Beiträge von orbiter

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    Anekdotisch kann ich folgendes berichten. Der Trainer unserer Mannschaft (U11) hält sich zB an die Empfehlung der aktuell maßgeblichen Experten und lässt alle Kinder immer wieder auf unterschiedlichen Positionen spielen. Bei den diversen Leistungsvergleichen ist hingegen zu beobachten, dass die leistungsorienten Vereine genau so nicht agieren. Deren Mannschaften sind klar durchstrukturiert, jedes Kind spielt auf der ihm angestammten Position. Es wird positionsgetreu gewechselt, manchmal sogar in ganzen Blöcken. Das führt regelmäßig dazu, dass gegen solche Mannschaften nicht nur verloren wird, sondern hohe Niederlagen eingesteckt werden. Kaum spielt unsere Truppe aber einmal mit der vermeintlich besten Aufstellung, d.h. mit den Kindern auf deren Lieblingpositionen, sieht die Geschichte schon ganz anders aus. Natürlich gewinnen auch unsere Kinder lieber oder verlieren nur knapp, als wenn sie regelrecht abgeschossen werden. Das führt natürlich zu der Frage, wie viel von dem, was in der Breite an Empfehlungen für die Talententwicklung tatsächlich so umgesetzt wird. Es scheint mir so, als wenn außer Lippenbekenntnissen nicht viel bleibt. Ich habe jedenfalls noch nie gesehen, dass der Topstürmer eines leistungsorientierten Vereins bei einem Leistungsvergleich plötzlich als Abwehrspieler aufgelaufen wäre. Das passiert scheinbar schlicht und ergreifend nicht. Entschieden wird das aber doch einzig und allein durch die Trainer.Führen wir also am Ende eine Diskussion in einer intellektuellen Fußball Bubble, die mit der handfesten Realität nur wenig zu tun hat?

    Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um ein kurzes Resümee zu ziehen. Offenbar ist man hier sich darin einig, dass viel – aber noch viel zu wenig – Wert auf die fundierte Ausbildung in der Breite gelegt wird. Schauen wir uns aber einmal genauer an, dass die Profivereine Jahr für Jahr selektieren statt auszubilden, sich also immer die vielversprechendsten Talente ziehen, dann drängt sich die Frage auf, warum so wenige oben ankommen. Die Besten der Besten sind nach der Ausbildung im NLZ nicht gut genug, um im internationalen Vergleich zu bestehen?! Wenn man weiterhin die statistische Wahrscheinlichkeit zu Grunde legt, dass allein aufgrund der Einwohnerzahl, der Größe des Verbandes sowie der Anzahl der kickenden Kinder in Deutschland prozentual mehr potenzielle Profis hervorgebracht werden müssten, als in Spanien und Frankreich, dann bleibt nur der Schluss, dass die Ausbildung nicht reicht. Und das führt uns zu dem Ergebnis, dass die Trainer nicht gut genug sind. Provokativ. Vielleicht. Aber aktuell scheint mir das der logische Schluss zu sein.

    Gegenrede?

    Ich bin ein fussballbegeisteter Papa eines ganz gut kickenden Sohns. Beruflich beschäftige ich mich u.a. mit Prozessimplementierung, was insbesondere Mitarbeiterführung- und weiterentwicklung beinhaltet. Die Parallelen zur Begleitung junger Talente sind evident. Erste Einblicke in die Prozesse der Talentsichtung haben bei mir mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Daher lese ich hier aufmerksam mit.

    Hallo in die Runde,

    was sagen die Trainer und NLZ nahen Forenmitglieder zu den kontroversen Aussagen von Markus Krösche auf der Hamburger SPOBIS Conference Anfang Februar? Anlässlich einer Podiumsdiskussion stellte er fest, dass hierzulande zu schlecht ausgebildet werde. Dafür seien die Vereine verantwortlich. Jetzt könnte man feststellen, dass das eine Binse ist. Aber gerade deshalb lohnt sich ein Nachfassen bei denjenigen, die im System Talententwicklung mitwirken oder mitgewirkt haben. Warum sind hiesige, in deutschen Vereinen ausgebildete, Talente im internationalen Vergleich schlechter?

    Ich hoffe auf eine lebhafte Diskussion.

    Grüße in die Runde!


    Q

    Hallo in die Runde, hier mein erster Tatbeitrag in diesem Forum, das ich seit einigen Wochen sehr aufmerksam durchstöbert habe.

    Anekdotisch kann ich folgendes berichten. In zwei U11 Sichtungen von NL Z wurden die dribbelstarken und wendigen Spieler ausgewählt. Das waren übrigens nicht ausnahmslos nur kleine Kinder, aber auffallend viele. Von draußen beobachtet waren das aber die bereits erwähnten Spieler, die den Ball erst dann abgegeben haben, wenn sie ihn verloren oder aber als Alibipass irgendwie weiter gespielt haben. Soweit so gut.


    Mir ist etwas anderes aufgefallen, von dem ich gerne wüsste, wie das die Scouts, die NLZ Trainer oder solche mit NLZ Erfahrung sehen und bewerten:

    Bei beiden NLZ lag der Schwerpunkt auf zwei Spielformen, nämlich mit zwei großen Toren auf kurzem Spielfeld oder mit vier kleinen Toren im Funinio Format. Das führte zu extrem dynamischen Spiel mit ständigen Richtungswechseln, insbesondere wegen der ständigen Ballverluste der Tempodribbler. Tore? Nahezu Fehlanzeige! Abschlüsse? Bemerkenswert wenige.

    Ehrlicherweise hat mich das extrem verwundert. Denn Abschlussstärke stand

    scheinbar überhaupt nicht im Fokus oder anders ausgedrückt, die Jungs kamen einfach nicht zum Abschluss. Ist das tatsächlich kein Thema (mehr) in der Ausbildung und in den NLZ? Oder wird dem erst später Bedeutung zugemessen?