Tagebuch Bezirksliga U17

  • Hallo zusammen,

    auf Wunsch und natürlich vor allem aus eigenem Antrieb werde ich hier wieder in altbekannter Weise berichten, wie es in meinem neuen Team läuft.


    Da sich die Lage bzgl. Kaderplanung, Jahrgangswechsel, möglicher Testspiele, Einleben, Einzelgespräche und Trainingsplanung mittlerweile doch relativ entspannt hat, werde ich hier schon mal eine kurze Bestandsaufnahme geben. Unterstützung in der Saison bekomme ich in jedem Falle durch einen überragenden, langjährigen Betreuer und einen Co- bzw. TW-Trainer. Also optimale Voraussetzungen.


    Ganz kurz zu der Situation, in der ich das Team übernehme: Die 2004er wären dieses Jahr aus der U17-Bezirksliga sportlich eigentlich ganz klar abgestiegen und bekommen nun dank Corona eine neue Chance. Ein Problem war beim letztjährigen U17-Team auch, dass einige 2003er-Leistungsträger wegen ihres Verhaltens frühzeitig aus dem Verein entfernt werden mussten und durch hohe Spielerfluktuation kein echter Teamgeist entstehen konnte. Die Spielerfluktuation entstand in erster Linie auch dadurch, dass die B2 frühzeitig zurückgezogen werden musste und in dem dann übergroßen U17-Kader mehrere Spieler abwanderten. Dazu kamen noch mehrere Trainerwechsel verbunden mit verschiedenen Vorstellungen und Arbeitsweisen, die den Jungs dann bzgl. der Motivation irgendwann verständlicherweise komplett den Rest gegeben haben.


    Die 2005er, die nun in die U17 hochkommen, belegten in ihrer U15-Kreisliga mit drei Punkten (und einem zusätzlichen Sieg am Grünen Tisch) den drittletzten Platz. Das heißt, dort steht der Sprung von einem schwachen Kreisliga-C-Jugend-Niveau zum möglichst konkurrenzfähigen U17-Bezirksligaspieler bevor.


    Aktuell habe ich 17 feste Zusagen und noch einige Probespieler, die sich in den nächsten Wochen hoffentlich ebenfalls noch dazu entschließen, uns durch die neue Saison zu helfen.


    Qualitativ haben wir natürlich ein großes Gefälle im Kader. Ich rechne aktuell aber mit einer ersten Elf, mit der ich vermutlich sogar durchschnittliches Bezirksliga-Niveau erreichen könnte. Es stellt sich eben nur die Frage, wie diese Jungs von Verletzungen und der letztjährigen Larifari-Einstellung verschont bleiben, wie schnell die restlichen Spieler eine gleichwertige Konkurrenz darstellen können und was sich von extern noch ergibt.


    Charakterlich bin ich bislang positiv von den Jungs überrascht. Letztes Jahr wurde das Training wohl seitens der Spieler sehr lasch umgesetzt, viel gequatscht und wenig auf die Trainer gehört. „Die“ Trainer ist Mehrzahl, d.h. es hat sich dann auch nach den ganzen Trainerwechseln wohl nur unwesentlich verbessert. Das meiste ging aber wohl von den 2003ern aus, so dass die größten schadenden Faktoren hoffentlich abgestellt sind.

    In den Einzelgesprächen erlebte ich zum einen mehr oder weniger introvertierte Jungs, die sich erfahrungsgemäß bestimmt gut in das Team einordnen und keine Probleme bereiten werden.


    Zum anderen erlebte ich aber auch sehr reife, ambitionierte Jungs, die klare Vorstellungen haben und auch die vergangene Seuchensaison sehr schlüssig (und teilweise sehr selbstkritisch) reflektiert haben. Das heißt, ich habe aktuell ziemlich sicher eine gute Mischung aus disziplinierten Mitläufern (ohne das abwertend zu meinen) und meinungsstarken Anführern, die auch mit ihrer Leistung vorne weg marschieren wollen und werden.


    Ich nutzte die Einzelgespräche auch, um besagte „Anführer“ in die Pflicht zu nehmen und die 2005er eben im Training und Spiel mitzuziehen. Die organisatorischen Dinge, die ich ansprach bzgl. Zuverlässigkeit und der Art und Weise, wie die Jungs bei mir für Termine absagen sollen, wurden scheinbar auch begriffen: Von 17 Mann hatte ich im Vorfeld des Trainings keine Absage bekommen, was aber einfach daran lag, dass jeder (und ein Probespieler) auch tatsächlich anwesend war. Optimaler Start!


    Im Training stand Folgendes auf dem Programm:


    1) Finten: Übersteiger, Sohle zurückziehen und Richtungswechsel Außenseite, Sohle zurückziehen und Richtungswechsel Innenseite, Sohle zurückziehen und Richtungswechsel hinter dem Standbein, freie Auswahl, Tempodribbling.

    Das Ganze in drei Gruppen, die im Zickzack jeweils vier Hütchen andribbeln sollten, so dass jede Finte jeweils zweimal mit beiden Füßen ausgeführt wurde.


    2) Rechteck, Hälfte der Spieler außen mit Ball in der Hand, andere Hälfte ohne Ball im Quadrat.

    Verschiedene technischen Anforderungen: Innenseite Doppelaktion; Spann Doppelaktion; Kopfball; Brust und 2. Kontakt zurück; auf beliebiges Körperteil zuwerfen und Zahl der Kontakte sagen (1-5).


    3) Spieler in drei Gruppen und auf drei Rechtecke aufteilen (2x mit Leibchen) und die Spieler innerhalb jeder Gruppe durchnummerieren lassen. Freies Bewegen, jeweils 1 Ball.

    Variationen:

    - Spieler 1 passt zu 2, 2 zu 3 usw.

    - 1 zu 2, klatschen auf 1, kurz wegdribbeln und Übergabe auf 2. 2 zu 3, klatschen auf 2 usw.

    - Felder zusammenführen (Orientierung schwieriger, Lauf- und Passwege länger)

    - Leibchen ausziehen (Orientierung nochmal schwieriger)


    Von der Disziplin lief es eigentlich so, wie man es sich nur wünschen kann. Die Jungs zogen gut mit und waren konzentriert und motiviert dabei. Mir hat die Pause auf jeden Fall mal gutgetan und ich merke, dass ich insgesamt nochmal souveräner, bestimmter, aber eben auch etwas verständnisvoller geworden bin und diese besonnene Art die Jungs dann hoffentlich auch durch mögliche Niederlagenserien bringen wird.


    "Kritik“ gab’s dann nur von unserem langjährigen Betreuer und einem Organisator unseres Großfeldbereichs, die beide zusahen: „Kannst du nicht mal irgendwas falsch machen? Man merkt auf jeden Fall, dass du die Jungs voll erreichst und sie dich komplett als Leitwolf respektieren - unter anderem, weil du eben auch mal was vormachen kannst. Sehr toller Umgang mit den Spielern, aber wir langweilen uns hier.“ Scheint also letztes Jahr etwas ereignisreicher/verhaltensauffälliger für Trainingszuschauer gewesen zu sein, aber das war ja auch schon mein Eindruck aus den Einzelgesprächen mit den Jungs. ^^


    Insgesamt habe ich jetzt also wieder eine scheinbar tolle Mannschaft, mit der ich charakterlich bestimmt genau so gut zurechtkommen werde wie am Ende meiner letzten Station. Der Vorteil bei meinem neuen Team ist halt nur einfach, dass die Spieler tendenziell eine höhere Eigenmotivation besitzen und gewisse Dinge vermutlich besser umsetzen (taktischer Art) oder mittragen bzw. selbst einfordern (z.B. disziplinarischer Art) können. Ich denke, die jetzige Konstellation passt perfekt.

    Jetzt geht’s in den nächsten Wochen und Monaten einfach darum, schnellstmöglich wieder ein starkes Wir-Gefühl zu entwickeln, den Jungs eine klare Idee zu vermitteln (haben sie selbst auch oft als letztjähriges Manko angesprochen), sie individuell weiterzubringen und am Ende irgendwie die Klasse zu halten. Ich hoffe, dass ich das Team dafür vor der Sommerpause auch nochmal in einem Testspiel sehen kann.


    Fortsetzung folgt!

  • Was sind denn deine taktischen Ideen? Und wie hast du vor diese Umzusetzen (in Bezug aufs Training)? Da das erste Training ja eig. keinen Taktischen Schwerpunkt beinhielt, konnte ich diese noch nicht ableiten.

    Die ganze Thematik "Taktik" steht natürlich aktuell auch noch gerade komplett hinten an. Aktuell geht's mir darum, einen vernünftigen Kader zusammenzustellen, menschlich einen guten Bezug zu diesem Kader zu bekommen und mir bis zur Sommerpause ein halbwegs brauchbares Bild über den fußballerischen Zustand zu machen.

    Klar gibt's gewisse Grundsätze, die ich immer durchbringen möchte (flacher Spielaufbau, TW-Kette, geduldiges, planvolles Angriffsspiel; disziplinierte und klar definierte Pressingabläufe mit Viererkette), aber wie sich das genau gestaltet, kann ich noch überhaupt nicht abschätzen.

  • Hallo Taktiker_95


    Ich habe deine Tagebucheinträge auch immer still und gerne mitgelesen. Habe nun eine Frage zu den Einzelgesprächen. Ab nächster Saison trainiere ich eine leistungsorientierte D1 also durchaus das Alter wo Einzelgespräche Sinn machen. Wie gehst du generell an die Einzelgespräche dran. Also wie ist der zeitliche Rahmen für ein Gespräch. MAchst du die während der Trainingszeit und schon vorab bzw. nach dem Training? Und machst du mit den Spielern auch Zielvereinbarungen? Vielleicht kannst du mir oder auch gerne andere User im Forum einfach ein paar Tipps geben wie man am besten da ran geht.

  • Hi!

    Ich hatte im 20-Minuten-Rhytmus am Dienstag und Mittwoch mit jedem Spieler für eine knappe Viertelstunde auf dem Vereinsgelände gesprochen (beide Tage grob von 16:00 bis 19:00 Uhr). Training ist immer donnerstags, war also von den Gesprächen getrennt.

    Es ging mir insgesamt um folgende Themen:


    1. Zusagen der Spieler für die nächste Saison (wobei das meiste von der Jugendleitung schon vor meiner eigenen Zusage geklärt wurde)

    2. Positionen auf Spielfeld eintragen.

    3. Geburtsdatum (Spielerpässe sind beim Betreuer und ich habe beim letzten Team einfach viel zu viele Geburtstage verpennt).

    4. Kurze eigene Vorstellung meinerseits (wobei wir uns natürlich schon aus 1-2 TE kannten)

    5. Spielermeinung zur abgelaufenen Saison (Trainingsinhalte, Konflikte, Verhalten der Spieler, Wohlfühlfaktor im Team, Teamevents, bisherige Spielweise, taktisches Vorwissen, ...)

    6. daraus abgeleitet: Erwartungen/Wünsche an mich

    7. Kapitänsvorschlag (zumindest den Altjahrgang fragte ich)

    8. meine Arbeitsweise und Vorstellungen (Training jederzeit mit Ball, sehr viele Spielformen, klare taktische Vorgaben in Off. und Def., ...)

    9. meine Erwartungen (Absagen, Pünktlichkeit, Eigenmotivation, ...)

  • Hi, ich habe dein Tagebuch verfolgt und du hast einige, gute Ansätze. Da kann sich der ein oder andere junge Trainer was abschauen, aber es gibt auch Dinge, die du aus meiner Sicht "falsch" angehst.


    Das gegenseitige Kennenlernen ist ok, das Abklären der Rahmenbedingungen auch.

    Was Disziplin, Absagen zum Training, Pünktlichkeit usw angehen.


    Allerdings... Vorschläge zum Kapitän, auf welcher Position sie sich selber sehen.. Das ist mir nicht so wichtig. Natürlich hole ich mir auch die Infos ein, wer wo gespielt hat, aber das erfahre ich vom Betreuer oder meinem Vorgänger. Also, wenn wir von einer U17/ U19 ausgehen. Und am Ende zählt ohnehin meine Sicht, als Trainer, auf diese Dinge.


    Dein Kapitän muss dein verlängerter Arm auf dem Platz sein. Ein Vorbild in jeder Hinsicht, und nicht nur der beste Kicker oder dominanteste Typ im Team.


    Und zwei Dinge stechen für mich klar heraus... Immer flacher Spielaufbau und jedes Training nur mit Ball, sind Zutaten für sportlichen Misserfolg.


    Wenn man das im Punktspiel dann auch genauso einfordert.

  • Und zwei Dinge stechen für mich klar heraus... Immer flacher Spielaufbau und jedes Training nur mit Ball, sind Zutaten für sportlichen Misserfolg.


    Wenn man das im Punktspiel dann auch genauso einfordert

    Den Punkt bezüglich des Dogmas flacher Spielaufbau, da bin ich bei dir.

    Was aber spricht gegen Training (fast) nur mit Ball?

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Da steht aber Training jederzeit ( immer), mit Ball. Hört sich für die Spieler super an, bestimmt auch mehr Spaß als eine Laufeinheit, aber den Klassenerhalt, der anscheinend angestrebt wird, wird es nicht bringen.

    Warum nicht?


    Und zwei Dinge stechen für mich klar heraus... Immer flacher Spielaufbau und jedes Training nur mit Ball, sind Zutaten für sportlichen Misserfolg.

    Warum?

  • Da steht aber Training jederzeit ( immer), mit Ball. Hört sich für die Spieler super an, bestimmt auch mehr Spaß als eine Laufeinheit, aber den Klassenerhalt, der anscheinend angestrebt wird, wird es nicht bringen.

    Was genau kann ich denn nicht mit Ball trainieren, was ich im Fußball brauche?


    Aus dem Leistungsbereich kenne ich es so, dass die Spieler Grundlagenausdauer selbstständig trainieren. Da brauche ich keine Trainingszeit in der Mannschaft für verschwenden...

  • Constantin


    Sind die Spieler von Taktiker 95 Leistungsspieler? Aus seinem Text entnehme ich, dass es sich um einen Mix aus Jungs der alten Bezirksliga-Mannschaft und einer C-Jugend Kreisligamannschaft handelt.

    Ganz ehrlich, denkst du, dass die in den Ferien alle an ihrer Grundlagenausdauer arbeiten?


    Frage an dich... Komme auch aus dem Leistungsbereich...

    Warum hat jedes Bundesliga NLZ einen Athletiktrainer und die meisten anderen NLZs von vier-fünf Einheiten in der Woche mindestens eine reine Athletikeinheit?

  • Wir sollten vllt nochmal genau klarstellen, was mit Training ohne Ball gemeint ist, bevor man da aneinander vorbei redet.

    Dann kann man immer noch darüber diskutieren, ob das in einer unterklassigen B-Jugend sinnvoll/nötig ist, bei überschaubarer Trainingszeit pro Woche.


    Ausdauer? Schnelligkeit? Koordination? Kraft? Beweglichkeit?


    Was also genau meinst du Taktiker?

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • vangaalsnase


    Also, wie schon vorher geschrieben hat Taktiker 95 ein Team übernommen, dass sportlich eigentlich, aus der Bezirksliga abgestiegen wäre. Ist so korrekt, oder?

    Jetzt wäre noch zu klären wie diese Bezirksliga genau einzuordnen ist.

    Ist es die erste, zweite, dritte oder vierte Liga im Jugendbereich in eurem Bundesland? Hört sich für mich überregional, also nicht nach Kreisebene an.

    Könnte die dritte Liga darstellen.


    Sein neues Team setzt sich aus alten Spielern, dieser "Abstiegsmannschaft" ( soll nicht abwertend klingen) und Jungs zusammen, die aus der C-Jugend Kreisliga in die B-Jugend kommen.


    In der C-Jugend ist die Kreisliga die fünfte Liga. Zumindest in Hessen.


    Da kann man davon ausgehen, dass Taktiker 95 technisch eher "durchschnittliche" Spieler zur Verfügung stehen. Mit Technik meine ich jetzt nicht nur, dass die den Ball 50 Mal hoch halten oder 20 Meter Flachpässe, ohne Gegnerdruck, spielen können, sondern dass sie in Spieltempo und mit Gegnerdruck auf einem ordentlich, technischem Niveau sind.


    Und mit so einem Team, dass zu einem großen Teil aus jüngeren Jahrgang besteht, soll man jetzt nur flach hinten raus spielen und alles immer nur mit Ball trainieren?


    Wenn einem Ergebnisse egal sind, kann man das machen. Wenn man die Klasse halten will, dann wird das so nicht zu machen sein.

    Kein Team der Welt ( Barcelona, City, Liverpool eingeschlossen) spielt unter ständigem Gegnerdruck und hohem Pressing des Gegners IMMER flach hinten raus.


    Einige Frage an dich... Besteht Fußball nur aus Offensive oder aus Defensive? Hat man in beiden Phasen den Ball?

    Wann sprechen Trainer von einem mannschaftsdienlichem oder charakterstarken Spieler? Wenn er den Ball am Fuß und einen feinen Doppelpass gespielt hat oder gerade einen 50 Meter Sprint hinter sich und einen Abschluss des Gegners geblockt hat?

    Der Spieler sollte die passende Mentalität haben, aber ohne Laufvermögen oder die nötige Fitness, bringt mir eine gute Mentalität oder eine super Technik nix, wenn er nicht gegen den Ball arbeiten kann.


    Und wer mir jetzt erzählen will, dass man IMMER ALLES mit Ball machen kann und dann auch noch sportlich erfolgreich ist... Und das über Jahre hinweg ( wir reden von Jugendteams ab U15 Aufwärts und den Seniorenbereich) in Klassen, in denen man nicht unbedingt das stärkste Team stellt... Der muss mir das echt mal bei Fussball.de zeigen.😉


    Sir Alex


    Auch wenn du in der Kreisliga B-Jugend spielst und ein Team trainierst, dass eher zu den Abstiegskandidaten zählt, kannst du nicht alles nur mit dem Ball machen.

    Das schließt alles von dir genannte ein.


    Klar kann man das auch mal machen, aber eben nicht ausschließlich oder fast immer. Ist meine persönliche Meinung.

  • Ich weiß immernoch nicht, welche Inhalte du ohne Ball trainieren lassen willst.

    Geht es dir um (Grundlagen-) Ausdauer?

    Denn da habe ich eine andere Meinung.


    Ob man Kraft oder Schnelligkeit bei stark limitierter Trainingszeit wirklich trainieren muss, da habe ich auch meine Zweifel.



    Wo man mM einen "schnellen" Leistungszuwachs erzielen kann, ist bei der Taktik. Individualtaktik, Gruppentaktik, Mannschaftstaktik.

    Aber da trainierst oder spielst du ja auch mit Ball.


    P.S. Ich kann dir ein Herrenverbandsligateam zeigen, wo ein Trainer nur mit Ball trainieren lässt, bzw. zumindest die Grundlagenausdauer. Kraft und Schnelligkeit natürlich auch ohne Ball, aber das nicht ja nur einen kleinen Teil der Trainingszeit ein und da ist (gerade in der Vorbereitung) die Trainingszeit pro Woche auch eine ganz andere, als bei einem mäßigen B-Jugendteam.

    Der Trainer ist vor Jahren aus der Landesliga aufgestiegen und hat seitdem die Klasse stets gehalten. Und schon in der Landesligasaion war der Kader nicht der Topkader der Liga. Könnte ich dir per PN zeigen den Verein, aber wie der Trainer trainieren lässt, weißt du ja trotzdem nicht. Ich weiß es, weil es ein guter Freund von mir ist.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Thema Ausdauer: Also die Mannschaften auf BZL-Niveau mit denen ich zu tun hatte sind da schon im Großen und Ganzen ziemlich fleißig. Hat aber sicher auch was damit zu tun, wo man sich aufhält. Wenn ich zum Beispiel nach Bayern schaue, dann sind in der BOL Oberbayern (mit den Ballungsgebieten MUC und Ingolstadt) schon zum Großteil Leistungs-(orientierte) Mannschaften dabei, bei denen ich auch keine Bauchschmerzen hätte, die Jungs alleine laufen zu lassen. Z.b. in Niederbayern schaut das ganze schon etwas anders aus, da ist deutlich mehr Breite dabei.


    Im Endeffekt hängt es glaub ich bei ihm auch etwas davon ab, ob er den Jungs entsprechend Druck machen kann. Ich zumindest finde, dass es irgendwann auch dazu gehört sich langfristig von Spielern zu trennen, die nicht bereit sind ein Minimum an Eigentraining zu absolvieren. Und alles was darüber hinaus sportartspezifisch erarbeitet werden muss kommt ja eh mit dem Training.


    Aber unabhängig davon ist meine Erfahrung schon die, dass Mannschaften die möglichst viel mit dem Ball arbeiten, unabhängig von der Spielklasse langfristig am erfolgreichsten sind.


    Thema Spieleröffnung:


    Dogmata sind immer schlecht, und so sehe ich das auch mit der flachen Spieleröffnung. Ich will ja Spieler ausbilden, die möglichst immer die beste Entscheidung wählen. Und da gehört es auch mal dazu, einen langen Ball zu spielen.


    Es geht ja nicht um ein extrem (was man auch hin und wieder sieht), dass Mannschaften jeden Ball nach vorne kloppen (und dann hinterher rennen). Aber eine gewisse Flexibilität gehört auch dazu. Sonst kommt ein schlauer Gegner und stellt dich einfach Mann gegen Mann zu. Da dann noch stabil und flach rauszukommen halte ich für unrealistisch.

  • Wir reden hier jetzt von U16/U15 bis Herren "Leistungsbereich" oder zumindest über Fußball nicht auf Kreisebene?


    Kraft, Koordination, kognitive Fähigkeiten, Schnelligkeit, Grundlagenausdauer, spezielle Ausdauer... Kannst du, über ein ganzes Jahr, nicht nur mit Ball machen und mit einem Abstiegskandidaten die Klasse halten oder aus einer Leistungsklasse ( Rede von den nächsten zwei Klassen unterhalb der Junioren Bundesliga) aufsteigen.


    Constantin


    Stimme dir in fast allen Punkten zu.

    Im Falle von Taktiker 95 ist vieles von dem, das du geschrieben hast, nicht machbar und so wie ich den Text von ihm verstanden habe, will er immer nur mit Ball trainieren und immer flach aufbauen.

  • Ich probiers mal:


    Wir (ich war Co-Trainer) sind dieses Jahr mit einer U19 in die Verbandsliga (2.höchste Spielklasse, mehrere NLZs mit dabei) aufgestiegen.


    Wie haben wir trainiert?


    Kraft: Brauchst Du eigentlich nicht machen, die Jungs gehen alle regelmäßig ins Gym. Im Winter ab und zu mal, wenn wir Hallenzeiten hatten. Aber das war eher als Impulsgeber fürs Eigentraining zu sehen. Bei Jüngeren würde ich versuchen 1×Woche daran zu arbeiten. Aber dann von der Gestaltung her so, dass es vielleicht mal 15 Minuten frisst.


    Koordination:

    Das mit der Leiter? Habe ich eine dedizierte Meinung zu...kann man diskutieren, halte es aber für wenig gewinnbringend.


    Kognition:

    Ist für mich genau das, was ich am Besten mit Ball schule. Wahrnehmung, Handlungsschnelligkeit, Entscheidungsfindung geht mMn am besten fußballspzifisch in Spielformen.


    Schnelligkeit:

    Ja, das sollte man (auch ohne Ball) machen. Insbesondere, weil viele Spieler oft nicht wissen, wie man das richtig trainiert. Kostet in der Woche aber halt mal 20 Minuten, deswegen finde ich das jetzt nicht dramatisch.


    Grundlagenausdauer:

    Joggen gehen kann jeder alleine (und machen die meisten Spieler die ich kenne auch). Im Gegenteil ist der Fokus oft sogar zu stark auf dem GA1 Bereich.


    Spezielle Ausdauer:

    Wie schule ich denn fußballspezifische Ausdauer besser als durch Fußball spielen? Zumindest wenn die Intensität passt, aber das liegt dann an mir als Trainer.


    Es gibt schon Sachen, die man mal ohne Ball macht. Ich denke trotzdem, dass man das auf ein absolutes Minimum reduzieren sollte.

  • Aaaalso... Ich probiere es auch mal😉


    Erste Frage: Verbandsliga ( 2.höchste Spielklasse von der Junioren Bundesliga aus gesehen? Oder in eurem Bundesland?

    Bei uns ist die Verbandsliga die dritthöchste Spielklasse insgesamt, die zweite des Bundeslandes und da spielt kein einziges NLZ mehr mit, da die alle eine U19 haben und alle in der Hessenliga spielen. Zwei spielen Bundesliga.


    Es ist auch ziemlich klar, daß man eine Saison nicht dafür hernehmen kann, dass man im Training alles richtig gemacht hat oder dieser Weg der absolute ist.

    In einem Jahr ist sehr viel vom Scouting abhängig... Wer bekommt das beste Team zusammen?

    Dann kommen andere Faktoren hinzu.

    Wer hat Glück bei den Verletzungen? Wer hat auch mal das Spielglück? Schiedsrichterentscheidungen können ein Faktor sein.


    Es ist einfach so, dass man als Trainer sehen muss, ob die eigene Philosophie, der eigene Weg bei den Junioren, den Senioren oder generell in verschiedenen Situationen bzw. Vereinen möglich ist.

    Ich will euch den Erfolg nicht schlecht reden, aber wüsste gerne welche Verbandsliga das genau war?


    Eure Jungs gehen alle laufen oder ins Gym? Trainieren dabei auch fussballspezifisch? Alle Achtung... Für ein Team, dass kein NLZ-Team ist oder die Jungs kein Geld bekommen ist das richtig gut. Allerdings die absolute Ausnahme.


    Koordination: Ist bei mir einmal die Woche Pflicht. Ob mit der Leiter oder anderen Utensilien.


    Schnelligkeit: Sind wir einer Meinung.


    Grundlagenausdauer: Habe ich in über 20 Jahren Trainerdasein und vorher als Spieler komplett anders kennen gelernt. Die wenigsten Spieler gehen in der Saison selbst nur einmal die Woche 30-45 jogge..


    Spezielle Ausdauer : Trainiere ich mit als auch ohne Ball. Dazu muss man sagen, dass die meisten Vereine nur eine Platzhälfte zur Verfügung haben und man dann aber auf Plätzen spielt, die über 100 Meter lang sind.


    Aber es sind gerade Äpfel mit Birnen, die wir hier vergleichen. Taktiker 95 will jedes Training mit Ball machen und so wie es sich anhört, das komplette Training.

    Bei mir ist in jedem Training der Ball dabei, aber es gibt auch mal Einheiten in denen er das 30 Minuten nicht ist.

  • Sir Alex


    Du, ich sage doch nicht, dass man alles ohne Ball trainieren soll :-). Wie du selbst schreibst, lässt er spezielle Ausdauer und Kraft auch ohne Ball trainieren.


    Nur mit Ball geht es nicht. Das will ich damit einfach nur sagen... Wie gesagt, ich mache auch sehr viel mit Ball, aber es gibt Dinge, die auch ohne Ball ablaufen.

  • Sir Alex


    Du, ich sage doch nicht, dass man alles ohne Ball trainieren soll :-). Wie du selbst schreibst, lässt er spezielle Ausdauer und Kraft auch ohne Ball trainieren.


    Nur mit Ball geht es nicht. Das will ich damit einfach nur sagen... Wie gesagt, ich mache auch sehr viel mit Ball, aber es gibt Dinge, die auch ohne Ball ablaufen.

    Fussballspezifische Ausdauer (das meinst du mit spezieller Ausdauer vermute ich) lässt man am besten mit Ball trainieren.

    Grundlagenausdauer kann man auch bestens mit Ball trainieren, falls man Grundlagenausdauer überhaupt zu einem Schwerpunkt in der Jugend machen muss.


    Wenn ich das richtig deute, ist der Fragesteller - also der Ausgang der Diskussion - ein Trainer, der kein Hochklassiges Team trainiert.

    Da muss man bei begrenzter Trainingszeit dann schon überlegen, welche Inhalte man ins Training nimmt.

    Reine Grundlagenausdauer macht ja zB nur bedingt Sinn, wenn man auch in der Vorbereitung nur zweimal die Woche trainiert. Ganz besonders, wenn man diese eben ohne Ball trainiert und damit keinen anderen Schwerpunkt parallel mitschult muss man das hinterfragen.

    Und ob alle drei Wochen mal 30 Liegestütze oder 25 Situps wirklich einen Trainingseffekt haben, man Kraft wirklich trainieren sollte (oder sogar muss, um die Klasse zu halten, wie du schreibst) ist auch diskutabel.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill