Kleine Spiele oder Aufgaben für den Rand

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  • Kürzlich begegnete mir der Begriff "Small Sided Games" - mir ist der Begriff und seine Definition bekannt. Allerdings habe ich ihn gestern im Training mal abgewandelt angewendet: kleine Spiele am Rand


    Ich machte ein Zielpassen mit 2 Kindern und jeweils 2 Bällen. Für jeden Passerfolg durften sie einen Deckel in das mit Reifen vorgegebene Tic-Tac-Toe-Spiel ("Drei gewinnt") setzen. Es wurde so lange gespielt bis ein Kind drei Deckel in einer Reihe (auch diagonal) hatte.

    Das Spiel machte den Kindern viel Spaß und deshalb überlege ich mir, welche kleine Spiele oder Aufgaben am Rand habt ihr schon ausprobiert, gibt es oder könnte man versuchen. Mir fallen folgende ein:


    Tic-Tac-Toe ("Drei gewinnt") - Steigerung wäre "Vier gewinnt"

    Torwandschießen oder Zielschießen für Extrapunkte

    Münzen oder Goldtaler sammeln (die Goldtaler sind begrenzt)


    Anwendungsbeispiele:

    - Spiel 3 gegen 3 und bei Torerfolg kann man einen Extrapunkt an der Torwand erzielen, während das Spiel weiter geht (evtl. auch werfen anstatt schießen)

    - 2 Spiele 3 gegen 3 und in der Mittel liegen 10 Goldmünzen und 4 Reifen für jedes Team einer. Man erhält pro Torerfolg eine Goldmünze und darf die in seinen Reifen legen. Sobald alle Goldmünzen in einem Reifen liegen, darf man bei den anderen sich eine Münze holen. Wer hat zuerst 4 Goldmünzen?


    Die Spiele haben für mich den Sinn, dass ich durch sie

    - kurze Überzahlsituationen schaffen kann (schnelles Umschalten)

    - Kinder müssen mehr Entscheidungen treffen

    - Spiel wird komplexer

    - Ich kann fußballerische Nachteile beim Spiel am Rand ausgleichen

    - die Kinder brauchen auch "den Kopf" im Training


    Was hat ihr noch für Ideen?

  • Gute Sammel-Idee! Ergänzend zu den vorigen Beiträgen:


    Konditionelle Belastungen: Tempoläufe; Liegestütze; Kniebeugen; Situps; Schütze holt ausgeschossenen Ball; ...


    Technische Aufgaben: Ball 10x jonglieren; Pass in Minitor; Dribbel-Parcours; Zielwerfen (Dartscheibe, Ringe, Tennisbälle, ...)


    Kognitive Aufgaben: Matheaufgaben; ein Puzzle lösen/Formen einsortieren; Quizfragen jeglicher Art; Rechtschreibung; Englisch-Vokabeln; Fehlersuche/Wimmelbilder; Augen verbinden und der Spieler muss versuchen, in ein abgestecktes Quadrat in 20 Meter Entfernung zu gehen (Entfernung einschätzen); Gegenstände ertasten; Tisch mit Gegenständen präsentieren, abdecken und vom Spieler aufzählen lassen oder einen Gegenstand wegnehmen und den Spieler den fehlenden Gegenstand erraten lassen; Spiel "Make 'n' Break"; Papierflieger basteln und eine Mindestdistanz werfen; Zeit abschätzen (z.B. eine Minute mit 10 Sek Toleranz in beide Richtungen); Activity (Begriff erklären/Pantomime/Zeichnen), logischerweise dann sogar doppelte Unterzahl; Turm aus Würfel o.ä. bauen (Mindesthöhe); Geduldsspiel mit Kugeln (z.B.: https://www.schulstart.de/geduldspiel-kinder, hoffe der Link geht klar); Schachspiel o.ä. (jeder Spieler einen Zug); Balance-Turm; Rätsel-Aufgaben wie z.B. Black Stories


    Mit der Organisation kann man ja auch sehr stark variieren und spielen, z.B. kann jedes Team für eine bestimmte Aufgabe einen Experten bestimmen. Oder du rufst einen Spieler auf, der einen gegnerischen Spieler bestimmt o.ä. Partner-Aufgaben gehen dann natürlich immer auch Richtung Teambuilding.


    Ich werde da mal ein bisschen experimentieren, sobald wir wieder dürfen.

  • David Baird nennt die Spiele "Scoreboard Soccer". Ich mache sie aus meiner Sicht viel zu selten - eine Erinnerung an mich selbst.

    Jetzt entdeckte ich gestern allerdings das hier:


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    Der letzte Satz und die Diskussion im anderen Thread Um 180 Grad gedreht ruft bei mir erneut die Frage auf, ob Fußball spielen ohne "Schnick-Schnack" heute nicht mehr so faszinierend für die Kinder/Jugendlichen ist wie früher. An sich hätte er die Kinder auch nur Fußball spielen lassen können und nicht zusätzlich ein Scoreboard einführen müssen. Wie oben erwähnt, finde ich das eine geniale Idee um die in #1 angesprochenen Vorteile zu bekommen, aber in Bezug auf die Hüpfburg würde ich das "normale Fußballspiel" sehen im Gegensatz zu den Erklärungen und Übungen.

    (Oder bin ich da gerade auch sehr stark sensibilisiert, weil um mich herum viele das Fußballspiel bei Kindern zu einem Event machen wollen - u.a. sogar mit einer Hüpfburg oder den "Plasikcourts" - und ich davon nicht viel halte).


  • Also aus meiner Sicht ist das reine Fußballspiel auch die Hüpfburg.

    Allerdings, wenn ich meine Jungs 90 Minuten lang im Training einfach 6:6 kicken lasse, werde ich schnell merken, dass die Intensität nachlässt. Also bringe ich regelmäßig neue Regeln ins Spiel, also verändere ich die Hüpfburg und mache sie wieder interessanter.


    Reine Erklärungen, Übungen, usw. sind hingegen das Springen auf der Stelle. Ob man es komplett verteufeln muss bezweifle ich inzwischen, hängt immer vom Kader ab. Meiner Breitensport-Mannschaft tun Pass- und Dribbelübungen auch ganz gut, einfach um mehr Ballgefühl zu bekommen.


    Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass auch eine Hüpfburg mal langweilig werden kann.

    Gerade ab D-Jugend - A-Jugend werden immer wieder Spieler aufhören, weil das eigene Interesse am Fußball doch nicht so groß ist. Die Jungs entwickeln ja immer mehr eine eigene Meinung und eigene Interessen.

    Und es ist auch zu einfach, es nur auf die Playstation zu schieben.

    Bei uns im Verein sind einige Jungs auch mit 2-3 Hobbys unterwegs (Musik, Tischtennis, Reiten, Leichtathletik, usw.). Hier wird zusammen mit höheren Schuljahrgängen die Zeit knapper. Da werden auch mal Entscheidungen gegen den Fußball getroffen.


    Ich persönlich bin aber der Meinung, dass meinen Jungs der Fußball an sich reichen muss. Wenn ein Junge aufhört, weil ich zu wenig Action neben dem Platz anbiete, dann ist es seine Entscheidung.

    Natürlich versuche ich das Training abwechslungsreich und spannend zu machen, aber es dreht sich schon fast nur um Fußball. Ganz selten mal Brennball, aber selbst da habe ich noch einen entfernten Bezug zum Spiel ;-)

  • Ich würde ebenso das Fußballspiel als die "Hüpfburg" sehen.
    Das Spiel an sich kann ja immer wieder andere Formen annehmen.

    - kleine Gruppen mit kleinen, großen oder gar keinen Toren

    - Pendelspiele wie die Tschechenrolle

    - Großes Spiel über den ganzen Platz

    - Rondoformen

    Isolierte Übungen mit der kompletten Mannschaft habe ich am Ende überhaupt nicht mehr gemacht, sondern nur noch in der Form, dass während der größere Teil der Mannschaft unter Anleitung eines Trainers oder auch mal einfach alleine in einer Spielform unterwegs ist zwei bis drei Spieler in einer Art Einzeltraining bestimmte Techniken üben durften/mussten. Dabei ging es in der Regel darum Dinge zu verfeinern, die in ihrem Spiel auffällig waren, wie Ballannahme, Stellung zum Ball, Schusstechnik, schwacher Fuß ...

    Diese Übungen konnten dann ggf. auch mal in Drill-Form stattfinden, meistens waren es aber auch Dinge, die die 2er oder 3er Gruppe gemeinsam machen konnte.

    Wenn ein Torwarttrainer da war wurden auch gerne 1-2 Jungs ins TW-Training integriert um Flanken oder eben Torschüsse zu üben.

    Was wie oben bereits erwähnt wegfallen sollte sind Übungsformen mit dem ganzen Kader wie Torschuss oder Dribbling mit Anstehen oder Passübungen bei denen sich die Kinder in zwei 10er-Reihen gegenüber stehen. Die Möglichkeit hier qualifiziert zu korrigieren ist bei so vielen auf einmal kaum vorhanden und aufgrund der Konstellation kehrt viel zu schnell Unruhe ein.

    Es spricht natürlich nichts dagegen immer mal wieder Spielformen in anderen Sportarten einzubauen (Handball, Fußballtennis, meinetwegen auch mal American Football). Das wäre für mich aber schon die Hüpfburg um die Hüpfburg.

    Themen wie statt Training machen wir ein Fifa-Turnier um die Stimmung zu heben, oder einmal im Monat ein Grillfest oder Eis-Essen veranstalten ist mir zu viel Event drumherum. Da bin ich zu sehr Fußballtrainer und zu wenig Vereinsbeziehungsmanager.

    Wenn Kinder oder Eltern darauf Lust haben und das neben den Spiel-und Trainingszeiten organisieren, bin ich gerne dabei und unterstütze auch, aber wenn diese Dinge sein müssen, um die Fußballmannschaft bei der Stange zu halten, dann wäre ich leider raus.