Beiträge von Hace 75

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    Ich war jetzt 25 Jahre lang "sehr aktiv" an der Organisation unseres kleinen Dorf Sport (Fußball) Vereines beteiligt. Das ist mehr als die hälfte meines Lebens.

    Seit 25 Jahren Vorstand und dazu immer noch andere Aufgeben (was gerade so anfällt oder gebraucht wird ) (Jugendtrainer, Schiedsrichter, Übungsleiter bei anderen Sportarten, Platzwart, Kassierer, Gastronom, Einkäufe, Veranstaltungsmanager etc...)

    Vor 2 Wochen bin ich (während der laufenden Vorstandsperiode -also "außerordentlich" ) als Vorstand zurückgetreten.

    Ich hab das alles nicht mehr ausgehalten. Hat keine Freude mehr bereitet.

    Über meinen Sohn bin ich vor etlichen Jahren auch wieder näher an den Kinder- und Jugendfußball gekommen.

    Hab selbstverständlich auch entsprechende Fortbildungen besucht (Kindertrainer, C-Lizenz) und mich sehr gerne in den Jugendfussball als Trainer eingebracht.

    Auf dem Platz, und in der Arbeit mit den Kids gab es da auch wenig Probleme. Wir waren nicht die erfolgreichste Mannschaft aber es ist "gelaufen".

    Hauptsächlich wegen des Verhaltens einiger Eltern (es waren leider überwiegend Damen...) und dem ganzen "drumherum" hab ich aber zum Ende der letzten Runde aufgehört.

    Mich hat das "Gehetze" und die Boshaftigkeit einiger (meines Erachtens sehr unausgelasteter Eltern- die zu viel Zeit haben sich Boshaftigkeiten und Lügen auszudenken) nur noch belastet.

    Das war schon Psychoterror like.

    Ganz schlimm wurde das als die ersten Kinder der Mannschaft zu "besseren" Vereinen gewechselt sind.

    Für mich als Trainer war das auch nie schön, aber vollkommen nachvollziehbar und der "normale Lauf der Dinge" (hier auf dem Dorf).

    Was man dann über diese Kinder und deren Eltern hören musste..... unter aller S.u...


    Was mich ebenso sehr belastet hat war der ganze Umgang miteinander und untereinander (andere Vereine, Trainer etc.) welcher im Fußball herrscht.

    Weiter oben hat einer geschrieben dass man kaum noch auf Kollegen, sondern zusehends nur auf "Gegner" trifft.

    Das beschreibt es ganz gut.

    Keiner gönnt dem anderen was, Gewinnen um jeden Preis, Feindseligkeiten , Neid, Aggressivität, Fairness?

    Zu oft hab ich Sätze wie: "Hau ihn um....." auf dem Platz hören müssen.

    Und dann der Umgang mit dem Schiedsrichter. Regelmäßig Vorkommnisse, Beleidigungen, Häme etc.

    Welches Recht haben (unsere) Zuschauer ständig lautstark die Leistung anderer Sportler auf dem Platz (auch der SR ist ein Sportler!) zu kommentieren?


    Mein Sohn macht auch noch anderen Sport, und ich muss sagen das ist in anderen Sportarten deutlich besser.

    Nirgends ist es so schlimm wie beim Fußball. Echt teilweise schon asozial.

    Wir hatten vor einigen Jahren einen Spielabbruch (Handgreiflichkeiten) bei einem Bambini Spiel! Bei uns im Kreis war das kein Einzelfall.


    Was mich auch sehr stört, ist der fast überall akzeptierte Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln beim gemeinen Fußball Zuschauer. Fast überall wird (schon Samstags morgens um 0900 bei den Spielen der kleinsten) Alkohol ausgeschenkt und geraucht.

    Bei uns gibt es Zuschauer die haben am Ende eines "Jugendspieltages" 7-12 Bier (alternativ Glühwein) oder so....

    Da kann ja eigentlich nicht mehr viel gescheites bei verbalen Äußerungen kommen.

    Traurigerweise setzten die sich danach oft noch in ihre Autos und fahren heim (inklusive Kinder auf dem Rücksitz)

    Solche Zuschauer (oder sogar Betreuer/Trainer) mit Bierflasche und Kippe im Mund sehe ich jedes Wochenende und das mit Unbehagen. Aber vielleicht hab ich zu verklärte Ansichten von Jugendförderung und Sport....


    Mir hat es gereicht.

    Ich wollt nicht mehr.


    Im Moment fehlt mir das ganze noch und ich hab die "mehr Freizeit" noch nicht kompensiert.

    Aber in Summe geht es mir heut besser.


    Ich find in anderen Sportarten auch einen Platz.

    Da geht es oft viel freundlicher /professioneller /sportlicher zu.

    Gerne würde ich noch einen Aspekt mit einwerfen.


    Was bei dieser (oder ähnlichen) Diskussionen oft zu kurz kommt, ist es die "guten Spieler" in Schutz zu nehmen. (welche in diesem Beispiel ja immer das volle Spiel=viel Spielzeit bekommen)


    Als Trainer eines Breitensportvereines (kleines Dorf, jeder wird mitgenommen) sieht das bei mir nicht anders aus. Ich hab zum Spieltag hin auch ab und an (haben eher kleine Kader und demografische Probleme ) Kinder auf der Bank sitzen die:

    - vollkommen Talentfrei sein

    -nur da sind weil die Eltern vom Kinderarzt/ Psychologen gesagt bekommen haben: Es wäre gut wenn sich ihr Kind etwas bewegen würde

    -Für die Fußball in der Hauptsache der Kontakt zu anderen Kindern ist. (die würden auch jedes Training nur Fange-Mann / Verstecken spielen)

    -Für welche die Stadionwurst und die Trinkpause wichtiger sind als sportlicher Erfolg

    -welche bei schönem Wetter (alternative Schwimmbad) oder zu schlechtem Wetter (Zocken an der X Box) selten bis gar nicht kommen.

    -Welche sich auf gar keinen Fall anstrengen oder quälen wollen

    -Welche eigentlich ja ganz andere Hobbies haben, aber Dienstag und Freitag Nachmittag zufällig noch Zeit haben....

    -Deren Großmütter und Tanten 38 mal im Jahr Geburtstag feiern ......


    Und leider, hab ich durch jahrelange Erfahrung auch so ein bisschen die Erkenntnis, dass der größte Teil dieser Kids "sowieso" im Laufe der Jugend verloren geht.....

    Ich traue mir mit relativ hoher Trefferquote zu heute schon vorauszusagen wer denn in ein paar Jahren sicherlich kein Fußball mehr spielt. (Ausnahmen bestätigen die Regel)


    Von daher kann ich einige Kollegen verstehen die halt nicht nach dem Konzept leben: Bei mir bekommen alle gleich viel Spielzeit.

    Das wäre nämlich auch alles andere als fair denen gegenüber die eben immer da sind, denen die sich anstrengen und wirklich Fußball spielen wollen.


    Ich bin wahrlich weit weg von NLZ /Elitenbildung etc.

    Aber beim Versuch alles immer gleich zu machen, es allen Recht machen zu wollen sollten wir nicht unfair zu den "Leistungsträgern" sein .....

    Danke für all das Feedback


    Hilft mir, meine durchaus "lokale" Sichtweise (plattes Land vs. Ballungszentrum) etwas zu erweitern.

    Mir ging es viel um mein Bauchgefühl,

    warum muss ich mich im (jüngeren) Jugendbereich und Breitensportverein überhaupt mit einem kommerziellen Anbieter beschäftigen? Warum ärgert der mich?

    Ich Verein - der Firma ?


    Keine Ahnung ob ihr das Bild vor Augen habt, aber ich habe an ein _Foto der DFB Ehrenamtskampagne gedacht wo der Mann am "Stadionwurst" Grill, die Dame welche die Trikots wäscht und der Platzwart zu sehen waren und "gehuldigt" wurden. Durch die Teilnahme kommerzieller Fußballschulen/Akademie am regulären Rundenspielbetrieb des DFB sehe ich das etwas differenzierter.

    Deren Potenzial und Wertschöpfung geht den Vereinen halt verloren.

    Auf der einen Seite wird Geld verdient, auf der anderen Seite die Verbandsstrukturen (Rundenspielbetrieb) in Anspruch genommen....

    Das fühlt sich für mich halt nicht gut an.

    Ich fühle mich hier so ähnlich wie betrogen_/ausgenutzt.


    Ich dachte auch (wie einer der Vorschreiber) das man zur Teilnahme an der Meisterschaftsrunde ein "klassischer" (offener) Verein sein sollte....


    Das man in diesen Fußballschulen besser Spieler entwickeln kann / bessere Talentförderung hinbekommt steht für mich außer Frage.




    Kann das nicht besser beschreiben...


    :)


    Gruß


    Hace

    Das sie allerdings in der untersten Liga mit Best-Besetzung (weißt du das es die Bestbesetzung ist?)

    Um fair zu bleiben muss ich gestehen : ich weiß nicht wirklich ob es deren Bestbesetzung ist.

    Sie sind jedoch ziemlich gut. Spielen trotz des großen Altersunterschiedes / körperlicher Entwicklung in der höheren Jugend mit um die Meisterschaft.

    Hallo Chantale


    Zum Spielbetrieb hab ich 2 Gedanken:


    Sollten diese Schulen (es sind für mich halt keine "Vereine") überhaupt das Spielrecht in einer Klasse des Verbandes bekommen der eigentlich von "richtigen" Vereinen lebt?

    So ähnlich wie die Frage welche im Bundesliga-Bereich viele umtreibt ob denn Red Bull Leipzig eigentlich ein Verein ist oder nicht?

    Nur reden wir hier von den untersten Ebenen der Strukturen, nicht vom Profibereich.

    Muss da schon ein kommerzieller Anbieter mitspielen? In Konkurrenz zu uns?

    Denen würde doch frei stehen außerhalb einer offiziellen Verbandsrunde unter ihresgleichen zu spielen/Privatspiele durchzuführen etc.?


    Ein 2.Gedanke (nach einem Spiel in jüngster Vergangenheit, ganz reell passiert)

    Wir spielen mit unserer Jugend in der "untersten" Spielklasse (Kreisliga)

    Hier geht es wie gesagt nicht um Spitzensport, sondern bei uns wird jeder mitgenommen der sich dem Verein zugehörig fühlt.

    Wir haben ein Kind mit einer Behinderung, mehrere Migranten (kein Deutsch gesprochen), viele "untalentierte" und körperlich unfitte Kinder (Dicke :) Kinder )

    Trotzdem sehen wir es als unsere Aufgabe und soziale Verpflichtung hier eine Mannschaft zu melden und ein Angebot zu machen.

    Am Wochenende spielen wir mit unserer 1. D Jugend gegen die 3. D-Jugend Mannschaft der Fußballschule.

    Auf dem Platz steht aber in Wirklichkeit eine Bomben E-Jugend (Deren beste E-Jugendlichen)

    Dann prallt der "Dicke Peter" (Januar 2012 geboren) unserer D-Jugend mehrmals mit einem Gegenspieler (Dezember 2015 geboren) zusammen.

    Könnt ihr euch Vorstellen wie die Eltern der angehenden Profis darauf reagieren?

    Nicht eingerechnet hab ich dass bei uns im Kreis auch Mädchen mitspielen können die noch 2 Jahre älter sein dürfen.

    Dann sind wir bei knapp 6 Jahren Altersunterschied


    Meine "unbeholfenen Grobmotoriker" gegen die zukünftigen Messis (die alles spielerisch lösen anstelle körperlich)

    Da passt für mich etwas nicht.

    Ich finde wenn es da Konzept der Akademie ist die besten zusammenzuziehen und immer unter den besten zu trainieren, dann sollten Sie auch unter sich /gleichaltrigen bleiben.

    Ansonsten gibt das nur unnötige Spannungen (die leicht vermeidbar wären)

    Hallo

    Das ist nach längerer Zeit des stillen Mitlesens mein 1. Post.

    Ich würde gerne mal die Meinung / Sichtweise anderer engagierter Personen erfahren um meine Sichtweise zu reflektieren und eventuell andere Standpunkte zu erfahren.

    Folgender Sachverhalt und Grund meines Anliegens:

    Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlich (verschiedene Positionen vom Spieler über Trainer bis zum Vorstand) bei einem kleinen "Dorfverein" (1000 Einwohner) im Verbandsgebiet des SWFV tätig.

    In unserer Gegend haben wir eher mit einem Schwund an Spielern/ Fußballmannschaften zu kämpfen.

    Auch ehrenamtliche für die vielen Aufgaben im Verein finden sich nicht gerade leicht.


    In meinem Radius gibt es jedoch mittlerweile einige "Gebilde" die ich eher kritisch sehe.

    Es handelt sich dabei um (kommerzielle) Fußballschulen. Ob die als Verein eingetragen sind weiß ich noch nicht einmal. Vermutlich schon, jedoch "geschlossen" und nicht zugänglich für jeden. Meines Erachtens dienen diese Fußballschulen/Akademien dazu dass die Inhaber Geld verdienen. Vereinsarbeit im klassischen Sinne gibt es dort nicht.

    Fakt ist es jedenfalls, dass man sein Kind (bei entsprechendem Talent) dort hinbringen kann und gegen einen anscheinend nicht unerheblichen Beitrag (habe von 150-200€ Monat gehört) kann das dann dort Fußball spielen und trainieren.

    Wir reden hier von einem ganzjährigen Angebot. Nicht von einem zeitlich befristeten Camp/Trainingslager etc.

    Auch nicht von einer Maßnahme in Ergänzung zu einem Vereinstraining (Fördertraining, Stützpunkt etc.)

    "Betuchtere" Eltern können sich dann dort einkaufen.

    Ich vermute irgendwelche Vereinsarbeit im klassischen Sinne muss man dann dort nicht mehr machen. Der Kunstrasen-Platz wird von bezahlten Leuten i.O. gehalten, die Trainer werden bezahlt (einige Ex Profis oder höherklassiger Spielende dabei), eine Vereinsgaststätte oder sonstige Infrastruktur gibt es gar nicht (kann man nicht mal was zu trinken kaufen dort)

    Was man wirklich anerkennen muss ist, dass die Kinder dort wirklich weiterentwickelt werden. Die Qualität des Trainings scheint wirklich sehr hoch. Auf der Homepage wirbt der Inhaber mit duzenden von Spielern die er entwickelt hat und die dann irgendwo im höheren Fußball gelandet sind.

    Das Geschäftsmodell des Inhabers ist es (die talentierten) Kinder "zusammen zu holen" (dort landen vermutlich die, die es nicht im 1.Step in ein NLZ schaffen)

    weiterzuentwickeln und dann bis zum Ende der D-Jugend (ältere Jahrgänge gibt es in der Fußballakademie gar nicht) an ein großes NLZ zu vermitteln.

    Dafür fließt dann noch mal Geld.


    Als jemand der vom klassischen Verein kommt und durchs Ehrenamt geprägt ist finde ich dieses Geschäftsmodell fraglich.

    Der DFB fährt Kampagnen in denen er das Ehrenamt stärken will, Die Vereine sollen die Kinder von der Straße holen, Integration leisten usw.

    Das ganze wird aber durch solche Gebilde konterkariert. (Wir spiele schon viele Jahre gegen den Verein. Ein "Migrantenkind" oder eines aus prekären Verhältnissen habe ich dort noch nie gesehen.....)

    Die "Wertschöpfung" (Abgreifen der Talente, Geldfluss der Monatsbeiträge ) geht hier am Ehrenamt und den öffentlichen und gemeinnützigen Vereinen vorbei und landet in den Taschen einiger weniger (hier Ex Profis)

    Die Einstellung " Ich kann es mir leisten, ich bezahle viel mehr als im normalen Verein -dafür will ich aber nix wissen von Vereins Arbeit" scheint in teilen der Gesellschaft

    "en vogue" zu sein.

    On Top, oder zusätzlich zu einem Verein fände ich ein (bezahltes) Fördertraining / Fußballschule etc. OK.

    Was mich stört ist aber die Tatsache dass diese Fußballschule bei uns am regulären Spielbetrieb teilnimmt.

    Meist mit 2-3 Mannschaften pro Altersklasse. Da wird dann auch oft zwischen den Mannschaften hin- und hergeschoben.

    Beim letzten Aufeinandertreffen ( D Junioren Rundenspiel) spielten bei denen ausnahmslos E-Jugendliche (meist 1.Jahrgang). Nicht ein einziger D Jugendlicher dieses Vereins war auf dem Spielbericht. Die Mannschaft spielt aber ganz regulär in der D- Jugend Staffel (Die schlagen sich auch wirklich ganz gut, weil es halt eine Auswahl wirklich guter Spieler ist)


    Ich finde solche "Konstrukte" sollten nicht am regulären Spielbetrieb / Verbandsspielbetrieb teilnehmen.

    Meiner Wahrnehmung nach führt das auch oft zu Spannungen unter den -Zuschauern (ambitionierte Eltern von Spielern dieses Vereins, bezahlen viel Geld für die Ausbildung ihrer Kinder vs. "Trottel/Bauernvolk" etc. )

    und ganz generell sehe ich so ein kommerzielles Gebilde schon auch im Konflikt mit dem Fair Play Gedanken der ja in den unteren Jugendklassen herrschen soll....


    Gibt es bei euch ähnliche Erfahrungen?

    Andere Sichtweisen?