Gesellschaftliche Herausforderungen rund um unsere Kinder

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  • Ich frag nur, weil es mich wirklich interessiert...


    Persönlich beobachte ich, dass es für die Vereine immer schwieriger wird, überhaupt genügend Kinder zum Kicken aufzutreiben, unabhängig vom Ehrgeiz... Im Privaten (Hobbymannschaft-SENIOREN) spüre ich es auch, wir haben SALZBURGWEIT eine Hobbyliga, in der wir mit Mühe und Not 6 Mannschaften zusammenbekommen haben... Sehr, sehr traurig das ganze...

  • Na ja ich bin der Meinung das der DFB schon, oder sagen wir mal so, die Dachverbände da einen großen Anteil haben das immer mehr Vereine ums Überleben kämpfen. Zum einen werden den Kindern irgendwelche versprechen gemacht das sie angehende Fußballprofis werden und dann von großen Vereinen abgeworben. Zum einen haben dann solche Vereine fast 3 - 4 E Jugenden und diese Spieler fehlen dann an den ortsansässigen Vereinen. Die Kinder versprechen sich eine Fußballkarriere die aber - meine Meinung - nicht eintreten wird. Der Kumpel geht dann weg bzw. 3 - 4 gute Spieler und schon geht’s dahin. Ein Beispiel habe ich z.B. von einem Nachbarverein. Dieser hatte wirklich 4 wahnsinnig gute Spieler und diese sind jetzt von einem Großverein abgeworben worden. Spielen jetzt in der 3.ten Mannschaft *lol*. Der Verein muss jetzt aufhören mit dieser Jugend weil sie nicht genügend Spieler haben.


    Dieses Unding ist seit längeren schon bekannt, dass die Großvereine das machen ohne Rücksicht auf Verluste. Nun ja wir werden in 10 Jahren ein Bild sehen das jämmerlich ist. Dass die Eltern dann irgendwann enttäuscht sind, das ihr Sprössling doch kein Fußballprofi wird und er eigentlich ein ganz normales Kind ist. Dazu sind es meist Stützpunktpartnervereine die das massiv machen aus meiner Erfahrung.


    Dazu kommt es noch das die Großvereine meist 30 - 40 km weiter weg sind und das richtig ins Geld geht und dann plötzlich zu erkenn das der Junge doch nicht das nächste Wunderkind ist. Sowas sollte man einfach den NLZ überlassen und deren Sichter. Die haben dazu mehr Plan und wissen auch was Sache ist.


    Corona wird diese Sachen nun verschärfen. Was mir etwas aufstößt ist, das jetzt gezielt wieder nach "Talenten" gesucht wird seitens der Dachverbände und den Kindern wieder irgendwelche Föhe ins Ohr setzten, dass sie die nächsten Ronaldos sind. Dazu hab ich einfach zu viel erlebt, wie Kinder enttäuscht wurden und dann das Fußballspielen komplett aufgegeben haben. Da waren Talente dabei!!! Wahnsinn - doch einfach noch nicht reif, zu klein, zu ungestüm usw. Zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz.

  • Ich frag nur, weil es mich wirklich interessiert...


    Persönlich beobachte ich, dass es für die Vereine immer schwieriger wird, überhaupt genügend Kinder zum Kicken aufzutreiben, unabhängig vom Ehrgeiz... Im Privaten (Hobbymannschaft-SENIOREN) spüre ich es auch, wir haben SALZBURGWEIT eine Hobbyliga, in der wir mit Mühe und Not 6 Mannschaften zusammenbekommen haben... Sehr, sehr traurig das ganze...

    In unserer Region gibt's massig Kinder, die gerne kicken wollen würden, aber es nicht annähernd genug Trainer, die das für lau machen wollen.


    Dadurch können die Kids entweder gar nicht im Verein kicken oder die Qualität des Trainings ist so schlecht, dass sie die Lust verlieren (zuviele Kids pro Trainer bzw nicht zu Kindern passender Trainer)

  • Dazu kommt es noch das die Großvereine meist 30 - 40 km weiter weg sind und das richtig ins Geld geht und dann plötzlich zu erkenn das der Junge doch nicht das nächste Wunderkind ist. Sowas sollte man einfach den NLZ überlassen und deren Sichter. Die haben dazu mehr Plan und wissen auch was Sache ist.

    Na das ist jetzt aber auch etwas zu schwarz/weiß.


    Ab einem gewissen Alter haben ambitioniertere Kinder einfach keinen Spaß mehr in der Bauernliga gemeinsam mit dem dicken Paul zu spielen. Und wenn ein Talent im Dorfverein raussticht, wie ein Clown auf ner Beerdigung, dann ist es Zeit zu gehen. Dann erhöht sich ggf. der Aufwand, ja. Aber dass dann nur der Weg ins NLZ der richtige wäre ist auch quatsch. Denn dort ist längst nicht jeder richtig aufgehoben.


    Du hast recht, viele Großvereine ziehen die Talente ab und entwickeln sie dann auch nicht wirklich. (wobei hier in einem Großverein in dessen dritten Mannschaften die Topspieler des Jungjahrgangs stecken, nur mal so als Anmerkung, ne Dritte muss also nicht schlecht sein) Weil auch diese Vereine im dümmsten Fall auf mehr oder weniger gute Trainer zurückgreifen müssen. Es gibt halt einfach viel zu wenige!


    Aber es gibt auch einige die Vereine, die eine gute Jugendarbeit machen und sich zwischen NLZ und Bauernliga ansiedeln.

    Nur - das darf man ja scheinbar nicht mehr sein. So mittel. Kein kommender Ronaldo aber auch kein Rumbolzer... Warum eigentlich nicht? Ist es nicht der größte Spaß von allen, wenn man weder über- noch unterfordert ist und mit in etwa gleich guten gegen in etwa gleichgute spielen kann?

  • Also, wenn dadurch Vereine vor die Hunde gehen ? Ne das sehe ich wirklich völlig anders. Sorry die NLZ machen wirklich zum Teil hervorragende Arbeit aber was will ein Großverein mit einer 3ten Mannschaft ? Da sitzen die Kinder auch noch auf der Auswechselbank ? Gott was ich da erlebt habe an verbitterten Eltern und deren Entäuschung. Ich glaub dir gehts darum das der Trainer eine große Auswahl hat an Spielern um nur eines hat - sein Ziel - der größte zu sein. Das ist was ich oft erlebt habe und das sind ausgebildete Trainer. Tja schade um die Kinder denn die hören nämlich dann irgendwann auf. Zurück gehen tun die nimmer weil ihr Stolz das verbietet oder der der Stolz der Eltern. Schade eigentlich. Wir werden in den nächsten Jahren diese Entwicklung mit sorge sehen. Letztes Jahr hat ein Verein die komplette Jugendarbei hingeworfen :-( So Schade.

  • Ich frag nur, weil es mich wirklich interessiert...


    Persönlich beobachte ich, dass es für die Vereine immer schwieriger wird, überhaupt genügend Kinder zum Kicken aufzutreiben, unabhängig vom Ehrgeiz... Im Privaten (Hobbymannschaft-SENIOREN) spüre ich es auch, wir haben SALZBURGWEIT eine Hobbyliga, in der wir mit Mühe und Not 6 Mannschaften zusammenbekommen haben... Sehr, sehr traurig das ganze...

    Das ist nicht nur bei Euch so. Ab der B-Jugend wird es bei uns kritisch und zieht sich hoch bis in die AH.

    Der Trend geht immer weiter nach unten und aktuell sehe ich nichts was diese Abwärtsbewegung der Spielerzahlen aufhalten könnte.


    beobachter_1000, ich bin da vollkommen bei Dir, dass man die Talentsichtung den NLZ´s überlassen sollte.

    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, wird der Spieler nicht direkt von einem NLZ angesprochen, dann ist er auch kein Talent.

    Als Talent bezeichne ich jemand der es theoretisch schaffen könnte in der Bundesliga zu spielen.

    Bei uns sind die Sichter in jedem kleinen Turnier anwesend, irgendwann kennt man die Personen einfach. Das hier ein "Talent" übersehen wird, halte ich für unwahrscheinlich.

    Kenne ich persönlich nur aus der Großstadt München. Sobald man den Speckgürtel um München verlässt, wird es wie feu92 beschrieben hat.


    Ich lese immer, dass die Trainingsqualität sehr schlecht ist. Das kann zum großen Teil auch stimmen.

    Jetzt kommt das große Aber. Es gibt Mannschaften die sind einfach untrainierbar.

    Das fängt im Kleinfeldbereich an, wenn man Spieler hat die von Fußball eigentlich gar nichts wissen wollen. Das bekommt natürlich erst mit, wenn man mal die E3 trainiert hat und nicht nur immer die selektierte E1.

    Im Großfeldbereich wird es dann ganz lustig.

    Rechtzeitig absagen, also einen Tag vorher. Vollkommen unmöglich und nicht zu schaffen. Die Fahrschule findet zwar jeden Montag statt, aber Absagen geht max. 1 Stunde vor Trainingsbeginn.

    Dann kommt die Nachricht um 4 Uhr morgens, ich kann nicht zum Spiel kommen. Ich denke den Grund kann sich jeder denken.


    Das musst Du als Trainer auch erstmal alles wegstecken und Dir selber einreden das macht mir alles nichts aus. Ansonsten kann man kein Trainer in der B- oder A-Jugend im Breitensportbereich sein.

  • Also, wenn dadurch Vereine vor die Hunde gehen ? Ne das sehe ich wirklich völlig anders. Sorry die NLZ machen wirklich zum Teil hervorragende Arbeit aber was will ein Großverein mit einer 3ten Mannschaft ? Da sitzen die Kinder auch noch auf der Auswechselbank ? Gott was ich da erlebt habe an verbitterten Eltern und deren Entäuschung. Ich glaub dir gehts darum das der Trainer eine große Auswahl hat an Spielern um nur eines hat - sein Ziel - der größte zu sein. Das ist was ich oft erlebt habe und das sind ausgebildete Trainer. Tja schade um die Kinder denn die hören nämlich dann irgendwann auf. Zurück gehen tun die nimmer weil ihr Stolz das verbietet oder der der Stolz der Eltern. Schade eigentlich. Wir werden in den nächsten Jahren diese Entwicklung mit sorge sehen. Letztes Jahr hat ein Verein die komplette Jugendarbei hingeworfen :-( So Schade.

    Da gibt es auch bei uns in der Region genügend Beispiele die Ähnliches erfahren haben.


    Diese "Großvereine" ziehen ab der D-Jugend die Spieler ab. Das Ergebnis für die Dorfvereine ist immer das Gleiche. Der sportliche Erfolg ist weg, die Unzufriedenheit steigt. Die ersten hören auf, weil es nur noch für die niedrigste Liga reicht und die Mannschaft ist erledigt.


    Dann wundert man sich, warum die JSG bzw. SG´s aus immer mehr Vereinen besteht.

  • Stellt sich die Frage, ob man diese Situation irgendwie stoppen kann.


    Vermutlich nicht, aber hat jemand eine Idee? "Ausleihe" fällt mir da nur ein, aber bei Kindern und Jugendlichen ist das doch eine Schnapsidee!


    Bei großen Vereinen kann man auch nicht an eine "moralische Instanz" appellieren, wie leider überall siegt der Egoismus, für sich selbst das Beste raus zu holen, Schaden anderer ist egal...

  • Super Artikel, vielen Dank dafür!!


    Das es im Erwachsenenbereich auch um kurzfristigen Erfolg geht, ist klar.

    Keine Buli-Mannschaft kann es sich leisten, einen "körperlich schwächeren" Spieler einzusetzen, ein paar Spiele zu verlieren und abzusteigen. Aber in der Jugend kann man ansetzen!!!


    Zitat aus dem verlinkten Artikel:

    Ob Auf- und Abstiege jahrgangsübergreifend sinnvoll sind (Beispiel: Der starke 06er-Jahrgang eines Vereins steigt eine Klasse auf, aber die schwächeren 07er müssen diese Klasse in der nächsten Spielzeit spielen und steigen punktlos wieder ab), sollte ebenso zur Debatte stehen, wie eine NLZ-Liga (wie in England), in der es keine Auf- und Abstiege gibt.


    100% dafür!!!

    Ohne den Druck, unbedingt Punkte machen zu müssen, könnte man sich auf seine Hauptaufgabe als Trainer konzentrieren:

    die jungen Spieler zu fördern und zu entwickeln!



    Positiver Nebeneffekt:

    man nimmt ALLE Kinder mit, niemand fühlt sich ausgeschlossen und hört auf, weil er sich zu schwach fühlt...

  • Auf- und Abstiege im Jugendfußball abzuschaffen wäre für mich grundsätzlich die beste Lösung unabhängig von der Altersklasse.
    Die entscheidende Herausforderung ist dabei dann aber die Frage: "Wie bekommen wir es organisiert, Spiele / Turniere gegen Teams in unserer "Gewichtsklasse" spielen zu können?"
    Ich glaube/hoffe nicht, dass die Ligensysteme im Jugendbereich die Intention verfolgen zu ermitteln, wer am Ende des Jahres die goldene Ananas überreicht bekommt, oder wer der tollste Hecht im Karpfenteich ist. Es geht doch hier in der Regel auch darum Mannschaften Leistungsgerecht zusammenzufassen und einen organisierten Spielbetrieb zu bieten.
    Dass das eher schlecht als Recht funktioniert zeigt ein Blick auf Tabellen und Spieltagsergebnisse in sämtlichen Nachwuchsligen.
    Ich hätte (egal ob in der E- oder A-Jugend) kein Problem damit das ganze Jahr über immer nur Freundschaftsspiele auszutragen. Freundschaftsspiele organisiere ich in der Regel so, dass ich die Ergebnisse der Nachbarligen filze und daraus ableite, welches Team ein ähnliches Level haben könnte wie meines. Ich könnte mir eine "Spielebörse" auf der Verbandsseite vorstellen, in der sich alle Teams mit einer realistischen (!) subjektiven Einschätzung ihrer Stärke nach Punkten oder Farbskala registrieren, über die dann Spiele ausgemacht werden können.

    Jedes Spielergebnis hat dann Woche für Woche Einfluss auf die Einstufung, die sich das Team selbst gegeben hat und passt diese an(so eine Art digitaler Champions-League-Modus).


    Das Thema alle Kinder mitnehmen ist natürlich wichtig.

    Ich habe dabei aber die Überzeugung, dass dieses Mitnehmen nur auf dem Leistungs-Level funktioniert wo das Kind auch hinpasst und bin deshalb ab einem gewissen Alter schon Freund von Selektion. Fehlender Ergebnisdruck kann sicher dazu führen, dass man im NLZ mit retardierten Kindern etwas länger Geduld hat. Es ist aber nun mal auch so, dass die Jungs, wenn sie körperlich total vom Rest abfallen, trotz aller spielerischen und technischen Stärken oft trotzdem den Spaß verlieren und den täglichen "Kampf" mit den Riesen in ihrer Truppe als Belastung empfinden.

    Da wären vielleicht größere Altersspannen für die einzelnen Jahrgänge je nach körperlicher Entwicklung die bessere Lösung, was sich wiederum ohne Auf-/ Abstieg wieder leichter managen ließe.
    Trotzdem ist Fußball egal auf welchem Niveau in erster Linie eine Sportveranstaltung bei der zwei Teams gegeneinander antreten. Kinder und Trainer sollten deshalb schon auf dem Schirm haben, dass man möglichst gute Leistungen erzielt und nach Möglichkeit ein Spiel auch gewinnen will (natürlich nicht um jeden Preis und immer unter Beachtung von Fairness und mit einer entwicklungsfördernden Spielweise des Teams). Das Thema Wettkampf (ob mit sich selbst oder mit dem Gegner) unterscheidet Fußball nun mal unter anderem z.B. vom gemeinsamen Musizieren.

  • Goodie : in #14 habe ich hier schon angesprochen, dass die Mitte wegbricht oder fehlt. Und wenn die Vereine der Mitte (zwischen NLZ und Bauernliga) gute Jugendarbeit machen, dann ist das auch lobens- und unterstützenswert, weil etwas langfristiges. Leider beobachte ich, dass die Jugendlichen von Verein zu Verein hüpfen und dort oftmals nur kurzfristig gedacht wird - und das bringt aus meiner Sicht weder den Vereinen noch den Jugendlichen etwas.


    Ich bin auch mal gespannt wie sich der Mitgliederschwund (BLSV prognostiziert einen Mitgliederverlust von 100.000) und die Meldeliga in Bayern auf die Vereinswechsel auswirken wird.

  • Hallo zusammen ;) Ich habe bei statista herausgefunden, dass

    Code
    <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171143/umfrage/spielhaeufigkeit-von-fussball-in-der-freizeit/">die Zahl</a>

    der Fußballinteressierten in Deutschland kontinuierlich zurückgegangen ist. Die zurückgehenden Zahlen sind insgesamt nicht dramatisch, aber man kann sich darüber Gedanken machen. Ich bin mit feu92 einverstanden, dass ein guter Trainer (der keine Spieler ausschließt, sondern alle gleich behandelt) dabei eine Schlüsselrolle spielt:thumbup::!:

  • Die DFB-Statistik spricht von 24.301 Vereinen und 127.721 Mannschaften.


    Pro Lizenz (Profimannschaften und Nationalmannschaften) - 1./2. und 3. Liga + Nationalmannschaften (Herren/Frauen; U21; U19-15) => ca. 82 Mannschaften (18+18+20+14+12)

    A+-Lizenz (NLZ + Verband) - 56 Leistungszentren (Quelle) mit U23, U19, U17, U16, U15, U14 und 21 Verbände => ca. 6*56+21*6= 462 Mannschaften

    A-Lizenz (Regionalliga + Assistenztrainer + Frauen 2. Liga) - 5x Regionalliga => ca. 196 Mannschaften (100+82+14)

    B+-Lizenz (Talentförderung im Grundlagen und Aufbaubereich): U9-U14 + Stützpunkt => ca. 1665 Mannschaften (336+1329)

    => ca. 2405 Mannschaften => wenn ich die Anzahl verdoppele sind es ca. 5% der Mannschaften


    B-Lizenz (leistungsorientierter Fußball einschließlich 5. Liga + alles unter 2. Frauen-Bundesliga + alles unter Junioren Bundesliga)

    C-Lizenz (alle Mannschaften auf Kreisebene)

    => Männer: 39.645 + Frauen: 4.227 => ca. 43.872 Mannschaften => ca. 35%


    Teamleiter, DFB-Junior-Coach, Basiswissen und DFB-Kindertrainer => ca. 60%


    Kann man das sagen, dass ca. 5% der Mannschaften von den obersten 4 Lizenzstufen profitieren und ca. 60% von den unteren 4 Lizenzstufen?

    Wie ist die Verteilung leistungsorientiert (beginnt auf Bezirksebene - selbst das wird heute von einigen in Frage gestellt) zu Breitensportverein (Kreisebene)? 30:70 oder 20:80?


    Wenn ich mir das so ansehe, bezweifel ich, dass meine Trainerausbildungen und die Schwerpunkte darin mich auf das Trainerdasein gut vorbereitet haben bzw. ob der Schwerpunkt Fußball heute noch dem Anforderungsprofil bei den meisten Trainerstationen gerecht wird. Müssten da nicht mehr gesellschaftliche Themen mit einfließen? (Pädagogik, Didaktik, Integration, gesundheitsbewusstes Leben, Werte, Sozialkompetenz usw.)

  • Die Medaille hat wie immer zwei Seiten.

    Einerseits wird in der Struktur der Trainerausbildung zu sehr auf die höchsten Lizenzstufen fokussiert und hingearbeitet, was natürlich bei den "Trainern in Ausbildung" Begehrlichkeiten weckt. So wird - typisch deutsch - immer nach dem maximalen gestrebt.

    Auf der anderen Seite konnten wir ja auch hier im Forum bei der Diskussion über die neue Lizenz-Struktur lesen, dass viele sich benachteiligt fühlen, weil es für sie Quasi unmöglich ist in Zukunft A+ oder A abzulegen.

    Ähnlich läuft es ja auch im Arbeitsleben: jeder macht Diplom, Master oder Bachelor, um dann auf einem Beruf zu arbeiten, für den auch eine solide Ausbildung mit anschließendem Meister, Techniker oder Fachwirt völlig ausreichend wäre. Das Problem ist, dass die Unternehmen das Spiel noch mitmachen und die mit dem akademischen Abschluss besser bezahlen.

    Ähnlich läuft es in abgespeckter Form vermutlich auch im Fußball. Je höher die Lizenz desto leichter bekommt man auch auf unteren Ebenen einen Trainerjob bzw. vielleicht auch den ein oder andere Euro mehr.

    Natürlich gibt es die ambitionierten Trainerlehrlinge, die sich einen Nagelsmann, Wolf oder Tedesco zum Vorbild nehmen und deshalb in den Lizenzen so hoch wie möglich klettern wollen. Man darf dabei aber dabei nicht vergessen, dass von den ganzen Emporkömmlingen im Trainergeschäft außer Tedesco alle zumindest im oberen Amateurbereich oder NLZ gespielt haben. d.h. aus der Kreisliga in die Bundesliga oder zumindest in deren Dunstkreis nur durch gute Ausbildung schafft es immer noch kaum jemand.

    Darum wäre es vermutlich besser man setzt sich realistische Ziele wo man als Trainer maximal landen kann und will, und strebt dementsprechend die passende Lizenz für dieses Level an. Die Lizenz stellt dabei die Basisausbildung dar. Alles weitere was nötig ist ein guter Trainer zu sein lernt man in der Praxis bzw. durch Praxisbegleitende Weiterbildungen. In diese sollten genau die Punkte, die let1612 oben nennt einfließen.

    Stellt man dann fest, dass man Lust auf mehr hat dann sollte man Praxiserfahrung auf der entsprechenden Stufe sammeln und parallel dazu die entsprechende Lizenz angehen. Es macht wenig Sinn als Bezirksligatrainer eine A-Lizenz zu machen um irgendwann mal Jugendbundesliga zu trainieren... Und nur weil man die höhere Lizenz hat wird man auch kein besserer Bezirksligatrainer, da man m.E. die Spieler gar nicht hat um sein Wissen zielgerichtet anzubringen.

    Die von let1612 (Pädagogik, Didaktik, Integration, gesundheitsbewusstes Leben, Werte, Sozialkompetenz usw.) genannten Themenkomplexe passen in jede Traineraus- oder Weiterbildung und würden hier sowohl sportlich als auch gesellschaftlich einen riesigen Mehrwert darstellen und die Spieler vermutlich weiterbringen als der 1.000 Taktikkniff oder die x-te Grundaufstellung, die in den Lizenzlehrgängen aktuell vermittelt werden.

  • Ich würde mir wünschen, dass die Trainerausbildung einen Praxisteil beinhaltet, bei dem die Trainer bei ihrem Coaching beobachtet werden, damit man die ganzen wild gewordenen Rumpelstilzchen aus dem Verkehr ziehen kann.


    Und ich würde mir eine Initiative wünschen, bei der es endlich mal gegen die Auswüchse in Form von Gewalt und Respektlosigkeit geht.

    Kategorisch gelb fürs abwinken, Theater spielen nach Fouls u.ä.!

    Fußball sind Emotionen? Ja, gerne, aber mit Respekt dem Schiri und dem Gegner gegenüber.


    Wenn ich das achte mal gegen FC Nachbarverein gespielt habe, kann ich die immer noch bescheuert finden oder anschließend gemeinsam ne Pizza essen. (das wurde als ich Kind war, beim Eishockey so gemacht. Nach dem Duschen gab's für alle noch was zu essen im Vereinsheim. Ob das immer noch so ist, weiß ich nicht)

    Man könnte sich ja einfach mal als Spielpartner denn als Gegner begegnen!

  • Ich würde mir wünschen, dass die Trainerausbildung einen Praxisteil beinhaltet, bei dem die Trainer bei ihrem Coaching beobachtet werden, damit man die ganzen wild gewordenen Rumpelstilzchen aus dem Verkehr ziehen kann.

    Auch wenn ich meine C-Ausbildung als nicht gut empfunden habe wurde das bei uns tatsächlich gemacht.

    Der Ausbilder hatte sich mehrere Kollegen beim Coachen beobachtet, ohne ihnen vorher zu sagen das er beim Spiel zugegen ist.

    Der eine Kollege wurde dann auch vor dem versammelten Lehrgang maßgenommen.

  • Müssten da nicht mehr gesellschaftliche Themen mit einfließen? (Pädagogik, Didaktik, Integration, gesundheitsbewusstes Leben, Werte, Sozialkompetenz usw.

    In der Diskussion über steigende Kosten und erschwerte Bedingungen zur Zulassung, werden mir auch einige m.e. wichtigere Punkte vergessen. Z.b. wird die Lernmethodik, komischerweise, komplett beiseite gelassen.

    Wenn ich mir dann Themen für die Lehrprobe B Lizenz anschaue, nach dem Motto: technischer Schwerpunkt Innenseitstoß aus Sicht des Angreifers (wo dann jeder die Übungen sofort parat hat, die dazu gehört werden wollen), könnte es auch heißen: Innenseitstoß des Angreifers aus Sicht des Trainers.

    Zu den Zulassungen und Bedingungen: Wichtiger wäre mir da den z.b. B Lizenzwilligen erklären zu lassen, was seine Trainings- und Spielphilosophie denn ist. Das das erst im Laufe der Ausbildung kommt, ist mir zuwenig. Das könnte ja ein erschwertes ZulassungsKriterium sein um da wirklich die Qualität zu steigern. Das ist ein besseres Kriterium als bei einigen Lizenzstufen die Laufbahn zu bewerten. Denn das hört sich nach Jens Lehmann an, der ja die Kompetenz von Nagelsmann im Vergleich zu Lothar Matthäus infrage stellt, da Matthäus ja hoch gespielt habe. Gleichzeitig erzählt er in dem Interview, das er nun nach seiner Trainerausbildung für einen Chefposten bereit sei, in der Bundesliga. Gut, den nimmt kaum einer ernst, aber es zeigt die Denke.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

    Einmal editiert, zuletzt von Trainer E ()