Liebe Trainer Kollegen,
gerne möchte ich heute mal die Chance nutzen, um an dem Prinzip Mini-Fußball aka. FUNino aka Kinderfestivals Dampf abzulassen.
Zu meiner Situation: Ich bin seit fast 3 Jahren alleiniger Trainer einer stetig gewachsenen G-Jugend und habe mittlerweile rund 18 Kinder in meiner G1-Jugend (allesamt Jahrgang 2017, Jahrgangsaufteilung daher G1), wovon bezüglich des Leistungsniveaus von „keine Spielteilnahme und Blumenpflücken“ bis „Mini-Messi“ soweit alles dabei ist. Mit der Truppe bin ich daher ganz zufrieden. Die Kinder haben viel Freude und ich hatte bislang noch keinen richtigen Abgang. Klar kommen manche häufiger, manche weniger häufig ins Training, was mir aber anhand meiner Kadergröße nicht stark stört.
In den Hallenturnieren im Winter habe ich vorzugsweise die guten Kinder spielen lassen (6v6), dafür Ausgleichsevents für die schwächeren Kinder gegen entsprechend schwächere Teams stattfinden lassen. So hat aus meiner Sicht jedes Kind ausreichend Spielzeit.
Ich spiele aber auch seit ca. 1,5 Jahren Minifußball. War auf zahlreichen Events, habe 2 Events selbst organisiert. Auch im Training verwende ich die Spielform häufig. Baue zwei Felder auf, wenn eine ich eine hohe Trainingsbeteiligung habe.
Ich möchte gerne die verschiedenen Punkte der Reihe nach Clustern, damit mein Beitrag ein wenig Struktur erhält und ihr gezielt zu den einzelnen Punkten eine Rückmeldung geben könnt. Vorweg! Ich bin kein prinzipieller Gegner von Minifußball!
Hoher Aufwand beim Aufbau
Ich finde es extrem, was für ein Aufwand reingesteckt werden muss, bis der Ball rollt. Wir verwenden Bazooka Goals, welche eigentlich recht schnell aufgebaut sind. Trotzdem ist bei 2 Spielfeldern mit 8 Toren, 8 Stangen, 16 Hütchen erstmal nur der reine Spielfeldaufbau erledigt. Dazu muss ich als Trainer jetzt noch die Übungsformen aufbauen. Und das bei 2, maximal 3 Trainingseinheiten pro Woche. Da ich immer vor den Kindern auf dem Platz sein möchte, starte ich den Aufbau eine Stunde vorher. Mit dem Abbau bin ich ebenfalls locker eine halbe Stunde beschäftigt.
Hoher Aufwand bei der Organisation
Das ist einer der schlimmsten Parts. Die Organisation eines Events. Für kleine Vereine einfach der Horror. Selbst bei Unterstützung aus anderen Mannschaften (Welche ja selbst wieder Mini-Events organisieren müssen, da sich die Spielfelder / Jugend in Bayern maßgeblich unterscheiden) muss ich so viel Energie reinstecken, um ein Event auszurichten. Bei unserem Event waren es 12 Teams, heißt 12 Mannschaften zu finden, die sich gut unterscheiden. Dann die Abklärung, wer wie viele Tore mitbringt. (Wir selbst haben nur 12). Die Tore am Spieltag in Hektik aufbauen. Dann die Platzbeschreibung vornehmen, Lautsprecher aufbauen, um Durchsagen zu machen, Ansprechpartner für das Event stellen. Kleine Überraschung für alle Spieler des Events besorgen. Kabinen beschriften, mal ganz abgesehen davon, dass unsere beiden kleinen Kabinen komplett überquirrlen. + Mannschaften neu suchen, weil am Tag zuvor wieder 1-2 Teams absagen.
Kurze Zeitspanne, in der Minifußball richtig Spaß macht
Hier ist das Problem, dass die 2018ner und 2019 aus unserem Verein sichtlich damit überfordert sind, auf 4 Tore zu spielen. Es muss das Grundprinzip von Tore schießen und Tore verhindern erstmal verinnerlich werden. Häufig wird trotzdem nur von einem Tor auf das andere gespielt.
Im Jahrgang 2017 macht es klick und die Kinder schalten um. Spielen den Ball auch mal auf die freie Seite zum anderen Tor. Bis dann ab Anfang F die Kinder keine Lust mehr auf Minifußball haben und selber nach „richtigem Fußball“ und „Schießen auf die großen Tore“ jammern. Und ich glaube ich höre jedes Training mindestens 1x „darf ich heute mal im Tor sein“. „Nein mein kleiner, wir spielen auf Minitore“. „oh man“
Es können immer weniger Kinder spielen
Wenn von anderen Vereinen Mini-Fußball Events organisiert werden, kann man häufig mit maximal 2 Mannschaften anreisen, da der ausrichtende Verein oft nicht mehr Teams einer Mannschaft zulässt. Bei der G bedeutet das im 3gg3 dann maximal 4 Spieler, sodass ich bei 2 Mannschaften nur 8 Spieler spielen lassen kann. Bei Kleinfeldspielen konnte ich einfach zur Halbzeit einen Blockwechsel durchführen, sodass alle 16 Kinder zum Zuge kamen. Sprich jetzt muss ich einfach 8 meiner 2017ner Kinder enttäuschen, dass diese nicht teilnehmen können.
Fehlende Bereitschaft der Eltern als Feldbetreuer einzuspringen der Punkt ist selbsterklärend.
Bei Auswärtsspielen hat eine Mannschaft von mir sogar mal ohne Trainer gespielt, da die Eltern das Spiel nicht leiten wollten. (Ja- ist ohnehin nur wechseln und einschreiten, wenns wieder bunt wird)
Die guten Kinder bleiben weiterhin die guten Kinder, die schwachen bleiben die schwachen.
Minifußball wurde dazu erschaffen, mehr Ballkontakte zur ermöglichen, dribblings zu fördern und leistungsgerechter zu sortieren und jedem Kind mehr Tore und Freude am Fußball zu vermitteln. Aus meiner Sicht ist das ganze nur ein Hinauszögern bis in die D-Jugend, da sich ab dieser Klasse dann wieder die Spreu vom Weizen trennt. Die guten Kinder sind auch beim Minifußball die guten und das wird sich leider auch durch viele Ballkontakte und Tore der schwachen Kinder gegen andere schwache Kinder nicht ändern, da die guten Kinder sich gegen andere gute Kinder schon auf die nächste Ebene entwickeln.
Fazit: Als Trainingsform und zur Abwechselung finde ich Minifußball eine super gelungene Idee. Mir gefällt der Gedanke, die Kinder homogen zu trennen und mal für mehr Erfolge zu sorgen. Aber als Wettbewerbsform ist der Minifußall aus meiner Sicht und meinen genannten Gründen jedoch leider nicht tauglich. Alles in allem glaube ich, dass der Aufwand hier nicht im Nutzen steht.
Jetzt bin ich aber auf euer Fazit gespannt und freue mich darauf, wie mich gleich die ersten als Fußballtrainer hinterfragen! 😊