Alles anzeigenHöheren Beiträgen zur Problemlösung im Jugendfußball kann ich nichts abgewinnen. Jeder träumt davon, dass man Trainer vernünftig ausbilden und vor allem auch locken/halten kann, da man dann ja entsprechend auch einen Obulus für deren Arbeit zahlen kann. Am Ende des Tages erscheint mir das aber eben auch irgendwie typisch "deutsch": einfach genug Geld reinballern, dann wird das alles viel besser. Nur: wird es das überhaupt?
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Wenn ich bei uns in der Region sehe was manch ein Verein seinen Trainern zahlt, und dann sehe was die an der Seitenlinie treiben, oder was für ein Aufwärmprogramm vor den Spielen stattfindet frage ich mich schon, ob das Geld dann nicht lieber in neue Bälle oder Leibchen investiert worden wäre. Oder neue Klobrillen. Ich weiß, dass unser größter Konkurrent hier abnorme Summen für die Trainer raushaut, so viel zahlt mein Verein nicht - und wir haben durch die Bank dreistellige Aufwandsentschädigungen, dafür läuft niemand rum der nicht wenigstens die B-Lizenz hat. Realisiert wird das durch die Sponsoren, ein Luxus den natürlich die meisten Vereine eben nicht haben. Qualitativ habe ich an keinem Trainer bei uns etwas auszusetzen. Das liegt aber wohl eher daran, dass der Verein sich alleine die Coaching-App für Trainingsplanung schon einen vierstelligen Betrag pro Monat kosten lässt, damit jeder Trainer Zugriff darauf hat, das Ergebnis daraus sieht man auf dem Trainingsplatz, solch vielfältige Übungen hat keine Senioren-Kreisligatruppe jemals gesehen.
Und trotzdem haben wir mit Sorgen zu kämpfen bei der Rekrutierung von Trainernachwuchs, an der Bezahlung kann es also nicht liegen. Die jungen Trainer bei uns sind mehrheitlich selbst Jugendspieler im Verein gewesen.[...]
Es ist ja nicht so, dass die entsprechenden Trainerscheine höhere Atomphysik sind oder dergleichen, schaffbar sind die Einstiegs-Lizenzen eigentlich für jeden, der sich schon selber die Schuhe zubinden kann. Jetzt würde ich als Verein aber nicht jemanden anlocken wollen, der einfach nur den Trainerschein durchrattert, sich über die Aufwandsentschädigung freut - aber eigentlich gar nicht hinter dem Ganzen steht.
Moin @alle Lieben, die sich hier beteiligen,
Es klingt in einigen Beiträgen an und zum DFB sind mir in den zwei Jahren auch ein paar Fragen gekommen.
Fussball ist tatsächlich nochmal deutlich verschieden von meiner Sportart, bei der klar ist, du wirst als Spielerin und Trainerin nur reinbuttern. Man kann den Sport als Leistungssport ausüben, aber Hochleistungssport mit Profi-Ligen gibt's schlicht nicht.
Die Motivation liegt in der positiven Erfahrung mit Sport: Langeweile oder Frust mit Drogen oder sonstigem süchtigen Verhalten (Essen, Gaming, P*rnos...) kompensieren, von der möglichen Fehlentwicklung kommt man schon mal ein Stück weit weg. Speziell Mannschaftssport bietet eine ganze Reihe weiterer Impulse für eine gelungene Sozialisation. Potenziell zumindest.
Nach meiner Wahrnehmung -ich lass mich hier bitte gerne korrigieren, da eben ohne jede "Expertise Fussball" wahrgenommen- erscheinen mir einige Widersprüche wirklich seltsam:
Landläufig wird gerne gesagt, der DFB sei der größte und reichste Sportverband der Welt. Ob das mit dem reichsten wortwörtlich so stimmt, lass ich mal dahingestellt.
Allerdings vermute ich, dass die Einnahmen einiger andere Verbände (Eishockey, Handball, Basketball) zusammengenommen noch in dem Budget munter Fallschirmspringen könnten.
Und Sponsorengelder wirds auf der Ebene schon auch eigene geben beim Fussballverband.
Was macht es in der Situation so schwierig, z.B. eine zentrale Coaching-App allen Vereinen kostenlos oder günstig zur Verfügung zu stellen, die wichtige Mindeststandards im Kinder- und Jugendbereich nachweisen können? Als Anreizsystem für saubere Vereinsarbeit, zudem eine weitere (Mindest-) Standardisierung von Trainingsinhalten. Wenn das einmal zentral erstellt und aktuell gehalten wird, bekämen Vereine Ressourcen frei. Trainer rekrutieren wäre auch nochmal zumindest etwas erleichtert.
Oder gibt es das schon und es ist in etwa so brauchbar wie Mannschaftsmotivation durch Hansi Flick?
Ein System wie in den USA wollte ich jedenfalls nicht umgesetzt wissen: "Soccer-mom" bedeutet etwas ähnliches wie "Karen", Fussball und Mannschaftssport sollten alles andere als exklusiv sein.
Zu den Ü-Scheinen auch eine Frage, wenns keine Atomphysik ist -dem würde ich tendenziell zustimmen - warum sollen die beim DFB im Intervall von 3 Jahren aufgefrischt werden, statt wie sonst üblich alle 4 und warum sind die auch noch eher teurer als bei "ärmeren" Sportarten?
Edit:
"Fairplay-Liga" auf dem Kleinfeld, wer hat sich das eigentlich ausgedacht und dann noch mit diesem zynischen Label versehen?
Hier kam ja schon das Beispiel Basketball und da wird ein Aufwand betrieben, dass auch die Kleinen mit zwei Schiedsrichtern und zwei Personen Kampfgericht an der Clock beim Spiel die spezifischen Regeln erklärt bekommen. Da werden Eltern und Jugendspieler in die Pflicht genommen. Letztere kommen damit auch früh in Kontakt mit Verantwortungsübernahme für den eigenen Sport.
Funino ist anscheinend ein anderer Grundgedanke, man lässt die Kids einfach mal kicken und selbstständig Probleme lösen.
(Spätestens Eltern, oft die Trainer selbst coachen auch da schon meist dazwischen.)
Bei E-2 und E-1 noch auf Schiedsrichter "verzichten" bedeutet im Grunde nur, Dummdreiste kommen dabei weiter. Zig mal so gesehen.
So wie es bei den Trainern läuft, liegt der schreckliche Verdacht nahe, dass diese Einsparnis aus der Not heraus geboren wurde.
Oder liege ich da falsch?
Liebe Grüße
