Fußball wird verkompliziert ! Warum ?

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  • Hallo!


    Inwieweit man Taktik in eine Mannschaft integrieren kann hängt stark von der Mannschaft und den Bedingungen ab. Wie oft wird trainiert und wie viele Leute stehen dir beim Training zur Verfügung. Des Weiteren natürlich das Alter der Spieler*innen. Im Idealfall werden die Basics an taktischen Verständnis den Spielern schon in ihrer Anfangsphase beigebracht, dann bleibt später mehr Zeit für Feinheiten.

  • Hallo!


    Inwieweit man Taktik in eine Mannschaft integrieren kann hängt stark von der Mannschaft und den Bedingungen ab. Wie oft wird trainiert und wie viele Leute stehen dir beim Training zur Verfügung. Des Weiteren natürlich das Alter der Spieler*innen. Im Idealfall werden die Basics an taktischen Verständnis den Spielern schon in ihrer Anfangsphase beigebracht, dann bleibt später mehr Zeit für Feinheiten.

    Kann ich nur zustimmen.

  • Die allgemeine Meinung ist doch, dass jeder Fußball spielen kann. Die Handballer bei uns im Verein hatten mal den Spruch "Wenn ich nichts könnte, wäre ich Fußballer geworden". Ja, Fußball ist in den Grundlage tatsächlich sehr einfach. Die Grundregeln, die Grundtechniken und die Grundtaktiken sind für jeden schnell zu lernen. Aus dem Grund glauben viele F-Jugendliche (oder ihre Eltern), die geradeaus dribbeln können, dass sie der nächste CR7 ist (weil man eben auch mit etwas Talent ziemlich leicht andere Anfänger übertreffen kann). Und auch so mancher Trainer, der in der E-Jugend eine Viererkette spielt, glaubt, dass er deshalb schon taktisch auf einer Stufe mit Fußballlehrern steht und der Job als Bundes- oder Bundesligatrainer so schwierig ja nicht sein kann. Und wer mal in den 90ern in der Landesliga auf der Ersatzbank saß, weiß natürlich ganz genau, was Löw oder Favre falsch machen, weil es ja total offensichtlich ist. Ist der Fußball wirklich so einfach?


    In dem Bereich, in dem diese Personen unterwegs sind (F-Jugendspieler, E-Jugendtrainer oder Altherrenspieler) ist der Fußball tatsächlich so einfach. Aber der Profifußball, in dem es um Millionen geht, ist da anders. Dort werden technisch, körperlich und taktisch Dinge erwartet, die so mancher Landesliga-Kicker in seinem Leben noch nicht gehört oder erlebt hat.


    Würde andersrum der ausgebildete Fußballlehrer ein E-Jugendspiel auf Kreiseben schauen, würde er sich völlig objektiv fragen, was das mit Fußball zu tun hat.


    Damit will ich sagen: Es ist die Betrachtungsweise! Natürlich ist der E-Jugendfußball zu recht so wie er ist, da geht es nicht um Taktiken, Siege und Millionen. Da sagt kein Bundesligatrainer "so einen scheiß guck ich mir nicht an", selbst wenn sein Sohn da mitspielt. Genauso falsche Erwartungen oder Vorstellungen hat der Altherrenspieler der Dorfmannschaft, der bei jeder Gelegenheit auf den Bundesligatrainer draufhaut, der ja angeblich gar keinen Plan von Taktik hat.


    Das sind zwei Welten, die miteinander nicht kompatibel sind. Wer in der Kreisliga mit asymetrischer Viererkette und nach innen gelenktem Mittelfeldpressing spielt, kann das natürlich seiner Mannschaft nahebringen, diese kann es vielleicht sogar gut umsetzen und man kann damit tatsächlich Erfolg haben. Das trifft aber auch nur auf maximal 1% der Trainer/Mannschaften zu. Den Rest interessiert das nicht (oder weiß nichtmal was davon), das ist auch überhaupt nicht schlimm. Die anderen 99% kommen in ihrer Leistungsklasse auch ohne das aus und leben vom Einzelkönnen der Führungsspieler.

    In der Bundesliga ist sowas allerdings Gang und Gäbe, dort ist die Aufteilung aber andersrum. Wenn 1% diese Taktiken NICHT drauf hat, wird die Mannschaft wahrscheinlich klar abgehängt und absteigen.


    Ich finde es abschließend etwas amüsant, dass die allgemeine Meinung ist, dass Fußball einfach ist und bei Niederlagen der Trainer Schuld ist, der offenbar keinen Plan hat, aber jeder Kritiker ins Schwitzen kommen würde, wenn er mal ein Angriffspressing an der Taktiktafel erklären soll oder es einer Mannschaft beibringen soll.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Diese Tatsache ist vermutlich Fluch und Segen für den Fußball zugleich.
    Die Einfachheit in den Grundlagen führt dazu, dass sich sehr viele Menschen für den Sport begeistern (ob aktiv oder passiv).

    Gleichzeitig tummeln sich dann hier halt auch viele, die in anderen Sportarten (die o.g. Beispiele Handball und Basketball sind absolut treffend; Badminton oder Tennis würden ebenso passen) mangels Erfolgsaussichten (dabei spiele ich gar nicht auf Profitum an, sondern schlicht den Erfolg die Sportart zu beherrschen) längst das Handtuch geworfen hätten.
    Oder im Fall der passiven: geben ihren Senf dazu, weil sie meinen es zu verstehen, während sie beim Basketball spätestens nach der zweiten Schiedsrichterentscheidung aussteigen.
    Soweit zu den Grundlagen.
    Spannend wird es bei steigendem Niveau, d.h. wenn es darum geht das Spiel richtig zu beherrschen oder im Detail zu verstehen.
    Als aktiver:
    ich habe in den letzten Jahren genügend Kids erlebt, die beim Basketball kein vernünftiges Dribbling, keinen genauen Pass oder ordentlichen Korbwurf hinbekommen haben bzw. mit jedem Move einen Schrittfehler begingen.
    Diese Jungs haben zur gleichen Zeit im Fußball (meist 6+1) durch Schnelligkeit, Kraft und Körperlichkeit alles auseinandergenommen.

    Die Pässe und Schüsse waren zwar nicht genau, aber der Platz war ja großgenug, dass jemand den Ball erlaufen kann und beim Torschuss hat ausreichend Bums genügt, damit ein mittig platzierter Ball eben rein ging. Das Dribbling war oft eine Abfolge von selbst vorgelegten Kurzpässen mit denen man dann, wenn genug Raum vorhanden ist das Spielfeld überbrückt hat.
    Sah für den halbwissenden Beobachter und für die Eltern des Spielers toll aus und hat sich für den Spieler vermutlich auch toll angefühlt.
    Ich war da schon immer skeptisch, weil diese Jungs aufgrund ihrer gefühlten Überlegenheit ja auch nicht eingesehen haben an den Feinheiten zu üben und ihre Spielweise umzustellen. (Funino im Training war natürlich immer doof, weil das Feld und die Tore so klein waren und Weitschüsse auch verboten). Von den begeisterten Eltern wurden sie in ihrer Einstellung entsprechend bestätigt, war ja erfolgreich so.
    6-7 Jahre später:
    Spieler ist im Basketball überragend, obwohl er nur relativ kleine Fortschritte gemacht hat.
    Es gelingt ihm den Ball mit den Händen sauber zum Mitspieler zu passen, wie man ohne Schrittfehler dribbelt hat er mittlerweile gelernt. Der Abschluss könnte noch etwas Genauigkeit vertragen, aber daran wird gearbeitet.

    Fußball: der Junge wurde von vielen anderen einge- / überholt (körperlich wie spielerisch).

    Die Fehlpässe erläuft mittlerweile der Gegner, beim Dribbling klaut der Verteidiger zu weit vorgelegte oder unsauber angenommene Bälle. Die festen unplatzierten Schüsse stellen für die mittlerweile größeren Keeper kein Problem mehr dar.
    Das alles ist jetzt natürlich überspitzt dargestellt, zeigt aber nach meinen Beobachtungen die Realität schon recht gut:
    Fußball im groben kann jedes Kind spielen und verstehen, und das wesentlich einfacher als andere Ballsportarten.
    Je älter man wird und wenn es dann auch noch in Richtung Leistungs- oder Profiniveau geht, dann trennt sich die Spreu vom Weizen deutlich krasser als beim Basketball oder Handball (ohne, dass ich diese großartigen Sportarten damit verunglimpfen möchte).
    Und das gilt meiner Meinung nach auch für das zuschauen und analysieren:
    Wer keine Ahnung hat, kann beim Fußball trotzdem oberflächlich mitreden, ist beim Basketball aber bereits mit den Regeln überfordert.

    Wenn man aber tiefer reingeht und erkennen möchte warum ein Spiel so oder so ausgegangen ist, dann dreht sich das ganz schnell.


    Alles in allem macht das Breite Spektrum der Interessierten den Fußball ja zum dem Volkssport, der er ist.
    Die Kunst ist es dann die verschiedenen Ebenen auf einen Nenner zu bringen, oder, Mit-/Gegenspieler bzw. Diskussionspartner (für die passiven) auf Augenhöhe zu finden.

  • Durchschnittliche Laufleistung (Quelle: goal.com)

    WM 1954: unter 4 km

    1970er Jahre: ca. 6 km

    heute: 11 km (Spanne: 8-14 km)

    gehend: 30%, joggend: 45%, schnell rennend: 20% und Sprint: 5% (Quelle: tracktics.com)


    Spielsystem (Quelle: u.a. t-online.de)

    WM 1954: 3-2-2-3 (früher wurde der Torwart noch nicht mitgezählt)

    WM 1990: 3-5-2 (zu der Zeit durfte man auch immer nur 3 Zahlen in Prüfungen schreiben 4-4-2, 3-4-3 usw.)

    WM 2018: 1-3-4-2-1 oder 1-4-2-2-1 (mittlerweile schreibt man den Torwart ja dazu)


    Ausrüstung:

    Schuhe:

    WM 1954: trocken 350 Gramm - nass 700 Gramm (die Ungarn bei Nässe bis 1,5kg) - (Quelle: faz.net; sueddeutsche.de)

    2019: adidas X99.1 - 99 Gramm. Folgemodell: 185 Gramm (normaler Schuh: ca. 240 Gramm)

    Bälle haben sich auch enorm weiterentwickelt.


    Tore:

    WM 1954: 140 (5,38 pro Spiel)

    WM 1974: 97 (2,55 pro Spiel)

    WM 1990: 115 (2,21 pro Spiel)

    WM 2018: 169 (2,64 pro Spiel)

    das überrascht mich, wenn Eurosport folgende 3 Erkenntnisse aus der WM 2018 niederschreibt:

    Safty first (Absicherung gegen Konter); Variabilität ist Trumpf (mehrere Systeme); Asymmetrie und richtige Spielerrollen ("Asymmetrie ist en vogue")

    Quelle: eurosport.de


    Zur Schnelligkeit (Gegnerdruck) habe ich keine Daten gefunden. Nach was könnte man da schauen? Oder wie könnte man technische Steigerungen anhand von Daten nachweisen?


    Und der alte Trainerspruch: "Lasst den Ball laufen, der hat mehr Luft als ihr" stimmt wohl auch nicht mehr, wenn ich mir anschaue, dass bei Bayern der Ball ca. 12,7 km pro Spiel an Strecke macht (Quelle: bluewin.ch) - Kimmich 12,71 km im Schnitt.


    Von den drei Grundpfeilern Taktik, Technik und Kondition hat sich aus meiner Sicht die Kondition am meisten verändert/gesteigert.

  • Von den drei Grundpfeilern Taktik, Technik und Kondition hat sich aus meiner Sicht die Kondition am meisten verändert/gesteigert.

    Diese Frage würde ich so einfach nicht beantworten.


    Die Taktik hat sich doch extrem weiterentwickelt, das ganze Spiel findet jetzt stets innerhalb von 25-30 Meter statt, nicht mehr auf dem ganzen Spielfeld.


    Deshalb muss man erstens wesentlich mehr und intensiver laufen

    und

    zweitens alles bei wesentlich höherem Zeit- und Gegnerdruck ausführen (Stichwort Technik). Einen Ball sauber dribbeln oder verarbeiten können auch Bezirksligakicker, das wirkt jedenfalls so, weil sie wenig Zeit- und Gegnerdruck haben. Die Weltmeister von 90 hatten aber deutlich mehr Zeit, als heute jeder Verbandligaspieler.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Weiterentwickelt haben sich alle drei Komponenten deutlich (Taktik, Athletik, Technik).

    Die Frage, was die größten Entwicklungssprünge erfahren hat ist schwer zu beantworten. Auf Kondition / Athletik zu tippen wie let1612 liegt nahe, weil das der einzig wirklich messbare Faktor ist. Technik und Taktik kann man nur subjektiv bewerten, was sie zu Softfacts mit einer entsprechenden "Schwammigkeit" macht.
    Bleibt noch die Frage nach dem "Henne-Ei-Effekt" (Was war zuerst da? bzw. welche Veränderung hat die Entwicklung der anderen Aspekte nötig gemacht?).
    Hier gehe ich schon davon aus, dass die Taktik der "Schrittmacher" für die Entwicklung des Spiels ist.
    Neue taktische Ideen haben neue Anforderungen an die Technik und die Athletik der Spieler gestellt, so dass eine ständige Weiterentwicklung nötig war um Schritt zu halten.

    Andererseits waren natürlich auch Verbesserung von technischen und athletischen Fähigkeiten der Spieler die Basis, dass überhaupt neue taktische Ideen denkbar waren...

  • Sir Alex : wahrscheinlich ist es eine Henne-Ei-Diskussion und trotzdem finde ich sie interessant und würde sie gerne mit Daten unterfüttern. Bei der Kondition sehe ich Steigerungsraten von z.B. ca. 275% (von 4km auf 11km) bei der Laufleistung. Wenn ich davon ausgehe, dass ein Fußballfeld 100m lang ist und früher auf 50m gespielt wurde und heute auf 25, dann bin ich bei 200% (habe leider keine Quelle für diese Daten, fände ich aber interessant).


    Coach1976 : jetzt haben sich unsere Beiträge überschnitten ;)

  • Gestern das Spiel Leverkusen vs. Young Boys Bern. Bern war technisch evtl. etwas schwächer - in der Laufleistung und im Pressinverhalten. WAHNSINN - was für ein Spiel. Sowas geht nur wenn man Ausdauer. Dieses Spiel 90 min so zu machen ist schon krass.

  • Es haben sich ganz klar sämtliche Felder deutlich weiter entwickelt. Technik, Taktik sowieso, das ist ein laufender Prozess. Stichwort Tikitaka. Das gab es so früher nicht. Kondition, Schnelligkeit, alles steigert sich. Wenn man sich Spiele aus den 80ern anschaut auf YouTube, und sei es da nur die Zusammenfassungen, dann wird das ganz schnell ganz deutlich. Und Stockfehler passieren heute auch noch, aber so sauber und akkurat wie heute Flanken geschlagen, Bälle an- und mitgenommen werden war früher nicht. Definitiv.

  • Klasse Video von Ralf Rangnik .

    Taktikschulung

    Nachdem Du ja den Thread mit der These, dass der Fußball verkompliziert wird gestartet hast, hast Du Dich mit dem Link quasi selbst widerlegt ;)

    Letztendlich fasst Ralf Rangnick ja das Wesentliche im Fußball seit der Distanzierung von der sturen Manndeckung ganz einfach zusammen.
    Ohne Ball versucht man als verteidigendes Team Überzahl in Ballnähe zu gewinnen und den Ballführenden Gegner zu isolieren indem man die Passwege schließt.
    Mit Ball wird mittels schneller Ballzirkulation oder langen Bällen und nachrückenden Spielern versucht dieser Isolation zu entgehen ...
    Am Ende gewinnt der, der die jeweilige Disziplin besser umsetzt und dafür gibt es ähnlich wie beim Schach oder Mensch Ärgere Dich Nicht unterschiedliche Herangehensweisen und die beiden o.g Hauptziele zu erreichen.
    Vereinfacht gesagt: das runde muss immer noch ins eckige
    Zugegebenermaßen ist das Vokabular dazu etwas komplexer geworden.

  • Klasse Video von Ralf Rangnik .

    Taktikschulung

    Man sieht einfach wie Ralf Ragnick seiner Zeit voraus war. Wird heute immernoch 1 zu 1 so in jeder Lizenz gelehrt.

    Ich denke da gerne an meine Anfänge bei den Herren zurück.

    1995/96 als 19-jähriger in der Bezirksliga.

    Hinrunde als Aufsteiger auf dem zweiten Platz beendet. Spielweise mit Libero und langen Bällen von ebendiesem auf zwei schnelle Stürmer bzw. einem schnellen 10er
    Winterpause: der Trainer stellt auf 4-4-2 um weil er der Mannschaft mehr zutraut als die erfolgreiche aber nicht unbedingt schöne Spielweise

    Vorbereitung + Trainingslager laufen Top mit guten Leistungen und Ergebnissen gegen meist höherklassig spielende Gegner.
    Mannschaft hat zum größten Teil Spaß an den neuen Aufgaben.

    Rückrundenstart: 2 Niederlagen und 2 Unentschieden aus den ersten 4 Spielen
    Dazu muss man sagen, dass wir in allen Spielen dominant gespielt haben, Chancen ohne Ende hatten und einfach nicht ins Tor getroffen haben. Gegen die gleichen Gegner haben wir in der Vorrunde durch Konter jeweils knapp gewonnen.
    => Vorstand und Stammtisch zitieren Trainer und Kapitän zum Raport.
    Ergebnis: Rückkehr zum alten System mit direkt zwei Siegen nach der Umstellung.
    Die restliche Rückrunde lief gemischt mit Siegen, Niederlagen und Unentschieden mit einem respektablen 5. Platz als Aufsteiger.
    Den Tabellenplatz hätten wir aber bei Beibehalten des 4-4-2 vermutlich auch mindestens erreicht und die komplette Mannschaft hätte einen Qualitätssprung erfahren, von dem jeder Spieler viele Jahre gezehrt hätte...
    Man sieht, die Skepsis in der Bundesliga und beim DFB gegenüber neuem hat ganz unten an der Basis ihren Ursprung.

    Im Erwachsenenfußball wie auch im Kinderfußball...

  • Rückrundenstart: 2 Niederlagen und 2 Unentschieden aus den ersten 4 Spielen
    Dazu muss man sagen, dass wir in allen Spielen dominant gespielt haben, Chancen ohne Ende hatten und einfach nicht ins Tor getroffen haben. Gegen die gleichen Gegner haben wir in der Vorrunde durch Konter jeweils knapp gewonnen.

    Die Konter waren das große Problem bei Mannschaften, die auf "Viererkette umgestellt" haben. Ebenso die fehlende Erfahrungen mit dem Abseits, das dringend gebraucht wird. Auch haben sicherlich der eine oder andere Schiedsrichter Abseitspositionen anders gewertet als sie tatsächlich waren. Das war schon ein harter Prozess damals.

  • Die Konter waren das große Problem bei Mannschaften, die auf "Viererkette umgestellt" haben. Ebenso die fehlende Erfahrungen mit dem Abseits, das dringend gebraucht wird. Auch haben sicherlich der eine oder andere Schiedsrichter Abseitspositionen anders gewertet als sie tatsächlich waren. Das war schon ein harter Prozess damals.

    Ist auch jetzt bei schlechten Trainern noch so. Oft werden ja einfach vier Spieler hingestellt und Ihnen gesagt, dass sie jetzt ne Viererkette sind. Einige Trainer schaffen es immerhin noch Ihrer Viererkette zu sagen, dass sie nach einem Befreiungsschlag geschlossen aufrücken sollen. Leider schafft es kaum einer Ihnen auch zu vermitteln, wann sie denn wieder fallen müssen :D
    So laufen Mannschaften mit vermeintlicher Viererkette oft in die einfachsten Konter rein.

  • Gestern Abend beim ersten EM-Spiel der U21 René Adler als Co-Kommentator.
    Zum Thema Experten beim Fußball im TV kann man zurecht geteilter Meinung sein.

    Es gibt solche und solche.

    Steffen Freund bei RTL (trotz Trainerausbildung) kommt immer sehr über die pathetische Schiene (Mentalität, Kopf... etc.). Technisch taktisch ist wenig dabei. Ähnlich empfinde ich Mertesacker beim ZDF.
    Schweinsteiger erzählt gefühlt immer das gleiche und im Endeffekt nichts.

    Broich fand ich vorher sehr gut, aber immer ein bisschen zu wissenschaftlich, so dass man sich manchmal anstrengen musste ihm zu folgen.
    Adler hat mir gestern sehr gut gefallen. Er war sehr unaufdringlich, fachspezifisch, aber mit einfachen Erklärungen.

    Mein Sohn durfte die erste Halbzeit mit ansehen und ich konnte ihm richtig ansehen, wie beim ein oder anderen Kommentar von René Adler die Rädchen im Gehirn gearbeitet haben um zu verstehen was er meint und sich gleichzeitig an Dinge erinnert, die er auch im Training ab und zu zu hören bekommt.

    Beispiele:
    1. Torwart spielt einen Seitenwechsel zum Außenverteidiger => "Als Torwart bzw. generell sollte man immer versuchen ca. eineinhalb Meter in den Lauf zu spielen, damit man Tempo aufnehmen kann bzw. das Tempo erhalten bleibt."

    2. "Wenn der 6er überspielt ist muss die Kette sich fallen lassen um Zeit fürs Verteidigen zu gewinnen. Wenn jetzt einer zu schnell herausrückt, ist das Risiko zu groß das Lücken entstehen."

    3. "Der Außenspieler bietet den Lauf in die Tiefe hinter die Abwehrkette an. Der Pass durch die Schnittstelle zwischen gegnerischem IV und AV bleibt zwar hängen. Trotzdem ist es richtig und wichtig. Er muss diese Läufe immer wieder machen und anbieten um Anspielmöglichkeiten zu erzeugen. Irgendwann kommt ein Ball durch und wenn es nur einer von zehn ist. Und diese eine gelungene Aktion kann das Spiel entscheiden..."
    Warum steht das hier? Weil ich gestern mal wieder erkannt habe, dass mit Sacherstand und rhetorischem Geschick wie es René Adler hat, vieles im Fußball einfach erklärt werden kann. Man darf aber nicht vergessen, dass das Spiel trotzdem sehr komplex ist, weil einfach wahnsinnig viele Faktoren zusammenspielen.