Spieleröffnung

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  • Ich war letztens bei einem Training ( B ) dabei, in dem die Spieleröffnung geübt werden sollte. Der Trainer wollte, dass nicht der TW entscheidet, wohin bei der Eröffnung gespielt wird, sondern zwei der vier Abwehrspieler. Sie sollten dann z. B. sagen links kurz oder rechts lang. Da ich die Mannschaft gut kenne, weiß ich, dass der TW sehr gut ist und bisher nie Probleme hatte selbst zu entscheiden, wohin der Ball muss.


    Kennt jemand diese Variante oder kann mir erklären, worin der Vorteil liegt.

  • Letztendlich entscheiden doch immer mehrere Personen wie der Ball gespielt wird.

    Der potentielle Passempfänger durch sein Freilaufverhalten und das entsprechende Angebot für einen langen oder kurzen Ball, und am Ende der ballführende Spieler indem es die Aktion dann auch ausführt.

    Im Idealfall hat der Torwart beim Abstoß immer mehrere Optionen zwischen denen er wählen kann.

    Dass generell der Torwart von Abwehrspielern vorgegeben bekommt wohin zu eröffnen ist habe ich so noch nicht erlebt, aber es ist sicher nicht unüblich, dass mal der Hinweis kommt einen langen Ball zu schlagen, um das gegnerische Pressing zu überspielen, an dem vorher die kurze Eröffnung z.B. mehrmals gescheitert ist.

    Ansonsten sollte es eigentlich so sein, dass die Mannschaft vorher eine grundsätzliche Idee hat, wie man aufbauen möchte und diese auch nach Möglichkeit umsetzt. Dass dann mal spontan davon abgewichen wird, sei es durch den Torwart selbst, weil er eine Option sieht, die sich kurzfristig ergibt, oder auch durch den Hinweis eines Mitspielers, kann immer mal vorkommen.

    Das aber jeder Abstoß erst auf Zuruf gestartet ist spricht weder für die Qualität der Mannschaft noch des Trainers.

  • Mich irritiert, dass zwei Spieler die Anweisungen geben.

    Was passiert, wenn sich die Anweisungen wiedersprechen?


    Und wenn sich nun ein anderer Spieler sinnvoll anbietet, muss der Torwart dann warten, bis einer der beiden das bemerkt und dem TW dann die entsprechende Anweisung gibt?


    Ich sehe allerdings eine mögliche Idee: Dadurch sollen die beiden explizit gezwungen werden, sich die gesamte Situation auf dem Feld anzusehen und so bereits im Kopf eine Spieleröffnung zu ermöglichen. Vielleicht ist es gar kein besonderer taktischer Kniff, sondern der Versuch, die beiden aktiver ins Spiel einzubinden? Einfach um sie weiterzuentwickeln.

  • Absolute Zustimmung Coach1976. Wer solch ein Verhalten von seiner Mannschaft fordert, zeigt (gewollt oder ungewollt) ein tiefes Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Spieler; vorliegend ausdrücklich in den TW. Zudem verhindert er, dass der TW eigene Entscheidungen treffen kann. Was das für Auswirkungen auf die Wahrnehmung haben kann, will ich mir gar nicht ausmalen. Darüber hinaus macht er es dem Gegner recht einfach im Pressing, wenn gewisse Spieler ansagen, wohin der Ball zu gehen hat.

    Ich sehe allerdings eine mögliche Idee: Dadurch sollen die beiden explizit gezwungen werden, sich die gesamte Situation auf dem Feld anzusehen und so bereits im Kopf eine Spieleröffnung zu ermöglichen. Vielleicht ist es gar kein besonderer taktischer Kniff, sondern der Versuch, die beiden aktiver ins Spiel einzubinden? Einfach um sie weiterzuentwickeln.

    Wenn das tatsächlich die Intention des Trainers ist, sollte er die beiden Spieler lieber im Training auf die TW-Position stellen. Dann haben sie mal eine andere Perspektive. Wenn ihre Positionierung und Orientierung schon per se unpassend für eine gute Übersicht in der Eröffnung sind, ist explizites Coaching hilfreich. Aufzeigen, wo man je nach Ballposition stehen soll (Positionierung) und wie man sich passend orientiert (Vororientierung) und jeweils das Warum erklären.


    Und oft ist es keine Entscheidungsschwäche der Spieler am Ball sondern einfach ein Mangel an guten Optionen, aus denen sie wählen können. In diesem Fall muss wiederum ein gänzlich anderer Ansatz gewählt werden, weil es nun die gesamte Mannschaft betrifft. Aber egal, was er nun letztlich bezwecken wollte: der oben beschriebene Weg ist keine geeignete Maßnahme.

  • Meine fußballerischen Anfänge liegen ja noch in der Zeit, wo der Torwart beim Abstoß auf der Torlinie stand und der Verteidiger (Vorstopper oder Libero) mit dem stärksten Schuss den Ball irgendwie nach vorne gedonnert hat.

    Das gleiche Prinzip wurde dann natürlich auch im Nachwuchs vor- und nachgelebt.

    Der kurze Ball war da wirklich eher die Ausnahme bzw. wurde als listiger Trick genutzt:
    Verteidiger läuft zum Abstoß an, der Gegner orientiert sich in Richtung Mittellinie und erwartet das Langholz, genauso wie alle Spieler der eigenen Mannschaft. Dann verlässt der Verteidiger im Vollsprint den 16er und der Torwart spielt ihn schnell an, damit das Spiel aus dem Feld fortgesetzt werden kann. Im schlimmsten Fall wurde der Ball einfach wieder zum TW zurückgespielt, der ihn damals ja wieder in die Hände nehmen durfte und das Spiel dann per Abschlag fortgesetzt hat.
    Bei allem Gejammer über die Auswüchse des modernen Fußballs, stelle ich an diesem Beispiel wieder einmal fest wie viel besser und schöner unser Sport in den letzten Jahrzehnten doch geworden ist.

  • den Ball irgendwie nach vorne gedonnert hat

    Ich amüsiere mich über die Wortwahl und stelle mir die Situationen im echten Spielbetrieb vor.


    Zum Thema: Absolut irre. Zwei (2!) Spieler rufen mit einstudierten Kommandos dem Torspieler zu, wohin er wie gefälligst den Ball zu spielen hat. Das wird doch nie und nimmer konsequent und fehlerfrei funktionieren. Der Trainer sollte lieber den Torspieler schulen, in welchen Situationen wie am effektivsten zu handeln ist.

  • den Ball irgendwie nach vorne gedonnert hat

    Ich amüsiere mich über die Wortwahl und stelle mir die Situationen im echten Spielbetrieb vor.

    Meine ersten Kontakte mit Fußball hatte ich nicht wie die meisten Kinder heute die meisten mit Bundesliga oder Champions-League am Fernseher sondern live auf dem Dorfsportplatz mit Kreisklasse B und C.
    Da ging es Ender der 70er Anfang der 80er tatsächlich noch so zu wie oben beschrieben.
    "Kick-and-Rush at its best"

    Zum Thema: Absolut irre. Zwei (2!) Spieler rufen mit einstudierten Kommandos dem Torspieler zu, wohin er wie gefälligst den Ball zu spielen hat. Das wird doch nie und nimmer konsequent und fehlerfrei funktionieren. Der Trainer sollte lieber den Torspieler schulen, in welchen Situationen wie am effektivsten zu handeln ist.

    Torspieler Schulen ja, aber bitte nicht vergessen, dass Spieleröffnung genauso wie das Verteidigen nun mal Sache der ganzen Mannschaft ist.

    d.h. je mehr Optionen der TW zum anspielen hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine gute Entscheidung trifft.

  • Warum wird das hier so negativ gesehen?

    - es handelt sich um eine Spielzug- bzw. Standardansage und damit um Kommunikation. OK, die gibt es beim Fußball selten (z.B. Eckball, Freistoß), aber bei anderen Sportarten ist das völlig normal.

    - der Trainer gibt das in die Hand zweier Spieler - Verantwortungsdelegation

    - es kann sich um Codewörter handeln, die nicht unbedingt die Wahrheit widerspiegeln und selbst dann, ist es bei "klatsch" und "geh" nicht anders

    - Abwehrspieler stehen zentraler auf dem Platz als der Torwart und sind deshalb besser zu hören

    - selbst bis in die ChampionsLeague hoch gibt es Mannschaften, die den Abstoß von einem Verteidiger durchführen lassen


    Mein Tipp: frage den Trainer doch einfach nach seiner Idee bei dieser Spieleröffnung - und dann können wir sie aus meiner Sicht hier auch besser diskutieren (Vor- und Nachteile)

  • Gerade gefunden und ich musste gleich an den Thread hier denken:

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  • - selbst bis in die ChampionsLeague hoch gibt es Mannschaften, die den Abstoß von einem Verteidiger durchführen lassen

    Bitte was? :D

    Aber hallo! Seit der Einführung der neuen Abstoß-Regel ist das eine eigene Wissenschaft geworden. Es gibt die verrücktesten Varianten, um so Überzahl herzustellen. Gab mal einen Beitrag vom U16-Trainer von St. Pauli zu dem Thema: Hier zu finden


    Bei den Profis beobachte ich am häufigsten Varianten, bei denen einer der IV halt kurz den Ball zum TW antickt, um den Gegner zu locken. Das ist ja auch die Idee bei Einführung der Regel gewesen: Häufiger kurz und flach das Spiel eröffnen, anstatt das Ding immer lang zu pöhlen.

  • - selbst bis in die ChampionsLeague hoch gibt es Mannschaften, die den Abstoß von einem Verteidiger durchführen lassen

    Bitte was? :D

    siehe Die neue Abstoßregel - was hat sie gebracht? - Barcelona-Getafe (Abstoß gegen hochstehenden Gegner 2) - spanische Liga.


    ter Stegen: "Manchmal führen unsere Innenverteidiger die Abstöße aus, um den Gegnerdruck nach dem ersten Pass zu vermeiden. Wir suchen immer nach neuen Ideen, die uns stärker machen und die es dem Gegner komplizierter machen."

  • ter Stegen: "Manchmal führen unsere Innenverteidiger die Abstöße aus, um den Gegnerdruck nach dem ersten Pass zu vermeiden. Wir suchen immer nach neuen Ideen, die uns stärker machen und die es dem Gegner komplizierter machen."

    Machen wir tatsächlich auch, um im Spielaufbau aus unserer 3er-Kette mit dem TW eine 4er Kette zu bilden. Oft beginnt ja das Angriffspressing bei Mannschaften, wenn man ein Pass auf eine bestimmte Seite auf den IV spielt. Nur wenn der TW da konsequent mit macht stimmt beim Pressing oft nicht mehr die Zuordnung und die Aufgaben werden unklarer und es wird einfacher das Pressing zu überspielen

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    Zum einen zeigt sich sehr gut, dass es - seit man den Abstoß nicht mehr aus dem 16er herausspielen muss - sehr sinnvoll sein kann, dass der Abwehrspieler den Abstoß ausführt. Durch den kurzen Ball auf den Torwart, befindet sich die Kugel im Spiel, der Keeper kann andribbeln und hat mehr Eröffnungsoptionen als wenn er den Abstoß statisch ausführt und auch mehr als wenn der Torwart kurz innerhalb des Strafraums auf einen Verteidiger spielen würde.

    Dann wäre der Ball zwar auch im Spiel, die potentiellen Anspielstationen für den Torhüter sind aber natürlich wesentlich flexibler, da sie einen größeren Bewegungsradius haben.

    Außerdem zeigt sich nebenher mal wieder, dass diejenigen, die was von Querpass-Toni labern schlicht und ergreifend keine Ahnung von Fußball haben.

    Ich schaue mir in letzter Zeit wieder ganz gerne LaLiga- und CL-Spiele von Real an und man muss zugeben, dass Toni Kroos im Defensivspiel sicher seine Schwächen hat v.a. durch sein geringeres Tempo im Vergleich zu anderen Spielern auf seiner Position. Das hat Real mit Casemiro und jetzt Tchouaméni hervorragend kompensiert. Im Ballbesitz für das Aufbauspiel ist er aber nach wie vor outstanding, solange ihm der Gegner nicht einen Wachhund auf die Füße stellt.