"Ballgeilheit" und "Durchsetzungsvermögen" lernen?

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  • Guten Morgen,

    ich habe ein Problem und finde selbst einfach kein Weg es zu lösen.
    Meine U17 Jungs und Mädels sind ne geile Truppe. Talentiert, motiviert, stark am Ball, und eine eingeschworene Truppe.

    und schon kommt das große ABER.

    Das Problem das ich nicht lösen kann liegt im Angriff.
    Meine Jungs sind schnell und technisch stark. Was ihnen komplett fehlt ist das "den Ball wollen", "Ballgeilheit" oder ganz klassisch Durchsetzungsvermögen.

    Ein tiefer Ball hinter die Gegnerische Abwehr läuft bei uns so ab, das sich meine Spieler immer hinter dem Gegner einsortieren und diesem hinterher laufen bis er am Ball ist. Begleitschutz könnte man schon fast sagen.
    Eine Hereingabe von Außen wird angelaufen, allerdings auch nur in gebührendem Abstand zum Verteidiger der sich natürlich ohne Anstrengung den Ball holen kann.
    Wir versuchen nicht mal seine Annahme zu stören oder an Ihm vorbei an den Ball zu kommen.

    Gefühlt läuft das alles nur auf 70% Leistung (zu ihrem eigentlichen Können, das im Training hin und wieder aufblitzt)

    Meinen Jungs/Mädels fehlt also dieses "den Ball wollen".
    Ich weis leider nicht wie ich es noch weiter beschreiben soll. Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

    Gibt es Möglichkeiten sowas zu trainieren/lernen?
    Oder ist das einfach Charakterabhängig?

  • Oft hat man auch das Gefühl sie haben Angst sich oder andere im Zweikampf zu verletzen.

    Deshalb gehen sie erst gar nicht in den Zweikampf.
    Sondern machen nur den typischen Alibi-Versuch an den Ball zu kommen und lassen den Gegner ziehen.

    Dabei hatten alle noch nie nennenswerte Verletzungen davongetragen.

  • 2 Fragen wenn´s dir nicht zu doof ist:

    - wie lange trainierst du die "eingeschworene Truppe" schon?

    - wie gestaltet sich ein Training bei euch so im Allgemeinen?


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Das Problem ist einfach, dass man einen richtigen "Torjäger" braucht. Das ist jemand, der einfach den Zug zum Tor hat, der sich durchsetzt, der instinktiv weiß, wo er sich hinstellen und wie er dann schießen muss. So etwas kann man so gut wie nicht trainieren - etwas man hat so jemand oder halt nicht. Ich habe dieses Problem seit einem Jahr, nachdem mein vorheriger Mittelstürmer aufgehört hat, und habe extrem viel Torschuss-Übungen und Angriffs-Übungen gemacht, um hier was zu erreichen - ohne jeden Erfolg. Ergebnis: wir verlieren fast jedes Spiel, obwohl wir hinten kaum Tore reinbekommen. Aber wir schießen halt vorne so gut wie keine Tore. Jetzt habe ich einen neuen Spieler bekommen, der diese Mittelstürmer-Qualitäten mitbringt und jetzt habe ich wieder Hoffnung für die Rückrunde.

  • 2 Fragen wenn´s dir nicht zu doof ist:

    - wie lange trainierst du die "eingeschworene Truppe" schon?

    - wie gestaltet sich ein Training bei euch so im Allgemeinen?

    Ich selbst bin seit 8 Jahren im Jugendbereich. Die aktuelle Mannschaft kenne ich (als Betreuer) seit 6 Jahren. Trainieren seit 3 Jahren.
    Wir sind zu zweit als Trainer. Jeder macht eine Einheit pro Woche. Das Ziel der Einheiten ist aber abgesprochen und deckt sich meistens.
    Mein Training selbst baue ich auf:
    - WarmUp Allgemein
    - WarmUp Fußballspezifisch
    - Spielform
    - Abschluss Übung oder Spiel

    Meistens natürlich im Bezug auf aktuelle Probleme oder benötigte Lerninhalte (aus dem letzten Spiel oder Allgemein).

    Für das hier beschriebene Problem habe ich natürlich viel Torschuss/Zweikampf als Wettkampf gemacht.
    Im Training gegen die eigenen Kollegen sind die Hemmungen auch eher gering. Hier muss man eher bremsen, damit sich niemand verletzt.


    Das Problem ist einfach, dass man einen richtigen "Torjäger" braucht. Das ist jemand, der einfach den Zug zum Tor hat, der sich durchsetzt, der instinktiv weiß, wo er sich hinstellen und wie er dann schießen muss. So etwas kann man so gut wie nicht trainieren - etwas man hat so jemand oder halt nicht. Ich habe dieses Problem seit einem Jahr, nachdem mein vorheriger Mittelstürmer aufgehört hat, und habe extrem viel Torschuss-Übungen und Angriffs-Übungen gemacht, um hier was zu erreichen - ohne jeden Erfolg. Ergebnis: wir verlieren fast jedes Spiel, obwohl wir hinten kaum Tore reinbekommen. Aber wir schießen halt vorne so gut wie keine Tore. Jetzt habe ich einen neuen Spieler bekommen, der diese Mittelstürmer-Qualitäten mitbringt und jetzt habe ich wieder Hoffnung für die Rückrunde.


    genau so ist es bei uns auch. Unser eigentlicher Stürmer ist vor 2 Jahren zu einem größeren Verein (NLZ) gewechselt.

  • Dieser Diskurs um den Mittelstürmer, der alle anderen Probleme behebt...


    ist es nicht vielmehr vielleicht so, dass dieser herausragende Spieler (Mittelstürmer oder ZM) vieles lange überdeckt, gerade auf niedrigerem Niveau (Spielklasse oder/und Alter), weil er alleine für berzahlsituationen sorgt, Mitspieler so freispielen kann, dass diese echten Zweikämpfen aus dem Wege gehen können. Der Gegner muss zu diesem "Überspieler" verschieben, die anderen werden frei und können glänzen, ohne echte Zweikämpfe zu bestreiten.


    Das "überdeckt" dann, dass die anderen eben doch nicht so gut sind, wie es scheint und eben deren Schwächen.


    Ich kenne dieses "Phänomen" eher aus U11 bis U13 Teams, die einen Überspieler haben. Der schafft so viele Überzahlsituationen, dass (fast) alle Mitspieler richtig gut wirken. Aber es bringt eben das Problem, dass diese Spieler gar nicht lernen echte Zweikämpfe zu bestreiten. Defensiv nicht, aber auch offensiv werden sie idR so in Szene gesetzt, dass sie gegenüber dem Gegenspieler einen klaren Bewegungsvorteil haben und gar nicht in einen echten Zweikampf gehen müssen. Dazu sind sie zu "Abspielern" geworden, die Zweikämmpfen auch aus dem Wege gehen, weil der Ball dann zum Überspieler geht, sonst "Zusammenspiel" gefordert wird. Dass das Zusammenspiel nur deshalb klappt, weil ein Überspieler für Überzahl sorgt, das nimmt man nicht wahr.


    Zusammmenspiel aber später zu erlernen, das ist leicht, geht in kurzer Zeit. Zweikampf/1gg1, das klappt später so einfach nicht mehr. Das seht ihr beide ja augenscheinlich gerade.



    Ganz Konstuktiv:

    Was kann man machen, um Zweikampfstärke/Durchsetzungsvermögen zu trainieren:?


    Spielformen in klein(st) en Spielfeldern. "Scheiß" auf Zusammenspiel, Zweikampf/1gg1/zweite Bälle sind Trumpf. Sieht nicht toll aus diese Spielform, aber na und?

    (Und natürlich nicht kleinlich pfeiffen.)

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Ganz Konstuktiv:

    Was kann man machen, um Zweikampfstärke/Durchsetzungsvermögen zu trainieren:?


    Spielformen in klein(st) en Spielfeldern. "Scheiß" auf Zusammenspiel, Zweikampf/1gg1/zweite Bälle sind Trumpf. Sieht nicht toll aus diese Spielform, aber na und?

    (Und natürlich nicht kleinlich pfeiffen.)

    Bis dahin konnte ich der Argumentation sehr gut folgen. Die Schlußfolgerung teile ich nicht. Ein Zweikampfintensives Spiel

    sollte das Zusammenspiel und die Struktur im Ballbesitz(Zusammenspiel) nicht ausschließen.

    Rondos mit fester Feldzuteilung (ein Feld -gehört- rot, eins -blau-) vereinen z.b. beides. Das -kein Ausbrechen aus beherrschten Räumen- z.b. gibt schon Zweikampfintensität aus dem Setting vor.

    Zum Zweikampfverhalten an sich gehört m.e. immer die Orientierung (z.b. Def. habe ich eine Absicherung etc. etc.) aus dem sich

    eine sinnhafte Aktion ergibt.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

    Einmal editiert, zuletzt von Trainer E ()

  • Langfristig stimme ich Deiner Argumentation zu. Was Du beschreibst hilft dem Team bei der Entwicklung von aktivem Mannschaftsfußball.

    So wie die Situation im Moment beschrieben wird, bin ich aber auch bei Sir Alex , den ich so verstehe, dass die kleinen Spielformen ein Auftakt sein sollen die Jungs aus ihrer Passivität und Lethargie zu locken. Und da würde ich sie zunächst auch nicht zu viel mit komplexen Spielformen und Taktik überfrachten, sondern über pures Bolzplatz- und Zweikampfspiel in kleinen Formen versuchen wachzurütteln. Das sollte nach 2- (max) 3 Wochen eigentlich passiert sein. Aufbauend darauf geht es dann mit dem was Trainer E beschreibt weiter.
    Zur Stürmer- oder Überspieler-Debatte von WolfgangL :
    Mag sein, dass dieser Fakt aus der Vergangenheit der Grund für die aktuelle Situation ist.

    Dann kann es aber ja nicht die Lösung sein, den alten Status wiederherzustellen, sondern die Mannschaft unabhängiger von einer Person zu machen und dementsprechend qualitativ breiter zu machen indem man diejenigen entwickelt, die sich bisher hinter dem dominanten Spieler "versteckt" haben.

    Das Phänomen gibt es wie Sir Alex schon angemerkt hat i.d.R. häufiger im unterklassigen Bereich bis zur U13. Es setzt sich speziell im Unterklassigen Bereich aber auch in den älteren Mannschaften fort, wenn in den jungen Jahrgängen extrem ergebnisorientiert gearbeitet wurde und das Spiel komplett in die Hände des Überfliegers gelegt wurde und darauf verzichtet die anderen Spieler in der Entwicklung mitzuziehen, weil das Spiel ja problemlos über den Leader gewonnen wurde...

  • Das ganze bietet auch wieder Stoff für eine Grundsatz-Diskussion.

    Aber zu deinem persönlichen Problem, wurden ja schon viele gute Tipps gegeben. viele Spielformen etc. aber vllt auch mal mit den Jungs sprechen, es geht vieles beim Fußball übers mentale, kann ja zB auch sein, dass sie weniger den Ball haben wollen, weil die Spieler Angst haben Fehler zu machen und diese Angst zB gilt es dann zu minimieren.


    Aber zum Thema klassischer 9er/ Mittelstürmer:

    MMn, muss man seine Spielidee auch immer ein stückweit dem Spielermaterial in der Mannschaft anpassen, klar kann man grundlegende taktische Merkmale auch trainieren und bei allen verbessern, aber zB ein konsequentes Andribbeln kann ich von meinem IV zwar verlangen, aber wenn er es einfach nicht drauf hat (weil er trotz guter Technik etc die Bälle als Beispiel immer verstolpert oder er im Moment der Ballabgabe nicht mehr die richtigen Entscheidungen treffen kann), dann versuche ich halt seine Stärken besser für mich zu nutzen und meine Idee etwas zu ändern. genau beim Mittelstürmer und Tore schießen; überleg dir, was deine Mannschaft gut kann und wie du daraus zu guten Torchancen kommst.

    ohne klassischen 9er kann ich halt nicht jeden Ball aus dem Halbfeld hoch in 16er bringen und hoffen, dass da jemand den kopfball reinmacht, dann muss ich vllt eher an der Grundlinie durchbrechen oder die Steckbälle in die Tiefe suchen...

  • Meine Jungs sind schnell und technisch stark. Was ihnen komplett fehlt ist das "den Ball wollen", "Ballgeilheit" oder ganz klassisch Durchsetzungsvermögen.

    Ich habe mal einer hochklassigen C-Jugend zugeschaut, da haben sich die Jungs für jede gute Aktion gefeiert. Es war laut, auf sportliche Art aggressiv, es wurde abgeklatscht...
    Unabhängig vom Können dürfte man so ein Verhalten schon kopieren können. Dieses Pushen sieht man ja in vielen Sportarten, Basketball oder Eishockey voran...

    Du könntest ein passendes Video als Anchauungsmaterial raussuchen und damit dein Glück versuchen...

  • dann muss ich vllt eher an der Grundlinie durchbrechen oder die Steckbälle in die Tiefe suchen...

    Das ist auch aktuell unser Versuch damit umzugehen.
    Allerdings langfristig gesehen wäre es für die Jungs natürlich trotzdem schön das "Problem" bzw. Verhalten gelöst/geändert zu bekommen.
    Damit man beide Varianten spielen kann.


    ch habe mal einer hochklassigen C-Jugend zugeschaut, da haben sich die Jungs für jede gute Aktion gefeiert. Es war laut, auf sportliche Art aggressiv, es wurde abgeklatscht...
    Unabhängig vom Können dürfte man so ein Verhalten schon kopieren können. Dieses Pushen sieht man ja in vielen Sportarten, Basketball oder Eishockey voran...

    Du könntest ein passendes Video als Anchauungsmaterial raussuchen und damit dein Glück versuchen...

    Danke. Die Idee werde ich mal weiter verfolgen.

  • Allerdings langfristig gesehen wäre es für die Jungs natürlich trotzdem schön das "Problem" bzw. Verhalten gelöst/geändert zu bekommen.
    Damit man beide Varianten spielen kann.

    Naja, wird schwer, wenn du keinen klassischen Mittelstürmer hast über die Schiene zu gehen, es ist schwer jemanden dahingehend zu formen, weil man dafür Eigenschaften mitbringen muss, die man teilweise angeboren bekommt.

  • Für mich wäre der Ansatz die Ballgeilheit der vorhandenen Spieler (andere hat er ja nicht;))zu fördern.

    Er schreibt ja dass sie technisch stark und schnell sind, nur die "Boltzplatzmentalität" fehlt halt.

    Dann sollte man eben genau diese schaffen und dadurch die Lust auf Wettkampf zu fördern.

    Wie "Coach1976" schon schreibt durch Bolzplatzspiele mit wechselnden Bedingungen im Wettkampfmodus.

    Wechselnde Teamgrößen (auch mal in Unterzahl behaupten), wechselnde Spielfelder, Torerfolg mit Zeitdruck u.s.w.

    Der Trainer sollte sich im Coaching zurückhalten um die "Selbstorganisation" der Teams ähnlich der Situation am Boltzplatz nicht zu verhindern und die Kreativität nicht zu unterbinden.

    Coaching, das Angst vor Fehlern erzeugt wäre kontraproduktiv.

    Dennoch kann durch motivierendes, ermutigendes Coaching Begeisterung transportiert werden.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.