Hallo Kickerlars,
ich finde es normal, daß man als Trainer auch Emotionen (Abschieds-Schmerz) zeigen darf. Ich finde das sogar wichtig, da man dadurch authentischer und menschlicher wirkt/ist. Ich selber arbeite mit Mannschaften, mit denen wir regelmäßig gegen NLZ spielen und kenne daher die Problematik, die sich bei dir ergibt auch aus eigenen Erfahrungen heraus. Dennoch solltest du aufpassen, daß du die Jungs nicht zu nah an dich herankommen lässt und dich als Person angreifbar machst. Du musst der Mannschaft den Eindruck vermitteln, alle gleich zu behandeln, sonst könnte dir das dein Mannschaftsgefüge durcheinanderbringen. Ich musste diesen Sommer 2 Torhüter in die Aktivität hergeben, die ich seit 4 Jahren ausgebildet habe. Mir fiel der Abschied auch extrem schwer, da ich die Jungs auch in mein Herz geschlossen hatte. Allerdings freue ich mich auch schon auf die Spiele bei den Aktiven (ich werde dort immer wieder mal zuschauen), bei denen sie (hoffentlich) sehr gute Leistungen bringen werden und möglichst viel von dem (mit viel Geduld und Schweiß) Erlernten anwenden werden/können. Und glaube mir, die Nachwuchsspieler werden dich immer in Erinnerung behalten. Mir kommen bis heute noch Spieler/Torhüter immer wieder freudig entgegen, wenn ich sie mal bei einem ihrer Spiele beobachte bzw. zuschaue. Vergessen werden sie dich sehr wahrscheinlich nicht. Nur werdet ihr euch halt nicht mehr in so großer Regelmäßigkeit sehen. Das ist leider der Weg der Dinge, wenn man im Nachwuchsbereich arbeitet...
Bei mir ist die fussballfreie Zeit jetzt wieder vorbei. Und ich habe aber diese Zeit genossen, da nicht von Terminen usw meinen Tages-/Wochenablauf bestimmt haben, sondern ich einfach in den Tag leben konnte. Außerdem brauchte ich auch diese Pause unbedingt, da wir (wie ich bereits geschrieben hatte) sehr intensiv trainieren (4-5 mal in der Woche) und an den Wochenenden bei Auswärtsspielen häufig 12 Stunden unterwegs sind. Aufgrund dessen hab ich die Sommerpause wirklich genossen...
Ich finde es okay, wenn du persönliche Verhältnisse zu den Spielern aufbaust. Aber (wie bereits oben geschrieben) lass sie nicht zu nah an dich heran. Das kann unter Umständen deine eigenen Entscheidungen zu sehr beeinflussen bzw auch Unruhe in die Mannschaft bringen. Dennoch solltest du als Trainer eine Vertrauensperson sein, der die Spieler auch mal ihren privaten Kummer anvertrauen können. Weil jede Art von Kummer, Sorge, Ärger... beeinflußt die Leistung und wenn du auch solche Dinge weißt, dann erklärt sich manche Leistungs-Schwankung von ganz alleine. Und gerade im Jugendalter spielen sehr viele Faktoren eine Rolle für Leistungs-Anstieg bzw. Leistungs-Abfall. Behalte ruhig den Weg bei, zu den Jungs ein persönliches Verhältnis zu haben, das kann sich nämlich auch sehr positiv auf die Mannschaftsleistung auswirken. Wichtig ist nur die Gleichbehandlung der einzelnen Spieler, so daß sich keiner vernachlässigt fühlt.
Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Antwort etwas weiterhelfen.
LG BMW