Hallo Storge,
es ist ja schon eine Weile her, dass du Deine Frage hier eingestellt hast. Ich habe sie erst jetzt rein zufällig gelesen. Vielleicht hilft Dir mein Beitrag ja trotz der vielen - zum größten Teil auch richtigen - Ausführungen der Forums-Teilnehmer weiter.
Prinzipiell haben die Kollegen recht, wenn die Zahlen doch oft eher aus der Luft gegriffen scheinen. Die wirklichen Zahlen der Vereine mit professionellen Strukturen ist wsentlich höher als 60. Sie liegt im - unteren - dreistelligen Bereich (ca. 250). Die Zahl der professionell arbeitenden Jugendtrainer liegt schon im guten 4stelligen Bereich.
Es bleibt trotzdem nur eine überschaubare Zahl an Arbeitsplätzen.
Darüber hinaus musst Du bedenken, dass eine Trainertätigkeit, egal in welcher Sportart, in den allermeisten Fällen nicht über die konventionelle Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Regelung ausgeübt wird. Es sind vielmehr freiberufliche Tätigkeiten, die auf Honorarbasis abgerechnet werden. Das ist auch gut so, denn so regelt sich die Trainerqualität ab der Ebene, wo es sich lohnt, sprich, ab der man davon "leben" kann über Angebot und Nachfrage.
Eins vorne weg. Wenn Du hauptamtlich arbeiten willst, musst du neben der Qualifikation auch flexibel sein, sowohl räumlich als auch zeitlich als auch inhaltlich.
Kommen wir zur Qulifikation: Die C-Lizenz (Breitenfußball) reicht nicht ansatzweise für fast gar nichts, kaum noch für eine OGS-Betreuung. Da hast du das Geld zum Fenster hinaus geworfen (ähnllich wir bei DSDS vor ein paar Jahren dieses Model-Trampel).
Du benötigst auf alle Fälle die B-Lizenz, mit der du z.B. schon an den Leistungszentren der Lizenz-Vereine tätig werden kannst.
Das impliziert aber den Besitz der C-Lizenz (Leistungsfußball). Die hättest du anstreben sollen.
Hier entscheiden dann auch schon deine fußballerischen Fähigkeiten über Teilnahme oder Nichtteilnahme.
Aber keine Angst: Der Versuch, das Probetraining für die Kursaufnahme an einer Sportschule lohnt sich allemal.
Mit dieser Lizenz kannst du dann z.B. an einem ´DFB-Stützpunkt Praktika machen, die dann neben anderem zur Kursaufnahme für die B-Lizenz führen, usw.
Und dann muss man sehen. Die Kollegen haben übrigens recht, wenn sie sagen, dass auch bei den professionellen Vereinen die Trainer bis zur D-Jugend ehrenamtlich arbeiten.Erst ab der U15, also C-Jugend-Altjahrgang kommen hauptamtliche Trainer zum Einsatz.
Bei den Lizenzvereinen liest sich die Trainerriege schon ab dem U15-Jahrgang wie eine Erst- oder Zweitliagatruppe aus den späten 90ern. Alles Ex-Profis. Da hast du keine Chance. Aber darunter, bei den Schwellenvereinen (Drittligisten, wieder- oder neuaufkommende Regionalligisten) sind auch für den "einfachen" B-Lizenz-Trainer sportlich und finanziell interessant.
Nur zum Leben reicht es immer noch nicht. Da musst du noch mehr machen. Zusätzliches Spezialtraining (Koordinationstraining, Entwicklung der Spielintelligenz, Ballbehandlung, Torwarttraining, etc.) kannst du auch in anderen Vereinen machen.
Dazu kommen Fußballcamps und Fußballschulen, an denen du zusätzlich tätig werden kannst. Die Landesverbände organisieren Events, für die ständig Honorartrainer gesucht werden.
Auch hier gilt die Faustregel: Je besser du bist, umso voller ist dein Auftrsagsbuch!!! Du wird übrigens schnell merken, dass du auf dieser Schiene mehr verdienst, wenn du keine Mannschaft als Trainer betreust. Das bindet im Vergleich zum Verdienst zu viel Zeit!
Richtig Geld verdienst du aber nur mit den entsprechenden hohen Qualifikationen (A-Lizenz, Fußballlehrer, Hochschulabschluss Leistungssport BA)
Ich habe übrigens, allerdings immer neben meinem "Hauptjob", lange im oberen Leistungsbereich trainiert und war lange Mitarbeiter bei zwei bundesweit agierenden Fußballschulen.
Meine beiden mittlerweile erwachsenen Söhne sind übrigens im Leistungsbereich tätig oder wollen es werden.
Einer ist mit 15 Jahren Schiedsrichter geworden und pfeift heute mit 20 neben seinem Sportstudium mittlerweile auf Landesebene.
Das reicht schon, um auf BaFöG verzichten zu können.
Der Jüngere (19) hat gerade in Köln mit seinem Sportstudium begonnen und trainiert mit seiner C-Lizenz (Leistung) im Spezialbereich bei zwei Vereinen (insgesamt 8 Trainingseinheiten).
Mit dem "Gehalt" bei einem Viertligisten kommt schon was zusammen.
Man darf alsoruhig träumen. Die Träume sollten aber so realistisch sein, dass man sie verwirklichen kann....
Viel Glück für dein Trainerkarriere
Jürgen
