anmerken, dass ich nicht alle Niederlagen auf das Aufstellungsproblem zurückführe. Natürlich könnte ich sicherlich "erfolgreicher" sein, wenn ich jeden nur auf seiner Bombenposition spielen lasse und die schlechteren Kinder (ich habe bei meinen 11 Kindern ein wirklich gewaltiges Leistungsgefälle) weniger einsetze, aber meine Aufgabe als Trainer ist es ja gerade, dafür zu sorgen, dass es auch anders klappen kann, dass sich die Kinder verbessern und - das ist jetzt der Idealfall, sicher genauso wenig zu erreichen wie eine Welt ohne Waffen, aber danach zu streben - dass es irgendwann einmal egal ist, wann und wie ich einwechsel, weil ich immer weiß, dass die Kinder überall am richtigen Platz sind. Wie gesagt, ein nicht zu erreichendes Ideal, aber als "Idee" an der ich mein Training ausrichte für mich sicher perfekt, und wenn eine Niederlage tatsächlich mal auf die falsche Aufstellung zurückzuführen ist, muss ich mir als Trainer überlegen, wie ich die Mannschaft dazu bringe, dass es auch in dieser Aufstellung besser wird (da habe ich noch einiges zu kämpfen und zu überlegen und mir fallen spontan zehn Fragen ein, die ich als Thema auch einstellen könnte - alles zu seiner Zeit, vllt. sollte ich mich auch erstmal konstruktiver hier beteiligen).


    Peter_Pan: ja, da sprichst Du einen Gedanken an, der mir oft durch den Kopf geht. Zur Erläuterung: wir sind ein rein breitensportlich orientierter Verein (in Bayern), bei uns gibt es Fußball nur bis zur D-Jugend (bis E-Jugend Kleinfeld, in der D i.d.R. Großfeld). Danach wechseln unsere Kinder zum Nachbarverein, wo es dann bis zur A-Jugend, ggf. bis zur 1. und 2. Herren geht (1. Herren spielt derzeit Kreisliga, also auch nicht wirklich hoch). Bis zur E gibt es ohnehin keinen Aufstieg, vor zwei Jahren hat sich die damalige D1 die Kreisklasse erspielt, welches die nachfolgende D1 "ausbaden" musste, jetzt halt wieder Gruppe. Was will ich mit den Kindern bzw. für die Kinder. Natürlich würde es mich freuen, wenn die Kinder bzw. wenn einzelne Kinder später einmal "höher" hinaus kommen. Wenn unsere D-Jugend sich konstant hoch einspielen würde, hätte ich natürlich auch nichts dagegen. Aber ist es wirklich das, was ich (unbedingt) will? Ich denke Nein! Meine Kinder haben in diesem Verein angefangen, dadurch bin ich ja auch dazu gekommen - es ging mir als Vater immer sehr viel um das Soziale: Mannschafsdenken, zusammenspielen, zusammengehören. Natürlich wollte ich auch, dass die Kinder gut spielen und sich verbessern, aber mir war es wichtiger, dass die Kinder als Mannschaft verlieren, als dass einzige das Spiel gewinnen und die Stimmung in der Mannschaft schlecht ist (ich erlebe das leider derzeit gerade bei der Mannschaft meines Jüngeren: gewinnen fast alles und scheißen sich gegenseitig permanent zusammen, wenn mal was nicht läuft - ich leide sehr). Insofern ist einse meiner primären Ziele nicht eine hohe Klasse/Liga sondern ein hohes Sozialverhalten als Teamspieler (was ich bei aller Bescheidenheit bei den Kindern meiner Mannschaft auch beobachte - die "schlechteren" Kinder sind voll integriert), dies ist fast gleichzusetzen, mit meinem Bestreben, die Kinder auszubilden. Natürlich sind Kinder dabei, die das Zeug für Höheres haben (mögen), ich möchte diese Kinder auch wirklich fördern, aber das Ziel für mich ist eben nicht die nächste Klasse/Liga für die Mannschaft sondern die Mannschaft an sich. Insofern ist dies auch ein Argument, welches ich den Eltern ggü. nicht anbringen möchte. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass ich derzeit das Zeug habe, um potentielle Oberliga-Spieler zu erkennen und gezielt auszubilden.
    Dies steht meiner Meinung nach aber nicht im Widerspruch zum Ausbildungsgedanken, den ich dennoch verfolge, denn Ausbildung beginnt auch und findet auch in den untersten Spielklassen statt.
    Natürlich trifft es sich für mich da sehr gut, dass unser Verein erst ab der D-Jugend um Aufstiege spielt und ich Jugendleiter dieses Vereins bin. Wenn meine Mannschaft in die D-Jugend wechselt, gibt es eine Zusammenlegung der Trainer und Kinder aus dem Partnerverein (die Kinder kommen für zwei Jahre zu uns). Da werde ich mich dann langsam rausziehen, als Co-Trainer fungieren und wenn die Mannschaft dann wechselt, werde ich bei meinem Verein bleiben und wohl noch einmal "ganz unten" anfangen und eine kleine Mannschaft durch die folgenden Jahre führen. Den Kampf um Aufstiege/gegen Abstiege, den zunehmend leistungsorientierten (und in diesem Verein mit Herrenmannschaften und entsprechendem Repräsentationsdruck auch erfolgsorientierten) Fußball werde ich als Trainer nicht mehr begleiten - ehrlich gesagt wäre ich auch überhaupt nicht im Mindesten der Typ dafür.


    Gruß,
    Sebi

    Hallo,


    letztens hatte ich einen Elternabend - ich möchte mindesten einmal pro Jahr einen Elternabend machen, in dem ich neben organisatorischen Dingen den Eltern auch ein wenig meine "Trainerphilosophie" nahebringe.


    Mir war an diesem Abend wichtig, den Eltern darzustellen worauf ich bei "meinen" Kindern (E-Junioren, Jahrgang '99) Wert lege: auf Ausbildung und Spielspaß und freie Entfaltung/fördern von Spielwitz. Ich habe besonders hervorgehoben, warum es mir deshalb auch wichtig ist, die Kinder immer wieder auf verschiedenen Positionen spielen zu lassen, z.B. weil ich auch den Jungen, der in der Abwehr bisher kaum was gebracht hat, weil er immer wieder vorrennt, trotzdem immer wieder mal in die Abwehr stelle: weil er nur dort und vor allem im Spiel lernen kann, wie "es da abgeht", wo er gebraucht wird und warum er auch da hinten wichtig ist und wertvoll sein kann. Das andere Kind - in der Abwehr eine Wucht - lasse ich immer wieder vorne im Sturm spielen, auch, wenn bislang viele Torchancen den Bach runter gegangen sind, weil es bislang noch nicht mit dem gewitzten, mutigen Torschuß oder dem "intelligenten" Zuspiel geklappt hat: nur so wird er dazulernen und auch ein Gefühl dafür kriegen, was er wann kann bzw. auch was er sich einfach mal erlauben kann, auch, wenn es vielleicht nicht so klappt.
    Ich habe den Eltern auch gesagt, dass ich diese Einstellung sehr bewußt auch auf Kosten eines möglichen Sieges pflege. Es redet sich zwar leicht, aber ich bin sicher, wenn ich konsequent "konservativ" also erfolgsorientiert aufstelle, die Kinder, die heute in der Abwehr eine Mauer sind hinten spielen lasse, die Torgefährlichen immer vorne platziere und mein Training auch konsequent darauf ausrichte, könnte ich mir/uns 50% der Niederlagen, die wir erleben, ersparen.
    Von zwei Eltern kam etwas heftiger Widerspruch (mir war die Diskussion auch wichtig): ich würde die Kinder um den Erfolg bringen, wenn sie nicht lernen auf ihren Positionen zu spielen, wird das auch später nicht klappen und andere Trainer im Verein haben damit ja auch wirklich ERFOLG (das stimmt, andere Mannschaften (F-Jugenden, E-Jugenden, D-Jugenden, mehr gibt es in unserem Verein nicht) sind tatsächlich viel erfolgreicher, aber ich beobachte auch, dass die Kinder dort wirklich alle nur auf "ihrer" Position spielen, es hat sich "eingespielt" und mit zunehmenden Alter der Gegner werden immer mehr Defizite sichtbar).


    Nun habe ich den Eltern in Aussicht gestellt, bei unserem nächsten Turnier die Kinder mal wirklich nur nach dem Erfolg aufzustellen: die Abwehrstarken hinten, die "Knipser" und Torgefährlichen vorne - in der Halle relativiert sich das ja ohnehin, aber meine Erfahrung war schon so, dass es in dieser Aufstellung auch besser läuft. Ich habe dann allerdings auch gesagt, dass es keinen Sinn macht "erfolgsorientiert" aufzustellen, dann aber bei der Einwechslung auf Gerechtigkeit zu achten (interessannterweise kamen die Einwände von den Eltern der Kinder, die ich "erfolgsorientiert" eigentlich kaum einwechseln dürfte, weil a) zu Dick und b) wegen Macken an den ich als Trainer arbeiten muß & möchte einfach uneffektiv).
    Ich weiß, dass das einiges Murren auslösen wird, wenn ich das wirklich mal ein Turnier lang durchziehe, gerade auch bei den Eltern, die mich wegen meiner Einstellung kritisiert haben. Daher reizt mich das natürlich schon etwas.
    Aber andererseits geht es eigentlich gegen meine Einstellung ("eigentlich" weil es mich natürlich schon mal interessieren würde, ob ich mit meiner Einschätzung recht habe und: ja natürlich hätte auch ich mal nichts gegen eine erfolgreiches Turnier) und außerdem müssen es vor allem die Kinder ausbaden.
    Wir haben danach zwar noch zwei Turniere, aber wie gesagt, reizen würde es mich schon, es mal, exemplarisch dem Erfolgsdruck nachzugeben.


    Wie seht Ihr das, wäre das mal drin und wenn ja, wie sollte ich die Kinder da mit einstimmen?


    Gruß,
    Sebi

    Meine Meinung:

    Baue die Übungen so auf, dass sie mal mit links, mal mit rechts besser am Zug sind (also z.B. Torschuss- und Dribbelübungen von links und rechts), die Kinder können dann nach jedem Durchgang wechseln - aber achte genau auf die Kinder, die sind nämlich gerissen! Die drehen sich gerne mal oder tragen den Ball ein paar Meter weiter, um mit ihren "Lieblingsfuß" schießen zu können. Mache also ganz klare Vorgaben, mach den Links- oder Rechtsfuß zur Pflicht. Und wenn Du es ihnen freistellen willst, dann schaffe Anreize, wie z.B. Linkstorschuß gibt zwei Punkte.

    Aber wie Holler schon geschrieben hat: es gibt auch Linksfüße, und daher ist es wichtig, dass Du es in einer Einheit für alle "gerecht" machst und v.a. nie vom "schwachen" Fuß redest, sondern einfach Links oder Rechts als Vorgabe machst.

    Gruß,
    Sebastian

    Hallo Miteinander,

    jetzt melde ich mich mal wieder.
    Ja, Eure Meinung zu lesen, macht mir wirklich Mut - natürlich werde ich auch weiter dabei bleiben, schließlich habe ich ja auch noch den Jugendleiter übernommen und möchte da auch einiges Umdenken bewegen (Stichwort "Erfolgsorientierte Trainer im Kinderfußball (Breitensport)").

    Mit der Aussage des BFV, dass ich vermutlich wg. Eigenkönnen ungeeignet bin habe ich nicht so sehr das Problem: ich weiß, dass fußballerisch viel fehlt und finde es auch in Ordnung, dass der Verband darauf achtet, bevor er einfach den Schein rausrückt. Aber was ich in den ersten beiden Ausbildungswochen gelernt und mit ausgetauscht habe, habe ich auch ohne Schein mitgenommen. Und unser Vereinsgeschäftsführer hat mir auch gesagt, dass ihm der Schein eigentlich ziemlich egal ist und er froh ist über jede Fortbildung, die seine Trainer machen, um den Kids besseres Training zu bieten - Breitensport eben, ich finde, ich habe eine ziemlich geilen Verein getroffen!

    Nun, ich werde also weiter dabei bleiben und immer versuchen, an mir zu Arbeiten und versuchen, herauszufinden, was ich besser machen kann - vor allem aber möchte ich die Kinder weiterhin kindgerecht und trotzdem "sportlich effektiv" zu betreuen.

    In 1,5 Jahren geht es in meiner Mannschaft in die D-Jugend, das heißt bei uns in Bayern üblicherweise Großfeld - da werde ich auf jeden Fall zurückstecken, und mehr als Co-Trainer agieren, da die taktischen Elemente mich sicherlich überfordern werden. Aber vielleicht läuft es ja auch wie dieses Jahr, dass bei der Zusammenlegung unserer Mannschaften mit dem Partnerverein zu viele Kinder da sind und wir eine D-Kleinfeld aufmachen werden. Dann werde ich meinen Eltern & Kindern raten, sich für diese Kleinfeldmannschaft zu "bewerben", da meiner Meinung nach den Kindern gerade in diesem Alter kaum besseres passieren kann (natürlich gab es in diesem Jahr viel Streß, als wir eine Kleinfeld-D-Jugendmannschaft gemacht haben, da viele Eltern dies wohl als "Rückschritt" gesehen haben und dachten, ihre Kinder seien für "Höheres" bestimmt).

    Nun, ich bleibe am Ball und freue mich auf viele Erlebnisse und Erkenntnisse - wovon ich auch aus diesem Forum unheimlich viel ziehe, ich bin ein "heimlicher Mitleser" und bin oft sehr beeindruckt von den Gedanken, Ideen und Diskussionen, die ich hier erlebe.

    Maybe, nachdem ich nun den ersten Schritt gewagt habe, werde ich mich auch mal öfter einbringen, mein o.g. Vorhaben, in unserer Fußballabteilung etwas Bewegen zu wollen (da liegt einiges im Argen) wird mir sicher Gelegenheit zu Fragen bieten und hoffentlich kann ich auch wieder was zurückgeben.

    Euch allen weiterhin ein frohes Trainieren, geile Weihnachten und einen super Rutsch in das neue Fußballjahr - falls wir uns vorher nicht nochmal "sprechen"!

    Gruß,
    Sebastian

    Hallo,

    dies könnte ein längerer Text werden, ich versuche mich kurz zu halten... und werde es nicht schaffen:

    Ich habe nie im Verein Fußball gespielt (nur ab und an in einer Freizeitmannschaft), ich habe in meiner Jugend nie aktiv oder passiv in Sportvereinen gewirkt, aber ich habe immerhin Kinder- und Gruppenarbeit in der ev. Jugend gemacht und später auch in der ev. Jugend in Gremien (Organisation, Diskussion, etc.) gearbeitet.

    Irgendwann wurde ich - schwupps - Vater zweier Kinder, die dann das Fußballspielen anfingen. Und genauso schwupps habe ich mich dann zum Trainerjob breitschlagen lassen (mit F-Jugend (U7) angefangen).

    Nun passierte viel mehr oder weniger gleichzeitig: ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema KINDERfussballtraining auseinandergesetzt, habe hinterfragt und festgestellt, dass mir vieles was bei unserer Fußballabteilung lief nicht gefallen hat.

    Hier könnte nun ein längerer Text folgen: ich wurde vom damaligen JL rausgeworfen (als Trainer), habe aber wegen meiner Kinder dagegen nicht rebelliert, erst, als es auch gegen meine Kinder und später gegen meine ganze Mannschaft ging, habe ich über den Verein (wie gesagt: breitensportlich - die Fußballabteilung agiert wie alle Abteilungen weitgehend autark) interveniert.
    Nun bin ich wieder Trainer, inzwischen - wohl auch aufgrund meines damaligen Kampfeswillen . auch Jugendleiter.

    Nun trainiere ich die Mannschaft also wieder, ist momentan eine E2 (99er Jahrgang, also erstes Jahr E-Jugend). Was mich nun etwas umtreibt:

    Bin ich geeignet, den Kindern gerade in der Zeit, in der sie so viel leicht lernen können als Trainer zur Seite zu stehen?
    Ich kann z.T. einfachste Tricks (Übersteiger) nicht wirklich gut demonstrieren, Dribblingtechniken zwar ein wenig vormachen und auch analysieren aber das Vorbild in all diesen Dingen kann ich leider nicht sein. Ich beschäftige mich theoretisch und auch praktisch wirklich viel mit Fußball, merke auch, wie sich bei mir altem Sack Verbesserungen einschleichen (ich kann inzwischen EINFACHE Ballanhmen aus einem Koordanitationsparcour vorführen und den Kids dann auch einen i.d.R. schönen Torabschluß zeigen), aber wirklich technisch etwas vorführen kann ich DEFINITIV nicht.
    Ich habe inzwischen die ersten beiden Wochen des Fachübungsleiters absolviert und fand es einfach nur super (obwohl ich als "Unfähiger" unter den ganzen Cracks keine leichte Zeit hatte), vor allem weil mir die vorgetragene Philosophie, den Erfolg hinter die Ausbildung zu stellen sehr gefällt (ob das wirklich auch so gelebt wird, wage ich aus gutem Grunde zu bezweifeln). Der BFV (Bayr.Fuba-Verband) hat mir inzwischen bestätigt, dass ich vom fussballerischen Eigenkönnen nicht geeignet bin, und mir überlegen sollte, ob ich wirlich die Prüfung ablegen will.
    Ich habe durchaus das Gefühl, dass sich die Kinder unter mir technisch und vor allem auch in so "Basis-Dingen", wie Lauftechnik, Ballgefühl, etc. verbessern, ich mache momentan gerade auch viel v.a. zu Beginn des Trainings mit Laufschule (manch einer stampft nun nicht mehr wie der Elefant durch die Halle), Koordination, etc.

    ABER ich habe auch immer wieder Zweifel, ob ich als Trainer den Kindern nicht auch im Wege stehe - damit meine ich nicht auf ihrem Weg in die Fußballkarriere sondern einfach nur, dabei, als Fußballer mehr zu lernen. Wir spielen z.B. gegen Mannschaften, da fangen die Gegenspieler einfach an, hier und da auch mal einfache Übersteiger zu machen - ich wüßte nicht mal, wie ich die Kinder dahin bringen sollte, denn jede Demonstration (und das ist ja die Grundlage einer Übung) würde fehlschlagen.
    Andererseit sehe ich bei aller Bescheidenheit, dass ich mir auch Gedanken, mache, die woanders (auch in der eigenen Fußballabteilung) überhaupt nicht vorkommen: möglichst alle Kinder einigermaßen gleichberechtigt spielen zu lassen, auf verschiedenen Positionen spielen zu lassen, aber auch im Training Inspirationen von andern Sportarten zu holen (bis zum Ausleihen von Übungsleitern aus anderen Abteilungen), möglichst kurzweilige Übungen ohne Anstehen, etc.

    Aber reicht das wirklich, um zumindest bis zur E-Jugend (Kleinfeld) die Kinder als TRainer zu begleiten? Oder sollte ich lieber zusehen, ob nicht ein anderer Trainer, der wenigstens früher mal als Jugenspieler Fußballerfahrung sammeln konnte und "ein wenig" mehr Fertigkeiten besitzt als ich, das Heft übernimmt?

    Wie seht Ihr das?

    Gruß,
    Sebastian