Beiträge von Sejojo

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    Hallo Zodiak,


    also mir fallen da spontan folgende Dinge ein, um den Druck für die zentralen Spieler am Wochenende geringer werden zu lassen. Wenn man davon ausgehen kann , dass insbesondere Deine 6er schnell unter Gegnerdruck geraten und sehr hastig agieren, würde ich Ihnen ein paar Hilfestellungen geben:
    - Ansage, dass sie nur nach vorne spielen sollen, wenn sie den Ball mit Gesicht zum gegnerischen Tor auf dem starken Fuß haben (um Ihnen auch vor der Mannschaft den Druck zu nehmen immer was tolles kreieren zu müssen)
    - Ansage, dass der TW und die IV immer anspielbar sein sollen, sodass sie wissen, jederzeit abdrehen zu können und das auch dürfen um diese anzuspielen und einen neuen Versuch als Mannschaft zu starten die zentralen Spieler in eine gute Position zu bringen
    - Im Spielaufbau mit harten und flachen Bällen in die Tiefe zu spielen, sodass die offensiveren Spieler den Ball auf die 6er klatschen lassen können. Das hat den Effekt, dass die zentralen sofort in einer guten Position sind und der Gegner sich permanent neu orientieren muss und nicht so schnell Zugriff bekommt, als wenn diese direkt angespielt werden.
    - Klare Vorgabe für die defensiven Spieler ihre Vorderleute zu coachen (da sie den besseren Überblick haben), ob man aufdrehen kann oder besser klatschen lässt, bzw. einen "normalen" Rückpass spielt.


    Wie würde ich das trainieren?
    - Der Tipp von tobn mit der "Abwehrkette"-Seite ist echt gut. Ich finde da ne ganze Menge guter Übungen gerade zum Aufdrehen und Klatschen lassen. Ich finde allerdings nicht alle perfekt, sodass Du da ein bisschen aussieben und modifizieren solltest.
    - Um den TW noch mehr ins Aufbauspiel und als absichernde Anspielstation zu stärken, bin ich z.B. dazu übergegangen, diesem auch immer ein Leibchen im Training anzuziehen, weil mir auffiel, dass meine Jungs den sonst kaum mit einbinden.
    - Was ebenfalls diesbezüglich hilfreich ist, den TW auch in Passübungen miteinzubeziehen, damit er erstens sicherer wird und zweitens die Mitspieler sehen, dass er sicher passen kann
    - Um es für die zentralen Spieler am WE noch etwas einfacher wirken zu lassen, würde ich mit IHnen im Training viele Übungen zur Ballannahme in offener Stellung machen. Also wenn ein Ball vom rechten AV kommt und er kann den Pass mit Gesicht zum gegnerischen Tor annehmen, sollte er das mit dem linken Fuß machen (mit Gesicht zum eigenen Tor dann natürlich mit dem rechten). Der Effekt ist dann, dass er ohne sich weiter drehen zu müssen das ganze Feld offen hat und keinen zweiten Ballkontakt braucht um schon einen Pass spielen zu können. Das gilt natürlich für alle Spieler auf dem Feld. Du kannst den Spielern den Vorteil einfach verdeutlichen, indem Du einfach mal einen Pass von hinten rechts auf einen zentralen Spieler spielen lässt, der dann einen Mitspieler vorne links anspielen soll. Einmal soll er den Ball mit rechts annehmen und einmal mit links. Wo ist der Unterschied bzgl. Dauer, Zeit der Ballkontrolle und Anzahl der benötigten Ballkontakte? Zur absoluten Überzeugung kannst Du sie auch einfach mal 5 Minuten irgendeines Spiels von Barcelona schauen lassen, wobei sie genau darauf achten sollen. Da gibt es kaum mal eine Situation, in der der Passempfänger nicht mit dem vom Passspieler entfernten Fuß den Ball annimmt. Wenn die das beherzigen, haben sie jedesmal ein kleines bisschen mehr Zeit sich für eine Folgeaktion zu entscheiden.
    - Was mir mal sehr geholfen hat, war als ich mal den ganzen Trainingsplatz zur Verfügung hatte, einfach mal 10 gg. 7 oder 8 spielen zu lassen, wobei nur die 10 angegriffen und die 7 oder 8 nur verteidigt haben Bei Ballgewinn der Unterzahlmannschaft hat ein IV der 10er-Truppe sofort einen neuen Spielaufbau vom eigenen Sechzehner gestartet (da kannst Du einfach mal 10-20 Bälle deponieren, damit es schnell weitergeht). Ich habe dann ganz klare Spielzüge vorgegeben. Bspw. Ball verlagern, Abwehrspieler spielen 6 er an, die sofort auf Kommando auf einen anderen Abwehrspieler klatschen lassen und das so lange bis ein 6 er aufdrehen kann, was er nur auf Kommando eines Mitspielers darf, d.h. er ist nicht alleine Schuld wenn er sich in einen Gegner dreht). Dabei kannst Du immer coachen und Unterbrechen um zu korrigieren oder loben. Die Gegner in Unterzahl sollen einfach als Gruppe verschieben und die Räume eng machen. Auf diese Weise kannst Du spielnah den zentralen Spielern mal die Möglichkeit geben, ganz viel auszuprobieren, was klappt, was klappt nicht etc. und die Mitspieler lernen wie sie helfen können.
    - Als letzte Idee (damit diese Antwort bald mal endet) würde ich in Spielformen eine ganze Menge Sonderregeln aufstellen. Sodass es am Wochenende befreiend und total leicht wirkt "nur" einen motivierten Gegner zu haben, der einen am Torchancen herausspielen hindert.


    Ich hoffe das war jetzt nicht am Thema vorbei, auf einen kritisch-konstruktiven Austausch hätte ich total Bock.


    Gruß,


    sejojo

    Hallo Zodiak,


    ich lese jetzt schon seit einigen Wochen in diesem Forum mit und setze meinen ersten Beitrag natürlich in Deinen sehr interessanten Thread. Ich möchte Dir gerne Mut zusprechen, da ich Deine jetzigen Erfahrungen ziemlich ähnlich in der letzten Saison erlebt habe. Umstellung auf ein extrem ballorientiertes System mit Defensivaufgaben für jede Position. War alles ziemlich neu für die Jungs. Wir haben dann nahezu jedes Spiel dominiert, immer Überzahl in Ballnähe gehabt, aus dem Spiel heraus keine Chancen zugelassen und vorne aber keine Bude reingemacht. Und dann kam es immer und immer wieder. Entweder ein individueller Fehler, der sofort bestraft wurde oder eine Standardsituation. Ich glaube wir haben in der Hinrunde 10 bis 12 Punkte in den letzten 10 Minuten liegen gelassen. In meinen ersten 5 Spielen gab es nicht einen Sieg. Ich habe schon total an mir gezweifelt und die Jungs wurden auch immer unsicherer, ob denn das was ich da so predige, wirklich so sinnvoll sei. Aber dann kam der erste 1-0 Sieg und dann lief es. Hat zwar mit dem Aufstieg dann nicht mehr ganz geklappt (einfach zu viele Punkte liegen gelassen am Anfang) aber jetzt können die Jungs sogar Tore schießen. In den ersten 3 Spielen der neuen Saison schon 12 Buden. Dafür hätten wir letztes Jahr mindestens 6-7 Spiele gebraucht. Also einfach weitermachen und dann wird das. Ich glaube mittlerweile, dass die einfach am Anfang so viel auf dem Platz denken mussten, dass die Konzentration im letzten Drittel extrem gelitten hat. Aber sobald jeder einmal verinnerlicht was er wann zu machen hat und das automatisch abrufen kann, kommt das alles wieder.
    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg und mal ein bisschen Glück in den nächsten Spielen.


    Gruß