André, auch hier gilt leider, das sich manches schwer verallgemeinern lässt. Das ist übrigens auch ein prinzipielles Problem in der SChule, dem sich die Pädagogik ziemlich verweigert. Es gibt Kinder, die den Gleichaltrigen in bestimmten Dingen Jahre voraus, in andren entsprechen sie dem Durchschnitt, in andren sind sie Jahre hinterher. Und deswegen helfen übrigens auch übersprungene Klassen oder Drehtürenmodelle wenig, aber das ist ein andres Thema.
Ich weiß das deshalb so gut, weil ich eins dieser Kinder war, die nie in irgendein Schema gepasst haben und zwar quasi nirgendwo. Der Kopf war bei mir Jahre voraus, weshalb du mit deiner Märchenstunde bei mir nicht besonders gut angekommen wärst. Ich habe Zeit meines Schullebens kaum etwas so gehasst wie den Versuch von Erwachsenen (meistens Lehrern) einen auf "kindgerecht" zu machen. Ich wollte ernst genommen werden, als vollwertig gelten. Ich kam mir dann immer verarscht vor. Das führte letztlich dazu, dass ich zur klugscheißernden kleinen Dauernervensäge wurde, frustriert durch geistige Dauerunterforderung.
Dafür war ich meinem Alter immer hinterher was die Körperkoordination anging. Ich weiß noch gut, was für ein Theater es war, bis ich mir endlich die Schuhe selber zubinden konnte. Meine drei Jahre jüngere Schwester konnte das vor mir(!). Ich schaffte es dann unter Schweißausbrüchen mit etwa 7.
Generell muss ich auf mich bezogen sagen, dass ich immer dann am meisten dazugelernt habe, wenn ich eigentlich "überfordert" wurde. Fußball spielen hab ich gelernt beim Spielen mit Leuten, die teilweise 4 Jahre älter waren (Pausenhof). Meine ruhigsten Grundschulzeiten hatte ich den Stunden in denen mich mein (überforderter) Lehrer im Zimmer nebenan ablieferte, wo die 5. bzw. 6. Klasse der Hauptschule unterrichtet wurde. Wenn man mit 4 Jahren älteren Kindern Fußball spielt will man trotzdem den Ball behaupten (man will ja gewinnen), verliert man ihn dann doch schimpft aber keiner, weils auch keiner erwartet hat. Schafft mans doch mal, ist das Lob dafür umso motivierender.
Ich neige dazu, mich durch gezieltes mäßiges Überfordern (manche sagen auch an die Grenzen gehen) zu verbessern. Ob sich das als pädagogisches KOnzept jedoch verallgemeinern lässt, würde ich allerdings auch wieder bezweifeln.
P.S. Noch eine Bemerkung zu dem "jeder muss mal ins Tor". Auch hier gilt aus meiner Sicht, dass Verallgemeinerungen falsch sind. Gerade für Leute, die ein Musikinstrument spielen ist dergleichen nicht lustig. Da brauchts gar keine ernsthaften Verletzungen, wenn man da drei vier Bälle draufgekriegt hat, merkt man das beim Klavierüben am nächsten Tag.