Als meine Söhne vor einem Jahr die Einladung bekamen zur U12 eines Bundesligisten (1.) zu wechseln, kam ich über google auf diese website und bin seitdem ein stiller, wenn auch dauerhafter Leser des Forums.
Als "kleinen Dank" für die vielen Informationen die ich hier erhalten habe, gebe ich einmal meine Erfahrungen wieder:
Meine Söhne haben beide in einem wirklichen Dorfverein gespielt, wo es vollkommen egal war, wie die Tabelle am Ende der Saison aussah. Die Jungs und Mädchen hatten Spaß, Kinder durften zum Training mal dazukommen, auch wenn sie nicht im Verein waren, das Verhältnis zwischen Trainern und Eltern ist sehr harmonisch. Wenn mal ein Trainer nicht konnte, ist eben ein Papa eingesprungen. Am Wochenende kickt dann oft das halbe Dorf zusammen auf dem -immer offfenen- Sportplatz, wo es schon mal vorkommt, dass Ü60 auf U6 trifft.
Kurzum: ein Dorfverein, wie es ihn wohl überall vor zwanzig Jahren noch gab.
Meine Söhne haben immer zwei Jugenden gespielt, a) weil sie es wollten und b) weil gar nicht genug Kinder da waren, um überhaupt eine Mannschaft voll zu bekommen. Andere Kinder machten dies auch, zumal es bei uns im Landesverband keine "Festspielregeln" im KiFu gibt.
Schon früh wurde ich immer wieder drauf angesprochen, dass die Kinder talentiert seien und ob ich sie nicht einmal vorspielen lassen wollte. Ich war immer vehement dagegen und habe den Standpunkt vertreten, dass ein Wechsel vor 14 für mich nicht in Frage kommt und schon gar nicht in ein LZ eines Oberligisten, wo die Kinder nur angeschrien werden und ein immenser Leistungsdruck, gepaart mit Arroganz, herrscht.
Unser Trainer hatte aber -aus welchen Gründen auch immer- Kontakte zu dem BuLi-Verein und als ich auf einer längeren Dienstreise war, organisierte er einen Vorspieltermin. Für die Jungs war es eine große Sache zumal es ihnen auch nur als "Spaßtraining" und "Belohnung" angekündigt wurde.
Nach diesem einem Vorspiel wollte der Verein die Jungs.
Was mir gefallen hat, war, dass die wirklich sehr freundlich mit allen! Kindern umgingen, Rücksicht nahmen und nicht nur den Spieler sondern auch das Kind und damit den Menschen sahen. Sozialkompetenz eben, die ich bei vielen Leistungszentren vermisste.
Zwischenzeitlich waren die beiden auch noch bei der Sichtung für den DFB-Stützpunkt, wo sie auch genommen wurden.
Nach ein paar Monaten Bedenkzeit, in der die Kinder ab und zu mittrainierten und an Freundschaftsspielen teilnahmen, habe ich mich breit schlagen lassen und einem Wechsel zugestimmt, zumal ich feststellen musste, dass die Jungs da wirklich binnen kürzester Zeit enorm viel lernten und gut mit ihnen umgegangen wurde. Kein Wunder bei einem Trainerschlüssel von 1:3 im Vergleich zum Stützpunkt mit 1:20. Zwischenzeitlich sind sie "Stammspieler" und auch andere Bundesligisten haben sich die Namen schon notiert.
Sollten die Jungs es allerdings irgendwann einmal nicht schaffen da mitzuhalten und aussortiert werden - was ich für mehr als möglich halte - werden und können sie jederzeit zurück in unseren Dorfverein. Zu einem LZ werden sie dann jedenfalls nicht wechseln. Wozu auch. Um später statt Kreisklasse B einmal Kreis- oder Landesliga zu spielen?
Fazit: Wenn ein Kind talentiert ist, wird es entdeckt, selbst wenn es im finstersten Dorfverein kickt. Der Wechsel in ein LZ und die Hoffnung darüber einmal in die BuLi zu kommen, ist sinnlos. Aus Gesprächen mit den neuen Trainern meiner Söhne weiß ich, dass die Bundesligisten die meisten der Kinder die dort spielen schon einmal gesehen und eben nicht genommen haben. Warum also die Kinder quälen und nicht den Spaß in den Vordergrund stellen?