Moin Moin,
als ich mich hier am 22.04.2016 zu Wort gemeldet habe, stand ich gemeinsam mit meiner Frau vor der äußerst schwierigen Entscheidung: NLZ - ja oder nein? Was ist das Beste für unseren Sohn?
Nach langem hin und her haben wir uns dafür entschieden. Ich betone WIR, denn ein 10-jähriger Junge kann das nicht! Das Wichtigste: Unser Sohn ist im NLZ (U11) "angekommen" (voll integriert), es macht ihm unheimlich viel Spaß, seinen schulischen Lesitungen hat es keinen Abbruch getan und mithalten kann er allemal.
Nun zu meinen/unseren Erfahrungen:
Trainer
Das Trainerteam besteht aus einem sehr kompetenten Chef (ich meine Elite-Jugend-Lizenz), zwei Co-Trainern (einer hat auf jeden Fall die B-Lizenz) und einem Betreuer. Regelmäßig kommen ein Athletik- und ein Torwarttrainer dazu.
Training
Trainiert wird 3 x pro Woche (mo., mi. und fr.). Das Training hat Hand und Fuß. Der Schwerpunkt einer jeden Trainingseinheit bzw. einer Trainingswoche ist stets erkennbar und man sieht, wohin die Reise gehen soll. Es wird mit sehr hoher Intensität trainiert, so dass die Jungs am Ende des Tages wissen, was sie getan haben. In den Wintermonaten wird 2 x draußen und 1 x in der Halle trainiert.
Wettkampf
Die Wettkampfdichte ist sehr hoch. Die U11 (älterer E-Jugend-Jahrgang) tritt in einer D-Jugend-Staffel an. Es wird also 9er-Feld gespielt. Die Gegner sind ein bis zwei Jahre älter. Der Gegenerdruck ist extrem hoch. Hm, ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so optimal ist, wie es zunächst scheint. Klar Förderung durch Forderung würde man sagen. Mir fällt aber auf, dass durch den ständigen Druck viel an Bewegungserfahrung verloren geht (man geht eben nicht ins 1 vs. 1, man macht eben keine Finte etc.). Dazu kommen Pokalspiele und SEHR viele Turniere und Leistungsvergleiche. Es vergeht kaum ein Wochenende ohne Wettkampf (z.T. auch an beiden Tagen. In der Summe sind regelmäßig fünf Tage in der Woche belegt. Das wurmt mich etwas, denn bei den ersten Gesprächen mit dem Verein wurde gesagt, dass bei zwei Einsätzen am WE der Trainingsumfang auf zwei Einheiten reduziert wird, was aber nur selten der Fall ist. Ein weiterer Kritikpunkt bettrifft die Rotation, die so gut wie gar nicht stattfindet. Die Jungs finden sich eigentlich nur auf "ihren" Positionen wieder. Spieler mit Offensivtalent spielen vorne, Spieler mit Defensivtalent spielen hinten - Ende aus! Mich als Stützpunkttrainer stört das etwas, schließlich sprechen wir hier noch von Kinderfußball.
Aufwand
Nachvollziehbarerweise ist der Aufwand sehr groß. 2 x kann er den Shuttlebus nutzen (mo. und mi.). Zum Treffpunkt muss er trotzdem gebracht werden. Fr. muss er komplett gebracht werden. Glücklicherweise haben wir eine Fahrgemeinschaft, so dass wir nur alle zwei Wochen die lange Fahrt auf uns nehmen müssen. Wäre da nicht noch das WE. Ein Shuttlebus fährt da nicht, so dass wir auch hier jedes zweite WE lange unterwegs sind. An den Trainingstagen verläßt er gegen 15:30 Uhr das Haus und ist gegen 20:30 Uhr back home. Aufgrund eines mehrtägigen Turnieres hat er bislang einen Schultag verpasst. Das war problemlos möglich.
Elternschaft
Wir haben uns im Vorfeld sehr kritisch mit der ganzen Thematik auseinandergesetzt (bis hin zu den bekannten Statistiken und Wahrscheinlichkeiten). Wir gehören nicht zu den verhypeten Eltern, sondern sind uns sehr wohl bewusst, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nummer auf Zeit ist. 50 % der Eltern hingegen glauben, dass es ihr Sohn auf jeden Fall bis nach ganz oben schaffen wird. Nein, sie glauben nicht, sie sind sich sicher. Total verrückt, bei einigen glaubt man Dollar-Zeichen in den Augen zu erkennen.
Ausstattung
- Präsianzug
- Poloshirt
- Präsentationsschuhe
- Trainingsjacke
- Trainingshose
- Trainingsshirt
- Trainingsshorts
- Trainingsstutzen
- Regenjacke
- Pulli
- Stadionjacke
- Mütze
- Tasche
Die Trikotnummern sind fest vergeben. Es handelt sich um die Orinaltrikots der Profis. Ab der U12 kommen noch Schuhe dazu
Zukunft
Gestern war Elternabend. Es wurde ganz klar gesagt, dass wohl nicht alle den Sprung in die U12 schaffen werden. Im Februar werden die Vorgespräche mit den Eltern geführt. Die finalen Gespräche (sogenannte Übernahmegespräche) folgen dann im Mai. Alle die "rausfliegen" müssen die Saison durchziehen, andernfalls wird keine Freigabe erteilt. Es ist halt eine ständige Selektion und Deselektion. Das ist bei uns am Stützpunkt vielleicht nicht ganz so krass, aber zumindest ähnlich. Wie soll es aber auch anders laufen? Es geht um die Besten und wer nicht (mehr) zu diesem "elitären Kreis" gehört, fliegt raus. Punkt!
Mit sportlichen Grüßen,
Schnapper
